Ein Museumsbesuch mit/als Krimi – äußerst unterhaltsam …
In Wien überschlagen sich im Moment wirklich die sehenswerten Ausstellungen. Es ist wirklich nicht einfach zu entscheiden, welche man sich zuerst ansehen sollte. Die neue Ausstellung des Ephesos Museums im Weltmuseum Wien gehört definitiv dazu.
Tipp: Unbedingt mit Audioguide in die Ausstellung!

Ephesos ist eng mit Österreich verbunden, denn seit 1895 forschen österreichische Archäologen in Ephesos. Vor über 100 Jahren entdeckten sie einen achteckigen Grabbau, dessen Form an den Leuchtturm von Alexandria und der möglicherweise für ein Mitglied der Ptolemäer-Dynastie vorgesehen war.
Die Ausstellung
Dieser Grabbau ist der Beginn der Ausstellung und wird für die Besucher virtuell sichtbar gemacht. Hier ist der Ausgangspunkt des „Kriminalfalls“ um Kleopatra und ihre Schwester Arsinoë. Das Grab ist in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich: Durch seine achteckige Form, aber auch durch seine Lage. Gräber inmitten der Stadt waren zur damaligen Zeit äußerst ungewöhnlich. Im Grab wurde ein Skelett gefunden. Könnte es Arsinoë IV. sein?

Arsinoë hat sich nach den verlorenen alexandrinischen Krieg nach Ephesos in den Tempel der Artemis zurückgezogen. Hier sollte ihr Schutz auch vor der Schwester gewährt werden, denn es ist verboten im Artemision zu töten. Dennoch wird sie laut antiken Quellen dort getötet. Hat ihre Schwester den Auftrag zum Mord gegeben?
Der erste Saal – der Tatort
Neben dem sagenhaften Oktogon werden wir hier mit der Bedeutung von Ephesos in der damaligen Zeit bekannt gemacht, wir lernen ihre Rolle im Machtgefüge zwischen Ägypten und Rom kennen.

Der zweite Saal – Hotspot Alexandria
Alexandria galt als wirtschaftliches, politisches und kulturelles Zentrum der Mittelmeerwelt zur Zeit des späten Hellenismus. Hier stand eines der sieben Weltwunder der Antike – der Leuchtturm – und die Stadt beherbergte die größte Bibliothek der damaligen Welt. Die Stadt war ein Zentrum von Handel, Wissenschaft und Forschung.

Der dritte Saal – Kleopatras Vorfahren, die Ptolemäerdynastie
Der dritte Raum widmet sich der Herrschaft der Ptolemäer, die mit der Gründung von Alexandria die Mittelmeerwelt mit Ägypten verbanden und zugleich eine neue Identität für das Königshaus schufen.

Rund 300 Jahre herrschten die makedonisch-griechischen Könige über Ägypten und verbanden griechische und ägyptische Traditionen miteinander. Doch mit dem Aufstieg Roms wächst bald ein übermächtiger Gegner heran …
Der vierte Saal – Kleopatras Verbündete, Geliebte und Gegner
Kleopatra versuchte die Unabhängigkeit Ägyptens zu wahren und ihre Herrschaft zu sichern. Durch ihre „Liaison“ mit Julius Caesar und dem gemeinsamen Sohn scheint dieser Plan zunächst geglückt. Doch dann wird Caesar ermordet.

Foto © Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung/Johannes Laurentius
Kleopatra verbündet sich daraufhin mit Marc Anton, doch beide sind gegen den aufstrebenden Octavian zu schwach. Er kann sie bei der Schlacht bei Actium besiegen, Kleopatra und Marc Anton begehen Selbstmord – Ägypten wird in das Römische Reich eingegliedert und Rom wird unter Kaiser Augustus zum neuen Zentrum der antiken Welt.
Der fünfte Saal – Ägypten setzt dennoch Trends im alten Rom
Der Sieg über Ägypten bringt aber ägyptische Kultur und Traditionen nach Rom. Augustus nutzt die Eroberung für seine politische Inszenierung, gleichzeitig werden ägyptische Kulte, Bildwelten und Kunstwerke in Rom populär.

Ägyptisches hält nicht nur mit Obelisken und Götterstatuen Einzug ins Römische Reich: es wird zum kulturellen Trend und dekorativen Element.
Der Audioguide
Durch diese fünf Säle führt der Audioguide, der die Geschichte der Kleopatra und ihrer Schwester lebendig macht. Asinoë und Kleopatra herself erzählen dabei von ihren Welten und führen mit einer Erzählerin, Forschenden, einem Priester und einen Boten durch die Ausstellung.

Selbst Aristoteles kommt dabei zu Wort. Insgesamt 16 Stationen führen uns nicht nur durch den „Kriminalfall“, sondern bringen uns auch die Weltstadt Alexandria, die Geschichte der ptolemäischen Dynastie, Kleopatras Auseinandersetzung mit Rom und die neue Welt des Augustus näher.

Ich habe selten einen Audioguide erlebt, der mich so kurzweilig und interessant durch eine Ausstellung geführt hat und dabei so viel an Wissen vermittelt hat. Und dazu hat die Schau sensationelle Ausstellungsgegenstände zu bieten, die wahrscheinlich in dieser Dichte erstmals und dann lange – wenn überhaupt – nicht mehr zu sehen sind. Über 100 Objekte erzählen von den Mächtigen dieser Epoche und es ist fast unmöglich sie hier alle aufzuzählen.
Dennoch solltet ihr Folgendes auf keinen Fall verpassen:
Gemma Augustea
Es ist ein antikes Meisterwerk der Steinschneidekunst. In der Ausstellung kann man nicht nur das wunderschöne Original sehen, sondern auf einem Video dahinter werden die einzelnen Figuren vergrößert hervorgehoben und erklärt. Sensationell.

Porträtkopf Kleopatras
Es ist eines der wenigen gesicherten Bildnisse der Königin und ich kann euch versichern: Es hat rein gar nichts mit Liz Taylor, die vielleicht berühmteste Film-Kleopatra aller Zeiten, zu tun.

Foto © Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung/Johannes Laurentius
Porträtkopf Caesar aus Basanit und der Bronzekopf des Augustus aus Meroë
Auch diese beiden Ausstellungsstücke sind es wert in die Schau zu gehen.

All rights reserved.
Und das ist noch lange nicht alles: Das Relief der verwundeten Amazone, die riesige Artemis aus Ephesos, eine Nachbildung des Leuchtturms von Alexandria, Sphinxe, Mumienmasken, und das ebenfalls wunderschöne Ptolemäer-Kameo oder die Skulptur des Osiris-Apis, die in der Hadrianvilla in Tivoli gefunden wurde und normalerweise in den Vatikanischen Museen in Rom ausgestellt ist, sind nur ein paar Ideen, warum man in diese Schau einfach gehen muss.

Tatort Ephesos. Kleopatra und Rom läuft von 20.10.2026 – 29.3.2027 in der Neuen Hofburg/Weltmuseum Wien. Die Ausstellung ist täglich – außer Montag – von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Am Dienstag von 10:00 bis 21:00 Uhr.

Hier findet ihr weitere Informationen über den „Mordfall“, Kleopatra und ihre Zeit, sowie über das umfangreiche Rahmenprogramm zur Ausstellung: https://www.khm.at/ausstellungen/tatort-ephesos
Tickets sind online unter https://shop.khm.at/tickets erhältlich.

Für junge Besucher*innen von 6 bis 10 Jahren gibt es ein kostenloses Begleitheft, mit dem sie die Ausstellung auf eigene Faust spielerisch erkunden können. Biene Biti begleitet sie auf der Reise durch zeit und Raum nach Ephesos, Alexandria und Rom, wobei sie interessante Bekanntschaften machen und auf viele Fragen wie „Warum konnte Kleopatra so viele verschiedene Sprachen?“, „Was kann man in einer antiken Stadt alles entdecken?“ und „Warum haben viele antike Statuen heute keine Nase mehr?“ Antworten finden werden.
- Tatort Ephesos30
- Tatort Ephesos8 Kleopatra
- Tatort Ephesos18 Kleopatra
- Tatort Ephesos33
- Tatort Ephesos3
- Tatort Ephesos27
- Tatort Ephesos24
- Tatort Ephesos4
- Tatort Ephesos25
- Tatort Ephesos36
- Tatort Ephesos28
- Tatort Ephesos37
- Tatort Ephesos32
- Tatort Ephesos19
- Tatort Ephesos17 Halle Weltmuseum
- Tatort Ephesos29
- Tatort Ephesos35
- Tatort Ephesos7 Caesar
- Tatort Ephesos34
- Tatort Ephesos22 Gemma Augustea
- Tatort Ephesos38
Übrigens: Neueste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass das Skelett im Grabmal von Ephesos keine Frau, sondern ein Jüngling sizilianischer Abstammung gewesen sein könnte. Und schon tauchen neue Fragen für die Forschung auf: Wer ist er? Wie kam er zu Tode? Warum liegt er in diesem Grabmal? Und: Wo ist nun Asinoë?
Wir dürfen gespannt sein ….
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