Im Mittelpunkt der neuen Sonderausstellung auf Schloss Hof, die aber auch durch die Prunkräume des Schlosses führt, steht vom 7.3.-2.11.2026 der Barockgarten als Kunstwerk im Mittelpunkt.
Ich war zu Ostern zum ersten Mal in diesem Jahr zu Besuch auf Schloss Hof: im Mittelpunkt stand natürlich der Ostermarkt, aber ich wollte auch ein wenig den Barockgarten anschauen, die vielen Tiere und natürlich die neue Sonderausstellung – und war ehrlich gesagt etwas enttäuscht.

Barockgarten – nun ja, nicht unbedingt die beste Zeit des Besuches. Selber schuld. Aber zu dieser Zeit sind nun mal wenige Blätter an den Bäumen und die Fontänen sprudeln klarerweise auch nicht wie im Sommer vor sich hin.

Und die Sonderausstellung? Ich bin ja normalerweise kein Freund von Führungen, sondern gehe gerne alleine meinen Weg durch Ausstellungen. Einfach weil ich dann mir alle jene Objekte in Ruhe genauer anschauen kann, die mich interessieren.

Oder auch das „Kleingedruckte“ lesen kann, um mich weiter zu informieren und nicht von einem Highlight zum nächsten mit der Gruppe weitergeschoben werde.

Doch dieses Mal wollte der Funke nicht so richtig überspringen. Das konnte natürlich daran liegen, dass ich die Ausstellung erst am Ende besucht habe und schon müde war oder vielleicht auch daran, weil der schöne Barockgarten des Schlosses sich eben noch größtenteils im Winterschlaf befand.

Daher kam große Freude auf, als ich eine Einladung für einen Pressetermin im Mai bekam, der auch auf Schloss Hof Station machte.
Der Barockgarten
Dieses Mal zeigte sich der Barockgarten von seiner schönsten Seite. Die Beete waren schon gesetzt, die Buchsbäumchen in den Rabatten zurechtgestutzt, die Brunnen sprudelten mit all ihrer Pracht vor sich hin.

Dieses Mal konnte ich zwar nicht durch den ganzen Garten wandern, ihn aber in seiner ganzen Schönheit vom Schloss her wahrnehmen.

Der Tag war perfekt, die Sonne lachte vom Himmel, einige Schönwetterwölkchen bevölkerten den Himmel und das Grün der Bäume glänzte in den Tag hinein.

Gerne wäre ich durch die einzelnen Terrassen spaziert, aber das war im Programm nicht vorgesehen. So genossen wir die Aussicht und staunten.
Eine Kostümführung
Gleich beim Eingangsbereich der Schlossanlage wurden wir von einem kostümierten Führer erwartet. Prinz Eugen persönlich? Könnte fast möglich gewesen sein, obwohl ich nicht glaube, dass der Prinz des Ungarischen oder Slowakischen mächtig war.

Angeblich hatte er auch bei der deutschen Sprach seine Schwierigkeiten. Wir werden jedoch von ihm ins Schloss, durchaus auch in Deutsch verständlich ins Schloss geleitet, wo wir uns in verschiedene Sprachgruppen aufteilen und uns nun eine Prinzessin oder zumindest Adelige aus der Barockzeit durch die Sonderausstellung und durch die Räume des Schlosses führen wird.

„Naja“, war mein ursprünglicher Gedanke, was soll schon viel anders sein. Ich kenne die Ausstellung ja schon. Denkste!. Unsere adelige Führerin erzählt vom Prinzen, vom Schloss, von den Blumen, der Anordnung der Beete, vom Nutzgarten und ich lausche nur mehr hingebungsvoll.

Bereits im Gang zum ersten Ausstellungsraum staune ich. Die Bilder an der Wand sind nicht nur bloße Dekoration, sie versinnbildlichen auch mit ihren Türen die vielen Zimmer, die es damals für die hochwohlgeborenen Gäste des Prinzen gegeben hat.

Und das ist nur eine Info – es folgen unzählige andere: Welche Früchte im Nutzgarten angebaut wurden, welche Kräuter. Wie viele Menschen hier für den Prinzen gearbeitet hatten, wie er mit seinen Mitarbeitern umgegangen ist, dass er niemanden entlassen wollte, wie es eigentlich sein Verwalter einmal vorgeschlagen hatte.

Natürlich gibt es auch viele Bilder, die die Symmetrie der damaligen Anlage beweisen und ebenso viele Zeichnungen und Teller, Vasen oder anderes Porzellan, das mit den verschiedenen Früchten und Gemüse, das in der damaligen Zeit geschätzt wurde, verziert ist.

Wir lernen die verschiedenen Gartengeräte kennen, erfahren dass viele Habsburger eine große Leidenschaft für das Gärtnern besaßen und auch wie man damals allfälliges Ungeziefer zu bekämpften trachtete.

Es ist unglaublich, wie die Ausstellung plötzlich kurzweilig, interessant und absolut besuchenswert und lebendig für mich wird.
Die Prunkräume
Ein Eindruck, der sich auch bei der Besichtigung der weiteren Räume anhält. Oder habt ihr zum Beispiel in einigen Familienbildern die Frau gesehen, die niemals direkt aus dem Bild auf den Beschauer blickt, sondern züchtig zu Boden schaut? Ich nicht.

Wer kann das wohl sein? Und warum sind diese Bilder so einzigartig? Die Auflösung habe ich während der Führung gelernt: Es ist jeweils das Kindermädchen der hohen Herrschaften und es sind die ersten Bilder, in denen eine „Bedienstete“ mit der kaiserlichen Familie abgebildet wurde.

Oder wusstet ihr, dass man bei manchen Lustern einzelne Kerzenarme herausnehmen und so zeigen konnte wie wichtig oder wie beliebt die Besucher bei der Kaiserin waren? Viele Kerzenarme – viel Licht – die Herrscherin war dem Besucher gewogen. Wenige Kerzenarme – wenig Licht – und schon hatte man dezent diplomatisch ausgedrückt, dass man eigentlich nicht viel Zeit mit dem Besucher zu verbringen gedachte …

Ich gehe jetzt also auch durch die Prunkräume mit anderen Augen …

Danach machen wir noch einen kurzen Abstecher zu den Tieren, wobei wir natürlich bei den berühmten Barockeseln vorbeikommen. Wohlgemerkt: Diese Tiere sind eine eigene Rasse und keine Albinos. Wenn man genau schaut, kann man auch erkennen, dass sie uns aus blauen Augen anschauen. Gewusst? Ich garantiere euch, nach so einer Führung seht ihr einiges komplett anders …

Wie gut Kostümführungen auch bei Kindern ankommen, erleben wir noch bei einem kleinen „Zwischenfall“: Während unsere kostümierte Führerin uns einiges Wissenswertes über den Gutshof erzählt, nähert sich eine Kindergartengruppe, die anscheinend auch gerade Schloss Hof besucht.

„Eine Prinzessin!“ „Schau, die Prinzessin ist da“, klingen begeisterte Kinderrufe an unser Ohr und schon wird unsere „Prinzessin“ von einigen Kindern umringt, die ihr unbedingt die Hand geben wollten und mit strahlendem Gesicht „Die Prinzessin hat mir auch die Hand gegeben“ – wieder zu ihrer Gruppe zurückkehren.

Daher eine dicke Empfehlung für die Kostümführungen – passend und interessant für Jung und Alt! Ich bin von dieser Art wirklich sehr begeistert. Auch die (kostümierte) „Hannerl“ auf Schloss Eckartsau (hier mehr darüber) war hervorragend. Ich glaube, ich lass mich nur mehr vom „kostümierten Personal“ in den Schlössern herumführen ….

Das Schloss und damit auch die Sonderausstellung ist täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Tägliche Führungen durch die Sonderausstellung gibt es jeweils um 11:00 und um 14:00 Uhr. Durch den Barockgarten des Prinzen Eugens führt bei Schönwetter täglich eine Führung um 15:00 Uhr. Eintritts- und Führungstickets kauft ihr am besten online unter www.imperialtickets.com
Weitere Termine und Events findet ihr auf der Website: https://www.schlosshof.at/
Der Besuch erfolgte im Rahmen eines Presseevents auf Einladung des Marchfelder Schlösserreichs
Hier findet ihr auf einen Klick mehr über Schloss Hof, Schloss Eckartsau
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