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Das Wienmuseum präsentiert in der neuen Sonderausstellung Mode aus vier Jahrhunderten.

Die Modesammlung des Wien Museums ist einzigartig und gehört zu den größten Sammlungen der Welt. Für die neue Ausstellung haben die Kuratorinnen nun rund 350 Kleiderstücke ausgesucht und zeigen diese – nach Farben sortiert – im letzten Stock des Wien Museums.

Blick zum Wien Museum am Karlsplatz
Blick zum Wien Museum am Karlsplatz

Man steigt aus dem Lift aus, ignoriert die Pantone Farbtabelle (wobei es auch interessant ist, darauf einen Blick zu werfen) geht ein paar Schritte um die Ecke und findet sich in einer anderen Welt wieder.

Die Pantone-Wand
Die Pantone-Wand

Auf den Inseln stehen Kleidungsstücke aus vier Jahrhunderten, nach Farben sortiert und leuchten dem Besucher aus der dunklen Umgebung entgegen.

Einmal noch ums Eck
Einmal noch ums Eck

Bald merkt man, dass diese Ausstellung mehr ist als eine reine Modeausstellung. Nach den alten heraldischen Farben Rot, Weiß, Schwarz, Blau, Grün und Gelb (zum Schluss gibt es noch einiges Buntes) sortiert, beschäftigt sich die Schau nicht nur mit den Entwicklungen der Kleidung über die Jahrhunderte, mit der Beziehung zwischen Gewand und Macht, sondern auch mit der Bedeutung der Farben. Denn auch diese haben eine Geschichte in der Entwicklung der Mode. Jede Farbe hat ihre eigene Geschichte.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung

All die Arbeitskleider und Ballroben, Dessous und Kopfbedeckungen, Holzsandalen und Bürokostüme – alles hat seine Geschichte, seine Bedeutung, aber oft auch die Änderung derselben.

Die Farben

Rot

Rot z.B. gehört zu den ältesten Farben der Menschheit, die bereits im alten Ägypten bekannt war. Neugeborene reagieren auf rot als die erste Farbe, sie ist die Farbe des Kriegsgottes Mars, steht für Stärke und Kraft, Blut und Feuer und ist eine alte Farbe der Macht. Rot wird aber auch seit dem Mittelalter mit Sexualität, Verführung und dem Glauben an die Hölle und den Teufel assoziiert.

Das Farbenspiel beginnt
Das Farbenspiel beginnt

Und dann gibt es auch noch das „Kleine Rot“ – Rosa oder Pin, das lange Zeit sogar der männlichen Sphäre zugeordnet wurde und heute doch eher als die Farbe für kleine Mädchen gilt. Hättet ihr das gewusst?

Auch die Vitrinen sind toll bestückt
Auch die Vitrinen sind toll bestückt

Schwarz

Auch die Farbe schwarz hielt für mich Überraschungen bereit mit ihren unterschiedlichen Bedeutungen: Würde, Macht, Enthaltsamkeit, Erkenntnis, Tod und Stil. Schwarz wurde und wird von Männern und Frauen getragen, aber wusstet ihr, dass Brautkleider früher in Schwarz gestaltet waren?

Elegantes Schwarz
Elegantes Schwarz

Und dann gibt es auch noch das „Kleine Schwarze“, das Coco Chanel „erfunden“ hat. Auch dessen Entwicklung wird thematisiert.

Grün

Die Hoffnung ist grün und wahrscheinlich ist diese Interpretation der grünen Farbe auf alte „grüne“ Maitraditionen der Fruchtbarkeitsfeste im Frühling zurückzuführen. Doch die Herstellung der Farbe war lange Zeit schwierig und so blieb die Farbe lange Zeit selten.

Blick ins "Grüne"
Blick ins "Grüne"

Am „Grün“ zeigen sich auch unterschiedliche Interpretationen im Laufe der Zeit und unter Kulturen. So ist Grün in der islamischen Welt eine heilige Farbe, sie gilt als Zeichen des Glaubens und der Nähe zu Gott.

Ein wunderschöner Rücken
Ein wunderschöner Rücken

Während der Zeit von Jean-Jacque Rosseau wiederum wurde Grün die Farbe der Natürlichkeit, Nachhaltigkeit und der Harmonie. Doch die Herstellmethode im 19. Jahrhundert, bei der Arsen verwendet wurde, brachte der Farbe wieder einen zwiespältigen Charakter: Der Ausdruck „Giftgrün“ hatte durchaus seine Berechtigung.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung

Außerdem fällt auf, das Grün und Gelb besonders dann immer in Mode kommen, wenn Frauenrechte auf dem Vormarsch sind, also etwa in den 1920 und 1970er Jahren. (Dabei kann ich mich noch sehr gut an einen heißgeliebten giftgrünen Overall erinnern, wobei mein Vater das Tragen dieses Stücks immer abfällig mit: „Du schaust aus wie ein Frosch oder wie ein Tankwart“ kommentierte.)

Gelb/Gold

Die Farbe signalisiert Somme, Wärme, Leben – im alten Ägypten auch die Verbindung der Priester zu Götterwelt. Gold, früher mit Gelb gleichgesetzt, steht auch für Verlangen, Versuchung, Verheißung. Brokatstoffe mit Goldfäden bedeuteten Macht und Status.

Blick auf die gelben Kleider
Blick auf die gelben Kleider

Im Europa des Mittelalters bekam Gelb eine andere Bedeutung und stand nun für Verrat, Täuschung und Gift. Nur Hofnarren waren Gelb (oder auch Grün) gekleidet, Verräter wie Judas wurden in gelber Kleidung dargestellt. Gelb wurde zur Farbe der Ausgrenzung: Juden, Sexarbeiterinnen, Betrüger, Häretiker, Irre und anderen Randgruppen wurden durch gelbe Kleidung oder ein gelbes Kleidungsstück gebrandmarkt.

Accessoires in Gelb
Accessoires in Gelb

Gelbe Modetrends sind auch heute noch eher selten, werden aber benutzt über die Einzigartigkeit von Kreationen zu betonen.

Blau

Blau ist heute auf der ganzen Welt allgegenwärtig. Grund dafür ist ein Kleidungsstück: Die Blue Jean, über deren Werdegang und die Namensgebung in der Schau aufgeklärt wird. Dabei kann die französische Stadt Nîmes einen wichtigen Punkt für sich reklamieren. Denim hat also nicht nur etwas mit dem amerikanischen Goldrausch zu tun …

Das blaue Kleid überstrahlt alles
Das blaue Ensemble überstrahlt alles

Neben den Jeans ist Blau historisch gesehen aber auch die Farbe der Frauen: Antike Göttinnen wie Diana oder Astarte wurden mit der Nacht und dem Wasser in Verbindung gebracht und auch die christliche Jungfrau Maria ist in vielen Darstellungen in einen blauen Mantel gehüllt.

Auch Sportkleidung ist dabei
Auch Sportkleidung ist dabei

Blau als Bubenfarbe bildete sich erst später im militärischen Kontext heraus.

Weiß/Silber

Leere und Licht, Bedrohung, Unendlichkeit, Erlösung – all das kann man mit Weiß verbinden, das zu den ältesten Farben der Menschen gehört, das man nicht mischen und nicht aus etwas Vorhandenen herstellen kann.

Ganz in Weiß
Ganz in Weiß

Schon in der Römerzeit galten weiße Gewänder als Zeichen von Würde und moralischer Integrität und diese Assoziation ist „mit der weißten Weste“ (der Ausspruch stammt vom Beginn des 19. Jahrhunderts) bis heute aktuell. In vielen Ländern wird in weiß geheiratet: als Symbol der sexuellen Reinheit, des Luxus und eines Neubeginns.

Fächer und Hütchen
Fächer und Hütchen

In China wiederum bedeutet Weiß das Ende, es ist die Farbe der Trauer und des Todes.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung

Und in den 1970er Jahren kam Silber durch die Mondlandung und den Boom der Science Fiction Filme auch in der Mode zu Ehren.
Damit kann an in der Ausstellung nicht nur viele wunderschöne Kleidungsstücke, Roben, Schuhe und Accessoires bewundern, sondern erhält auch viele Informationen über die Bedeutung der Farben über dem Zeitraum der Jahrhunderte und auch wie sie hergestellt wurden.

Wie die Formen sich ändern
Wie die Formen sich ändern

Neben den Kleidungsstücken, unter denen sich neben anonymen Alltagsstücken auch die Werke von bekannten Wiener Namen wie Gertrud Höchsmann, Adele List, Fred Adlmüller, Helmut Lang, Schella Kann und Susanne Bisovsky befinden, werden die „Kleiderinseln“ von Vitrinen eingerahmt, in denen ebenfalls – nach Farben geordnet – viele interessante Accessoires gezeigt werden.

Falcos Anzug links
Falcos Anzug links

Für mich eine sehr interessante Ausstellung, die nicht nur einiges Wissenswertes über Farben, Designer und Modetrends bietet, sondern mich auch an einiges aus meiner Jugend erinnert hat. Hier empfehle ich Menschen meines Jahrgangs (1959) vor allem die grüne Kleiderinsel, den Anzug von Falco von Helmut Lang aus dem Jahre 1984 oder zum Abschluss die bunten Häkelkleider.

Wer kann sich noch an die Kleider, Röcke und Häkelbikinis erinnern?
Wer kann sich noch an die Kleider, Röcke und Häkelbikinis erinnern?

Schön war es …

Das Wien Museum ist Dienstag, Mittwoch, Freitag von 9:00 bis 18:00 Uhr, Donnerstag 9:00 bis 21:00 Uhr und Samstag und Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung

Zur Ausstellung ist auch ein Katalog mit 196 Seiten inklusive sechs Ausklappseiten in Englisch und Deutsch erschienen.

 


Farbenspiel. Mode aus vier Jahrhunderten
1.10.2026 - 28.3.2027
Wien Museum
1040 Wien
Karlsplatz 8
+43 1 505 87 47 85173
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