Im MAK geht es im Moment Schlag auf Schlag. Nach der Neuaufstellung Wien 1900 wurde nun die neue Schausammlung Teppiche vorgestellt, die zusätzlich um Textiles erweitert wurde.
Ursprünglich habe ich lange hin und her überlegt, ob ich mir die Neuaufstellung anschauen soll. Wien 1900 ja, das fasziniert und interessiert mich. Aber Teppiche? Sie gehören nicht unbedingt zu meinen Interessensgebieten. Aber als neugieriger Mensch, der nix versäumen möchte, bin ich dann doch ins MAK gepilgert. Und gut war es …

Der neue Ausstellungsort für die Schausammlung Textil und Teppiche liegt „über“ einem Ausstellungssaal von Wien 1900. Wenn ihr also vor dem Stoclet-Fries von Klimt steht und euch umdreht, seht ihr schon die Treppe die zur Teppich-Sammlung hinaufführt.

Mein Tipp – geht die Stufen hinauf.
Das Highlight
Schon beim Treppensteigen kann man das Highlight der Sammlung in einer einzigartigen Präsentation sehen. Mit jeder Treppenstufe besser. Es ist ein seidener Mamlukenteppich aus dem frühen 16. Jahrhundert, der aus der Region des heutigen Ägyptens stammt und nach umfangreicher Restaurierung nun wieder ausgestellt werden kann.

Charakteristisch für Teppiche dieses Typs, der aus dem Besitz der Habsburger stammt und nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in die MAK-Sammlung gelangte sind die aus oktogonalen und sternförmigen Elementen gebildete Muster in kaleidoskopartig arrangierten Rot-, Gelb-, Blau- und Grüntönen. Dieser Teppich ist der einzig erhaltene Mamlukenteppich weltweit, dessen Knoten aus Seide gefertigt sind.

Es lohnt sich, ihn von verschiedenen Seiten zu betrachten. Am besten ihr begebt euch ganz nach hinten und schaut ihn euch noch einmal genau an. Dann erst sieht man so richtig wie die Farben glänzen und sich auch scheinbar verändern. Auch der Blick in den Spiegel nach oben lohnt. So kann man alle Farben und Muster aus einer anderen Perspektive noch einmal erkennen.

Doch ihr werdet weitere wunderschöne Stücke sowohl an Teppichen wie auch an Textilen Werken finden. Meiner Meinung nach ist es empfehlenswert eine Führung zu buchen oder aber zumindest den Audioguide auf das Handy zu laden. Hier findet ihr den QR-Code zum Download (nicht nur für die Teppich- und Textilsammlung): https://guide.mak.at/
Weitere Highlights:
Dieser rotgrundige Tintoretto-Teppich entstand um 1600 im westanatolischen Raum. Er zeigt die typische doppelte Nischen-Motivik sowie chinesische Wolkenbänder. Seinen Namen erhielt er, da ein ähnlicher Teppich in einem Gemälde von Tintoretto zu sehen ist.

Der in der Schausammlung ausgestellte Teppich glänzt aber auch mit einer kriminalistischen Geschichte: Er wurde 1959 gestohlen, der Täter im Zuge einer internationalen Fahndung schließlich in Paris gefasst und so kehrte der Teppich ein Jahr später wieder ins Museum zurück.

Wunderschön aber auch der unglaublich fein gearbeitete französische Kaschmirschal, mit der Darstellung des persischen Neujahrsfestes Nouruz dessen Motive man sich ganz nah ansehen muss.

Auch das hat mir gut gefallen, dass man die Werke – wenn auch durch Glas geschützt – unglaublich nah betrachten kann. So kann man auch viel besser die Herstellung erkennen. Wurden die Muster oder die Gestaltung gleich bei der Herstellung „eingewebt“ oder vielleicht erst im Nachhinein aufgedruckt oder gestickt. Faszinierend, welche Kunstfertigkeiten bereits vor langer Zeit diese Exemplare schaffen konnten.

Auch im Bereich der Stickerei sind viele Highlights vertreten, wie z.B. das Antependium des Gösser Ornats. Dieser stammt aus der Mitte des 13. Jahrhunderts und zeigt unter anderem seine Stifterin, die Äbtissin Kunigunde II. in einer farbenprächtigen Seidenstickerei auf Leinen. Oder die Rückwand eines Paradebettes aus Schloss Hof für Prinz Eugen um 1730.

Unbedingt solltet ihr auch einen Blick in die Schubladen unter dem Schaukasten der Tapisserien – auch hier liegen viele Kostbarkeiten versteckt.

Am Ende all dieser Kostbarkeiten wartet dann noch ein Stück aus der Designsammlung und der Gegenwart auf die Besucher: Ein maschinell hergestellter Designerteppich von Virgil Abloh aus der Limited Edition „Markerad“ aus dem Jahr 2019.

Ikea hat es also auch in die Ausstellung geschafft und das MAK lädt damit ein, die aktuelle beziehungsweise zukünftige Sammlungspraxis des Museums entlang der Materialordnung – in unserer global vernetzten Welt – zu reflektieren.

Noch ein Hinweis: Die Ausstellung ist so gestaltet, dass die Exponate immer wieder getauscht werden können - was zum Teil auch aus konservatorischen Gründen geschehen muss. Es lohnt sich daher immer wieder vorbei zu schauen.

Das MAK ist Dienstag von 10:00 bis 21:00 Uhr, Mittwoch bis Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Montag ist geschlossen.
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