Das Marchfeld ist reich an Schlössern, Schloss Eckartsau ist eines davon und vielleicht nicht so bekannt wie Schloss Hof – aber mindestens ebenso interessant.
Zum Marchfelder Schlösserreich gehören insgesamt fünf Schlösser: Schloss Hof, Schloss Niederweiden, Schloss Eckartsau, Schloss Orth und Schloss Marchegg. Fast alle waren zumindest zeitweise im Besitz der Habsburger oder die Herrscherfamilie – allein voran Maria Theresia - war oft zu Gast.

Dieses Mal geht es nach Schloss Eckartsau. Vielleicht nicht so bekannt wie Schloss Hof, aber mindestens ebenso besuchenswert und von großer historischer Bedeutung. Immerhin kann man es als die letzte Zufluchtsstätte des letzten Kaisers von Österreich bezeichnen. Hier unterschrieb er seine Verzichtserklärung an den Regierungsgeschäften (keine Abdankungserklärung!), von hier aus begann der Weg der Kaiserfamilie ins Exil und hier ging die 600jährige Habsburger Herrschaft und die k.u.k-Monarchie zu Ende.

Am besten ihr lasst euch das alles von Hannerl, einer Dienstbotin des Kaisers erklären im Rahmen einer Führung erklären, ich habe mich selten dabei so gut unterhalten wie auf Schloss Eckartsau und auch noch viel gelernt dabei. Und weil es mir so gut gefallen hat, begleitet sie uns hier auch mit einigen Wortspenden und sorgt dafür, dass die Geschichte um das Schloss richtig lebendig wird.
Los geht es…
Auf einer breiten Allee nähern wir uns dem Schloss, das auf den ersten Blick klein und gemütlich wirkt. Nun ja, gar so klein ist es nicht – das merkt man, wenn man einen Blick in den Schlosshof macht oder es einmal umrundet.

Die Wurzeln des Schlosses liegen im 12. Jahrhundert, Rudmar und Heinrich gelten als erste Besitzer. Die Region war ein beliebtes Siedlungsgebiet – der Boden eignete sich gut für die Landwirtschaft und auch die strategische Lage hatte ihre Vorteile. Zum Schutz vor Feinden entstanden daher in der Gegend Wehrburgen, die später zu repräsentativen Schlössern umgebaut wurden. So war auch Eckartsau in ihren Anfängen eine mittelalterliche Wasserburg, die von einem doppelten Wassergraben umgeben war.

Die Eckartsauer blieben bis 1507 in Besitz der Burg, dann wechselten auch hier die Herrscher ständig.
Lassen wir uns doch von Hannerl einiges über die Geschichte und ihre Besitzer erzählen:
1720 kaufte der böhmische Hofkanzler Franz Ferdinand Graf Kinsky das Gebäude und begann den Umbau. Die mittelalterliche Wehranlage sollte einem repräsentativen Schloss weichen, das dem neuen Stil – Barock - verpflichtet war. Um das zu erreichen, wurde unter anderem der kaiserliche Maurermeister Christian Alexander Oedtl verpflichtet, wobei der Westtrakt vollständig neu errichtet wurde.

Auch die Planung verantwortete kein Unbekannter: sie übernahm Joseph Emanuel Fischer von Erlach, der Sohn von Johann Bernhard Fischer von Erlach.

Auch heute noch sehenswert ist der barocke Festsaal, dessen Deckenmalerei der römischen Göttin Diana huldigt und die von ihrem Bruder Apoll zum Olymp begleitet wird, woe ein von Sonne und Mond umstrahlter Thronwagen auf sie wartet. Auch die Putti lassen die Jagdhörner erschallen und weitere Motive zeigen die adelige Jagdkultur, während Skulpturen von Lorenzo Mattielli die malerischen Ausführungen ergänzen.

Die Jagd, eine beliebte Beschäftigung des Adels stand bald auch im Mittelpunkt der Besitzer und Besucher des Schlosses, wie wir bald hören und auch sehen werden.

Schon zwischen 1749 und 1755 kam Kaiser Franz I. Stephan, Gemahl von Maria Theresia des Öfteren hierher zu Besuch, um in den wildreichen Gebieten um das Schloss zu jagen. Anscheinend war er vom Schloss und den Jagdmöglichkeiten so angetan, dass er es 1760 käuflich erwarb. Nun wurde Hofarchitekt Franz Anton Hillebrandt beauftragt das Schloss weiter auszubauen, was auch zwischen 1770 und 1774 geschah.

Danach ließ das Interesse der Habsburger an dem Besitz nach, erst Anfang des 19. Jahrhunderts begann sich Kaiser Franz I. wieder für das Schloss zu interessieren, das allerdings bereits ziemlich ramponiert und durch die häufigen Überschwemmungen stark beschädigt war. So musste die Obergeschosse im Ost- und Südtrakt abgetragen werden, was Kaiser Franz I. mit dem Satz: „Ihr habt’s mir mein Eckartsau schön zug’richt!“ kommentierte.

Auch die Anreise änderte sich: mit der Regulierung der Donau im 19. Jahrhundert konnte man nicht mehr mit dem Schiff anreisen, wie es zu Maria Theresias Zeiten üblich war.
Hannerl erzählt uns mehr über Franz Ferdinand und auch seine Vorliebe für die Technik:
Knapp vor dem Untergang der Monarchie erlebte das Schloss wieder eine neue Blütezeit. Thronfolger Franz Ferdinand d’Este ließ das Schloss nach Plänen des kaiserlichen Baurates Viktor Siedek zu einem komfortablen Landsitz umbauen, wobei er sich auch selbst in die Gestaltung einmischte. Angeblich hat er seinen Architekten solange in einem Zimmer eingesperrt, bis dieser die Pläne nach seinen Vorstellungen abgeändert hatte.

Franz Ferdinand war gegenüber dem technischen Fortschritt sehr aufgeschlossen und legte großen Wert auf Wohnlichkeit. Während des Rundgangs werdet ihr einige Neuheiten und technische Errungenschaften der damaligen Zeit kennenlernen.

Unter anderem ein Badezimmer mit Einbauwanne und Dusche sowie eine Toilette mit Wasserspülung. Außerdem wurde im ganzen Schloss elektrisches Licht eingebaut, das auch die neuen textilen Lampenschirme – auch die sind bei der Führung zu sehen – ermöglichte. All diese Umbauarbeiten wurden mit größter Rücksicht auf die historische Substanz durchgeführt.

Die Jagd war bekannterweise die große Leidenschaft des Thronfolgers, der in den Donau-Auen rund um Schloss Eckartsau – manchmal auch mit Gästen – mit Begeisterung nachging.

Bei der Führung geht man auch durch den Waffengang des Schlosses, das über und über mit Jagdtrophäen und Fotografien geschmückt ist.
Auch Kaiser Wilhelm II. war 1908 hier zu Besuch wie Fotos beweisen, um gemeinsam mit dem Thronfolger von Österreich ihrer gemeinsamen Leidenschaft für die Jagd zu frönen.

Ein ganz besonderes Kapitel der Geschichte Österreichs beginnt im November 1918, nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg, auf Schloss Eckartsau: Kaiser Karl I. übersiedelte mit seiner Familie nach Schloss Eckartsau und damit in eine ungewisse Zukunft.
Hannerl weiß auch vieles über Kaiser Karl und seinen letzten Aufenthalt in Österreich - eben auf Schloss Eckartsau:
Nur wenige Bedienstete begleiteten ihn, viel konnten sie nicht mitnehmen und es fehlte an vielem: Seife war ebenso knapp wie Treibstoff, wodurch auch der Stromgenerator nicht eingeschaltet werden konnte. Die Spanische Grippe machte auch vor dem Kaiser nicht halt, der ebenso wie seine Kinder erkrankte.

Die Republik wurde in Wien ausgerufen, am 13. November 1918 unterzeichnete Kaiser Karl I. nach der österreichischen dann die Verzichtserklärung, in der er auf jede Beteiligung an der Regierung in Ungarn verzichtete. Dies war allerdings ebenso wie die österreichische nur ein Schritt zurück, jedoch keine Abdankung.

Das Dokument, das den Zerfall der Doppelmonarchie besiegelte, kann man im Rahmen der Führung als Faksimile ebenfalls bewundern und wer die Führung mit „Hannerl“ mitmacht, der wird auch den genauen Wortlaut kennenlernen.
Die Republik wird nervös, da der Kaiser die Abdankung nach wie vor verweigert. 1919 reist Staatskanzler Karl Renner nach Eckartsau (heute ist eine Büste von ihm in Eckartsau zu sehen) um den Kaiser zu Abdankung und zur Ausreise zu bewegen.

Doch er wird nicht zum Kaiser vorgelassen – Karl verweigert das Gespräch. Die Lage wird nun auch für den Kaiser und seine Familie immer gefährlicher, schließlich steht ihm keine Garde, keine Polizei zum Schutz zur Verfügung.
Englands König Georg V. , weitschichtig mit Karl verwandt, entsendet daher Offiziere zum Schutz von Karl nach Eckartsau, da er befürchtet Karl könnte ein ähnliches Schicksal wie die russische Zarenfamilie erleiden.

Am 23.3.1919 feiert die Familie nach dem Abendessen noch einen Abschiedsgottesdienst in der Schlosskapelle und tritt dann die Reise ins Exil an. Der Kreis schließt sich. Die Habsburger, die ursprünglich aus der Schweiz stammten und 600 Jahre lang über Österreich herrschten, kehren wieder in die Schweiz ins Exil zurück:
Danach übernimmt die Republik Österreich Schloss Eckartsau, die Jagdgebiete werden dem Kriegsgeschädigtenfonds zugesprochen, um Kriegsopfer zu unterstützen. 1937 wird die Stiftung allerdings aufgelöst.

Während der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft untersteht das Gebiet ab 1941 direkt Hermann Göring, der als Reichsforstmeister und Reichsjägermeister fungiert. Das historische Inventar bleibt weitgehend erhalten.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wird Eckartsau Teil der sowjetischen Besatzungszone, eine Kommandantur wird eingerichtet, größere Schäden bleiben aus. Die Österreichischen Bundesforste übernehmen die Verwaltung von Schloss und Umgebung. Mit Ende der Besatzung 1955 ist das Gebäude stark beschädigt, bei der Renovierung wird großen Wert auf Nachhaltigkeit gelegt, um das historische Erbe zu bewahren.

Mit der Aubesetzung 1984 in der Stopfenreuther Au, durch die der geplante Kraftwerksbau gestoppt wurde, entstand 1996 der Nationalpark Donau-Auen und Schloss Eckartsau wird zum Sitz des Nationalparkbetriebs Donau-Auen.

Heute kann das Schloss Eckartsau im Rahmen von Führungen (ich lege euch die Kostümführung mit Hannerl ganz besonders ans Herz) besucht werden. Nicht nur, dass man viel Wissenswertes aus unserer Geschichte lernt, kann man auch noch Entscheidendes für den Umgang mit Monarchen und Adeligen lernen.

Und an Erinnerung an Kaiserin Zita, die am letzten Weihnachtstag jeden und jeder der verbliebenen Dienstboten und Angestellten persönlich ein Weihnachtsgeschenk überreichte (Kaiser Karl war durch die Spanische Grippe so geschwächt, dass er die Prozedur nicht hätte durchstehen können), gibt es auch noch ein kleines Geschenk aus der Schatztruhe. Was? Wird hier nicht verraten …
Eckartsau ist auch ein wunderschöner Rahmen für Konzerte, Hochzeiten und Firmenfeiern. Außerdem ist das Schloss auch ein gern genutzter Filmort: hier wurde unter anderem Corsage, Das Sacher oder Universum History Elisabeth – Kaiserin auf der Flucht gedreht.

Auch der Park ist durchaus sehenswert und punktet auch bei den Jüngsten mit einem Naturspielplatz. Beide sind ganzjährig frei zugänglich.

Der Schlosspark wurde 1898 von Hofgartendirektor Umlauft für den Thronfolger Franz Ferdinand angelegt. Er verbindet die Weite des Marchfelds mit der Wildnis der Auwälder und wurde mehrfach bei „Natur im Garten“-Schaugarten mit dem „Goldenen Igel“ ausgezeichnet: Barocke Lindenalleen, Baumraritäten, aber auch die Pelzbiene oder die Knoblauchkröte sind hier zu finden und können im Rahmen von Führungen besser kennengelernt werden.

Man kann also durchaus einen ganzen Tag auf Schloss Eckartsau bestreiten, oder aber einen Abend. An den verschiedenen Führungen teilnehmen, eine kurze Pause machen, Im Schloss Café einen Kaffee trinken, durch den Park flanieren und die Sonne genießen, mit den Kindern zum Spielplatz gehen oder eine Radtour in der Umgebung machen. Manchmal wird im Schloss sogar Theater gespielt. Die Möglichkeiten sind fast grenzenlos.

Mehr über die verschiedenen Events, die Öffnungszeiten, Führungen und Preise findet ihr hier: https://www.schlosseckartsau.at/
Österreichische Bundesforste
Nationalparkbetrieb Donau-Auen
Schloss Eckartsau
2305 Eckartsau
Tel: +43 2214 2240






















