Eine wunderschöne mittelalterliche Stadt und alle sechs Jahre ein Schauspiel, bei dem alle Bewohner auf den Beinen zu sein scheinen: Škofja Loka.
Ich war noch nie bei einem Passionsspiel, obwohl ich schon einiges gehört hatte und mir mit St. Margarethen und Erl auch zwei österreichische Spielstätte bekannt waren.

Doch als dann ein „Mönch“ bei einer Presse-Einladung einen „ur“-alten Text (wenn auch auf Slowenisch) vortrug, stieg mein Interesse exponentiell. In einer alten Stadt, vor Ostern, einmal innehalten und bei so einer Prozession dabei zu sein, das wäre schon etwas …

Super, als ein paar Tage danach auch noch eine Einladung nach Škofja Loka ausgesprochen wurde.

Nach einem wunderschönen Tag in der süßesten Stadt Sloweniens Radovljica (hier gibt es Honig, Lebkuchen und Schokolade) mit einem Besuch und Verkostung (und natürlich auch einem Einkauf) in der Chocolaterie der Stadt, sind wir am späten Nachmittag nach Škofja Loka gefahren.
Die Stadt
Unser Besuch war am ersten Tag der Aufführungsserie nach 10 Jahren. Normalerweise findet das Passionsspiel alle 6 Jahre statt, aber auch hier hat Covid anscheinend eine Verschiebung bzw. Verlängerung des Zeitraumes bewirkt.

Irgendwie merkte man schon beim Betreten der Altstadt, dass hier irgendwas passieren würde. Es brodelte. Ungewöhnlich viele Menschen waren auf der Straße oder saßen sogar im Freien vor den Cafés, obwohl es doch ziemlich frisch war. Ein paar Tage hätte die Schlechtwetterfront wirklich später eintreffen können, dann hätten wir bei besten Frühlingswetter alles miterleben können.

So waren wir in mehreren Schichten eingemummt, den das Stück begann erst um 20:00 Uhr und kalter Wind strich durch die engen Gassen.

Bei unserem kurzen Rundgang zählten wir bereits drei Bühnen und ich konnte mir - ehrlich gesagt – noch immer nicht richtig vorstellen, wie das Ganze ablaufen sollte. Allerdings verstellten die Bühnen nun ein wenig die Sicht auf die schönen Häuser, die den Hauptplatz säumten. Dennoch diese Stadt ist es in jedem Fall wert, auch ohne Passionsspiel noch einmal, dann vielleicht bei etwas wärmeren Temperaturen zu besuchen.

Allein die beiden Kirchen, das ehemalige Rathaus, die Sgrafitto-Zeichnungen, die schmiedeeisernen Zunft(?)zeichen and Wänden muss ich bei einem späteren Besuch alle noch einmal genauer betrachten. Auch der Altarraum der Jakobskirche ist wunderschön und ich möchte auch noch genauer erkunden, was hier alles vom genialen Architekten Jože Plečnik stammt.

Abgesehen davon: Das Schloss muss irgendwann auch noch besichtigt werden – und auch in der Umgebung der Stadt gibt es einiges zu entdecken, aber davon ein anderes Mal.

Wir sind nach unserem Spaziergang jedenfalls noch im Pr’Pepet eingekehrt (ebenfalls sehr empfehlenswert, mehr darüber hier), um uns für die Aufführung und die Nacht zu stärken.
Das Passionsspiel
Als wir das Lokal verlassen, ist es schon dunkel und vor unserer Bühne hatte sich bereits eine lange Schlange gebildet, die auf Einlass warteten. Außer bei der Haupt- bzw. VIP-Tribüne gilt freie Sitzplatzwahl, es empfiehlt sich daher, rechtzeitig zum Eingang der Besucherplätze zu kommen.

Die Veranstaltung ist bis auf den letzten Platz restlos ausverkauft.

Vor der kleinen Bühne sind Heurigenbänke aufgestellt, auf denen nun das Publikum Platz nimmt. Wer – so wie wir – etwas weiter hinten in der Schlange steht, muss mit Plätzen ebenfalls weiter hinten vorliebnehmen. Diese sind zwar etwas erhöht, aber ihr wisst ja wie es ist, wenn gerade der Mann mit zwei Meter immer vor euch sitzt. Tipp also: Rechtzeitig erscheinen.

Gespannt warte ich auf den Beginn, der mit einer Rede in slowenischer Sprache beginnt, von der ich natürlich nichts verstehe. Dann beginnt das Spiel und wirklich: Die Schauspieler ziehen von Bühne zu Bühne. Vom Hauptplatz geht es anscheinend zu unserer Bühne und dann noch einmal weiter.

Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das funktionieren kann, denn ich hatte eigentlich erwartet, dass man dann immer von der vorderen oder der nächsten Szene, die ja auf den anderen Bühnen gespielt wird, gestört werden würde. Mitnichten. Bis auf ein paar wenige Szenen, die z.B. das laut deklamierende Volk beinhalten, stört keine Bühnenszene die andere. Toll gelöst.

Insgesamt besteht diese Passion aus 20 verschiedenen Szenen. Unglaublich, wie viele Menschen am Gelingen beteiligt sind – und hier spreche ich nur von den Schauspielern. Wenn man auch noch die ganze Abwicklung, Licht, Regie, Kostüme, Auf- und Abbau dazu zählt, müssen hier Hunderte, wenn nicht Tausende im Einsatz sein. So besuchten 2009 nicht nur 24.000 Zuschauer das Schauspiel, sondern 80 Reiter und 800 Statisten waren bei den Aufführungen mit dabei. Kein Wunder also, dass die Veranstaltung 2016 in die die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde.
Das Spiel
1721 schrieb Pater Romuald, ein Kapuzinermönch diese zwanzig Szenen des Passionsspiels. Mir war allerdings nicht bewusst, dass manche der Szenen auch aus dem Alten Testament stammen.

Natürlich wird die Geschichte in Slowenischer Sprache aufgeführt. Das war bei jenen Szenen, die man aus dem neuen Testament kennt, auch nicht weiter tragisch. Doch mit den Szenen aus dem Alten Testament kam ich anfänglich nicht zurecht, da ich sie nicht erwartet hatte. So war es für mich vor allem an Anfang schwierig, der Handlung zu folgen.

Es gab zwar einen Folder, der beim Einlass in den Zuschauerraum verteilt wurde – allerdings auch auf Slowenisch. Was zur Folge hatte, dass ich ihn achtlos eingesteckt habe. Schwerer Fehler! Denn mit Google Lens und dem Google Übersetzer hätte mir die Kurzbeschreibung mancher Szene leicht auf Deutsch übersetzten können.

Daher mein Tipp: Unbedingt den Flyer entgegennehmen und studieren. Mit Google eigentlich kein großes Problem. Für all jene, die an einen kurzen Überblick interessiert sind, habe ich hier die Übersetzung als pdf zum Download.

Doch egal, ob mit oder ohne Übersetzung: Es ist ein Spektakel, das man einfach einmal gesehen haben muss. Bühnenteile werden von Aufführungsort zu Aufführungsort mit den Schauspielern getragen, es wird auf Pferden geritten, es erklingen Arien, Kinderchöre und der Vortrag der Laienschauspieler hört sich an, als ob alle eine Theaterausbildung hätten.

Und es ist nicht nur ein Spektakel und trotz der fehlenden Übersetzung, das Spiel berührt durch seine eindrucksvollen Bilder
Auch wenn es schwierig war, zu fotografieren und daher die Bilder nicht gerade vor Schärfe und richtiger Belichtung glänzen, geben sie doch die Atmosphäre wieder. Hoffe ich zumindest. Weitere Bilder der einzelnen Szenen findet ihr auch im Fotoalbum hier.

Fazit: Es ist sehenswert, die Passionsspiele zumindest einmal zu besuchen. Wie bei vielen anderen Besuchen – eine kleine Vorbereitung schadet nicht. Mein Tipp zum Abschluss: Bleibt auf jeden Fall zumindest einen Tag länger und erforscht die Stadt. Es ist schade hier nicht alle interessanten Plätze in Ruhe besucht zu haben.

Oder aber macht es wie ich: Einfach gleich den nächsten Aufenthalt planen und dann alles in Ruhe bei vielleicht wärmeren Temperaturen noch einmal genießen. Die nähere Umgebung bietet noch viele andere Besichtigungs- und Ausflugsmöglichkeiten. Man kann also ohne Probleme dann auch noch ein bisschen länger bleiben. Dazu bald mehr …
Restauranttipp: Škofja Loka - Pr’ Pepet
Weitere Bilder: Fotoalbum Škofja Loka und das Passionsspiel



