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  • 11.8.-3.9.2023
  • Grafenegg Festival
  • Schloss Grafenegg
  • 3485 Grafenegg 10
  • T: + 43 2735 55 00
  • https://www.grafenegg.com

Der Wolkenturm in Grafenegg ist einer unserer Sommer-Fixpunkte im Kulturleben. Heuer waren wir bei der Festival-Eröffnung…. (Foto © Sebastian Philipp)

Grafenegg hat ein ganz eigenes Flair. Man kann Stunden vor dem Konzert bereits gemütlich in einem Liegestuhl in der Wiese sitzen, ein Glas des hervorragenden Weines und ein Brezel genießen und sich auf das Konzert freuen.

Im Liegestuhl in der Wiese mit Blick auf das Schloss
Im Liegestuhl in der Wiese mit Blick auf das Schloss

Aber auch eine Schlossbesichtigung, ein Nachmittagskaffee oder ein Abendessen beim Mörwald sind auch genussvolle Alternativen. 

Manchmal ist auch eine Schlossbesichtigung möglich
Manchmal ist auch eine Schlossbesichtigung möglich

Und bei manchen Konzertveranstaltungen gibt es sogar ein Prelude im Schlosshof (wir schwärmen immer noch von der Interpretation des „Erlkönigs“ und der „Forelle“ durch die Erlkings) und manchmal auch einen „Nachklang“ in der Reitschule. Beides sollte man nicht verpassen, wenn es am Programm steht, es gibt dabei immer wieder Neues zu entdecken.

Die Weinauswahl ist hervorragend
Die Weinauswahl ist hervorragend

Dieses Mal waren wir bei der Festivaleröffnung dabei. Am Programm: Richard Strauss „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ und „Ein Sommernachtstraum“ von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Grafenegg Festival Eröffnung 2023 (Foto © Sebastian Philipp)
Grafenegg Festival Eröffnung 2023 (Foto © Sebastian Philipp)

Es spielte das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, Nikola Hillebrand und Patricia Nolz waren die Solistinnen, Cornelius Obonya der Sprecher.

Grafenegg Festival Eröffnung 2023, Cornelius Obonya (Foto © Sebastian Philipp)
Grafenegg Festival Eröffnung 2023, Cornelius Obonya (Foto © Sebastian Philipp)

Johannes Prinz war verantwortlich für die Choreinstudierung der Damen des Wiener Singvereins und Yutaka Sado dirigierte.

Die Regie und die Textfassung der „halbszenischen“ Aufführung des Sommernachttraums lag in den Händen von Carolin Pienkos.

Grafenegg Festival Eröffnung 2023, Nikola Hillebrand (Foto © Sebastian Philipp)
Grafenegg Festival Eröffnung 2023, Nikola Hillebrand (Foto © Sebastian Philipp)

Der Abend begann für mich mit einer angenehmen Überraschung. Entweder habe ich früher nie richtig hingehört oder es ist eine Altersfrage oder? Was weiß ich: auf jeden Fall beginnt mit Richard Strauss gut zu gefallen. Nachdem ich bei der „Brünner“ Salome noch an einen „Einzelfall“ glaubte, scheint es nun zur Serie zu werden: mir beginnt die Musik von Richard Strauss zunehmend zu gefallen. So auch an diesem Abend.

Grafenegg Festival Eröffnung 2023, Patricia Nolz (Foto © Sebastian Philipp)
Grafenegg Festival Eröffnung 2023, Patricia Nolz (Foto © Sebastian Philipp)

Es war auch ein wunderschöner Sommertag. Die Sonne lachte vom Himmel, wir genossen ein Glas Sauvignon Blanc und einen Gelben Muskateller vom Weingut Gobelsburg, saßen im Liegestuhl auf der Wiese und plauderten. So fängt ein Kulturabend doch hervorragend an.

Noch ein Blick in die Runde
Noch ein Blick in die Runde

Kein Promi trübte unser Bild, beschwerte unsere Stimmung. Als die Trompeten zum Wolkenturm riefen, machten wir uns auf den Weg (ehrlicher Weise gesagt – schon ein wenig vorher)

Die Plätze waren zwar auf der Haupttribüne, jedoch ziemlich weit rechts und ich muss sagen, der Hörgenuss war dieses Mal nicht so gut wie ich ihn das letzte Mal in Erinnerung hatte. Mitte oder Links ist eindeutig vorzuziehen – lieber weiter oben als zu weit rechts.

Doch egal. Der musikalische Abend begann und ich war über die Strauss´schen Klänge sehr erfreut. Gar melodisch kamen sie für mein Ohr daher, keine Dissonanz störte.

Möge das Spiel beginnen
Möge das Spiel beginnen

Till Eugenspiegels lustige Streiche waren also bald vorbei und wir freuten uns schon sehr auf den Sommernachtstraum. Seit ich in Leipzig im Mendelssohn Bartholdy-Haus mehr über diesen Komponisten erfahren haben, freue ich mich immer seine Musikstücke zu hören. Auch dieses Mal.

Allerdings muss ich gestehen, dass ich mit den halbszenischen Aufführungen ein wenig Probleme habe. Schon letztes Jahr hatte ich mit der szenischen Umsetzung von Fidelio größere Schwierigkeiten und heuer ging es mir ähnlich, obwohl mir Cornelius Obonya als Sprecher besser gefiel als Peter Simonischek. Damals wie dieses Jahr fand ich den Text zu lang, einige Passagen unnütz, die Musik nicht immer an den passendsten Stellen unterbrochen. 

Grafenegg Festival Eröffnung 2023, Cornelius Obonya und Yutaka Sado (Foto © Sebastian Philipp)
Grafenegg Festival Eröffnung 2023, Cornelius Obonya und Yutaka Sado (Foto © Sebastian Philipp)

Obonya hatte es meiner Meinung nach auch noch schwerer. Die Handlung ist kompliziert, verwirrend, und er mühte sich redlich auch alle Handelnden von Oberon bis zu Titania in anderer Stimmlage zu Wort kommen zu lassen. Dennoch war es das eine ums andere Mal dann doch nicht verständlich, das Chaos der Handlung zu groß und man muss trotz all seiner Bemühungen sagen: Wer die Geschichte des Sommernachtstraums kannte, war eindeutig im Vorteil. Auch wurde die Musik durch lange Textpassagen teilweise zerhackt – und manchmal wurde auch über den Klang gesprochen.

Grafenegg Festival Eröffnung 2023, Patricia Nolz, Nikola Hillebrand (Foto © Sebastian Philipp)
Grafenegg Festival Eröffnung 2023, Patricia Nolz, Nikola Hillebrand (Foto © Sebastian Philipp)

Ich bin mir daher nicht sicher, ob diese szenischen oder halbszenischen Aufführungen wirklich (für mich) passend sind. Mir wäre vorab eine kurze Einführung in das Stück und die einzelnen Motive lieber.

Auf jeden Fall wurde dadurch die Veranstaltung länger und länger und es wurde kalt und immer kälter – bis wir zum Schluss bereits ziemlich froren und die Verkühlung uns auch heute noch fest im Griff hat (Obwohl ich mit Decke und Jacke ausgestattet war). Doch für die Kunst muss man eben Opfer bringen.

Yutaka Sado bei der Festival Eröffnung in Grafenegg (Foto © Sebastian Philipp)
Yutaka Sado bei der Festival Eröffnung in Grafenegg (Foto © Sebastian Philipp)

Dennoch – ich habe die Musik sehr genossen. Auch stimmlich wurde von den Sängerinnen einiges geboten, wobei mir dabei Patricia Nolz am besten gefallen hat. Man – nein, falsch: ich – war wieder einmal überrascht, wie viele Musikpassagen aus dem Sommernachtstraum ich schon kannte. Es ist ja doch schön, wenn man als Zuhörer so richtig mitwippen kann.

Es war ein schöner, langer, zum Schluss kalter Abend in Grafenegg, der mich sowohl Richard Strauss als auch Felix Mendelssohn Bartholdy wieder ein Stückchen näher gebracht hat.

Grafenegg Festival Eröffnung 2023, Cornelius Obonya (Foto © Sebastian Philipp)
Grafenegg Festival Eröffnung 2023, Cornelius Obonya (Foto © Sebastian Philipp)

Das Premierenpublikum war begeistert, die Kritik ein bisschen zurückhaltender. Egal. Mir hat es trotz allem gefallen. Also Herz, was willst du mehr.

Vielleicht geht sich ja heuer noch die eine oder andere Aufführung aus. Im nächsten Jahr plane ich lieber auf die „szenischen“ Erweiterungen zu verzichten und mir ein Konzert „reiner“ Musik auszusuchen ….

Der Wolkenturm am Abend
Der Wolkenturm am Abend

Das Grafenegg-Festival bietet auf jeden Fall noch viel Kunstgenuss bis zum 3. September 2023. Genießt es …

Text: Dagmar Postel

viennacontemporary 2023