Auf einen meiner Spaziergänge durch Prag kam ich auch bei der barocken Kirche St. Cyrill und Method vorbei …
Zuerst überraschte mich die Größe der Kirche, die wie auf einen Hügel gebaut schien. Doch beim Blick in die Seitengasse entdeckte ich auch die dunkle Vergangenheit, die mit ihr verbunden ist.

Die Kirche St. Cyrill und Method, heute die Hauptkirche der griechisch-orthodoxen Christen in Prag, war früher eine römisch-katholische Kirche mit dem Namen St. Karl Borromäus. 1730-1736 nach Plänen von Kilian Ignaz Dientzenhofer gebaut, wobei das Alter der Grundmauern bis in das 12. Jahrhundert zurückreicht.

1933 wurde das Gebäude an die griechisch-orthodoxe Kirche übergeben, wobei ihr ursprünglicher Name bis 1935 erhalten blieb. Neben grundlegenden Malerarbeiten und der Reinigung der Fresken wurde der Kirchenraum an die orthodoxe Liturgie angepasst. Die Ikonostase wurde nach einem Entwurf von Prof. V. Brandt geschaffen, die Ikonen stammen von Svatoslav Vuković aus dem ehemaligen Jugoslawien, weitere Ikonen im Kirchenschiff sind Werke des russischen Malers Mikhail Vasnetsov und dem tschechischen orthodoxen Kirchenbauer und Ikonenmaler Archimandrit Andrei Kolomacky und anderen Künstlern.
Am 28. September 1935 wurde die Kirche zu Ehren der slawischen Apostel und Lehrer, der Heiligen Cyrill und Method geweiht.
Ein Symbolort des tschechischen Widerstandes
Heute ist sie – vor allem aber die Krypta – ein Symbol des tschechischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus. Hier fanden die Widerstandskämpfer, die Fallschirmspringer, die am 27. Mai 1942 das Attentat auf den Stellvertreter des Reichsprotektors im Protektorat Böhmen und Mähren Reinhard Heydrich verübt hatten, Zuflucht.

21 Nächte verbrachten sie in der Krypta, ehe der Aufenthaltsort verraten wurde und diese von an die 800 SS-Männer umstellt wurde. Zwei Stunden soll das Feuergefecht gedauert habe – doch fünf der Kämpfer hatten sich in die Krypta zurückgezogen.

Schließlich begann man durch ein Fenster straßenseitig Tränengas einzuleiten und Granaten in die Krypta zu werfen und brachte ein starkes Flutlicht zur Beleuchtung an, dass die Verteidiger allerdings mit Flaschenbomben zerstören konnten. Daraufhin begann man die Krypta mit Wasser zu fluten und versuchte von der Kirche aus vorzudringen.

In dieser ausweglosen Situation und ohne weitere Munition begannen die vier übrig gebliebenen Fallschirmspringer – Josef Gabčik, Josef Valčik, Jaroslav Švarc und Jan Hrubý Selbstmord. Jan Kubiš war bereits früher von einer Granate schwer verletzt worden, Josef Bublik und Adolf Opálka verwendeten ihre letzte Munition ebenfalls, um Selbstmord zu begehen.

Auch der ranghöchste orthodoxe Geistliche in Prag, Bischof Gorazd wurde verhaftet und zusammen mit drei Mitarbeitern am 3. September 1942 in einem Schauprozess zum Tode verurteilt und einen Tag später erschossen.
Als Reaktion auf das Attentat zerstörten die Nazis das Dorf Lidice und Ležáky und verübten ein Massaker unter der Bevölkerung.
In der Krypta befindet sich heute eine Gedenkstätte zur Erinnerung an die Widerstandskämpfer und an die Ereignisse.

Es ist fast gespenstisch und tut körperlich weh, wenn man in die Krypta eintritt. Nahezu schlagartig kann man sich vorstellen, wie schrecklich es für die Fallschirmspringer gewesen sein muss, wie aussichtslos die Lage. Es waren junge Männer, die hier ihr Leben für die Freiheit ihrer Heimat gaben. Ihre Taten hatten auch Auswirkungen auf die politische Situation und die Einstellung Großbritanniens gegenüber dem Münchner Abkommen. Der Anschlag auf Heydrich und die darauffolgenden Racheakte der Nazis sollen dazu beigetragen haben, dass die britische Regierung das Münchner Abkommen für nichtig erklärte.

Ich finde es wichtig, sich selbst mit solchen Erinnerungen zu konfrontieren. Wie hätten wir reagiert? Auf welcher Seite wäre man gestanden? Und hätte ich den Mut aufbringen können, den diese Männer besaßen?
Mehr über die Operation Anthropoid findet ihr hier auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Anthropoid
Kirche St Cyrill und Method
120 00 Prag – Nové Město, Resslova 9a
Tel: +420 608 029 335
Email:
https://katedrala.site/