Wer hätte gedacht, dass eine Ausstellung über Papier so viele unterschiedliche Fassetten zeigen kann? Ich nicht ...
Die Albertina zeigt in dieser Schau eine ihrer Kernkompetenzen: Immerhin gehören ihre Sammlungen – neben dem Louvre und dem British Museum – zu den größten von Kunst auf Papier weltweit.

2026 feiert das Museum ihr 250-Jahr Jubiläum – Anlass genug aus dem reichen Schatz an Zeichnungen, Druckgrafiken und Aquarellen aus 600 Jahren Kunstgeschichte einen Teil auszuwählen und dem Publikum zu zeigen. Es kann allerdings nur ein kleiner Teil sein: immerhin umfasst die Sammlung über eine Million Objekte.

Dennoch: in „Faszination Papier“ wird die Vielfältigkeit des Materials Papier gezeigt – man kann es fast nicht glauben was daraus alles entstehen kann: von der Klopapierrolle über Modellbaubögen bis zu verschiedenen Schnitttechniken spannt sich der Bogen auch zu historischen Karten, der Blick in den Weltraum, zu Vexierbildern ebenso wie zu bewegten Bildern, Radierungen und Prägungen – und das ist noch nicht alles, was man mit und aus Papier machen und darstellen kann.

Der Name der Ausstellung „Faszination Papier“ ist also auf jeden Fall gerechtfertigt und es sind zum Teil spannende Momente, die sich beim Betrachten der Kunstwerke auftun.

Gleich beim Eintritt zur Basteihalle irritiert die Wandgestaltung fast ein bisschen. Was man nicht alles aus Umzugskartons (?) gestalten kann. Dann gleich der nächste Wow-Effekt: Während man noch auf der Rolltreppe in die Basteihalle fährt, kann man schon ein riesiges Papiergebilde sehen. Zart gefächert und sehr filigran scheint es aus der Wand herauszuwachsen.

Und so geht es eigentlich durch die ganze Ausstellung. Es sind wirklich viele faszinierende Highlights zu betrachten und zu bestaunen.

Die Ausstellung gliedert sich in zehn technische und thematische Kapitel:
In Schnitt, Struktur und Entfaltung sind die Kapitel Aus Schnitt, Eindrücklich und einprägsam, und Entfaltung im Raum zusammengefasst. Welt und Kosmos führt uns zu historischen Karten aber auch zur Faszination des Universums. In Wahrnehmung, Identität und Bewegung finden sich die Kapitel Viele Teile – ein Ganzes und Anders als es scheint und bei den Vexierbildern wie auch bei den Buchstaben ist genaues Hinschauen nicht nur erwünscht, sondern auch Notwendigkeit.

Im Kapitel Kein Tag ohne Linie stehen Disziplin und Leidenschaft für die Linie im Vordergrund und das Kapitel Ich im Papier zeigt Identität und Selbstreferenzialität, bei Papier in Bewegung kann man nicht nur Klappbilder ausprobieren, sondern auch sehen wie die Bilder laufen lernen.

Es gibt also wirklich jede Menge zu sehen und auch auszuprobieren.
Hier kurz meine Highlights zusammengefasst, die ihr nicht verpassen solltet:
Das ist jenes aus der Wand herauswachsende Gebilde, das euch gleich vis à vis der Rolltreppe empfängt.

Mit ein paar Schritten ist man dann auch schon in der Haupthalle und staunt vor einem riesigen Werk Albrecht Dürers: Der Triumphbogen Kaiser Maximilians, der aus vielen einzelnen Druckplatten zusammengesetzt (192 Stück) zusammengesetzt wurde. Ein Wahnsinn diese Genauigkeit, diese Reiche an Details.

Das nächste Non-Plus Ultra zieht sich fast durch die ganze Halle: Die Geschichte vom Prinzen Genji bildet mit ihren Holzschnitten eine 26 Meter lange Papierbahn. Da gibt es einiges zu schauen und zu überlegen, um der Geschichte auch folgen zu können.

Wer dann die Rohre, die in einem Gewurl aus der Wand zu kommen scheinen, genauer ansieht, wir überrascht sein, was man alles kreativ aus Klopapierrollen entwickeln kann.

Dann habe ich eine kleine Auszeit in der Sternen- und Horoskop-Welt genommen und habe natürlich auch gleich nach meinem Sternzeichen geschaut. Widder, Löwe und Stier fand ich besonders toll umgesetzt. Hier kann man im Halbdunkel liegen oder sitzen und in den Himmel schauen. Kein Wunder, dass die im Jahr 1515 erscheinen ersten gedruckten Sternkarten des nördlichen und südlichen Sternenhimmels von Albrecht Dürer das Interesse an Astronomie und Astrologie belegen und wahrscheinlich auch förderten.

Nicht zu vergessen, die kreative Umsetzung des Alphabets, dessen einzelne Buchstaben sich aus allerlei Figuren zusammensetzen lädt zum Raten ein, welche Buchstabe wie und wo zu erkennen ist. Ich gebe zu, bei allen konnten wir uns nicht auf einen gemeinsamen Nenner einigen.

Dann wären auch noch die vielen Selbstbildnisse von Rembrandt zu erwähnen – alle in unterschiedlichster Kleidung und Mimik. Erstmals sind in dieser Ausstellung nahezu alle seine radierten Selbstbildnisse auf einer einzigen Wand vereint – und glaubt mir, es sind einige!

Wenn wir schon bei den Miniaturen sind: Allein diese „Minidarstellungen“ von Blumen, aber auch Personen sind wohl kaum zu überbieten.

Zuletzt lege ich euch noch die „Klappbilder“ ans Herz, bei denen sich eben ein Teil hochklappen lässt, der darunter ein weiteres Bild verbirgt.

Und es gäbe noch einiges mehr in der Ausstellung, das man unbedingt sehen sollte, daher: Große Empfehlung, schaut sie euch an …
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