Schloss Hof gilt als das prächtigste und größte der Marchfeldschlösser.
Lange Zeit war es der repräsentative Jagdsitz des legendären Feldherrn der Türkenkriege: Prinz Eugen von Savoyen. Der „edle Ritter“, einer der reichsten Männer der damaligen Zeit, hat das Schloss wesentlich geprägt.

Mit über 50 Hektar Ausdehnung uns seinem terrassenförmig angelegten Garten kann man es ohne Fug und Tadel als barockes Gesamtkunstwerk bezeichnen. Heute erstrahlt sowohl das Schloss wie auch der Barockgarten wieder in seinem alten Glanz, lange Zeit war es aber dem Verfall preisgegeben, bevor es durch eine Niederösterreichische Landesausstellung wieder zu neuem Zauber erweckt wurde.
Die Geschichte von Schloss Hof
Die Geschichte des Besitzes reicht bis in das 12. und 13. Jahrhundert zurück. Damals wird der „Veste Hof“ der Eckartsauer erwähnt, die bis 1507 das Privileg des Schutzes der Furt über die March besaßen. Auf die Familie der Eckartsauer folgten die Pollheimer und in der Mitte des 16. Jahrhunderts gelangte der Besitz an die steirische Familie Pranckh zu Rickersdorf.

Da der damalige Standort des Öfteren von Hochwasser heimgesucht wurde, verlegte Friedrich von Pranckh die Burg 1620 um fünf Kilometer weiter weg auf einen dreißig Meter höheren „Hofberg“ und ließ dort ein Renaissancekastell mit vier Flügeln und einen Innenhof errichten.

1725 war Prinz Eugen auf der Suche nach einem Jagdschloss in der Gegend, Er hatte zwar zuvor bereits Schloss Obersiebenbrunn gegen die Statthalterschaft der Niederlande eingetauscht, fand aber dort zu wenig „Jagdbarkeit“ und war daher weiter auf der Suche.

Er schien sich sofort in das Renaissancekastell verliebt zu haben und beauftragte nach dem Kauf gleich seinen Baumeister Johann Lucas von Hildebrand das Kastell zu einem Barockschloss zu erweitern, um es als Sommersitz benutzen zu können. Daher wurden zwei Flügel dazu gebaut, des Weiteren sieben Gartenterrassen angelegt und der größte Meierhof von Zentraleuropa geschaffen. Hildebrand konnte bei dem Vorhaben aus dem Vollen schöpfen, immerhin war Prinz Eugen nicht nur einer der erfolgreichsten, sondern auch einer der wohlhabendsten Männer seiner Zeit.

Hunderte Arbeiter, Tagelöhner, Handwerker und Gärtner wurden engagiert. Der Prinz galt zu seiner Zeit aber auch als ein sehr menschenfreundlicher Arbeitgeber. So wurde berichtet, dass er nach Fertigstellung der Bautätigkeiten seine Arbeiter nicht entließ, sondern ihnen weiter Beschäftigung bot. 1730 war eines der eindrucksvollsten Gesamtkunstwerke des europäischen Barocks fertiggestellt.

Prinz Eugen konnte allerdings seinen Sommersitz nicht mehr allzu lange genießen. Bereits 1736 verstarb der Prinz, ohne ein Testament zu hinterlassen. Damit ging der Besitz – alle seine acht Schlösser und an die zwei Millionen Gulden an seine Nichte Anna Viktoria von Savoyen.

Anna war mit 52 Jahren damals nicht mehr im heiratsfähigen Alter, doch „überraschenderweise“ erhielt sie plötzlich vom 18 Jahre jüngeren Joseph Friedrich von Sachsen-Hildburghausen einen Heiratsantrag, den sie auch annahm und ihm Schloss Hof zum Geschenk machte. Die Ehe schien nicht besonders glücklich gewesen zu sein, sie wurde geschieden.

Doch das Schloss verblieb im Besitz des Ehemannes, der kein besonders glückliches Händchen für seine Geldangelegenheiten bewies. Schon bald suchte er einen potenten Käufer und fand diesen in Maria Theresia. 1755 erwarb sie Schloss Hof und schenke es ihrem Gatten Franz Stephan, um ihm „die Seele von der Last des Herrschens zu erleichtern.

Franz Stephan scheint sich über dieses Geschenk sehr gefreut zu haben, denn er verbrachte bis zu seinem Tod im Jahre 1765 jedes Jahr zwischen Frühling und Spätherst einige Wochen auf Schloss Hof. Manchmal allein, manches Mal im Familienkreis mit der ganzen Kinderschar. Durch die dafür erforderliche Dienerschaft sah man sich bald mit Platzproblemen für die Unterbringung des ganzen Hofstaates konfrontiert.

So erfolgte bereits in den 1770er Jahren die Aufstockung des Sommersitzes um eine Etage und die „Umarbeitung“ des Schlosses in einen klassizistischen Stil. Franz Anton Hillebrand, der kaiserliche Hofarchitekt wurde damit beauftragt, Fassade und Innenräume dem Zeitgeschmack entsprechend anzupassen und gab damit dem Schloss sein heutiges Erscheinungsbild.

Nach dem Tod ihres Gatten im Jahr 1765 ließ sich Maria Theresia ein in Grau und Weiß gehaltenes Witwenappartement auf Schloss Hof einrichten, das von ihrer tiefen Trauer um Franz Stephan zeugte.

1766 heiratete Marie Christine, die Lieblingstochter Maria Theresias in der Kapelle des Schlosses Albert Kasimir von Sachsen-Teschen im kleinen Kreis der Familie. Marie Christine war die einzige Tochter Maria Theresias, die nicht aus Staatsraison verheiratet wurde, sondern ihre Liebe ehelichen durfte. Für diese Hochzeit unterbracht Maria Theresia sogar ihre Trauerzeit um Franz Stephan, wobei die Gäste Trauerkleidung tragen mussten und die Braut in Grau gekleidet war.

Ihr Sohn, Joseph II, nutzte das Schloss nicht mehr allzu oft und auch die nachfolgenden Herrscher hatten weniger Interesse an dem Sommersitz. Kaiser Franz Joseph I. übergab 1898 dem Heer das Schloss als Ausbildungsstätte, ließ aber zuvor noch das Mobiliar ins Hofmobiliendepot nach Wien abtransportieren. 200 Auto waren notwendig, um alle Einrichtungs- und Kunstgegenstände nach Wien zu überstellen. Damit schuf der Kaiser allerdings auch den reichen Fundus für die Ausstattung anderer kaiserlicher Schlösser. Noch heute wird auf diesen Bestand für die Ausstattung von Botschaften und Ministerien zurückgegriffen.

Nach der K.u.K.-Armee ging die militärische Nutzung des Gebäudes weiter: zuerst nutzte die deutsche Wehrmacht das Schloss, von 1945-1955 zog die Rote Armee ins Schloss ein.

Das Gebäude verfiel jedoch immer weiter, nach dem Abzug der Roten Armee war zwar der Wille zur Renovierung vorhanden, allerdings fehlte das notwenige Kapital um diese auch durchführen zu können.

1986 beschäftigte sich die Niederösterreichische Landesausstellung mit dem Leben und Wirken Prinz Eugens und während der Vorbereitungszeit zur Ausstellung begannen bereits die ersten Renovierungsmaßnahmen. Dabei achtete man nicht nur auf eine möglichst detailgenaue Wiederherstellung, sondern bemühte sich auch – wann immer es möglich war – ausschließlich Materialien und Handwerkstechniken aus der Barockzeit zu verwenden. So wurde z.B. die Fassade mit einer Sumpfkalklösung verkleidet, die im 18. Jahrhundert bei Gebäuden dieser Art verwendet wurde.

Außerdem holte man viele Einrichtungsgegenstände aus den Depots in Österreich, aber auch aus den Botschaften im Ausland in Schloss zurück. Erst 2005 war es dann so weit, das Ensemble wurde im alten Glanz für die Besucher geöffnet, 2007 wurden noch die Orangerien im Meierhof revitalisiert und wieder eröffnet.

Das Schloss und seine Prunkräume können mit oder ohne Führung besichtigt werden. Unbedingt sehenswert ist der Festsaal, die Kapelle, die Sala Terrena, aber auch das Apartement von Maria Theresia, die hier im Schloss Hof ihren Witwensitz hatte. Aber auch die anderen Prunkräume sind einen Blick wert, ihr werdet vielleicht von der Farbigkeit der Wände und auch der Ausstattung überrascht sein.

Im ersten Stock findet ihr auch die jährlich wechselnde Sonderausstellung. 2026 lautet deren Thema "Verspielte Symmetrie - der Barockgarten als Kunstwerk".

Heute kann man neben dem Schloss und dem Barockgarten auch viele selten gewordene Haustierrassen wie die Vierhornziege, das Vierhornschaf oder aber die weißen Barockesel, neben Lipizzanern, Kamelen, Alpaka, Schweinen und Lämmern beobachten.

Am Areal finden sich auch rare Obst- und Gemüsesorten und in original eingerichteten Handwerksstuben kann man zu bestimmten Zeiten den Meistern ihrer Kunst über die Schulter beim Arbeiten zusehen – und manchmal einiges auch selbst probieren.
Der Barockgarten
Es ist beeindruckend – vor allem wenn bereits alles blüht und Bäume und Sträucher ausgetrieben haben und in den Brunnen und Fontänen das Wasser plätschert. 50 Hektar ist der Barockgarten mit Stiegen, Brunnen und Statuen mit seinen sieben Terrassen, die sanft nach Osten zur March hin abfallen, groß.

Wahrscheinlich war Lucas von Hildebrand für die Terrassen und Dominique Girard für die Gestaltung des Gartens verantwortlich. Mit Hilfe von historischen Plänen und alten Gemälden versuchten Landschaftsarchäologen die einstige Pracht wieder herzustellen und wenn man heute durch den Garten lustwandelt, muss man feststellen, dass ihnen dies sehr gut gelungen ist.

Kunstvolle Blumenbeete, mächtige Brunnenanlagen und eindrucksvolle Skulpturen erstrahlen im barocken Glanz. Hecken und Bäumchen bilden verwinkelte Nischen und Laubengänge.

Wer möchte, kann sich im Irrgarten verlieren. Über die sieben Terrassen werden ständig neue Farben und Pflanzenformen gepflanzt: Tulpen, Narzissen, Violen, Kaiserkronen, Hyazinthen, Anemonen, Krokusse, Stockrosen, Löwenmäulchen, Petunien, Sonnenblumen, Dalien und einiges mehr erfreuen zu unterschiedlichen Zeiten die Augen der Besucher ebenso wie die Brunnen, die Kaskaden und die kunstvoll geschmiedeten Tore.

Prinz Eugen war bekannt für seine große Sammelleidenschaft für exotische und seltene Gewächse. Heute bemüht man sich, die Beete möglichst wieder mit den gleichen Pflanzen wie zu seiner Zeit zu bepflanzen und auch die Farbgebung an jene in seiner Zeit anzupassen.

Der Barockgarten von Schloss Hof ist einer der wenigen in Europa, der im Laufe der Zeit in seinem Aufbau nicht verändert wurde.

Bedeutende Skulpturen, die bei Grabungsarbeiten gefunden wurden, werden im Lapidarium auf der ersten Terrasse gezeigt.
Die Orangerie
Wer solch einer Sammlerleidenschaft für exotische Pflanzen wie der Prinz frönte, der brauchte ein Gewächshaus, um seine Lieblinge über den ungewohnten Winter bringen zu können. Damit war der Auftrag an Johann Lucas von Hildebrand klar, der eines der größten und eindrucksvollsten barocken Bauten seiner Art schuf. Hier wurden die botanischen Kostbarkeiten aus dem Mittelmeerraum und Ostindien zur Zeit des Prinzen zur Schau gestellt: Im Sommer im Garten, im Winter durch die klimatischen Bedingungen übersiedelten die Pflanzen in die beiden Gewächshäuser.

Die großzügige Verglasung der Südfassade und ein neu entwickeltes unterirdisches Beheizungssystem waren revolutionäre Neuerungen in der damaligen Zeit.

Nach dem Tod des Prinzen erlosch jedoch die Begeisterung und das Interesse für die exotische Pflanzenwelt. Bereits seine Nichte schenkte ihnen kaum Aufmerksamkeit, sodass nur die robustesten Gewächse überlebten. Franz Stephan ließ später die noch vorhandenen Bestände nach Schönbrunn bringen und die Glashäuser zu Wohnbauten für das Gesinde umgestalten, was das Ende des außergewöhnlichen Pflanzenreichtums auf Schloss Hof bedeutete.

Einige der Pflanzenraritäten wurden durch umfangreiche historische Recherchen in Italien entdeckt und sind wieder nach Schloss Hof zurückgekehrt. Von der Anstrichfarbe der Trägerkonstruktion über die Bleiglas-Front bis zur Heizanlage sind die beiden Gewächshäuser heute weitgehend wieder so wie zur Zeit von Prinz Eugen, obwohl die originalen Baupläne nicht mehr aufzufinden waren.
Der Gutshof
Der barocke Gutshof galt mit mehr als fünf Hektar als einer der größten Meierhöfe in Europa. Gemeinsam mit dem Schloss hatte der Prinz auch die landwirtschaftlichen Nutzflächen, die Stallungen, Wohnhäuser und Werkstätten erworben, die ebenfalls durch Lucas von Hildebrand umgebaut wurden.

In den Werkstätten kann der Besucher nun den Handwerkern wie in der Barockzeit in der Drechslerei, Töpferei, Korbflechterei, Gärtnerei oder Schnapsbrennerei über die Schulter schauen.

In den Stallungen haben alte österreichische Haustierrassen, aber auch einige exotische Tiere ihr neues zu Hause gefunden. Schloss Hof beteiligt sich auch an Zuchtprogrammen gegen das Aussterben alter Rassen wie Vierhornziegen und Vierhornschafe. Aber auch die berühmten weißen Barockesel scheinen sich hier wohlzufühlen, denn nicht nur ihr Bestand wächst beständig.

Eine Reihe von Gärten zeigt die regionale Gartenkultur mit selten gewordenen Gemüsesorten ebenso wie heimische Beeren und Kräuter, Nutz- aber auch Heilpflanzen.

Im Weinviertler Garten wachsen Blatt-, Wurzelgemüse, Kräuter und Blumen und wer gerne die Natur verkosten möchte, der besucht den Nasch- und Beerengarten. Hier ist kosten und pflücken ausdrücklich erlaubt. Man kann aber auch aus der Marmeladeküche einen wohlschmeckenden Aufstrich oder Marmeladen mitnehmen, die hier aus den aromatischen Früchten hergestellt werden.

Im Obstgarten stehen Zwetschken-, Mostobst-, Kirschen- und alte Nussbäume und spenden auch angenehmen Schatten.
Bäckenhof
Im Bäckenhof ist die interaktive Kinder- und Familienwelt untergebracht. Hier gibt es ein barockes Kindertheater, eine historische Schulstube und eine Backstube.

Hier wird Theater gespielt, getanzt, sich verkleidet, gebastelt, gemalt, gebacken, geschminkt – mit einem Wort es ist immer etwas los, egal ob die Sonne scheint oder ob es regnet. Viele Veranstaltungen bringen den kleinen Besuchern auch das frühere Leben am Gutshof näher.

Im Schloss finden jedes Jahr interessante Ausstellungen und viele unterschiedliche Veranstaltungen vom Ostermarkt bis zur Weihnachtsausstellung, vom Krimi-Theater bis zum Gartenworkshop statt.

Anreise:
Wer ohne sein Auto anreisen möchte oder kein Auto hat, kann mit der Buslinie 540 von Wien Hausfeldstraße im 22. Bezirk direkt bis in die Prinz Eugen-Straße zum Schloss Hof fahren. Den Fahrplan für 2026 findet ihr hier.
Weitere Informationen gibt es hier: www.schlosshof.at

Schloss Hof
2294 Schlosshof 1
Tel: +43 2285 20 000
Email:
www.schlosshof.at
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