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Das Belvedere besitzt die größte Anzahlt der sogenannten Charakterköpfe von Franz Xaver Messerschmidt. Eine Ausstellung stellt sie nun in Beziehung mit ihrer Entstehungszeit und anderen Arbeiten.

Ich bin vor Jahren durch ein Buch von Eva Holzmair: Der Verdrüssliche auf Franz Xaver Messerschmidt und seine „Charakterköpfe“ aufmerksam geworden. Da ich dieses regelrecht verschlungen habe, war das Interesse geweckt, auch in die Ausstellung ins Untere Belvedere zu pilgern.

Blick in den Marmorsaal des Unteren Belvederes

Eine Ausstellung im Belvedere ist immer wieder auch mit dem Bewundern der Ausstellungsräume verbunden. Man steht staunend und fotografierend im Spiegelsaal oder – wenn man nun die Messerschmidt-Ausstellung besucht im Marmorsaal und bewundert die Ausführung ehe man sich den Werken des ausgestellten Künstlers zuwendet.

Der Spiegelsaal im Unteren Belvedere
Der Spiegelsaal im Unteren Belvedere

Wobei gleich im Marmorsaal die erste Überraschung auf mich wartete. Denn nicht der erste Charakterkopf war ausgestellt, sondern zwei Statuen: Maria Theresia und ihr Franz Stephan. Ebenfalls Werke von Franz Xaver Messerschmidt und unbedingt lohnenswert genauer betrachtet zu werden.

Franz Stephan und Maria Theresia
Franz Stephan und Maria Theresia

Messerschmidt zeigt Maria Theresia in jungen Jahren im ungarischen Kostüm und mit königlichen Insignien, die allerdings eher nach der Fantasie denn der Realität gestaltet wurden. Bemerkenswert ist das kleine Porträtmedaillon ihres Gatten, sowie der Orden vom Goldenen Vlies, den sie trägt. Dieser war eigentlich ausschließlich Männern vorbehalten.

Das Medaillon
Das Medaillon

Damit zeigt die Auftraggeberin der Statuen aber dass sie – obwohl nie als Kaiserin gekrönt, Kaiser war ihr Mann Franz Stephan – sehr wohl den Anspruch als Regentin stellte: Krönung hin oder her.
Schaut euch auch die Rückseite der Kleidung an, wie fein die Muster ausgeführt sind.

 

Die junge Maria Theresia
Die junge Maria Theresia

Dann geht es weiter in die Ausstellung, die uns mehr über den Künstler und seine Zeit erzählt. Messerschmidt lebte von 1736 bis 1783, in einer Zeit der politischen Zeitenwende. Er wurde als schwierige, ja zum Teil als verrückte Person beschrieben, bei der Besetzung zum Professor für Bildhauerei an der Akademie in Wien wird er übergangen, obwohl im die Position in Aussicht gestellt wurde.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung

Am Anfang seiner Karriere stehen große Erfolge: Fürst Joseph Wenzel I. von Liechtenstein betraut ihn mit der Herstellung von Büsten des Kaiserpaars. Auch Herzogin Maria Theresia Felicitas von Savoyen-Carignan fördert den Künstler und beauftragt ihn 1768 mit der Überarbeitung von Marmorskulpturen in der familieneigenen Kapelle im Stephansdom. Außerdem wird eine Marienstatue für die Fassade ihres Stadtpalais sowie eine Figurengruppe aus Zinn für den Brunnen im Innenhof in Auftrag gegeben.

Die Arbeiten für das Stadtpalais
Die Arbeiten für das Stadtpalais

Um 1780 schafft Messerschmidt eine Reihe kleinformatiger Medaillons aus Alabaster. Dieser ähnelt Marmor, allerdings ist er weicher und lässt sich daher leichter bearbeiten. Dennoch ist es erstaunlich, wie viel Ausdruck der Künstler in die kleinen Porträts bringt.

Alabaster Medaillon
Alabaster Medaillon

Manche dieser Medaillons weisen auch schon Ähnlichkeiten mit den „Charakterköpfen“ auf, an denen Messerschmidt zur selben Zeit arbeitet.

Eines der Kopfstücke
Eines der Kopfstücke von Franz Xaver Messerschmidt

Diese Charakterköpfe – von ihm eigentlich Kopfstücke genannt – kreiert Messerschmidt ohne Auftrag. Die Serie besteht aus mindestens 55 Stücken, ihre Intention ist bis heute rätselhaft geblieben. Sie zeigen eine Vielfalt von mimischen Ausdrucksformen, für die er wohl seine eigenen Gesichtszüge genommen hat.

Ein anderer Charakterkopf
Ein anderer Charakterkopf

Die Kopfstücke bleiben bis zu seinem Tod in seinem Besitz, wobei die Serie wahrscheinlich auch zu den vielen Mythen beigetragen hat, die sich um den Künstler ranken. So wurde er sowohl als Genie, wie als schrulliger Einzelgänger aber auch als Geisterseher dargestellt. Manche meinten sogar von den „Köpfen“ auf den psychischen Zustand des Künstlers schließen zu können.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung

Allerdings muss gesagt werden, dass sich in der Zeit Messerschmidts auch andere Künstler mit der Mimik und der Darstellung von Gefühlen beschäftigen, ja das dies sogar in der akademischen Ausbildung gelehrt wird – allerdings nach klassizistischem Ideal und der Vorgabe die emotionalen Zustände nicht zu übertreiben.

Joseph Ducreux
Joseph Ducreux

So sind in der Ausstellung auch Bilder von Joseph Ducreux zu sehen, der sich ebenfalls mit den unterschiedlichen „Gesichtsausdrücken“ auseinandersetzt. Messerschmidt wurde auch schon früh mit dem britischen Malers und Grafikers William Hogarth verglichen, der sich ebenfalls dieser Thematik widmete.

Franz Xaver Messerschmidt
Franz Xaver Messerschmidt

Doch Messerschmidts Kopfstücke sind einzigartig: frontale Ausrichtung, mit dem Fehlen der Pupillen und der Form des Büstenausschnitts die Stilmerkmale des Klassizismus aufgreifend, zeigt er jedoch anstatt Emotionen wie aus dem Lehrbuch, Gesichter im Ausnahmezustand.

Der Zensurkatalog aus der Zeit Maria Theresias
Der Zensurkatalog aus der Zeit Maria Theresias

Zum Abschluss widmet sich die Ausstellung dann noch dem Weg der Charakterköpfe und zeigt auf wie einige in den Bestand des Belvederes kamen.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung

Eine sehenswerte Ausstellung, die nicht nur durch die besondere Ausdrucksweise der Köpfe fasziniert, sondern sich auch der Gesamtheit des Schaffens von Franz Xaver Messerschmidt widmet.
Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erschienen.

Franz Xaver Messerschmidt
Franz Xaver Messerschmidt

Wer noch weitere Charakterköpfe von Messerschmidt sehen möchte, sollte die Sammlungspräsentation Schau! im Oberen Belvedere besuchen.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung

Zur Ausstellung gibt es ein interessantes Rahmenprogramm, das ihr unter www.belvedere.at/programm abrufen könnt.
Das Untere Belvedere ist Montag bis Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.


Franz Xaver Messerschmidt. Mehr als Charakterköpfe
bis 6.4.2026
Unteres Belvedere
1030 Wien
Rennweg 6
+43 1 795 57-134
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