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Es ist die letzte familiengeführte Sektkellerei in Wien, (fast) mitten in der Großstadt. Bei einer Kellerführung kann man nicht nur ihre Produkte, sondern auch ihre Geschichte kennenlernen und einiges über Sekt, Prosecco und Frizzante erfahren …


Gerne genieße ich bei den Veranstaltungen im Musikverein hin und wieder auch ein Gläschen Sekt und kam so in den Genuss des Kattus Cuvee Nr1 Brut. Genaueres habe ich allerdings erst bei der Kellerführung erfahren …

Die Geschichte des Hauses Kattus

1857 gilt als Gründerjahr der Firma Kattus, damals allerdings weder als Sektkellerei noch in Döbling, wo heute die Sekterzeugung untergebracht ist. Johann Kattus I., der Gründer, hatte ein feines Gespür für Qualität und Marktchancen und er gründete Am Hof 8 (das Haus gehört heute noch der Familie Kattus) eine Spezereiwarenhandlung, die schon bald florierte und Köstlichkeiten aus aller Welt verkaufte: Tee, Südfrüchte, Spirituosen, Champagner, Liköre. In den 1860er Jahren ist er dann auch in den Wein bzw. in die Weinproduktion eingestiegen: In der Silbergasse 52, unweit der heutigen Sektkellerei hat er einen Weinkeller gebaut, Weingärten gekauft und begonnen seinen eigenen Wein zu produzieren.

Der Gründervater der Sektkellerei
Der Gründervater der heutigen Sektkellerei

Doch sein größter Coup gelang dem Firmengründer in den 1870er Jahren. Bei einer Reise ans Kaspische Meer hat er Kaviar – damals noch ein Nebenprodukt beim Fischfang – kennengelernt und sofort erkannt, dass es sich hier um eine besondere „Speise“ handelt, vor allem wenn man ihn zur Haltbarmachtung nicht zu sehr einsalzte. Doch diese Methode verlangte eine spezielle Logistik, um den Kaviar unverdorben an die Kaiser- und Königshäuser liefern zu können – und hier lag seine Stärke: Kattus baute eine Kühlkette von Russland bis nach Wien und später nach Berlin mit eigenen Kältekellern auf und wurde so bis zum Ersten Weltkrieg der größte Kaviarhändler der Welt.

Ein Begrüßungssekt zu Beginn der Führung
Ein Begrüßungssekt zu Beginn der Führung

Um 1890 gab sein Sohn Johann Nepomuk Kattus II. dem Unternehmen einen neuen Twist: Er war gerade aus Frankreich zurückgekehrt, wo er bei Madame Clicquot die sogenannte Méthode Champenoise kennengelernt hatte. Davon inspiriert gründete er die Kattus Sektkellerei in der Billrothstraße im 19. Wiener Bezirk, wo sie noch heute ihren Sitz hat.

Nun geht es in den Keller
Nun geht es in den Keller

Rund um die Jahrhundertwende wurde Kattus auch zum K. und K. Hoflieferanten ernannt, eine wunderbare Auszeichnung zur damaligen Zeit und sicher auch ein wichtiger Puzzlestein des Erfolges.

Wo uns Johannes Kattus einiges über die Familie erzählt
Wo uns Johannes Kattus einiges über die Familie erzählt

Mit dem Ersten Weltkrieg wurde die Lage allerdings schwieriger, denn Luxusprodukte waren weniger gefragt. Die Menschen hatten Sorge ihr tägliches Leben zu organisieren und zu bestreiten.

Eine Bar für Veranstaltungen
Eine Bar für Veranstaltungen

Dennoch führte Johann Kattus III. das Unternehmen erfolgreich durch beide Weltkriege. Er konzentrierte sich allerdings stärker auf die Sektproduktion und den Getränkehandel und verkaufte die Weingärten im Familienbesitz größtenteils. Die Trauben bzw. der Wein wurde zugekauft und die Versektung in den Kellereien vollzogen. Außerdem übernahm er den Österreich-Vertrieb für wichtige Spirituosenmarken wie Gordon`s Gin, Black and White Whiskey u.va.

Tolles Licht
Tolles Licht

Nach seinem frühen Tod Anfang der 1970er Jahre übernahmen seine beiden Brüder das Unternehmen, die es in seinem Sinne weiterführten, aber keine großen neuen Impulse setzten, aber aus einer der bevorzugten Lagen „Hochriegl“ wurde unter seine Ägide eine der bekanntesten und erfolgreichsten Sektmarkten in Österreich auf den Markt gebracht.

Hier lagern die besonderen Schätze
Hier lagern die besonderen Schätze

1992 erfolgte der nächste Generationen-Wechsel: Maria Polsterer-Kattus, die Tochter von Johann III. übernahm mit ihrem Ehemann die Unternehmensführung und setzte neue Maßstäbe: Mit dem Kattus Frizzante kam ein leichter spritziger Perlwein auf den Markt, der in kurzer Zeit nicht nur den österreichischen Markt eroberte. Der Gianni Kattus Prosecco eroberte auch internationale Märkte.

Und hier reifen sie ...
Und hier reifen sie ...

2010 wurde mit dem Verkauf der Markenrechte an Hochriegl eine strategische Entscheidung getroffen: Man wollte sich wieder auf den Markenkern von Kattus konzentrieren: höchste Qualität, Authentizität und Wiener Herkunft.

Weiter geht es ...
Weiter geht es ...


Seit 2021 führt nun Johannes Kattus V. mit seinem Schwager Dr. Maximilian Nimmervoll das Unternehmen und setzte neue Impulse: Als Leitmotiv entwickelte man „upGrade“: Ein Wortspiel (aus upgraden und grapes), das für das ständige Streben nach Veredelung, Weiterentwicklung und Exzellenz steht und eine klare Fokussierung auf Premium Qualitäten vorsieht. Mit dem Kattus Spumante, einem Schaumwein aus der Prosecco-Traube verbindet sich das Beste aus zwei Welten: eine italienische Rebsorte und österreichisches Handwerk – und zu guter Letzt eine über 165 Jahre Genussgeschichte.

Die Kellerführung und Verkostung

Neben dieser „Hauptgeschichte“ des Unternehmens kann man bei einer Kellerführung in den Räumlichkeiten nicht nur die Kellerräume und Produktionsstätten, sondern auch noch viele weitere Geschichten über die Familie kennen lernen. Und zusätzlich sein Wissen über Sekt, Champagner, Schaumwein, Prosecco und Frizzante erweitern.

Der Sekt muss Kopf stehen ...
Der Sekt muss Kopf stehen ...

Manchmal wird es richtig spannend den einen oder anderen Unterschied zu erfahren, die verschiedenen Herstellungsmethoden, wie die Méthode Traditionelle (die traditionelle Flaschengärung), die Méthode Charmat (Tankgärung) oder die Méthode Ancestrale (Pèt Nat – Pétillant Naturelle) kennen zu lernen und danach zu wissen, wie die kleinen perlenden Kügelchen in den Sekt oder den Frizzante kommen, was eine Dosage ist oder wie die zugesetzte Hefe wieder aus dem perlenden Getränk entfernt wird, bevor es bei uns im Glas prickelt. Auch die Diskussion um den richtigen Verschluss: Kork, Plastik, Glas oder Drehverschluss finde ich immer ausgesprochen interessant.

Abgepackt wird hier ...
Abgepackt wird hier ...

Neben all diesen Informationen kann ich mich auch immer wieder für Abfüllung und Logistik begeistern: auch wenn diese Anlage bei unserem Besuch nicht im Betrieb war, kann man sich gut vorstellen, wie hier ziemlich vollautomatische Flaschen gefüllt, etikettiert und abgepackt werden.

Flaschen als Kunstwerke
Flaschen als Kunstwerke

Außerdem ist der Gang durch die Keller ebenfalls immer ein Erlebnis: Hier herrschen Sommer wie Winter konstante Temperaturen, einfach herrlich an einen heißen Sommertag durch die Keller zu spazieren (trotzdem: eine Weste mitnehmen) und danach noch bei der anschließenden Verkostung verschiedene prickelnde Kattus-Varianten verkosten zu können. Wahrlich empfehlenswert!

Noch ein Gläschen zum Abschluss
Noch ein Gläschen zum Abschluss

Noch ein kleiner Tipp zum Abschluss für alle Wiener oder Wien-Besucher:
Wer einen Sekt direkt in der Kattus-Kellerei in Döbling kauft, kann sich nicht nur an persönlicher Beratung erfreuen, sondern auch an exklusive Raritäten, edle Großflaschen (Magnum und Doppelmagnum!) erfreuen, die nicht im normalen Handel erhältlich sind und erhält 10% günstigere Preise! Der nächste Silvester oder die nächste Geburtstagsfeier kommt bestimmt – schaut vorbei …

So kennt ihr ihn vielleicht aus dem Supermarkt
So kennt ihr ihn vielleicht aus dem Supermarkt

Sektkellerei Kattus
1190 Wien, Billrothstraße 51
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Tel: · +43 1 368 43 50
www.kattus.at

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