Als Stadt – und noch dazu als Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten – ist Zwettl vielleicht nur im Osten von Österreich bekannt. Das Bier, das den Namen der Stadt führt, ist jedoch weit über ihre Grenzen hinaus bekannt.

Der Name der Stadt ist slawischen Ursprungs und kommt wahrscheinlich von světlý, das Licht, hell bedeutet, aber auch Lichtung oder Rodung. In Urkunden wird das Kloster Zwettl lateinisch als Claravallis (=lichtes Tal) genannt. Hinweise auf slawische Besiedelung, wie Gräber bzw. Grabfunde hat man allerdings bis dato noch nicht gefunden.

Der Hauptplatz von Zwettl mit Dreifaltigkeitssäule und der Stadtpfarrkirche (Foto © Dagmar Postel)

Zwettl gilt als eine Gründung der Kuenringer, 1139 wird sie erstmals in der Gründungsurkunde des nahe gelegenen Zisterzienserstifts erwähnt. 1176 stürmen die Böhmen unter Herzog Sobieslaw das Dorf und ziehen es ebenso wie das Stift schwer in Mitleidenschaft.

Der Hundertwasserbrunnen in Zwettl (Foto © Dagmar Postel)
Bereits 1200 wird die Siedlung in einer Urkunde von Herzog Leopold VI. als Stadt bezeichnet, damit ist Zwettl eine der ältesten Städte des Landes. Um 1229 wird die Stadt Zwettl um den Bereich des Neuen Marktes erweitert, der Bau der Stadtmauer beginnt.

Am Fischlehrpfad in Zwettl (Foto © Dagmar Postel)
Die Kuenringer errichten hier eine Burg, die 1231 bei der Niederwerfung eines Aufstandes durch die Truppen von Herzog Friedrich II., des Streitbaren, zerstört wird.
1295 erhält Zwettl als eine der ersten Städte ein eigenes Bürgerspital, 1307 errichtet Leutold I. von Kuenring das Herrenhaus in der Stadt, das heute noch als altes Rathaus erhalten geblieben ist.
Bereits im 13. Jahrhundert darf die Stadt Wochenmärkte abhalten, 1403 erhält Zwettl auch das Privileg für die Abhaltung eines Jahrmarkts, der auch heute noch immer am 14. September (Kreuzmarkt) abgehalten wird. 1494 und 1613 erhält die Stadt Privilegien für zwei weitere Märkte.

In der Stadtpfarrkirche von Zwettl (Foto © Dagmar Postel)
1419 wird Zwettl landesfürstlich, 1427 wird die Stadt drei Mal erfolglos von den Hussiten belagert. Sie zerstören und plündern dabei das nahe gelegene Stift und die meisten umliegenden Dörfer.
Am 30. März 1443 wird zum ersten Mal das Große Zwettler Stadtsiegl verwendet, das sich auch heute noch im Gebrauch befindet.

Detail Jubiläumshaus (Foto © Dagmar Postel)
Auch im Dreißigjährigen Krieg hat die Stadt schwer zu leiden, 1618 dringen wieder böhmische Truppen in Zwettl ein und 1645 wird sie von schwedischen Truppen besetzt.
Brandkatastrophen und die Pest brechen ebenfalls immer wieder über die Stadt herein und sorgen für viele Tote unter den Einwohnern. Dennoch entsteht immer wieder neues Leben aus den Ruinen.

Entlang an Stadtmauer und Fluss (Foto © Dagmar Postel)
1850 konstituiert sich die Ortsgemeinde Zwettl und durch einen freiwilligen Zusammenschluss von 13 Gemeinden im Jahre 1971 entstand die Stadtgemeinde Zwettl in ihrer heutigen Form, die nach Wien zu den größten Österreichs zählt.

Sehenswürdigkeiten

Natürlich sollte man der Brauerei auf jeden Fall einen Besuch abstatten, doch den wollen wir uns als Belohnung nach unseren Rundgang durch die Stadt und das Kloster aufheben. Nach unserem Spaziergang werden wir schließlich eine Stärkung brauchen, denn Sehenswürdigkeiten hat Zwettl reichlich.

Stadtmauer

Die historische Altstadt wird von einer historischen Befestigungsanlage – der Stadtmauer mit ihren Türmen und Erkern – umschlossen, deren Bau wahrscheinlich 1229 im Zusammenhang mit einer Stadterweiterung begonnen wurde. Davor schützten die Stadt nur hölzerne Palisaden. Durch die Auseinandersetzungen mit dem Babenberger Friedrich, dem Streitbaren wurde sie allerdings zerstört, aber später wieder aufgebaut und durch Türme und eine Zwingermauer verstärkt.

Blick auf die Stadtmauer von Zwettl (Foto © Dagmar Postel)

Der weitere Ausbau erfolgte bis ins 15. Jahrhundert, später verlor sie durch die neuen Kriegstechniken zwar ihre Funktion wurde aber dennoch weiterhin instand gehalten. 1590 wurden die Zugbrücken an den Toren durch Steinbrücken ersetzt, 1610 wurden zwei Befestigungstürme geschliffen und um 1800 legte man den Stadtgraben trocken. Trotz vieler Erweiterungen und Umbauten in und um die Stadt, vor allem im 19. Jahrhundert, blieben sechs Wehrtürme, Reste des Wassergrabens und ca. ein Kilometer Mauerwerk erhalten. Die ehemaligen Torbauten sind allerdings verschwunden, allerdings ist ein Westturm mit rundbogigem Straßendurchgang dem Portal der Stadtpfarrkirche vorangesetzt, der einst als innerer Befestigungsturm des Unteren Tores gedient haben könnte.

Die Stadtmauer in Zwettl (Foto © Dagmar Postel)
Wenden wir uns doch gleich diesen Türmen zu…

Der Moserturm

Der dreigeschossige Wehrturm, der einst an der Nahtstelle zwischen der ursprünglichen Stadtanlage und der ersten Stadterweiterung lag, ist heute in das Haus Schulgasse Nr. 10 voll integriert. Auf dem Grundriss eines gekrümmten Dreiecks ragt der dreigeschossige Wehrturm in den Himmel.

Der Passauerturm

Dieser Wehrturm tritt halbkreisförmig aus der Stadtmauer hervor und ist auch drei Geschosse hoch. Er ist in das Haus Schulgasse Nr. 14 integriert und wird auch gewohnt. Früher war in seinem Kellergeschoss ein Gefängnis untergebracht, das zumindest bis 1814 nachweislich noch in Funktion war. So war hier der Weber Caspar Pomeisl vorübergehend eingekerkert, dem die Komplizenschaft mit dem berüchtigten Räuber Johann Georg Grasel bei dessen Überfall auf Anna Maria Schindler in Zwettl vorgeworfen wurde. Seinen Namen hat der Turm wahrscheinlich der jahrhundertelangen Zugehörigkeit der Stadt Zwettl zur Diözese Passau zu verdanken.

Der Schulturm

An der Nordostecke der Stadtbefestigung stoßen wir auf einen ebenfalls dreigeschossigen Wehrturm, der früher wegen seiner Nähe zu den Hafnerwerkstätten am Neuen Markt auch Hafnerturm genannt wurde. Seinen heutigen Namen bekam er von der 1872 gegründeten Bürgerschule, der ersten in Niederösterreich, die sich heute als Neue Mittelschule für Sport und Wirtschaft auf demselben Grundstück befindet. Im Turm kann man auch eine sehenswerte naturkundliche Sammlung mit mehreren hunderte Präparaten besichtigen.

Der Schulturm in Zwettl (Foto © Dagmar Postel)

Der Kesselboden- oder Sattigturm

Ebenfalls dreigeschossig, ebenfalls an der Nordostecke befindet sich der wuchtige Wehrbau, dessen ehemals schindelgedecktes, gedrücktes Kegeldach längst verfallen und in sich zusammengestürzt ist. 1896 entstand hier anlässlich der Eröffnung der neuen Flügelbahnstrecke Schwarzenau-Zwettl auf dem neu zugeschütteten Stadtgraben die heutige Bahnhofstraße.
1831 bis 1982 besaß dieses Grundstück eine Gärtnerfamilie namens Belkhofer-Sattig, wodurch damals auch der Name Sattigturm gebräuchlich war, ab 2008 kehrte man allerdings wieder zum Namen aus dem frühen 17. Jahrhundert zurück, der sich vom benachbarten Flur „Kesselboden“ herleitet.

Der Kesselboden- oder Sattigturm in ZwettlDer Antonturm

Der Turm aus dem 15. Jahrhundert gilt als Wahrzeichen der Stadt und ist an der Nordwestecke der ehemaligen Befestigungsanlage zu finden. Sein Name stammt vom Familiennamen der Eigner des Grundstücks. Der Wehrturm steht auf einem freien Felsen oberhalb des Zwettltals, besitzt einen unregelmäßigen achteckigen Grundriss und bis zu zweieinhalb Meter dicke Mauern, wobei diese im äußeren Turmbereich wesentlich stärker ausgeführt sind als auf der zur Stadt gewandten Seite.

Der Antonturm in Zwettl

Der Hofbauerturm

Diesen Turm mit quadratischem Grundriss und einem niedrigen Pyramidendach finden wir im oberen Drittel der westlichen Stadtmauer. Interessant ist vor allem der kleine Erker im 2. Geschoss an der Südseite nahe der Stadtmauer: hier war einst ein Klosett untergebracht, das ins Freie mündete.

Das Alte Rathaus

Es ist eines der ältesten weltlichen Bauten der Stadt und Teile des Gebäudes kann man sogar in die Zeit der Kuenringer datieren. Bereits 1307 wurde es von Leuthold I. von Kuenring-Dürnstein um- und ausgebaut, danach ging es in den Besitz der Liechtensteiner und anschließend gehörte das Bauwerk den Puchheimern, die schließlich das Herrenhaus der Stadt verkauften. Seit dieser Zeit diente es dann bis 1850 als Rathaus der Stadt.

Das Alte Rathaus von Zwettl (Foto © Dagmar Postel)

Der quadratische Turm an der vorderen Seite stammt aus den Jahren 1549/50. Hinter dem runden Torbogen kann man noch das ältere gotische Spitzbogenportal erkennen. Aus dieser Zeit stammt auch die wunderschöne Sgraffiti-Malerei, deren Motive sich mit den Aufgaben der städtischen Verwaltung und des Stadtgerichtes, die ja im Haus untergebracht waren, auseinandersetzen. Wobei die Renaissancegraffiti erst 1976 wieder freigelegt wurde, 2002 wurden die Bilder restauriert, wobei man sich um größtmögliche Originaltreue bemühte.

Altes Rathaus in Zwettl, Detail (Foto © Dagmar Postel)

1678 kamen die beiden seitlichen Stützpfeiler dazu und in der Folge wurde das Gebäude auch noch des Öfteren umgebaut, auch nach den Bränden in den Jahren 1772 und 1814.
Heute befindet sich nicht nur die Touristinfo im Gebäude, sondern auch das Stadtmuseum mit seiner Dauerausstellung „Sammlung Anton“.

Altes Rathaus in Zwettl, Detail (Foto © Dagmar Postel)
Weitere Infos finden sie unter www.zwettl.gv.at/stadtmuseum

Dreifaltigkeitssäule

Dreifaltigkeits-, Marien- oder Pestsäulen finden sich in vielen Städten in Österreich. Mit ihrer Errichtung dankten die Bürger der Städte, dass die Pest vorbei war oder die Stadt verschont hatte oder auch für das Ende der Türkenkriege.

Blick auf den Hauptplatz und die Dreifaltigkeitssäule (Foto © Dagmar Postel)

So auch in Zwettl. 1727 musste der Pranger der Sandsteinsäule weichen, die vom Eggenburger Kaspar Högl gestaltet wurde. 1998 war eine Renovierung dringend notwendig: Umweltschäden hatten den Figuren stark zugesetzt.

Vorne in der Mitte sieht man die betende Immakulata, links neben ihr findet man den Heiligen Sebastian von fünf Pfeilen durchbohrt und rechts ist der Heilige Rochus, der auf seine Pestbeule am Oberschenkel zeigt, sowie der Heilige Florian, der in der einen Hand eine Fahne, in der anderen einen Wassereimer hält.

Die Dreifaltigkeitssäule in Zwettl (Foto © Dagmar Postel)

Ursprünglich war der Dreifaltigkeitsplatz Teil des Zwettler Hauptplatzes, der damals ein ausgedehnter dreieckiger Platz war und sich von den Bürgerhäusern hinter dem Hundertwasserbrunnen bis in die Höhe des Hauses Hausleitner oberhalb des Gasthauses „Zur Goldenen Rose“ erstreckte. Später durch den Häuserbau stark eingeengt, wurde er schließlich durch eine Querstraße in zwei Plätze geteilt.
Der eiserne Brunnen in der Nähe ist ein Geschenk des damaligen Bürgermeisters Eugen Beck der Partnerstadt Plochingen bei Stuttgart.

Der Hundertwasser-Brunnen

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts stand mitten auf dem Platz ein großer Auslaufbrunnen, die Endstelle der aus dem 17. Jahrhundert stammenden Zwettler Wasserleitung. 1925 errichtete man dann an der Stelle ein Kriegerdenkmal und ab der Mitte des 20. Jahrhunderts benutzte man den Platz als Parkfläche.

Der Hundertwasserbrunnen in Zwettl (Foto © Dagmar Postel)

Zu Beginn der 1990er Jahre wollte die Stadtregierung den Hauptplatz neu gestalten und den Hauptplatz wieder zu einem attraktiven Mittel- und Treffpunkt der Stadt machen.
Da der Künstler Friedensreich Hundertwasser seit den 1970ern eine alte Mühle am Ufer des Kampflusses besaß lag es nahe, ihn mit der Planung und der Gestaltung einer Brunnenanlage zu beauftragen. Die Präsentation des Brunnenmodells sorgte auf der einen Seite für große Zustimmung, aber auch für eine intensive Ablehnung.

Der Hundertwasserbrunnen in Zwettl (Foto © Dagmar Postel)
1994 waren die beiden Brunnensäulen mit Auffangbecken und dem Pavillon fertig und stellen seitdem einen beliebten Treffpunkt im Herzen von Zwettl dar.

Das Schildwirtshaus „Zur Goldenen Rose“

Elemente von drei verschiedenen Baustilen sind in diesem Gebäude zu einer Einheit verschmolzen: Das Portal ist gotisch, das Gesamtkonzept stammt aus der Renaissance und die Dekorationen rund um die Fenster des ersten Stockes sind aus dem Barock.

Das Schildwirtshaus
Ursprünglich aus dem späten 12. Jahrhundert stammend viel es fast allen großen Feuern der Stadt zum Opfer, der Brand des Juli 1814 hatte hier sogar seinen Ursprung. Immer wieder wurde der Gasthof daher wieder neu aufgebaut und mit dem Prägestempel der jeweiligen Wiederaufbauzeit versehen. Der Gasthof war einer von drei Schildgasthäusern der Stadt: damit hatte er das Privileg nicht nur Personen, sondern auch Ross und Wagen unterzubringen.

Das Bürgerhaus der Bäckerei Hausleitner

Das alte Bürgerhaus am Dreifaltigkeitsplatz 4 stammt im Kern aus dem 15. Jahrhundert, wie viele andere Häuser wurde es aber mehrfach umgebaut. Bei der Renovierung 1980 wurde die Fassade aus der Zeit aus der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts wieder hergestellt. Die tonnengewölbte Einfahrt und das Netzgratgewölbe im Vorraum stammen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Seit 1650 wird hier bis heute ohne Unterbrechung das Bäckergewerbe ausgeübt.

Das Bürgerhaus der Bäckerei Hausleitner in Zwettl (Foto © Dagmar Postel)

Der Pernerstorferhof

Freihöfe waren Anwesen, die das Privileg hatten von Steuern und Abgaben befreit zu sein, solange der jeweilige Hof nicht in bürgerliche Hände überging. Der ursprünglich ebenerdige Kern mit Tonnengewölbe stammt aus dem 13. Jahrhundert, die Arkaden im Hof stammen aus verschiedenen Bauphasen.

Der Pernerstorferhof in Zwettl (Foto © Dagmar Postel)

Im 18. Jahrhundert wurde die Fassade erneuert, das Sonnentor stammt ebenfalls aus der Barockzeit. Nachdem das Gebäude 1801 in bürgerliche Hände überging verlor es damit seine Freihofprivilegien. 1984 wurde die Fassade im überlieferten Renaissancestil erneuert und zeigt sich jetzt als Originalfassade aus dieser Zeit.

Der Pernerstorferhof in Zwettl (Foto © Dagmar Postel)Das Jubiläumshaus

Früher stand an der Stelle des Jubiläumshauses einer der Zwettler Freihöfe, der 1748 in bürgerlichen Besitz überging und damit seine Privilegien verlor. Der Eisenhändler Johannes Neckheim, der örtliche Briefsammler und Erbpostmeister errichtete 1751 hier die Zwettler Poststation. 1754 fuhr von hier aus zweimal im Monat ein „Ordinari-Postwagen“, der mit vier Pferden bespannt war und acht Personen transportieren konnte, von Zwettl nach Wien. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war hier auch zweitweise ein jüdischer Betraum untergebracht, aber auch einem Fuhrwerksunternehmen mit einem besonderen Privileg bot das Haus eine Heimat: Hier durften Kutschen der Poststation auf ihre Betriebssicherheit untersucht werden und die erforderlichen Reparaturen durchgeführt werden.

Das Jubiläumshaus in Zwettl (Foto © Dagmar Postel)

1882 brannte der Freihof zur Gänze ab, 1897 kaufe die Sparkasse der Stadt die Brandstätte und errichtete 1898 zum 50. Jubiläum der Thronbesteigung von Kaiser Franz Joseph I. das sogenannte Jubliäumshaus. Die Pläne stammten von den Wiener Architekten M. und C. Hinträger, die anstelle des alten Freihofes ein Wohnhaus mit späthistorischer Fassade in Renaissanceformen errichteten.
2004 wurde die gesamte Außenfassade des Gebäudes renoviert.

Die Florianistatue

Die Statue aus Sandstein zeigt den Heiligen Florian mit seinen beiden typischen Attributen, der Fahne und einem Wassereimer. Die Statue hatte im Laufe der Zeit schon mehrere Standorte in der Stadt und ist nun auf jenem Platz aufgestellt, den sie schon vor mehr als 100 Jahren hatte: vor dem Jubiläumshaus in der Nähe der Florianigasse.

Die Statue des Heiligen Florian (Foto © Dagmar Postel)

Die Pfarrkirche zu Maria Himmelfahrt

Geht man in der Stadt spazieren, kann man den Kirchturm der Pfarrkirche meistens durch die Häuser blitzen sehen, die erstmals 1280 als „ecclesia inferiora“, die „untere Kirche“ genannt wurde. Der heutige Kirchturm wurde allerdings erst 1854 im neuromanisch-neugotischen Stil auf seine derzeitige Höhe von 55 Meter ausgebaut. Der ursprüngliche Turm reichte nur bis zu den vier Eckfilialen und hatte wahrscheinlich früher die Funktion eines inneren Wehrturms in unmittelbarer Nähe des südlichen Stadttores.

Ihr Turm blitzt immer durch - die Pfarrkirche zu Maria Himmelfahrt in Zwettl (Foto © Dagmar Postel)
Zwischen 1483 und 1490 wird die Kirche zu einer spätgotischen Basilika umgebaut, erhält Netz- und Sternrippengewölbe, zwei zusätzliche Seitenkapellen und wird durch den Westchor vergrößert. Aus der Zeit dieses Umbaus stammen auch der achteckige Vierungsturm und der Westturm, der ursprünglich mit einem Walmdach abgeschlossen war.

Blick auf den Hauptaltar in der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Zwettl (Foto © Dagmar Postel)
1681/1682 wurden über den beiden Seitenschiffen Emporen errichtet und die Dacheindeckungen aller drei Kirchenschiffe in ein gemeinsames Satteldach zusammengefasst.

Im Inneren der Pfarrkirche (Foto © Dagmar Postel)
Der Hauptaltar stammt vermutlich von Leopold Daysinger aus Slavonice und wurde um die Mitte des 18. Jahrhunderts geschaffen. Das Altarbild stellt die Himmelfahrt Mariens dar und wird von zwei Pilastern flankiert. 1760 wird der Chorraum und das erste Joch des südlichen Seitenschiffs von Johann Michael Flor mit Rokokostuck ausgestattet. Über den Seitenaltären kann man zwei Barockbilder des Wiener Malers Johann Ignaz Zimbal sehen, von denen eines die Befreiung des Heiligen Petrus aus dem Gefängnis darstellt (rechts) auf dem anderen wird das Schlangenwunder des Heiligen Paulus auf Malta (links) gezeigt.

Im Inneren der Pfarrkirche von Zwettl (Foto © Dagmar Postel)
Weitere Sehenswürdigkeiten der Kirche sind der Torso eines gotischen Schmerzensmannes aus dem frühen 15. Jahrhundert in der stadtseitigen Eingangskapelle, das Weihwasserbecken aus Sandstein von 1644 im nördlichen Seitenschiff und das Weihwasserbecken aus grauem Marmor im südlichen Seitenschiff ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert.

Blick ins Innere der Stadtpfarrkirche von Zwettl (Foto © Dagmar Postel)
In der südlichen Eingangshalle befindet sich ein in der Barockzeit geschaffene lebensgroße Kopie der Gnadenstatue der bayrischen Wallfahrtskirche in der Wies.

Die Johanneskapelle und die Statue des Soldaten

1773 wurde die Kapelle gebaut, aber bereits 1783 wieder umgebaut. Ursprünglich stand die dem Brückenheiligen Johannes von Nepomuk geweihte Kapelle unmittelbar neben der Kampbrücke. Bei der Gestaltung des Syrnauer Platzes im 19. Jahrhundert wurde die Brücke aber flussaufwärts verlegt.

Die Johanneskapelle in Zwettl (Foto © Dagmar Postel)
Bis 1975 wurde die Kapelle als Aufbahrungsraum genutzt, heute sind in ihr Tafeln mit den Namen jener Zwettler angebracht, die in den beiden Weltkriegen gefallen sind.

Das Denkmal der Gefallenen der beiden Weltkriege (Foto © Dagmar Postel)
Sie ergeben zusammen mit der Bronzestatue des Soldaten der k.u.k. österreichisch-ungarischen Monarchie, die 1925 vom Zwettler Künstler Leander Hofmann entworfen wurde, und die am Platz neben der Kapelle steht das Ensemble der Zwettler Gedenkstätte für die Gefallenen beider Weltkriege.

Die Renaissancehäuser am Hauptplatz

Vier Häuser, Nr. 9, 10, 11, 12, bilden eine geschlossene Reihe am Hauptplatz und prägen sein Aussehen. Sie sind auch ein Beweis für den Reichtum der damaligen Bürger der Stadt. Zwettler, die damals neben einem gutgehenden Handels- oder Gewerbebetrieb jeweils auch eine nicht unbedeutende Landwirtschaft betrieben. Die Fassaden aller vier Häuser sind dreigeschossig, obwohl nur die Häuser 10, 11 und 12 tatsächlich ein drittes, ausgebautes Dachgeschoss besitzen. Die Schauwände überragen teilweise kulissenartig die Häuser und weisen daher im dritten Stock zum Teil nur blinde Fenster auf.

Die Renaissancehäuser am Hauptplatz von Zwettl (Foto © Dagmar Postel)
Johann Michael Flor, der vor allem durch seine Stuckarbeiten bekannt war, war im 18. Jahrhundert kurz der Besitzer des Hauses Nr. 10.

Die Renaissancehäuser am Hauptplatz von Zwettl (Foto © Dagmar Postel)
Sehenswert ist auch der mit Ecksäulchen und bekrönenden Voluten ausgestattete Renaissancerauchfang auf der linken Dachseite des Apothekerhauses. (Nr. 11)

Das Jahndenkmal am Fischlehrpfad

An der Promenade neben der Zwettl findet sich 1994 das Denkmal des „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahr (1778-1852), der die deutsche Turnerbewegung begründete in seinen Schriften aber auch einen radikalen völkischen Nationalismus und äußerst fremdenfeindliche Ideen vertrat, was ihn zu einem Vorreiter und Vorbild der späteren deutschnationalen Bewegung machte.

Das Jahn-Denkmal in Zwettl (Foto © Dagmar Postel)
Das Denkmal wurde hier auf Initiative des örtlichen Turnvereins anlässlich des Jubiläums „125 Jahre Turnen in Zwettl“ errichtet. Obwohl ich die Feierlichkeiten zu so einem Jubiläum wohl verstehen kann, hinterlässt es für mich doch einen befremdlichen Eindruck von der Stadt diesem Mann mit einem solchen Denkmal zu huldigen. Turnen und Jubiläum hin oder her – man sollte sich als Stadt schon auch mit seinen Ideen beschäftigen und dann überlegen, welche Rückschlüsse der Besucher auf die Bewohner der Stadt damit zieht.

Die ehemalige Perzlmühle

Bis 1867 bestand hier, gegenüber der Hamböckbrücke eine Mühle, die 1487 von Kaiser Friedrich III. als Heumühle der Propstei Zwettl gestiftet worden war. Ihren Ursprung hat die Mühle allerdings schon viel früher: Bereits 1295 schenkte der Kuenringer Leuthold I. seinem Untertan Leopold Müllner Grund und Wasser zum Bau einer Mühle, deren grundherrliche Rechte später an die neugegründete Propstei kamen.

Die ehemalige Perzlmühle in Zwettl (Foto © Dagmar Postel)
1867 brannte die Mühle vollständig ab und auf dem Grund wurde später ein Wohnhaus errichtet. Bei der Renovierung 1986 wurde dann das Sgraffito-medaillon angebracht, das drei Kuenringer vor der Mühle zeigt und die Aufschrift „1295, Mühle der Kuenringerburg“ verweist auf die Schenkung.
Der Name der Mühle leitet sich von seinem letzten Besitzer ab.

Die Sitzende

Den Brunnen vor dem Stadtamt ziert die eine Skulptur von Silvia Maria Grossmann „Die Sitzende“. Die weibliche Person in nachdenklicher Haltung entstand 1988 aus Wachauer Marmor während der 1. Zwettler Bildhauerwoche. Silvia Maria Grossmann wurde 1957 in Zürich geboren und lebt und arbeitet als Bildhauerin und Fotografin in Wien.

Die Sitzende vor dem Stadtamt in Zwettl (Foto © Dagmar Postel)

Die Helfenden und schützenden Hände

Die Plastik in der Grünanlage vor dem Caritas-Tagesheim für Menschen mit besonderen Bedürfnissen stammt von Johannes Prinz. Anlass war die Eröffnung dieser wichtigen sozialen Einrichtung im Jahr 1983. Die Plastik ist aus glasfaserverstärktem Kunststoff und an die zwei Meter hoch.

Die helfenden und schützenden Hände (Foto © Dagmar Postel)

Das Musikerheim

In Sichtweite der "Sitzenden" steht ein großer gelber "Kasten" der keinen Eingang und Ausgang zu haben scheint und man fragt sich als Besucher, ob dies ein Denkmal ist und wenn ja wofür. 2013 wurde das Bauwerk errichtet, auch Goldstück genannt, und es ist in Wirklichkeit der Proberaum des Zwettlers Musikvereins. Dieser wurde bereits 1887 gegründet und Carl Michael Ziehrer soll sogar beim Gründungskonzert dabei gewesen sein. Auch wenn man dies nicht eindeutig nachweisen kann, ist immerhin belegt, dass er 1892 die Schirmherrschaft übernommen hat.

Das Musikerheim in Zwettl (Foto © Dagmar Postel)

Jahrzehntelang mussten die Zwettler Blasmusiker in einem Raum am Dachboden des Stadtamts üben, obwohl dies nur als Provisorium gedacht war. Im Laufe der Zeit wurde das Musikerensemble auch zahlenmäßig immer größer und die Ausstattung entsprach in keiner Weise den Anforderungen. 2009 wurde daher ein Architekturwettbewerb zur Umgestaltung des Amtsgebäudes durchgeführt, den das Architektenteam Robert Diem und Erwin Stätter mit dem eigenen Musikerheim gewann.

Das Musikerheim in Zwettl (Foto © Dagmar Postel)

Der kubistische Neubau bietet nun einen bewussten Kontrapunkt zum benachbarten Stadtamt. Ein umlaufendes Fensterband sorgt für die Belichtung des Erdgeschosses und lässt das Gebäude "schweben". Lichtkuppeln im Dach sorgen für Tageslicht im eigentlichen Proberaum des Musikerheimes. Die Fassadengestaltung mit goldfarbenen, karoförmigen Aluminiumverbundplatten ist den Blechblasinstrumenten und dem Muster der Trachten des Musikvereines nachempfunden.

Das sind all jene Sehenswürdigkeiten, die ich bei einem Tagesausflug gemütlich geschafft habe. Es macht Spaß entlang der Stadtmauer und der Zwettl zu gehen, auch wenn es so wie bei mir fast noch Winter war. Im Herbst kann ich es mir fast noch schöner vorstellen.

Das Freibad von Zwettl (Foto © Dagmar Postel)

Im Sommer sollte man dann vielleicht noch einen Besuch im Zwettler Freibad einplanen und im Winter bei der Kunsteisbahn - dann ist der Tag sicher voll ausgelastet und auch die Kleinen haben mehr Spaß am Besuch.

Zwei wichtige Sehenswürdigkeiten von Zwettl fehlen in dem Artikel, doch soll wenigstens auf sie hingewiesen werden: die Brauerei Zwettl und das Stift Zwettl. Beide sind es wert zu besuchen, doch bei einem Tagesausflug von Wien aus, habe ich das nicht mehr geschafft. Beide Besuche und damit auch die Beschreibungen werden folgen.
In der Zwischenzeit besuchen zur Info ihre Websites: www.zwettler.at und www.stift-zwettl.at

Mehr über Zwettl erfahren Sie auch hier:
https://www.zwettl.gv.at/
https://www.zwettl.gv.at/Tourismus
https://de.wikipedia.org/wiki/Zwettl-Nieder%C3%B6sterreich

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