Die Niederösterreichische Landesausstellung widmet sich in diesem Jahr im Landesklinikum Mauer vom 28.3.-8.11.2026 der psychischen Gesundheit und der Geschichte ihrer Therapien.
Dieses Thema zum Fokus einer Landesausstellung zu machen, dazu gehört Mut: Lange Zeit wurden psychische Krankheiten nicht ernst genommen. Die „Therapieansätze“ reichten von „Reiß Dich zusammen“ bis zum Verdrängen und dem „Unsichtbar machen“ der Erkrankten. In Zeiten der nationalsozialistischen Herrschaft wurde es noch grausamer: „Unwertes Leben“ wurde ausgelöscht, Menschen zwangssterilisiert und für medizinische Experimente missbraucht. Die Ausstellung widmet sich auch diesen dunklen Zeiten.

Auch dazu gehört Mut: Eine Ausstellung, bei der doch mit einigem Publikumsandrang zu rechnen ist, bei laufendem Betrieb in einer Klinik abzuhalten, ist sicher nicht einfach, wenn man Patienten nicht stören und ihr Recht auf Anonymität wahren, aber auch die Exposition und die wunderbar renovierten Jugendstil-Gebäude präsentieren möchte.
Die Gebäude des Klinikums
Fangen wir am besten gleich beim Rundgang an. Dieser eigens gestaltete Weg verbindet die wichtigsten Stationen der Ausstellung und informiert über die Architektur, die Geschichte der Anlage, die Entwicklung der Psychiatrie und die besonderen Orte des Klinikgeländes.

Damit sind nicht nur einzelne Gebäude, sondern das gesamte historische Jugendstil-Ensemble des Landesklinikums in die Ausstellung eingebunden. Die Klinikleitung betonte, dass besondere Vorkehrungen für die Privatsphäre der Patientinnen und Patienten getroffen wurden und speziell ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landesausstellung darauf achten werden, dass diese gewahrt bleibt.

Bei der Renovierung und Sanierung des denkmalgeschützten Klinikareals wurde nicht nur besonderen Wert auf den Erhalt der Jugendstilarchitektur gelegt, sondern auch auf eine nachhaltige Nachnutzung.
Haus 21: Das ehemalige Direktionsgebäude
Das umfassend denkmalgerecht sanierte ehemalige Direktionsgebäude begrüßt die Besucherinnen und Besucher der Landesausstellung; hier befinden sich auch die Hauptausstellungsflächen.

Neben der historischen Fassade wurden Dach, Haustechnik und Innenräume modernisiert. Besonders sehenswert sind die Fassade, der Weg zum Ticketschalter und zum kleinen Café sowie die Jugendstillampen und Stuckarbeiten. Die Rampe macht den Zugang rollstuhlgerecht.

Die Klinikdirektion kann sich bereits heute über das Ende der Landesausstellung freuen: Sie kehrt danach wieder in das neu renovierte Haus zurück und kann dann auch einige neue Seminarräume in Besitz nehmen.
Das Haus 18 – Die ehemalige Krankenpflegeschule
Auch dieses Gebäude wurde vollständig renoviert und wird auch nach der Landesausstellung einen wichtigen Zweck erfüllen: Als dauerhaften Lern- und Gedenkort wird es dazu beitragen, dass die Erinnerung zu den NS-Medizinverbrechen nicht verloren geht.

Außerdem wurden Haus 33, derzeit Sitz der Verwaltung des Klinikums und danach als Ort der Beschäftigungstherapien für Patientinnen und Patienten geplant, sowie die historischen Wohngebäude der Häuser 22 und 23 renoviert.

Auch Teile der historischen Einfriedung, der Bereich des Klinikfriedhofs (Haus 20), Wege, Grünanlagen und die Infrastruktur des gesamten Areals wurden in die Sanierung mit einbezogen.

Es lohnt sich also mit offenen Augen durch die Anlage (aber bitte nur auf den vorgesehenen Wegen) zu spazieren.
Die Ausstellung
Die diesjährige Landesausstellung mit dem Titel „Wenn die Welt Kopf steht – Mensch. Psyche. Gesundheit“ hat sich zur Aufgabe gemacht, psychische Krankheiten zu enttabuisieren, Verständnis zu fördern aber auch die historische Entwicklung der Psychiatrie kritisch zu beleuchten.

Vor allem der historische Teil der Ausstellung zeigt, wie schwer sich unsere Gesellschaft lange mit Menschen tat, die außerhalb der jeweils geltenden Norm standen. Manche Haltungen wirken bis heute nach.

Die Ausstellung regt zum Nachdenken an, ist aber keine leichte Kost. Auch wenn Familien ausdrücklich eingeladen sind, sollte man meiner Meinung nach während und nach dem Besuch das Gespräch mit Kindern suchen.

Allein der Anblick früherer Fixierhilfen und des „Gitterbetts“ kann bei jüngeren Besucherinnen und Besuchern Fragen oder Verunsicherung auslösen.

Jugendlichen sei die Ausstellung besonders ans Herz gelegt. Sie widmet sich nicht nur sogenannten „harten Drogen“, sondern auch Alkohol- und Handysucht.

Sie zeigt, wie Süchte entstehen können, warum Menschen zu verschiedenen Suchtmitteln greifen, wie Gefühle in bestimmten Situationen entstehen und wie daraus problematisches Verhalten werden kann. Vielleicht überdenkt danach die eine oder der andere das eigene Verhalten und greift ein bisschen seltener zum Handy oder zur Spielkonsole.

Doch zurück zur Ausstellung. Sie gliedert sich in vier verschiedene Bereiche, die historische, medizinische, gesellschaftliche und künstlerische Perspektiven verbinden und einige Fragen in den Mittelpunkt stellen.

So geht es um das Verständnis von psychischer Gesundheit, wie Menschen mit psychischen Erkrankungen früher behandelt wurden, welche Rolle Gesellschaft, Familie und Umwelt für die seelische Gesundheit spielen oder welche Vorurteile und Stigmatisierungen es gab und ob sie überwunden werden konnten.
Verschiedene Themen der heurigen Landesausstellung:
Die Landesausstellung beleuchtet unterschiedliche Bereiche im Zusammenhang mit psychischer Gesundheit: Von der Definition der Krankheiten über die Diagnosen wird übergeleitet zur Wahrnehmungen der Gesellschaft zu unterschiedlichen Krankheiten in unterschiedlichen Zeiten bis zur Therapie im Einst und Jetzt.
Definition psychischer Erkrankungen
Was galt, was gilt als krank? Welches Verhalten wurde von der gesellschaftlichen Norm gefordert? Wie hat sich die Beschreibung der psychischen Erkrankungen im Laufe der Zeit geändert?

Wurden früher Menschen mit "Verfolgungswahn" relativ schnell in eine Nervenheilanstalt eingeliefert, "erfand" man in späteren Zeiten oft einfach Hilfsmittel, um ihnen den Aufenthalt zuhause ohne Angst zu erleichtern. Ich kenne die Geschichte eines "CIA-Sprays", das dazu entwickelt wurde, Türschlösser wieder komplett sicher zu machen, um vor ungebetenen Eindringlingen zu schützen. Allerdings musste die Behandlung der Schlösser regelmäßig wiederholt werden ...
Und ein "Anti-Monsterspray" kann schon einmal das abendliche Einschlafen erleichtern ...
Diagnose psychischer Erkrankungen
Wie wurden, wie werden Diagnosen gestellt? Welche Hilfsmittel gibt es? Welche Tests? Wie veränderte sich der medizinische Blick auf psychische Erkrankungen und wie wirken sich gesellschaftliche Veränderungen auf die menschliche Psyche aus.

Krankheit und Gesellschaft
Wie hat sich der gesellschaftliche und instutionelle Umgang mit psychisch erkrankten Menschen vom Ende des 18. Jahrhunderts bis heute verändert?

Therapie
Welche Therapen wurden früher angewendet, welche verworfen? Wie haben sich die Behandlungen von psychischen Erkrankungen im Laufe der Zeit verändert?

Mensch und Psyche
Die Ausstellung geht aber auch auf die Grundlagen psychischer Gesundheit ein. Sie beschäftigt sich mit Emotionen, Wahrnehmung, Identität und den Belastungen des modernen Lebens, verweist aber auch auf die Möglichkeiten zur Stärkung der eigenen psychischen Gesundheit.

Geschichte der Psychatrie
Wenn wir aus heutiger Sicht zurückschauen, ist es eines der düsteren Kapitel der Ausstellung, das die Entwicklung der psychiatrischen Behandlung von den Anfängen bis heute zeigt, uns Besucher aber schließlich mit dem Aufzeigen des Wandels von der Verwahrung zur Therapie und Rehabilitation einigermaßen optimistisch in die Zukunft schauen lässt.

Nachdenklich wird man (hoffentlich) auch bei der Darstellung der gesellschaftlichen Vorstellungen von „Normalität“ und Krankheit.
Psychische Krankheit und Religion
Manchen Erkranken bietet und bot die Religion Halt in ihrer Krankheit und damit für ihr Leben. Allerdings kann dieses Pendel auch in verschiedene Richtungen ausschlagen.

Kunst und persönliche Geschichten
Dieser Teil der Ausstellung macht deutlich, wie kreativ Menschen mit psychischen Erkrankungen sein können und das Kreativität ein wichtiger Bestandteil von Heilung und Ausdruck sein kann.

Ziel ist es hier, psychische Erkrankungen durch künstlerische Arbeiten sowie Erfahrungsberichte von Betroffenen nachvollziehbar und menschlich erfahrbar zu machen.

Mich hat sehr gefreut, dass nicht nur einige Arbeiten von August Walla zu sehen waren, sondern auch von meinem Gugginger Lieblingskünstler Leopold Strobl ausgestellt waren. Wer von euch mehr über die beiden Künstler, sowie auch über Oswald Tschirtner, der auch vertreten ist, wissen und sehen möchte, der sollte unbedingt einen Besuch im Museum Gugging einplanen.

Viele interaktive Stationen sorgen dafür, dass man nicht nur lesend durch die Ausstellung wandert, sondern unterschiedliche Zugänge zum Thema findet. Die Familienschiene bietet etwa eine spielerische Auseinandersetzung mit dem Thema „Gefühle“: Kinder und Erwachsene lernen, Emotionen zu erkennen, zu benennen und neue Wege im Umgang mit ihnen zu finden.
Lern- und Gedenkort zur NS-Zeit
Im Haus 18 entstand eine dauerhafte Ausstellung, die auch nach dem Ende der Landesausstellung erhalten bleibt und kostenlos zugänglich ist.

Hier werden aktuelle Forschungsergebnisse vermittelt, die Erinnerung an die Opfer der sogenannten „Euthanasie“ hochgehalten und die nationalsozialistischen Medizinverbrechen am Standort Mauer dokumentiert werden.

Aufbewahrungshalle und Friedhof
Wenn auch die Aufbewahrungshalle mit ihrem Altar geschlossen bleibt, bietet sich zum Abschluss des Besuchs ein kurzes Innenhalten am Friedhof an.

Nicht nur um die Fassade des Friedhofsgebäudes mit ihren Ornamenten zu bewundern, sondern auch um über das Gesehene nachzudenken und die Ruhe hier zu genießen.

Wer noch Zeit und Lust hat, kann weitere Attraktionen und Ausflugsziele im Mostviertel genießen. Mehr über die Kultur und Kulinarik findet ihr hier: https://www.mostviertel.at/umfeldprojekte

Weitere Highlight-Veranstaltung im Rahmen der Landesausstellung findet man auf der Website der Landesausstellung.

Die Landesausstellung ist täglich von 9:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, Einlass ist jeweils bis 17:00 Uhr. Eintritt: 12 Euro für Erwachsene, 4 Euro für Kinder und Jugendliche von 6 – 18 Jahren. Mit der NÖ-Card ist ein einmaliger Eintritt frei.

Die Innenbereiche der Ausstellung sind barrierefrei, die Außenbereiche nur teilweise. Das Mitnehmen von Tieren auf das Areal der Krankenanstalt ist nicht gestattet. Ausgenommen sind Assistenz- und Therapiehunde mit Beißkorb und Leine.

Niederösterreichische Landesausstellung 2026
Landesklinikum Mauer
3362 Amstetten, Hausmeninger Straße 221
Tel: +43 800 24010 45
Email:
www.noe-landesausstellung.at/de

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