Michaela Baumgartner: Seidenwalzer

Ich lese gerne historische Romane, egal ob Krimi oder ob sie sich „nur“ um die damalige Zeit drehen. Der „Seidenwalzer“ ist so einer.

Seide war beliebt im Wien des 19. Jahrhunderts

Allerdings habe ich ihn unter völlig falschen Voraussetzungen zu lesen begonnen, wie ich gleich zu Beginn hier gestehen muss.

Seitenweise habe ich auf die „Leiche“ und auf einen „Kommissar“ gewartet, bis ich endlich noch einmal auf den Titel geblickt habe: Historischer Roman aus dem alten Wien. Also keine Leiche und keine Ermittlungen! Aber trotzdem äußerst amüsant und unterhaltsam.

Es herrscht Krieg in Europa, Napoleon ist aus Elba geflohen, der Kongress hat gerade zu tanzen aufgehört. Im Mittelpunkt steht die begüterte Familie Wohlleben, der Vater Diplomat und die Mutter hat ihre liebe Not mit ihrem Nachwuchs. Der Sohn, Georg, ein Lebemann, Fanny, die Jüngste, für damalige Zeiten ein Flittchen, Sophie, die einzig vernünftige – aber auch unglücklich verheiratet.

Georg muss, ebenso wie seine Freunde, einrücken. Zuvor nötigt er aber noch einen Freund seine jüngste Schwester zu heiraten, deren Flirt mit einem anderen Mann, ebenfalls ein stadtbekannter Schwerenöter, bald Auswirkungen zeigen wird.

Sophie heiratet einen englischen Gentlemen, glaubt dass sie ihr Mann betrügt und ist bald so unglücklich, dass sie nach Wien zurückkehrt.

Obwohl Krieg, gibt es genügend Anlässe neue Kleider zu zeigen, was eines Tages dazu führt, einen der wichtigsten Seidenfabrikanten, seine Designerin kennen zu lernen. Näherinnen haben es um diese Zeit nicht leicht mit der Herrschaft. Vor allem wenn der junge Herr meint, dass ihm nicht nur bald das Geschäft, sondern auch die Belegschaft mit Haut und Haaren gehört.

Während Emilia Esposito, die Chefdesignerin sich den jungen Pointner vom Halse halten kann, haben nicht alle jungen Mädchen in der Firma soviel Glück. Doch auch dieses Problem kann mit einer kleinen Intrige gelöst werden.

Zwischen den Damen der Familie Wohlleben und Emilia entwickelt sich eine starke Freundschaft, Schicksalsschläge, aber auch positive Schicksalswendungen stellen sich ein. Es wird gefeiert, geweint, geherzt und einfach gelebt inmitten eines Sittenbildes im dekadenten Wien des 19. Jahrhunderts.

Leichte, aber unterhaltsame Lesekost für regnerische Abende bei einer Schale Tee.

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