Wir sind in der Bela Krajina – in der weißen Krain – unterwegs. Semič ist eine der drei größeren Gemeinden der Region.

Das kleine Städtchen zeichnet sich vor allem durch seine große Kirche, den schönen Hauptplatz und ein tolles Museum aus. 

Blick auf Kirche und die alte Stadtmauer
Blick auf die Kirche und die alte Stadtmauer

Als Namensgeber gilt die Familie Semeniči, die hier in der Vergangenheit herrschte. Die erste urkundliche Erwähnung stammt vom Anfang des 13. Jahrhunderts, als Henrik Adeški (Heinrich von Andechs-Meranien) im Besitz der Gemeinde war.

Die Gottscheer

Die Gegend und die Geschichte von Semič ist eng mit den Gottscheer verbunden, Deutsche Bauern aus Kärnten und Osttirol, die in der Zeit von 1330 bis zum Ende des 14. Jahrhunderts durch das Haus Ortenburg hier angesiedelt wurden. Die Gottscheer machen Sumpfgebiet bewohnbar, betreiben Ackerbau. 1377 wird die Ortschaft Gotschee zum Markt erhoben, 1406 räumt ihnen Friedrich III. von Ortenburg das Recht der Herrschaftswaldnutzungen ein. 1469 wird der Markt Gottschee durch die Türken zerstört, aber wieder aufgebaut und befestigt. 1471 erhebt Kaiser Friedrich III. den Markt zur Stadt, 21 Jahre später wird den Gottscheern das Hausierpatent eingeräumt, das bis 1918 Gültigkeit hat. 

Im Inneren der Kapelle der Heiligen Theresa in Semič
Im Inneren der Kapell der Heiligen Theresia in Semič

Das GottscheerLand (Kočevska) wird und bleibt eine deutsche Sprachinsel mit einem ursprünglichen Siedlungsgebiet von ungefähr 860km2 mit 177 Ortschaften. Die Menschen leben von der Landwirtschaft, als umherziehende Krämer, die selbst hergestellt Leintücher, Holzgeräte und andere Erzeugnisse verkaufen und bewahren ihren sübairischen Dialekt – das Gottscheerische 600 Jahre lang. Zwischen 1869 und 1878 erreicht die Gottscheerer Bevölkerung den Höhepunkt mit etwas 26.000 Angehörigen. Viele wandern später in die USA aus, um der Armut und dem Druck durch die veränderten politischen Verhältnisse zu entgehen.

Die Sonnenuhr der Kirche von Semič
Die Sonnenuhr der Kirche von Semič

Im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen wird Druck auf die Deutschen erhöht, sie werden zur ethnischen Minderheit. Deutsche Schulen werden geschlossen, deutsche Ortsnamen werden durch slowenische ersetzt. Österreichische Beamte, Lehrer und Professoren werden per Vorordnung 1918 entlassen.

Zunehmende nationalsozialistische Agitation wird mit der Auflösung von deutschen Vereinen und Turnverbänden beantwortet. 

Die Kapelle der Heiligen Theresa vor der Kirche
Die Kapelle der Heiligen Theresia neben der Kirche

Umsiedlungen der Südtiroler und Kanaltaler aus Italien ins Deutsche Reich und die Aussiedlung Volksdeutscher aus Osteuropa löst bei den Gotscheer Angst vor kommenden Umsiedlungen aus. Sie organisieren sich in der Gottscheer Mannschaft. Nach dem Angriff der Achsenmächte auf Jugoslawien 1941 übernehmen die Stürme der Gottscheer Mannschaft die Kontrolle in der Gottschee und warten auf die Wehrmacht. Doch die italienische Armee besetzt das Land und gliedert es in die italienische Provinz Laibach ein. Hitler und Mussolini vereinbaren die Umsiedlung der Gottscheer ins Großdeutsche Reich. Die Grundstücke der Aussiedler gehen and die staatliche Siedlungsgesellschaft Emona.

Im Inneren der Kapelle
Im Inneren der Kapelle

Die Nationalsozialisten verlangten von den Gottscheer eine schriftliche Zustimmung zur Umsiedlung, allerdings halfen sie mit Überredung, Versprechungen und Drohungen nach. Besonders ältere Menschen widersetzten sich zunächst. Ihnen wurde angedroht nach Sizilien oder Abessinien umgesiedelt zu werden und nicht ins Deutsche Reich, wie ihnen zuerst versprochen wurde. Allerdings wurden sie nicht in Deutschland angesiedelt, sondern in den von den Nazis besetzten Gebieten Sloweniens. Als dies bekannt wurde, versuchte man passiven Widerstand zu leisten. Allerdings wurde ihnen mitgeteilt, dass ihnen Haus und Hof ja nicht mehr gehöre. 

Ansiedlungen von Slowenen oder Italienern scheiterten und so wurde die Umgebung das Rückzugsgebiet jugoslawischer Partisanen, die viele der zurückgebliebenen Gottscheer auch unterstützten. 1942  wurden an die hundert Gottscheerdörfer bei einer Offensive der Italiener gegen die Partisanen zerstört, um die Unterschlupfmöglichkeiten für diese zu vernichten.

1945 mussten fast alle Gottscheer von den neu zugewiesenen slowenischen Besitzungen fliehen oder wurden vertrieben. Einige versuchten in ihre alte Heimat wieder zurückzukehren, wurden aber daran gehindert. Da die Wehrmacht in der Stadt Gottschee einen Stützpunkt hatte, sah man die Gottscheer eher als Feinde an. Es blieb eine entvölkerte Landschaft zurück mit zerstörten Dörfern und Gemeinden, viele Dörfer wurden nicht wieder aufgebaut.

In ganz Slowenien blieben nur etwas tauschen Gottscheer zurück, davon nur wenige hundert im Gottscheer Land. Obwohl viele Familien mit den Partisanen zusammengearbeitet hatten, wurden sie als Deutsche verdächtigt und bis mindestens 1986 von der jugoslawischen Geheimpolizei überwacht.

Heute gibt es nur mehr sehr wenige Vertreter der Minderheit, die meisten fühlen sich auch nicht mehr als Deutsche und auch ihre Sprache ist vom Untergang bedroht.

Sehenswürdigkeiten in Semič

Der Marktplatz von Semič

In den letzten Jahren mauserte sich der Marktplatz von Semič immer mehr zu einem wahren Schmuckkästchen. Dominiert wird der Platz von der mächtigen St. Stephans-Kirche, die eine der ältesten und größten Kirchen in Bela Krajina ist und die auch die Namensgeberin des sie umgebenden Štefanov trg (Stephansplatz) ist. Bereits 1228 wird die Kirche erstmals urkundlich erwähnt. Die Stephanskirche ist eine Festungskirche, die mit einer Langhausmauer umgeben ist. Hier suchten die Bewohner der Stadt mit ihrem Eigentum und Vieh Zuflucht, wenn wieder ein osmanischer Feldzug drohte.

Blick Richtung Marktplatz von Semič 
Blick Richtung Marktplatz von Semič 

Drei Verteidigungstürme waren in der Mauer platziert und auch heute kann man sich noch ein Bild von der Dicke und Höhe der Steinmauern machte. Orangenfarbige Pflastersteine vor der Kirche zeichnen den Verlauf der ehemaligen Mauern nach. Ein Teil des Wehrturms am Pfarrhaus ist in seiner ursprünglichen Form erhalten. Wahrscheinlich wurde die Verteidigungsanlage vor 1526 errichtet.

Die alte Stadtmauer von Semič 
Die alte Stadtmauer von Semič 

Im 19. Jahrhundert wurden die Lagermauern nicht mehr benötigt und man begann mit dem Abriss der oberen Mauer.  1930 wurde das alte Pfarrhaus abgerissen und ein neues errichtet. Trotz umfangreicher Schleifung der Mauern sind einige noch erhalten geblieben und verleihen der Pfarranlage heute ein unverwechselbares Aussehen. Der Komplex der St. Stephanskirche ist heute der größte erhaltene Lagerkomplex in Bela Krajina und einer der größten in Dolenjska. An die mächtigen Steinmauern lehnen sich an der Nordseite noch bescheidene Häuser an und bilden einen städtebaulich und architektonisch interessanten Aspekt.

Semič 
Semič 

2003 wurde das Lagerhaus mit Innenhof innerhalb der Mauern renoviert, in dem nun verschiedene Veranstaltungen und Ausstellungen stattfinden.

Die Kapelle der Heiligen Theresia

Bei unserem Besuch war die Kirche leider verschlossen, umso mehr haben wir die kleine Kapelle neben ihr bewundert. Die kleine Kapelle ist mit wunderschönen Mosaiken ausgestattet. Man steht davor und staunt. Sie wurde anstelle der alten Kapelle gebaut, die der Heiligen Anna gewidmet wurde. Als der Marktplatz und die Kirche renoviert wurden, riss man die alte Kapelle ab und erbaute die neue hier.

Die Kapelle der Heiligen Theresa
Die Kapelle der Heiligen Theresia

Das Mosaik zeigt die Auferstehung Christi und stammt vom bekannten slowenischen Mosaikkünstler und Priester Pater Marko Ivan Rupnik. Golden leuchten die Steine dem Betrachter entgegen und vergoldet sind sie auch. Wobei die Steine des Mosaiks aus der ganzen Welt zusammengetragen wurden.

Aber auch einige andere Bauten sind erwähnenswert:

Das Šuštaršič-Haus 

Das Šuštaršič-Haus liegt gegenüber der Kirche, ihr erkennt es an dem Relief mit Amphore und Ähren, die den Eingang verzieren. Gebaut um 1925 gehörte es einst einem reichen Kaufmann. Aber auch eine Bibliothek, eine Metzkerei, ein Laden, das Standesamt und ein nationaler Lesesaal waren darin schon untergebracht.

Das benachbarte Gewächshaus gehört früher dem letzten Besitzer des Schlosses Krupa. Josip Zurec. Erkennbar ist es durch seinen Holzvorbau unter dem sich heute ein Gasthaus befindet. Wahrscheinlich ist dies das älteste erhaltene Hau in Semič, wer genau schaut erkennt die Jahreszahl 1753 und bei einer Führung durch den Ort kann man viele interessante Geschichten über den früheren Besitzer und seine Familie erfahren.

Das Museum Semič

Auch das Museum wurde neu gestaltet und das Haus, 1838 als Schule gebaut, wurde im Zuge der Marktplatzgestaltung ebenfalls renoviert und mit einem modernen Anbau versehen. In früherer Zeit wurde das Gebäude auch als Postamt und als Krankenstation genutzt.

Alt und neu verbunden: Das Museum in Semič 
Alt und neu verbunden: Das Museum in Semič 

Das Museum solltet ihr auf jeden Fall besuchen. Vor dem Eingang läuft ein Video, das dem Besucher alle Schönheiten der Natur und Kultur der Bela Krajina näherbringen möchte. Im Inneren kann man sich gleich über die durch Natura 2000 geschützten Gebiete informieren und auch ein wenig über die in der Bela Krajina geschützten Tiere erfahren. Neben dem Wolf ist das vor allem der schwarze Grottenolm. Mit dem Proteus, den wir aus der Postojna Höhle kennen zwar weitschichtig verwandt und doch ziemlich eigenständig.

Der schwarze Proteus
Der schwarze Proteus

Er hat nämlich – zum Unterschied zu seinem Verwandten – nicht nur eine andere Körperfarbe, sondern auch Augen ausgebildet – allerdings ohne Augenlider. Der schwarze Proteus ist sehr selten, er kommt nur im Karst vor und es gibt nur mehr sehr wenige Exemplare von ihm. Landwirtschaftliche Düngung und Umweltverschmutzung machen ihm sehr zu schaffen. In der Nähe von Semič liegt seine Heimat. Im Museum kann man mehr über ihn erfahren und auch wo man ihn – mit Glück – zumindest über Kameras beobachten kann.

Das Museum in Semič 
Das Museum in Semič 

Drei Etagen mit verschiedenen Ausstellungen warten auf die Besucher des Museums. Im oberen Stock steht die Natur im Zentrum. Die Besucher können hier sogar eine künstliche Höhle mit Stalaktiten und Stalagmiten erforschen. Der erste Stock bietet eine historische Ausstellung über die Gegend rund um die Stadt und Semič und im Keller befindet sich schließlich eine Vinothek, in der man die Weine der Umgebung verkosten kann.
Weitere Informationen über das Museum findet ihr hier: www.muzej-semic.si 

Dr. Derganc Lehrgarten

Wenige Schritte davon entfernt befindet sich der Garten mit für die Gegend typischen alten Obst und Beerensorten. Auch ein Musterweinberg mit alten Rebsorten wie sie früher am Berg Semiška Gora gepflanzt wurden, ist hier angelegt. Außerdem kann man noch eine Menge über Heilkräuter erfahren, die hier ebenfalls gepflanzt und kultiviert werden.

Der Berg Smuk

Wer am Marktplatz steht, blickt zum Berg Smuk, von dem man einen guten Blick über die ganze Bela Krajina hat. Wanderer und Radfahrer finden hier viele schöne Wege und Routen vor und es ist auch ein beliebter Startpunkt für Drachen- und Gleitschirmflieger.

Ein Plan der Umgebung
Ein Plan der Umgebung

Wenn wir schon bei Sport und Bergen sind… Hättet ihr gedacht, dass man hier im Süden von Slowenien auch Skifahren kann? Ja, kann man. Klein, aber fein.

Skigebiet Gače

Am Skigebiet Gače stehen Wintersportfreunden zwei Langlaufloipen und eine Rodelbahn zur Verfügung. Aber auch Skifahrer, Anfänger wie Fortgeschrittene  haben auf der 2.800 Meter langen Strecke mit einem Höhenunterschied von 550 Metern, die Möglichkeit gemütlich ins Tal zu Carven. Hinauf auf den Berg bringt sie ein Dreiersessellift und fünf weitere Lifte mit einer Kapazität von 5.400 Skifahrern in der Stunde. Vor allem Familien fühlen sich hier wohl und wer sich noch nicht sicher auf den „Brettln“ fühlt, lässt sich von einem Skilehrer alles erklären und zeigen.

Durst und Hunger wird ebenfalls nicht aufkommen, für Verpflegung ist gesorgt – aber das braucht man in Slowenien und in der Bela Krajina ja fast nicht extra erwähnen.

Mehr über Semič und die Umgebung erfahrt ihr im Tourismusbüro
TIC Semič
8333 Semič, Štefanov trg 7
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Tel: +386 7 35 65 200 oder +386 40 625 148
https://www.kc-semic.si/

Die Bela Krajina bietet noch viele schöne andere Ziele, wie z.B.:

ČrnomeljMetlikaQuellen der KrupaHiša DobrotDer Weinkeller von MetlikaMojca und die Bela Krajina Pogača

Der Besuch erfolgte im Rahmen einer Pressereise auf Einladung von MGM Best Press Story


Essen, Trinken, Übernachten in Slowenien

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