In den Depots und Archiven unserer Museen schlummern viele interessante Objekte, die noch nie einem Publikum gezeigt wurden. Das Weltmuseum Wien holt nun einige hervor …
Es ist die zweite Sonderausstellung im Weltmuseum Wien, die ich euch für einen Besuch ans Herz legen möchte. In Verborgene Geschichte. Schätze aus den Sammlungen zeigt das Weltmuseum Wien die Vielfalt ihrer Sammlungen und beleuchtet auch, dass jedes Objekt weit mehr ist als ein Ausstellungsstück. Menschliche Erfahrungen, kulturelle Verflechtungen können so sichtbar gemacht werden.

Außerdem soll es eine „lebende“ Ausstellung werden: Das Publikum soll miterleben können, wie sich das Wissen über die Objekte durch Forschung ständig erweitern wird. Es lohnt sich also, öfter einmal vorbeizuschauen.

Es sind drei Themenbereiche, die im Mittelpunkt der Ausstellung stehen: Haarschmuck, Steinskulpturen und zeitgenössische Kunst aus Pakistan.
Kämme und Haarnadeln
Bevor ihr in die Schau über die Geschichte der ishír kommt (mehr darüber hier) müsst ihr den Raum der Kämme und Haarnadeln durchqueren.

Bereits ein Blick zieht uns in den Raum hinein – ein Haarschmuck, eine Perücke, ein Haarkunstwerk kunstvoll unter einem Foto einer nicht minder kunstvollen Frisur angebracht, schlängelt sich mit Ausläufern in den Raum hinein - oder je nach Betrachtungsweise - heraus. Schon allein deshalb bin ich in den Raum hineingegangen.

An den Wänden in den Vitrinen zeigt sich dann die ganze Pracht der Sammlung. Es lohnt sich ganz genau hinzuschauen. Teilweise ist es unglaublich wie viel Arbeit und künstlerische Gestaltung in den einzelnen, oft kleinen Objekten steckt.

Die kleinen Kunstwerke sind aus Knochen, Horn, Elfenbein, Muschelschalen und geschnitzten Holz. Sie wurden zum täglichen Gebrauch bestimmt oder um die Trägerin zu schmücken, im Alltag oder bei Zeremonien. Sie sind Werkzeug, aber auch Zeichen von Identität und Teil ritueller Praktiken.

Die ausgestellten Objekte stammen von Afrika über Asien und Ozeanien bis nach Amerika und zeigen Kämme und Haarnadeln, die zwischen dem 19. Und 20. Jahrhundert gesammelt wurden.

Wer darüber, oder auch über seine eigene Frisur 😊 ein bisschen länger nachdenken möchte, kann im Friseursessel vor dem Spiegel Platz nehmen oder sich das Video auf der anderen Seite des Raums ansehen.
Stein für Stein – auf Spurensuche im Museum
Der nächste Raum hat mich besonders begeistert. Die Steinskulpturen – egal ob Herrschersitz, Klapperschlange, Gottheiten oder Buddha beeindrucken mich sehr. Wenn man bedenkt, dass die Klapperschlange – um ein Bespiel zu nennen – um 1500 n.Chr. entstanden ist, und das man errechnen konnte, dass sie 2,07 Meter lang ist, fasziniert mich das schon sehr, - wie eigentlich alles über Azteken und Maya …

Sie bewahren Geschichten, die weit über ihre materielle Form hinausreichen. Die neun Objekte der Ausstellung gelangten größtenteils im 19. Jahrhundert in die Sammlung.

Viele waren einst Teil religiöser Architektur, bevor sie nach Wien kamen und über Jahrzehnte im Depot aufbewahrt wurden. Mit ihnen kann man auch den einst unkritischen Umgang mit Erwerbungen im 19. Und 20. Jahrhundert nachweisen.

Daher wird hier auch gezeigt, dass sich das Museum auch immer wieder kritische Fragen zu seiner Sammlung stellen muss: Woher kommen die Objekte? Unter welchen Bedingungen wurden sie gesammelt? Wurden Informationen auf ihrem Weg ins Museum verloren und wenn ja, welche?

Mit den präsentierten neun Objekten versucht dieser Ausstellungteil zu zeigen, wie Provenienzforschung daran arbeitet, historische Erwerbswege zu rekonstruieren und auch veränderte ethische Maßstäbe und Verantwortung zu berücksichtigen.

Außerdem wird gezeigt, dass all dies einen „lebenden“ Prozess darstellt: Archivmaterial, historische Quellen und neue Forschungserlebnisse werden in diesem Raum laufend dokumentiert, ergänzt und gegebenenfalls korrigiert. Besucher erhalten damit einen Einblick in die Prozesse der Provenienzforschung – es lohnt sich also wieder zu kommen …
Bilder aus Pakistan
Das dritte Kapitel der Ausstellung hat mich anfänglich verwundert, sind es doch Arbeiten aus der Gegenwart und die hätte ich eigentlich in anderen Museen der Stadt erwartet, auch wenn sie aus Pakistan kommen.

In diesem Kapitel sind Gemälde, Zeichnungen und Drucke zu sehen, die 2018 als Schenkung der Sammlung Brigitte Neubacher ins Weltmuseum Wien gelangten und die damit erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden und die Entwicklung der pakistanischen Kunstszene seit den 1980er Jahren widerspiegeln – einer Zeit in der sich die pakistanische Kunstszene grundlegend aufgrund gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen weiterentwickelte.

Viele der Künstlerinnen und Künstler der Schau wurden am National College of Arts (NCA) in Lahore ausgebildet, wo eine besondere Verbindung zwischen traditionellen Techniken, insbesondere der Miniaturmalerei, und zeitgenössischen künstlerischen Ausdrucksformen.
Auseinandersetzungen mit politischen Ereignissen und gesellschaftliche Spannungen werden in den Bildern dokumentiert, die auf Themen verweisen, die die pakistanische Kunstszene der 1990er Jahre prägten.

Auch hier – wie in den beiden anderen Räumen – empfiehlt es, einen oder besser mehrere, Momente innezuhalten und den Objekten Aufmerksamkeit und Zeit zu schenken, die Erklärungstexte zu lesen, über das Erfahrene nachzudenken, vielleicht sogar in sich selbst ein bisschen hineinzufühlen und die eigenen Reaktionen zu den verschiedenen Werken zu analysieren.
Und sich dann noch das Video anzusehen, das Einblicke in das Depot des Weltmuseums Wien gibt – einen Bereich, in dem die Sammlungsbestände aufbewahrt, dokumentiert und erforscht werden und der normalerweise den Besuchern verborgen bleibt.
Die Ausstellung ist vom 16.9.2026 – 30.5.2027 zu sehen.

Das Weltmuseum Wien ist täglich (außer Montag) von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, am Dienstag von 10:00 bis 21:00 Uhr. Tickets können online hier gekauft werden. Führungen, Veranstaltungen und Events des Museums findet ihr hier.
Verborgene Geschichten. Schätze aus den Sammlungen
- 9.2026-30.5.2027
Weltmuseum Wien
1010 Wien, Heldenplatz
Tel: +43 1 534 30 -5052
www.weltmuseumwien.at
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