Im kleinen Ort Vrba in der Gorenjska wurde der größte slowenische Dichter France Prešeren geboren. Wir haben sein Geburtshaus und das neue Museum besucht.
France Prešeren war mir vor allem durch den „Prešeren-Platz“ in Ljubljana bekannt und durch die Geschichte seiner nicht erwiderten Liebe zu Julija Primic.

In der Mitte des Platzes zu seinen Ehren steht sein Denkmal, das vom Architekten Maks Fabiani und dem Bildhauer Ivan Zajc 1905 geschaffen wurde und bei seiner Enthüllung auch gleich zu einem Skandal führte, denn die Muse, die mit Prešeren dargestellt wurde zeigte ihre nackten Brüste. Strenggläubige Laibacher protestierten aufs Schärfste und so wurden diese fast zwei Jahre lang jeden Abend mit einem Tuch verhüllt und am Morgen wieder enthüllt. Schließlich sollten keine „unseriösen Handlungen“ zwischen den Statuen während des Nachts passieren. Nach den zwei Jahren stand das Seelenheil aber nicht mehr so im Mittelpunkt des Gedächtnisses und man ließ die Muse auch nächstens unverhüllt.

Mit seiner großen Liebe ist der Dichter allerdings noch heute in Blickkontakt. Prešeren traf er einst in der Trnovo Kirche und verliebte sich unsterblich in sie. Trotzdem sie einen anderen heiratete widmete er ihr eines seiner wichtigsten Werke: einen Teil seiner Poezije. Heute kann man ihre Büste auf dem Haus am Ausgang des Platzes sehen, in dem sie wohnte - mit direktem Blickkontakt zu seinem Denkmal.

France Prešeren jedoch heiratete eine Arbeiterin, die er im Haus von Julia kennen lernte. Die hatten drei Kinder, jedoch verließ sie ihn.
Sein Leben
Seine Lebensgeschichte kann man als kurz und tragisch beschreiben. Geboren am 3. Dezember 1800 in Vrba im damaligen Herzogtum Krain als drittes von acht Kindern einer bäuerlichen Familie ging er in Reifnitz und Ljubljana zur Schule und studierte anschließend in Wien Rechtswissenschaften. In dieser Zeit lernte er auch Anastasius Grün, Bartolomäus Kopitar und Matija Čop kennen.

1832 ging er nach Klagenfurt und fiel fast bei der Advokatenprüfung durch, da er auch für den Angeklagten recherchiert hatte. Dadurch fand er erst 1846 eine Stelle in Kranj. In Ljubljana lebte er von 1829 bis 1846 schließlich als Angestellter einer Rechtsanwaltskanzlei, hatte allerdings kaum Freunde und Bekannte. Schließlich starb er mit nur 48 Jahren an Leberzirrhose.

Ein Teil seines Gedichtes Zdravljica – eigentlich ein Trinkspruch – ist heute der Text der slowenischen Hymne. Prešeren hat es 1844 geschrieben und es wurde später von Stanko Premrl vertont. Das Gedicht spielte immer eine große Rolle bei der Bildung des slowenischen Nationalbewusstseins und wurd am 27. September 1989 vom damaligen slowenischen Parlament zur Nationalhymne bestimmt. Seit der Unabhängigkeit 1991 dient die siebte Strophe als Nationalhymne Sloweniens.

Prešeren schrieb aber auch Liebesgedichte und Naturlyrik sowie ein historisches Epos: die Taufe an der Savica (krst pri Savici) aber auch deutsch Gedichte und Sonetten. Das große Tor (Ta velik Vrata) ist sein wichtigstes deutschsprachiges Werk, das seine Verbundenheit zu Ljubljana ausdrückt.
Das Dorf Vrba
Vrba ist ein kleines Dorf in der slowenischen Gemeinde Žirovnica, das erstmals 1247 urkundlich erwähnt wurde. Neben der romanischen St. Markus Kirche, die Prešeren in seinem Werk Sonetje nesreče verewigt hat, ist vor allem sein Geburtshaus und das daneben befindliche Museum interessant.

Beide liegen etwas außerhalb des Ortskerns wie die Kirche, die mit ihren gotischen Fresken an den Innenwänden aus dem 15. Jahrhundert zu den slowenischen Kulturdenkmälern von nationaler Bedeutung zählt.
Das Geburtshaus von France Prešeren
Es ist ein kleines schmuckes, altes Bauernhaus in dem France Prešern – und 100 Jahre später auch der spätere Erzbischof von Ljubljana Anton Vovk – geboren wurde. Zahlreiche originale Möbelstücke vermitteln das Leben zur Zeit des Dichters.

Beeindruckend sind nicht nur die „Rauchkuchl“ und der Kamin, sondern auch unsere Führerin, die uns auf viele kleine interessante Details aus dem damaligen Leben aufmerksam macht und uns auch erklärt, wie wichtig Prešeren für die slowenische Nationalität und Sprache war und ist.
Das Museum
Dann erwartet uns noch ein Besuch des Museums, das gerade neu eröffnet wurde und sich gleich dem Geburtshaus gegenüber befindet.

Mein Tipp: Unbedingt vorbeischauen. Es gibt viel zu sehen und zu hören, aber auch zu lesen. Alles ist auch in Deutsch beschriftet und wenn es vielleicht auch einiger Mühe bedarf, sich alles durchzulesen, aber eigentlich habe ich erst im Museum so richtig begriffen, wie wichtig France Prešeren für Slowenien ist. Und irgendwie verbindet er auch unsere gemeinsame Geschichte, führt uns in die Zeit der Donaumonarchie zurück.

Man kann hier im Museum also viel Zeit verbringen und sich langsam der slowenischen Seele annähern. Ich finde es immer wichtig, zu verstehen woher man kommt, die Geschichte seines Landes, seiner Region oder Ortschaft zu kennen, in dem/in der man aufgewachsen ist. Erst dadurch versteht man sich selbst und auch seine Mitbürger.

Hier im Museum beginnt man – wenn man sich ein bisschen bemüht – die Slowenen zu verstehen. Unsere Gemeinsamkeiten, aber auch, was uns vielleicht zu Prešerens Zeiten trennte und vielleicht auch heute noch trennt. Auf jeden Fall ist es mir dort so gegangen.
Auf dem Gelände und im Museum finden auch immer wieder die verschiedenen Veranstaltungen statt.

Schaut einfach vorbei oder fragt in der Tourist Information
4274 Žirovnica, Žirovnica 14
Tel: +386 (0)4 580 15 03 und +386 (0)30 425 025
Email:
https://visitzirovnica.si

Es war ein schöner Ausflug, den ich nur wärmstens allen empfehlen kann, die sich für Geschichte, Literatur und für Slowenien interessieren …

Tipp: Die Gegend in und um Žirovnica eignet sich sehr gut für Outdoor-Aktivitäten wie Wandern oder Radfahren.

Prešerens Geburtshaus und Museum
4274 Žirovnica, Vrba 2
https://visitzirovnica.si/en/france-preseren-birthhouse-vrba/



