Achtung Wien-Urlauber! Das Café Central ist wohl eines der schönsten und meist besuchtesten Kaffeehäuser in Wien. Doch über den Sommer 2026 ist es geschlossen …
Wer kennt sie nicht: Lange Touristenschlangen bildeten sich immer wieder in der Herrengasse, um Einlass in eines der schönsten und am typischten Kaffeehäuser der Wiener Kaffeehauskultur zu bekommen.

Mehr als jedes andere Kaffeehaus war das Café Central ein Synonym für dieses immaterielle Weltkulturerbe Wiens. Doch zu seinem 150. Geburtstag braucht es nun wieder eine leichte Auffrischung. Die letzten größeren Renovierungen des Cafés und des Palais Ferstel reichen immerhin in die 1970 bis 1980ger Jahre zurück und wurden damals in Etappen vorgenommen.

Gebäudetechnik, Heizung, Klima, Lüftung, Sanitär, Elektrotechnik und Brandschutz sind ebenso in die Jahre gekommen wie die Produktions- und Küchenbereiche.

Das Aussehen und das Flair des Cafés wird aber in Einklang mit den Anforderungen des Denkmalschutzes behutsam renoviert – die historische Identität des Gebäudes wird erhalten bleiben. Die Thonet-Sessel werden aufgearbeitet, Stoffe des Traditionsunternehmens Backhausen erneuert oder originalgetreu nachgefertigt, die historischen Luster durch spezialisierte Werkstätten restauriert.

Elemente aus den 1980er Jahren, die nicht mehr dem historischen Erscheinungsbild entsprechen oder technisch überholt sind, werden sensibel ersetzt. Leider gibt es nur wenige Originalvorlagen, sodass die Rekonstruktion vielfach auf Basis historischer Recherchen erfolgt.
Die Geschichte des Café Central
1876 wurde das Café Central im Palais Ferstel eröffnet und prägte von Anfang an die Wiener Kaffeehauskultur. Heinrich von Ferstel entwarf das Gebäude für die Wiener Börse, die auch einige Zeit in diesem Haus untergebracht war. Um 1900 begann die Erfolgsgeschichte des Cafés: es wurde zum Zentrum der Wiener Moderne.

250 Zeitungen in 22 Sprachen standen hier täglich den Besuchern im Café zur Verfügung, das sich über Stammgäste wie Sigmund Freud, Arthur Schnitzerl, Hugo von Hofmannsthal und Leo Trotzki freuen durfte und die bald als die „Centralisten“ in Anlehnung an ihren regelmäßigen Treffpunkt bezeichnet wurden.

1925 fand zum 50jährigen Jubiläum die erste Renovierung statt, wobei der Arkadenhof, der Säulensaal, ein Damensalon und verschiedene Spielzimmer integriert wurden.

1938 erfolgte im Zuge der Arisierung die Umbenennung in „Kaffeehaus“, viele Stammgäste und Persönlichkeiten, die hier ihr „zweites Wohnzimmer“ aufgeschlagen hatten, wurden von den Nationalsozialisten vertrieben, verfolgt und ermordet. Bei den kriegerischen Auseinandersetzungen wurde das Palais Ferstel schwer beschädigt und die Säulenhalle teilweise zerstört. 1943 wird das Café Central geschlossen und es dauert vier Jahrzehnte bis zur Wiedereröffnung.

Die ersten "Wiederbelebungsversuche" verdankt das Palais Ferstel unter anderem Wiener Basketballern. Sie renovieren das Gebäude notdürftig und spielen danach im großen Festsaal täglich Basketball.

Erst 1982 feiert das Café Central nach einer umfassenden Sanierung seine Wiedereröffnung im Arkadenhof und zieht dann vier Jahre später in seine ursprüngliche Wirkungsstätte, in den Säulensaal.

Seit 2011 ist es im Besitz einer Tochter des Verkehrsbüros, die sich bemüht, das Flair dieses Platzes endgültig wieder auferstehen zu lassen. Dazu gehört auch, dass gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Literatur die Tradition als Literaturcafé wieder neu belebt und die Literaturreihe Da Capo - Literatur im Café Central, geschaffen wurde, bei der jungen Schriftstellern im Arkadenhof regelmäßig eine Bühne geboten wird.

Das Ambiente müssen wir jetzt leider ein halbes Jahr vermissen, die ausgezeichnete Patisserie und die Literaturreihe allerdings nicht.

Während der Renovierung eröffnet das Popup-Café DeCentral auf der Freiung, wo es auch weiterhin in moderner Ausstattung ausgezeichneten Café und Mehlspeisen vom Feinsten zum gustieren gibt und wo auch die Literaturreihe vorgesetzt wird.

Es ist ein kleiner Rettungsanker zur Überbrückung bis das Original-Central im Herbst wieder im alten, neuen Glanz erstrahlen kann.
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