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Canaletto oder Bellotto? Welches Bild hat wer gemalt? Ich könnte es nicht so einfach sagen - und ihr?

Allerdings weiß ich nach dem Besuch der Ausstellung, wer sich wo aufgehalten hat - immerhin ein Orientierungspunkt. Sollte ich die Stadt oder die Gegend anhand ihrer Sehenswürdigkeiten jedoch nicht erkennen, wäre es mit meinem Wissen aber wahrscheinlich schon vorbei. Aber immerhin – einiges kann man aus ihrem Lebensweg und ihren Reisen ableiten.

Canaletto: Die Riva degli Schiavoni in Venedig Kunsthistorisches Museum, Wien, Gemäldegalerie,
Foto © KHM-Museumsverband

Veduten, also Stadtansichten, hatten mich bis jetzt – ehrlich gesagt – nicht besonders interessiert. Außer es ging um Orte, die ich ebenfalls besucht habe. Schließlich ist es immer wieder interessant, zu sehen wie eine Stadt, ein Ort in früherer Zeit einmal ausgesehen hat. Das war es dann aber schon.

Bellotto: Schloss Hof
Bellotto: Schloss Hof

Nun aber habe ich einiges über die Künstler erfahren und schon beginne ich die Bilder mit anderen Augen zu sehen …

Canaletto und Bellotto

Beide zählen zu den bedeutendsten Vertretern der Vedutenmalerei, lebten ursprünglich in Venedig und waren auch noch miteinander verwandt. Bernardo Bellotto, war nicht nur Schüler von Giovanni Antonio Canal, der sich Canaletto nannte, sondern auch sein Neffe.

Canaletto: Der Bacino di San Marco von San Giorgio Maggiore aus, The Wallace Collection, London Foto © Wallace Collection, London, UK / Bridgeman Images
Canaletto: Der Bacino di San Marco von San Giorgio Maggiore aus, The Wallace Collection, London
Foto © Wallace Collection, London, UK / Bridgeman Images

In den 1730er Jahren waren die Veduten Canalettos von Venedig äußerst gefragt. Junge Adelige – speziell aus England, besuchten im Rahmen ihrer Grand Tour nicht nur Paris und Rom, sondern auch Venedig und es war ein beliebter Brauch die Städtebilder als Andenken mit nach Hause zu nehmen.

Ausstellungsansicht © KHM-Museumsverband, Foto © Jakob Gsöllpointner
Ausstellungsansicht © KHM-Museumsverband, Foto © Jakob Gsöllpointner

Doch der Österreichische Erbfolgekrieg streute Sand ins Getriebe des Gewerbes, die internationalen Gäste und damit die zahlungskräftige Kundschaft blieb aus und Canaletto und Bellotto mussten sich neu orientieren.

Damals trennten sich auch ihre Lebens- und Arbeitswege. Während Canaletto seiner „Kundschaft“ nach London nachreiste und sein Leben lang als freiberuflicher Künstler, von wechselnden Auftraggebern abhängiger Maler bliebt, strebte Bellotto nach einer festen Anstellung, was im schließlich auch am Hof des Kurfürsten von Sachsen und König von Polen gelang.

Canaletto: Der Innenraum der Ranelagh-Rotunde, Compton Verney, UK © Compton Verney, Foto: Jamie Woodley
Canaletto: Der Innenraum der Ranelagh-Rotunde, Compton Verney, UK © Compton Verney,
Foto: Jamie Woodley

Verwirrend ist die Tatsache, dass Bellotto bei einigen seiner Werke zu seiner Signatur die Worte „genannt Canaletto“ hinzugefügt hat. Wahrscheinlich um die Verbindung zu seinem Onkel zu betonen und sicher auch um den eigenen Marktwert zu steigern. Beiden ist aber ihr Gespür für Licht, Atmosphäre und Architektur eigen und auch die Arbeitsweise.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung

So findet sich in der Ausstellung auch eine Camera obscura, die wahrscheinlich sogar Canaletto benutzt hatte – immerhin findet sich sein Name auf dem Gehäuse eingraviert. Damit konnte ein Motiv fotografiert und dann mittels Spiegel abgezeichnet werden.

Bellotto: Schloss Hof
Bellotto: Schloss Hof

Sind es also nur Kopien und eigentlich wenig Kunst? Mitnichten. Neben dem schon angesprochenen Gefühl für Licht und Atmosphäre sind die speziellen Canaletto & Bellotto-Blicke nicht immer 1:1 die Wirklichkeit. Beide verstanden es diese Wirklichkeit immer wieder ein wenig „zurechtzubiegen“. Da ragte dann einmal eine Kuppel noch ein Stück höher über die Dächer der Stadt oder der noch unfertige Turm zeigte sich bereits im vollendeten Glanz. Auch mit Licht und Schatten wurde gespielt und in die eine oder andere soziale Komponente damit angedeutet: Während die Adeligen sich meistens im Licht tummeln, sieht man Arbeiter, Kranke und Krüppel nur im Schatten der einzelnen Szenerien.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung

Canaletto kam 1746 nach London und studierte das wandelnde Stadtbild Londons genau. Er war einer der ersten die Architektur, Parks und Zeremonien als Symbole der nationalen Identität darstellten, aber er feiert auch die neuen Vergnügungsstätten und die Freizeitkultur, die durch Musik, Gespräche und die Mode geprägt wurde. Obwohl er hauptsächlich Ansichten von London malte, wandte er sich auch Landschlössern wie Warwick Castle zu. Dabei übertrug er venezianische Ausdrucksformen auf die englische Landschaft und verwandelte eine mittelalterliche Burg mit moderner Eleganz.

Canaletto: Die südliche Fassade von Warwick Castle, Museo National Thyssen-Bornemisza, Madrid
Canaletto: Die südliche Fassade von Warwick Castle, Museo National Thyssen-Bornemisza, Madrid

Canaletto kämpfte allerdings weiter mit finanziellen Schwierigkeiten, kehrte 1755 nach Venedig zurück und starb dort verarmt 1768.
Bellotto hingegen zog 1747 von Venedig nach Dresden und fand dort eine Stellung als Hofmaler mit einem großzügigen Gehalt. Während dieser Zeit malte er Stadtansichten für die königliche Sammlung und für private Auftraggeber Motive in kleineren Versionen. 1756 marschierten preußische Truppen in Dresden ein und beendeten damit seine Blütezeit. 1759 brach er mit seinem Sohn nach Wien auf, wo er zwei Jahre blieb. Seine Frau und seine Töchter ließ er allerdings im umkämpften Dresden zurück.

Bellotto und Wien

In Wien herrschten während seines Aufenthalts Kaiser Franz I. Stephan und Maria Theresia. Auch inmitten der Kriegswirren war Wien damals das politische und kulturelle Zentrum der Habsburgermonarchie. Bellotto malte Paläste, Plätze, sowie religiöse und wissenschaftliche Einrichtungen. Wahrscheinlich hoffte Bellotto auch hier als Hofmaler ernannt zu werden, doch diese Hoffnung erfüllte sich nicht.

Bellotto: Der Lobkowitzplatz in Wien, Kunsthistorisches Museum Wien
Bellotto: Der Lobkowitzplatz in Wien, Kunsthistorisches Museum Wien

Neben den vielfältigen Wiener Ansichten entstanden auch einige Bilder von Schloss Hof, sowie von der Festung Theben/Devin am Zusammenfluss von March und Donau.

Das Empfehlungsschreiben Maria Theresias
Das Empfehlungsschreiben Maria Theresias

1761 verließ Bellotto Wien wieder und reiste nach München. Ein Empfehlungsschreiben von Maria Theresia – das in der Ausstellung zu sehen ist – an ihre Cousine, die Prinzessin von Bayern trug er bei sich. Allerdings erwähnte die Kaiserin den Maler darin nur kurz.
Bald darauf kehrte Bellotto nach Dresden zurück, wo er sowohl die Stadt wie auch seinen Besitz zerstört vorfand. Auch hier war ihm das materielle Glück nicht mehr hold. Er wurde zum „Lehrer der Perspektive“ an der Akademie degradiert und musste um seinen Lebensunterhalt kämpfen.

Bellotto: Architekturfantasie mit Selbstbildnis in den Roben eines venezianischen Edelmannes, Königliches Schloss Warschau-Museum © The Royal Castle in Warsaw - Museum
Bellotto: Architekturfantasie mit Selbstbildnis in den Roben eines venezianischen Edelmannes,
Königliches Schloss Warschau-Museum © The Royal Castle in Warsaw - Museum

1767 ging Bellotto dann Richtung Warschau, wo er wieder als Hofmaler arbeiten konnte und im Dienst des polnischen Königs stand.

Detail des "Selbstbildnis"
Detail des "Selbstbildnis"

Die Ausstellung zeigt 32 herausragende Gemälde: sowohl aus der Sammlung des Kunsthistorischen Museum als auch hochkarätige Leihgaben. Als Highlight zählt seine Ansicht „Venedig: Der Bacino di San Marco von San Giorgio Maggiore aus“, aber auch „Westminster Abbey mit der Prozession der Ritter des Bath Ordens“ ist ein absoluter Kunstgenuss und wird erstmals öffentlich in Österreich gezeigt.

Bellotto: Das Gartenpalais Liechtenstein in Wien vom Belvedere © Liechtenstein. The Princely Collections Vaduz-Vienna
Bellotto: Das Gartenpalais Liechtenstein in Wien vom Belvedere
© Liechtenstein. The Princely Collections Vaduz-Vienna

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf Bellottos zweijährigem Wien-Aufenthalt mit großformatigen Ansichten der Wiener Innenstadt und der umliegenden Schlösser. Mit den bedeutenden Leihgaben aus dem Besitz der Fürsten von Liechtenstein wie „Das Gartenpalais Liechtenstein in Wien vom Belvedere“ können diese Veduten seit mehr als 20 Jahren nun erstmals wieder nahezu vollständig gemeinsam präsentiert werden.

Porträt von Angelo Soliman, im obigen Bild mit Fürst von Liechtenstein
Porträt von Angelo Soliman, im obigen Bild mit Fürst von Liechtenstein

Ich jedenfalls habe in der Ausstellung die Vedutenmalerei so richtig zu schätzen gelernt. Nicht nur der Lichteinfluss fasziniert mich, sondern auch die Genauigkeit der Ausführung. Es ist fantastische wie fein die Details der Boote oder die Kleidung der Adeligen ausgeführt ist. Auch die Gesichter der Figuren – schaut sie euch in der Architekturfantasie mit Selbstbildnis in den Roben eines venezianischen Edelmannes an. Oder die feine Zeichnung der Häuserfronten, der Statuen, der Vegetation. Mit einem Wort – ich bin nun ein richtiger Fan der Vedutenmalerei geworden. Ein Glück, dass die Ausstellung bis Anfang September läuft, da sollte sich noch ein zweiter Besuch ausgehen.

Der Canaletto-Blick

Zum Abschluss vielleicht noch ein Wort zum - in Wien ja in regelmäßigen Abständen diskutierten - Canaletto (oder doch Bellotto)-Blick und damit um die Aberkennung oder nicht des Weltkulturerbe-Status von Wien. Wie der Kurator der Ausstellung Mateusz Mayer meinte, wird diese Frage hier nicht beantwortet. Jeder Besucher, jede Besucherin möge sich selbst ein Bild machen und eine Meinung bilden. Meiner Meinung nach eine sehr weise Aussage. Also lasst uns für die Zeit im KHM die Bilder genießen und die Diskussionen vergessen. Streiten kann man danach wieder ...

Bellotto: Wien vom Belvedere ausgesehen, Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie
Wien vom Belvedere ausgesehen, Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie

Zu der Ausstellung ist ein reich bebilderter Katalog in Deutsch und Englisch im Hirmer Verlag erschienen.
In einem Raum können nicht nur die jugendlichen Besucher an interaktiven Stationen noch einiges mehr über die beiden Maler erfahren.

Interaktive Stationen bringen zusätzliches Wissen
Interaktive Stationen bringen zusätzliches Wissen

Für die jungen Besucher*innen wurde ein wunderbares Booklet kreiert, das sie mit kindergerechten Wandtexten durch die Ausstellung führt und anschließend zum Bau ihrer Stadt einlädt.

Interaktiv mehr erfahren
Interaktiv mehr erfahren

Für das umfangreiche Rahmenprogramm checkt bitte die Website: https://www.khm.at/ausstellungen/canaletto-bellotto#programm-fuehrungen

Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erschienen
Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erschienen

Tipp: Unbedingt die Tickets online kaufen und ein Zeitfenster buchen, nur so ist der Besuch der Sonderausstellung möglich.

Das Kunsthistorische Museum ist Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr und am Donnerstag bis 21:00 Uhr geöffnet


Canaletto & Bellotto
24.3.-6.9.2026
Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie
1010 Wien
Maria Theresien-Platz
+43 1 525 24-2500 (bei Fragen zu Tickets)
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