Christian Wehrschütz: Brennpunkt Ukraine
Vier Jahre dauern nun schon die bewaffneten Auseinandersetzungen in der Ostukraine mit Russland. Wobei: angefangen hat der Konflikt schon 2014 mit der Annexion der Krim durch Russland.
Seitdem werden Argumente für oder gegen die eine oder andere Seite vorgebracht. Für oder gegen Putin, für oder gegen die Ukraine und ihren Präsidenten Selenskyj. Wie hat das alles aber eigentlich begonnen? Was war passiert? Wie sehen es die Menschen vor Ort? Im Donbass? In Kiew?
Einer jener Journalisten, der von Beginn an den Konflikt beobachtet, ist Christian Wehrschütz. Mit seinem Buch „Brennpunkt Ukraine. Gespräche über ein gespaltenes Land“ versucht er mittels Aufzeichnungen seiner Gespräche mit den verschiedenen Seiten im Konflikt seine Ursprünge zu finden.
Mir ist das Buch erst jetzt in die Hände gefallen, obwohl es bereits 2014 erschienen ist und auch die Interviews mit den verschiedenen Personen in diesem Jahr stattfanden. Es zeigt aber auch schon, wie unversöhnlich sich die Konfliktparteien bereits zu diesem Zeitpunkt gegenübertraten.
Und man kann sehr wohl die politischen Fehler in der Ukraine, aber auch in der EU und der westlichen Welt erahnen, die – wären sie nicht passiert – vielleicht eine andere Entwicklung ermöglicht hätten. Wobei man natürlich im Nachhinein immer gescheiter sein kann.
Ich finde es dennoch ein wichtiges Buch. Alleine schon aus dem einzigen Grunde, das es durch die verschiedenen Sichtweisen die scharfe Schwarz-Weiß-Einschätzung des Konflikts ein wenig korrigiert.
Wie in vielen Auseinandersetzungen gibt es anscheinend auch hier nicht nur den einen bösen Teufel, der an allem Schuld ist, auch wenn er sich diese Situation zunutze gemacht hat, sondern auch der Westen und seine Politiker sollten sich ihre Fehler eingestehen und diese auch benennen.
Eine Lösung für den Konflikt wird schwierig werden, wenn man einige der unversöhnlichen Statements liest, die bereits damals getroffen wurden. Ohne Einsicht von allen Seiten wird Friede wohl auch in diesem Krieg nicht möglich sein.
Für mich war es interessant zu lesen, einen Schritt von der gegenwärtigen Berichterstattung zurückzutreten und auch zu erfahren was die Konfliktpartner im Lande zu dieser Auseinandersetzung sagen.