Alena Mornštajnová: Es geschah im November

Ich habe mir nie vorstellen können, warum man für die Freiheit sein Leben und das seiner Kinder oder Freunde aufs Spiel setzt. Nach dem Lesen dieses Buches kann ich es.

Was wäre wenn die Samtene Revolution gescheitert wäre?

Was wäre passiert, wenn die Samtene Revolution in der Tschechoslowakei gescheitert wäre? Alena Mornštajnová stellt uns das Schicksal einer Familie unter anderen Bedingungen vor.

Wenn man nicht in einer Diktatur lebt, kann man es sich wahrscheinlich nicht vorstellen. Natürlich macht es Sinn gegen bestimmte Entwicklungen zu demonstrieren oder Verbesserungen auf der Straße einzufordern. Und wenn man das nicht kann? Sollte man Repressalien für die sogenannte Freiheit in Kauf nehmen? Oder lieber nicht?

Eigentlich war ich eher der Meinung, dass es besser ist, stillzuhalten und sich mit der Situation zu arrangieren – vor allem wenn es auch das Leben der eigenen Kinder gefährden könnte. Mit dem Leben dieses Buches ist diese Überzeugung allerdings stark ins Wanken gekommen…

Mornštajnová schildert das Leben einer jungen Familie, die an den ersten Protesten gegen das Regime in der Tschechoslowakei teilnimmt. Sie spüren förmlich die Freiheit der Meinungsäußerung, haben Hoffnung auf ein freieres Leben, auf Reisen, Demokratie.

Maries Vater war ebenfalls ein „kleiner“ Freigeist, der nicht in die kommunistische Partei eintreten wollte und damit ihre Berufswünsche und ein Studium bereits unmöglich machte. Die Familie gilt als nicht vertrauenswürdig.

Marie und ihr Mann gehen in einer kleinen mährischen Stadt im November 1989 für ein neues Leben auf die Straße. Aber anders als im wirklichen Leben schlägt das Regime zurück. Beide werden verhaftet und voneinander getrennt. 

Marie wird für 20 Jahre ins Gefängnis gesteckt, ihr Mann gilt als vermisst und wurde wahrscheinlich ermordet. Ihr Exfreund mit dem sie einen gemeinsamen Sohn hatte, holt diesen von ihren Eltern und flieht mit ihm in den Westen. Ihre Tochter wird in ein staatliches Erziehungsheim gesteckt.

Marie schreibt Briefe an ihre Tochter aus dem Gefängnis, die diese jedoch nie erhält. Im Kinderheim wird sie kommunistisch linientreu erzogen, um später zur Elite gehören zu können. Bespitzelungen der Kameradinnen im Heim und später der MitschülerInnen gehören zur Ausbildung dazu.
Spät wird Marie aus dem Gefängnis entlassen, muss aber trotzdem unter „Aufsicht“ in einer Kolchose in einem kleinen Dorf arbeiten. Durch Zufall bzw. die Recherche einer Freundin erfährt ihre Tochter Magdalena ihren Aufenthalt. Für Magdalena hat sich ihre Mutter nie um sie gekümmert.
Dennoch siegt die Neugier und beide treffen aufeinander – allerdings ist das Wiedersehen nicht so wie erträumt. Auch Marie muss sich wieder der Denunziation stellen und ihr neues Leben auf eine Probe stellen …

Ein Buch, das man unbedingt lesen muss und mir viel über Freiheit und dem Kampf um freies Leben und Demokratie – so fehlerbehaftet sie auch sein möge  - erzählt hat. Ein Buch, das uns lehrt, diese Freiheiten viel mehr zu schätzen als wir es vielleicht tun. Ein wichtiges Buch.

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