Es ist das älteste noch betriebene Kaffeehaus in der Stadt. Leider kann ich nicht darüber berichten, wie die Qualität der Speisen und Getränke ist. Aber das Caffè ist wunderschön.
Wir waren auf dem Weg zum Start des Hopp On-Hopp Off-Buses. Da der Bus noch nicht an der Haltestelle war und wir auch um einiges zu früh dran waren, haben wir uns noch ein wenig in der Gegend umgesehen.

Zuerst sind wir in der griechisch-orthodoxen Kirche San Nicoló gewesen und haben dort einige Zeit staunend im Innenraum verbracht – müsst ihr euch unbedingt ansehen. Und dann war da noch dieses Kaffeehaus an der Ecke.
Das nächste Mal wird hier noch zumindest ein Espresso bestellt, bevor es ab durch die Stadt geht. Es ist sicher angenehm hier heraußen zu sitzen und seinen Blick auf das Meer zu richten. Aber was ihr unbedingt sehen müsst, ist die Innen-Einrichtung des Kaffee-Restaurants. Denn meiner Meinung nach ist es nicht nur ein einfaches Wiener Kaffeehaus, sondern auch ein ziemlich elegantes Restaurant.

1824 wurde das Gebäude, in dem sich das Caffè befindet, durch den Architekten Antonio Buttazzoni gebaut – beauftragt von den Brüdern Felice und Vitale Vivante aus Mantua. Beide waren – wie könnte es in Triest um diese Zeit anders sein – Händler und anscheinend ziemlich erfolgreich. Damals hieß der Platz noch Piazza dei Negozianti (Platz der Händler, der Geschäfte), heute ist es die Piazza Tommaseo.

1830 eröffnet Tomaso Marcato aus Padua das Kaffeehaus Caffè Tomaso im Erdgeschoss. Er stattet es mit den legendären Thonet-Sesseln und Spiegeln aus Belgien aus. Giuseppe Gatteri wird mit der Wanddekoration beauftragt. Schnell wird das Caffè zu einem Treffpunkt von Kaufleuten, Künstlern und Intellektuellen. Die zahlreichen Konzerte und Ausstellungen helfen sicher mit, die Beliebtheit in diesen Kreisen zu erhöhen. Außerdem gibt es hier zum ersten Mal Speiseeis in Triest zu verkosten. Und – wie ich inzwischen auch weiß – ein historischer und politischer Platz: Bald nach seiner Eröffnung wurde es ein Zentrum der irredentistischen Bewegung. Also jener Menschen, die die Einigung des italienischen Staates und damit natürlich auch die Loslösung von Triest und Umgebung von der Österreich-Ungarischen Monarchie betrieben haben.

1848 wird es zu Ehren des dalmatischen Schriftstellers und Patrioten Niccolò Tommaseo in Caffè Tommaseo umbenannt. Eine Gedenktafel erinnert heute noch an die Bedeutung des Kaffeehauses während des italienischen Risorgimentos (der italienischen Einheitsbewegung):
Da questo Caffè Tommaseo, nel 1848, centro del movimento nazionale, si diffuse la fiamma degli entusiasmi per la libertà italiana.
(Von diesem Caffè Tommaseo, Zentrum der nationalen Bewegung, breitete sich im Jahr 1848 die Begeisterung für die Freiheit Italiens aus.)

Allerdings ändert man nach der Hinrichtung von Guglielmo Oberdan 1882 den Namen wieder in Caffè Tomaso. Die Angst vor einer Reaktion Österreich-Ungarns ist zu groß. Erst nach dem Einzug italienischer Truppen im November 1918 und der Übergabe der Stadt an Italien kehrt man erneut zum Caffé Tommaseo zurück.

1997 wird das Kaffeehaus von Grund auf renoviert, wobei allerdings die ursprüngliche Innendekoration weitgehend erhalten bleibt.
Und diese muss man einfach gesehen haben. Wir waren relativ früh am Morgen da, dennoch war ich überrascht, wie freundlich uns die Kellner und Kellnerinnen begegnet sind.

Es ist selten, dass es erlaubt ist, zu fotografieren, staunend durch ein Lokal zu gehen und alles anzusehen – noch dazu ohne das Geringste zu konsumieren. Das allein ist schon ein Grund, das nächste Mal etwas länger einzukehren.
Das Caffè ist ein Wahrzeichen von Triest und als Wiener*in fühlt man sich hier sofort zu Hause. Einziger Unterschied: keine grantigen Oberkellner, aber das ändert sich in den berühmten Cafès auch in unserer Stadt schön langsam.

Lasst euch den Traum aus Stuck und Jugendstil und Wiener Atmosphäre keinesfalls bei eurem Triestbesuch entgehen.
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