Prag ist nicht nur die Goldene Stadt oder die Stadt der 100 Türme – nein, sie kann mit Fug und Recht auch als Stadt der Musik bezeichnet werden. Ein Stadtrundgang und zwei Museumsbesuche ...
Der tschechischen Seele wird schon lange ein besonderer Hang zur Musik nachgesagt, ohne die Liebe zur Musik wäre man eigentlich kein richtiger Tscheche, so heißt es.

Auch Mozart war der Meinung, dass „seine Prager“ seine Melodien besser verstünden als die Wiener. Nicht nur in Prag mit seinem Frühlingsfestival (Prager Frühling – Prague Spring International Music Festival: https://festival.cz/en/all-about-tickets/), das traditionell jedes Jahr am 12. Mai, dem Todestag des Komponisten Bedřich Smetana beginnt oder dem Dvořák-Festival im Rudolfinum, das ich heuer erstmals besucht habe (https://www.dvorakovapraha.cz/en/o-nas/o-festivalu), im ganzen Land wird gefeiert, musiziert und gesungen.
(Wie z.B. auch in Brünn, dass alle zwei Jahre dem großen tschechischen Komponisten Janáček ein Festival widmet: https://janacek-brno.cz/de/) .

Wir bleiben aber erstmals in Prag, denn nach meinem Besuch im Rudolfinum mache ich mich auf den Weg durch die Stadt, um der Musik ein wenig hinterher zu spüren …

Ich starte beim Rudolfinum (der „Heimstätte“ des Dvořák-Festivals) und begebe mich auf den Weg in die Altstadt. In einer Stadt, die der Musik so verbunden ist, ist es auch nicht verwunderlich, dass sich an allen Ecken und Enden Erinnerungstafeln und Büsten von all jenen finden, die die Stadt einst besucht haben und die Prager mit ihren Kompositionen und Auftritten zu Begeisterungsstürmen hingerissen haben.

Hier lebten, arbeiteten und studierten viele berühmte Köpfe und sorgten dafür, dass die Prager immer wieder in den Genuss von Uraufführungen ihrer Werke kamen.

Mozart war hier, Liszt gab Konzerte, auch Beethoven, Janáček und natürlich Dvořák und Smetana waren sehr mit Prag verbunden, um nur einige zu nennen. Ihr braucht nur mit offenen Augen durch die Straßen laufen, die schön renovierten Häuser bewundern und schon werdet ihr eine Erinnerungstafel nach der anderen entdecken.

Schauen wir uns doch einige Berühmtheiten, die mit Prag in Verbindung stehen, einmal genauer an. Am besten wir beginnen mit Wolfgang Amadeus Mozart. In Prag, im heutigen Ständetheater (damals Gräflich Nostitzsches Nationaltheater) wurde 1787 sein berühmter „Don Giovanni“ uraufgeführt. Der Auftrag dazu stammte vom Prager Impresario Pasquale Bondini, wahrscheinlich beendete Mozart seine Arbeit in der Vila Bertramka.

Es wird erzählt, dass Mozart lange Zeit nicht mit der Ouvertüre zur Oper „herausrückte“ – es gab bereits einige Fassungen, aber der Meister schien sich nicht für eine entschieden zu haben. Daher entschloss sich angeblich Josepha Duschek, deren Mann Franz Xaver die Villa gehörte, zu einem „harten Vorgehen“: sie sperrte Mozart in seinem Zimmer ein und erklärte, dass er dieses erst nach Beendigung der Ouvertüre verlassen dürfte. Ob die Geschichte wirklich stimmt, ist allerdings nicht bekannt.

Bei meinem Standrundgang wurde mir noch eine andere Geschichte über Mozart erzählt: Wenn ihr vor dem Ständetheater steht und die Gasse entlang schaut, werdet ihr am Ende der Straße ein Haus erkennen, von dessen Fenster man gut den Eingang zum Theater beobachten kann. Angeblich hat sich Mozart hier einquartiert, um feststellen zu können, ob Sänger und Orchestermitglieder auch pünktlich zu den Proben erschienen…

Wie auch immer, die Prager verehrten den Meister und seine Musik. Wer in der Nähe des Altstädter Ringes spaziert, kommt beim Hotel Goldener Engel vorbei – auch hier soll Mozart einmal gewohnt haben. Die Erinnerungstafel scheint aber nach der Renovierung verschwunden zu sein.
Doch nicht nur Mozart war in der Stadt: auch sein „Widersacher“ Antonio Salieri war immer wieder in der Prag, um Aufführungen seiner Werke zu leiten.

Ebenso trat Franz Liszt häufig in Prag auf und feierte große Erfolge mit seinen Konzerten, sein späterer Schwiegersohn Richard Wagner war bereits als 13jähriger zu Besuch in der Stadt, wo er sich auch gleich unglücklich in Jenny Pachta, der Tochter des Grafen Pachta, verliebte. 1832 feierte er als Musiker und Komponist einen Erfolg: als Autor der C-Dur-Symphonie, die von Studenten des Konservatoriums aufgeführt wurde.

Apropos Prager Konservatorium – hier studierte unter anderem Bohuslav Martinů und am Konservatorium lehrte ein anderer großer tschechischer Komponist: Antonín Dvořák, der seine 9. Symphonie (Aus der neuen Welt) in Prag einstudierte, bevor sie in New York uraufgeführt wurde.

Allen Dvořák Fans und jenen, die es noch werden wollen, empfehle ich auch einen Besuch im kleinen, aber feinen Dvořák Museum.
Das Antonín Dvořák Museum
Das Museum ist in einem barocken Lustschloss untergebracht, dass von Kilian Ignaz Dientzenhofer geplant wurde und als sein erster Bau in Prag gilt. Der charmante Bau mit Mansardendach wurde 1720 fertiggestellt.

Nach mehreren Besitzerwechsel, Umbau und unterschiedlichsten Funktionen des Hauses und des Gartens wurde 1932 die erste Ausstellung über das Leben und das Werk des Komponisten eröffnet. Seit 1976 gehört es zum tschechischen Musikmuseum, das wiederum ins Nationalmuseum eingegliedert ist, 1991, zum 150. Geburtsjubiläum von Dvořak, wurde eine neue Ausstellung gestaltet.

Sehenswert sind auch die Wände und das Gewölbe des Saals im ersten Stock, sie sind mit Fresken von Johann Ferdinand Schor bedeckt, die 1956-57 restauriert wurden, 1977 fand ein Umbau des Objekts statt und wissenswert ist vielleicht auch, dass in einem der Parterrepavillons die Schauspielerin Růžena Nasková geboren wurde.

Die Dauerausstellung befasst sich mit dem Leben und vor allem den Reisen des Komponisten, gilt er doch als einer der größten tschechischen Weltenbummler. Geboren am 8. September 1841 im kleinen Ort Nelahozeves in der Nähe von Prag, fiel seinen Eltern schon früh seine Begabung auf. Später studierte er in Pag, lernte Orgel und Violine und arbeitete als Lehrer.

In der Ausstellung findet man viele persönliche Gegenstände von Dvořák, unter anderem seine Brille, Bratsche, sein Klavier, Möbel aus seinem Arbeitszimmer oder die Robe, die er bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde an der Universität Cambridge trug, sehen und den Komponisten auf seinen Reisen von seinem Geburtsort nach Prag, durch Europa, nach Amerika und wieder zurück nach Europa verfolgen.

Mir gefiel aber auch hier am besten, dass man sich auch in seine Musik vertiefen kann und sich „quer Beet“ durch seine Kompositionen hören kann. So hat man die Möglichkeit, sich in seine Musik hineinzuhören, sich überraschen zu lassen und auch Werke kennen zu lernen, die einem vielleicht vorher unbekannt waren. Für mich ist das immer eine wunderbare Gelegenheit Neues kennen zu lernen und dann in Ruhe zu Hause noch einmal alles Revue passieren zu lassen und vielleicht die eine oder andere Schallplatte oder CD noch einmal aufzulegen, weiter zu hören oder sich tiefer mit der Musik zu beschäftigen.

Man hat also auch hier wieder die Möglichkeit, entweder in kürzester Zeit durch die Räume zu rauschen oder sich mit und bei einem Video länger mit Antonín Dvořák und seinem Leben zu beschäftigen und sich dann auch noch durch seine Werke „durchzuhören“. Vielleicht ein guter Abschluss eines langen Prager Besichtigungstages: Man sitzt entspannt und kann sich dabei gute Musik anhören und mit dem Komponisten beschäftigen.

Das Museum ist Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Am Dienstag ist geschlossen.

Antonín Dvořák Museum
120 00 Nové Město, Praha 2, Ke Karlovu 20
Tel: +420 774 845 823
Email:
www.nm.cz/navstivte-nas/objekty/muzeum-antonina-dvoraka
Ich habe aber noch einiges vor – und wie immer ist die Zeit in Prag zu kurz. Also reiße ich mich vom Video los, um mich auf zu einem anderen Großen der tschechischen Musik zu machen: Bedřich Smetana
Das Bedřich Smetana Museum
Eigentlich liegt das Museum ganz in der Nähe eines Touristen-Magnets: Der Karlsbrücke. Dennoch ist das Gebäude des ehemaligen Altstädter Wasserwerkes etwas versteckt – obwohl die Statue davor sogar auf den großen tschechischen Komponisten verweist. Aber das alles ist mir erst aufgefallen, nachdem ich zweimal über die Karlsbrücke hin und hergelaufen bin.

Der Eingang zum Museum liegt versteckt hinter einem Café-Restaurant, das – vor allem bei Schönwetter – durch seinen schönen Ausblick auf Moldau und Karlsbrücke meist ausgezeichnet besucht ist – und dahinter habe ich den Eingang nicht vermutet. Also – auf! – einfach durch den Garten des Cafés durch Richtung Moldau, dann seht ihr schon die Statue und auch die versteckte Tür zum Museum.

Das Gebäude gehört zu den schönsten Neorenaissance-Bauten von Prag und wurde 1883/84 nach den Plänen von Antonín Wiehl erbaut und mit reichem Sgraffito-Dekor von Mikoláš Aleš und František Ženíšek ausgestattet, die die Kämpfe der Prager Bürger gegen die Schweden auf der Karlsbrücke des Jahres 1648 darstellen.

1936 wurde hier die erste Ausstellung über Smetana der Öffentlichkeit vorgestellt, 1964 wurde renoviert und umgestaltet und eine neue Dauerausstellung entwickelt, die bis in die 1990er Jahre gezeigt wurde.

Die aktuelle Schau stammt aus 1998 und zeigt persönliche Gegenstände und Bildmaterial aus dem Nachlass der Komponisten, sowie Autografen seiner größten Meisterwerke und weitere schriftliche Dokumente. Zwei Ausstellungsinhalte haben mir besonders gut gefallen:
1. Auf einer Tafel am Beginn der Ausstellung werden die Lebensdaten von Bedřich Smetana mit wichtigen politischen Ereignissen und dem Leben anderer Komponisten und Künstler in Verbindung gebracht. Das finde ich ausgezeichnet, da man damit sein Leben und Geschichtsereignisse viel besser einordnen kann

2. Gibt es auch hier wieder die Möglichkeit, Ausschnitte aus Smetanas Musik nach eigener Auswahl anzuhören. Man sitzt also bequem auf einem Hocker, liest über sein Leben (es gibt auch einen deutschen Text) und kann so nebenbei in seine wichtigsten Werke hinein hören. Natürlich ist auch bei dieser Auswahl die „Moldau“ vertreten.

Wer mit Ma Vlast bereits vertraut ist, kann sich auch an eine interaktive Station wagen und die verschiedenen Teile des Stückes in richtiger Reihenfolge zusammensetzen. Wer es nicht schafft, genießt einfach die wunderschönen Jugendstil-Dekorationen der einzelnen Blätter.

Wer dann noch Zeit und Lust hat, kann anschließend an der Moldau entlang schlendern, die wunderschönen Häuser bewundern und vorbei am Café Savoy, am Nationaltheater und am Goethe-Institut zu einem ganz besonderen Haus mit der Aufschrift Hlahol. Hier hat der Gesangsverein Hlahol seinen Sitz, bei dem Smetana auch einmal Chorleiter war.

Damit schließe ich den musikalischen Spaziergang durch die Goldene Stadt ab.

Doch ein paar Tipps für alle Musikliebhaber sollen hier nicht fehlen. Denn einen Besuch der Stadt Prag mit einem musikalischen Leckerbissen zu verbinden ist mehr als eine gute Idee …

Hier einige der vielen musikalischen Festivals in der Stadt:
Tage des Bohuslav Martinů https://prague.eu/de/akce/days-of-bohuslav-martinu/
Mladí ladí jazz — international contemporary jazz festival https://www.mladiladijazz.cz/en/
Das Prager Musikfestival https://en.svatkyhudbyvpraze.cz/
Prager Frühlings-Festival https://festival.cz/en/
Kunst gehört auf die Straße https://www.prahazijehudbou.cz/
Dvořák Prague Festival www.dvorakovapraha.cz/en
Weitere Ideen findet ihr unter https://www.visitczechia.com/de-de/things-to-do/category-group-pages/cultural-heritage/culture-and-entertainment/theatre-and-music
Hier findet ihr weitere Artikel über Prag auf ask-enrico.com:
Igudesman & Joo beim Dvořák Prague Festival
Freut euch auf einen Regentag in Prag
Eine Prag-Besichtigung vom Schiff aus
Eine Turmbesteigung: Der Fernsehturm in Žižkov
Design, Fashion Shows und mehr (Teil 1) …