Ich mag die deftige tschechische Küche ja sehr gerne, aber hin und wieder ein feines Essen, das mit einem Michelin-Stern geadelt wurde – ist auch nicht schlecht.
Unser Besuch hat dem "La Villa" anscheinend Glück gebracht – wenige Tage nach unserem Besuch wurde die Crew des La Villa mit ihrem ersten Michelin Stern geehrt. Und ja, uns hatte es auch ohne Stern hervorragend geschmeckt ….
Ein Haus mit Geschichte
Das Restaurant ist in einer einzigartigen Villa mit durchaus bewegter Geschichte und prominenten Besitzern untergebracht. 1941 wurde die „Vavreček-Villa“ nach den Plänen von Architekten Vladimír Karfík für Hugo Vavreček gebaut. Hugo Vavreček war einer der Direktoren des Baťa-Konzerns, seine Tochter Božena Havlová besuchte das Haus des Öfteren mit ihren Söhnen Ivan und Václav, dem späteren Präsidenten der Tschechischen Republik.

Bald musste die Familie allerdings aus dem modernistischen Haus, das auch einige funktionale Elemente aufweist, wieder ausziehen. Die Villa wurde verstaatlicht, in ein Kinderheim umgewandelt und wechselte nach 1990 mehrmals den Besitzer.

2015 begann die Renovierung und der Umbau in ein Restaurant unter der Leitung des renommierten tschechischen Architekten Josef Pleskot und des Teams von AP Atelier. Auch der Garten und die Umgebung des Hauses wurden neugestaltet und revitalisiert.

Die Früchte der Obstbäume und der Beerensträucher finden ebenso in der Küche Verwendung wie auch die Kräuter und das Gemüse, das hier angebaut werden. Die hohen Kiefern, die (fast) schon als Wahrzeichen der Villa gelten, prägen auch weiterhin den Garten.
Unser Besuch und mein erster Eindruck
Die Villa liegt ein wenig außerhalb der Stadt, umgeben von Wald und einem großen Garten. Wenn man in die Villa eintritt, merkt man gleich ihre eigene Atmosphäre. Ich bin ja nicht so für großes Chi-Chi zu haben, stylisch gerne, aber es sollte nicht gespreizt sein, sondern eine gemütliche Atmosphäre haben.

All dies ist hier gegeben. Die Einrichtung hat Charakter und Stil, dennoch kann man gemütlich am Tisch sitzen und in den Garten blicken. Das Personal ist äußerst freundlich und zuvorkommend.
Essen und Trinken
Natürlich interessieren in erster Linie die Speisen und Getränke. Hier trinke ich zum ersten Mal einen „Sparkling Tea“ als Aperitif. Und wirklich: Es blubbert wie Sekt. Der Geschmack ist anfänglich vielleicht ein bisschen gewöhnungsbedürftig, weil man irgendwie eine Ähnlichkeit mit Sekt erwartet und Sparkling Tea ist nicht ganz so fein im Bouquet, viel kräftiger im Geschmack. Dennoch: Ihr solltet diesen Sparkling Tea wirklich probieren.

Dann starten wir mit hausgemachtem Gebäck und einer Buttervariation. Für mich immer eine ausgezeichnete Eröffnung eines guten Mahles.

So auch hier, die Weckerl sind wohlschmeckend und knusprig und dazu noch ein bisschen Butter dazu und ein Schlückchen vom Sparkling Tea – herrlich.

Weiter geht es dann mit einem Süppchen oder einem Carpaccio – egal welche Variante wir gewählt haben, sie sind alle empfehlenswert. Ich habe mich für die Kulayda entschieden – super.

Und auch die Hauptspeisen sind nicht wunderbar zum Anschauen, sondern schmecken auch hervorragend. Einfach eine wunderbare Mischung aus den verschiedenen Geschmäckern und Texturen.

Eigentlich habe ich wahrlich keinen Hunger mehr, aber zumindest probieren muss ich die Nachspeise doch – und es wäre schade gewesen, zumindest nicht ein Stückchen von diesem „Buchterl“ probiert zu haben.

Einfach köstlich. Daher mein Tipp: Auf jeden Fall probieren – im Notfall teilt euch einfach eine Portion.

Bezüglich der Weinbegleitung solltet ihr euch einfach vom Kellner beraten lassen, ich bin überzeugt, er wird euch das Richtige empfehlen.

Wir waren nach unserer Erfahrung daher gar nicht sooo überrascht, als wir einige Tage später erfuhren, dass das Team von La Villa mit einem Michelin Stern geehrt wurde. Mit Stern oder ohne – hier könnt ihr wirklich gut essen …
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