Am Zusammenfluss von Moldau und Otava liegt die Burg Zvíkov (Klingenberg) auf einem Felsensporn und bietet einen wunderschönen Überblick über einen Teil des Stausees Orlík.

Burg Zvíkov (Foto: Libor Svacek, Czech Tourism)
Taktisch klug auf dem Felsen gelegen, bot der Ort wahrscheinlich schon während der Keltenzeit einem Oppidum Schutz. Doch so richtig beginnt die Geschichte der Burg Zvikov mit den Přemysliden, die dieses außergewöhnliche Beispiel tschechischer mittelalterlicher Baukunst initialisierte. 1226 tauschte König Přemysl Ottokar I. den Oslawer Sprengel gegen sechs andere Dörfer vom Kloster Doksany.

Burg Zvíkov

1234, unter der Regentschaft von König Wenzel I. wird die königliche Burg erstmals auch schriftlich erwähnt. Die Burg war einer seiner Lieblingssitze und er kam oft hierher. Wenzel, aber auch die Könige nach ihm bauten die Burg weiter aus, besonders Přemysl Ottokar II. ließ zur Burg und dem Turm auch noch einen vierflügeligen Palast dazu bauen. Er ernannte Hirza zum Burghauptmann, nachdem heute noch der Turm der Burg benannt ist. Wehrmauern und Basteien folgten Ende des 13. Jahrhunderts und Karl IV. ließ nicht nur die Burg weiter ausbauen, sondern er wohnte auch auf Zvíkov und lagerte hier bis zur Fertigstellung der Burg Karlstein die Kronjuwelen. Danach wechselte die Herrschaft oft zwischen den Rosenbergern und der Familie Schwanberg hin und her.

Blick auf den Fluss bei der Burg Zvíkov
Obwohl die Burg oft belagert wurde (1429 von den Taboriten) oder 1430 von den hussitischen Truppen, konnte sie nie eingenommen werden. Allerdings verpfändete Sigismund die Burg und die Herrschaft an die Rosenberger, da er befürchtete, dass der Burggraf Kunata Kapléř zu den Aufständischen überlaufen könnte. 1472 war die Herrschaft überschuldet und so verkaufte Heinrich V. von Rosenberg ein Viertel seiner Besitzungen und darunter auch die Burg an seinen Vetter Bohuslav V. von Schwanberg. 1575 wurde die Herrschaft mit Orlík verbunden.

Blick von der Bootsanlegestelle auf die Burg Zvíkov
150 Verteidiger konnten nach der Schlacht am Weißen Berg die Burg fast zwei Jahre gegen 2500 Mann der kaiserlichen Truppen halten, mussten aber im Sommer 1622 kapitulieren, die Burg wurde geplündert und der konfiszierte Besitz kam zu den Eggenbergern, die die Burg 1646 verließen und dem Verfall preisgaben. Nur die Wirtschaftsgebäude wurden noch genutzt.

Im Innenhof der Burg Zvíkov
1663 wurde die Burg wieder in Verteidigungsstellung gebracht, da man die Türken fürchtete und die Burg als Zufluchtsstätte nutzen wollte. 1717 erbte die Familie Schwarzenberg den Besitz, 1751 zerstörte ein Großfeuer einen Teil der Burg, 1790 wurde die Burg von der jüngeren Linie des Fürstenhauses übernommen. Ab 1880 wurde mit der Renovierung und Instandsetzung begonnen: Karl Philipp zu Schwarzenberg ließ Anfang des 19. Jahrhunderts die Burgkapelle wieder instand setzen und auch die entdeckten spätgotischen Wandmalereien restaurieren. Doch die Mauern waren in einem so schlechten Zustand, sodass 1829 das Neue Tor einstürzte und dadurch auch ein Teil des Palastes abrutschte und in den Fluss fiel. Der ursprüngliche Stein hat eine zart rosa Farbe und ist daher leicht vom rekonstruierten Bereich zu unterscheiden. Die Zimmer im Erdgeschoss unter dem Ashlar Tower und die Kapelle gelten als die ältesten Teile der Burg. An den Ziegelgewölben hat man Spuren von Holzbrettern gefunden, die bei Mörteltrögen Verwendung fanden. Im Gewölbe sind mehrere Originalplanken erhalten.

Ein Durchgang im Inneren der Burgmauern
1948 wurde der Besitz enteignet und die Burg Zvíkov in Staatsbesitz übernommen.

Der Königliche Palast

Er ist ein Beweis der mittelalterlichen Architekturkunst in der Zeit von Přemysl Ottokar II. Eine Tour durch den königlichen Palast dauert ungefähr eine dreiviertel Stunde und es dürfen nicht mehr als 50 Personen gleichzeitig das Bauwerk besuchen. Die Kastellane möchten den Besuchern ermöglichen, die Burg und den Palast frei, ganz nach ihren Wünschen zu besuchen. Man benötigt keinen Führer, sondern folgt einfach den Pfeilen. Zur Information gibt es Texte in Englisch und anderen Sprachen.

Blick von außen auf den Königlichen Palast
Der Palast hat als Grundriss ein unregelmäßiges Fünfeck mit einem Innenhof und ist im ersten Stock von einer Arkadengalerie umgeben. Nach der Fertigstellung des Palastes wurde im 13. Jahrhundert die starke Befestigung mit den Toren und der Wachturm errichtet. Im 14. und 15. Jahrhundert schützte die Burg mit ihrem mächtigen Befestigungssystem den Adel vor Angriffen, der sich bei Gefahr hinter die starken Mauern zurückziehen konnte.

Blick auf den Arkadengang

Hlíza Turm

Der mächtige Turm, „Hlízová“ oder „Markomanka“ genannt, gilt als der älteste Teil der Burg. Seine Konstruktion und seine Form sind in Böhmen einzigartig und hat viele Fragen und Legenden aufgeworfen. Der Turm ist das älteste erhaltene Bauwerk einer Burganlage aus der Zeit um 1230. Der quadratische Turm ist 20 Meter hoch und seine Mauern sind dreieinhalb Meter dick. Seine charakteristische Form erhielt er durch 44 Schichten aus grob bearbeiteten Blöcken, Steinen und Verbindungsmaterial „Hlíza“. Die Farbe der Steine erinnert manchmal an den Namen „Schwarzer Turm“. Auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts hält sich noch immer die Vorstellung, dass der Turm eine Erinnerung an die Überreste des germanischen Stamms der Markomannen aus dem 2. Jahrhundert nach Christi darstellt.

Der Hlíza Turm mit seiner eigenartigen Form
Steinmarkierungen wie jene des Turmes gibt es nicht nur in Zvíkov, sondern man findet sie auch in der Königlichen Burg, an der Steinernen Brücke und in der Pfarrkirche von Písek), überall dort, wo die lokale Bauhütte tätig war. Manche Menschen glauben darin aber auch geheime Runen zu sehen.

Blick hoch zum Turm
Diese Räume sollen auch zu Zeiten Karls IV. die böhmischen Kronjuwelen beheimatet haben und in der Nacht treibt der Rarášek angeblich in den Hallen sein „Unwesen“.

Der Rarášek

In vielen Burgen spukt es, in manchen Schlössern geistern weiße Frauen und versuchen ihre Ruhe zu finden und ihre Vergangenheit zu vergessen. In der Burg Zvíkov geistert der Rarášek. In seinen Anfängen war der Rarášek eher eine bösartige Figur, der die Handwerker beim Bau quälte, ihnen bösartige Streiche spielte, ihr Werkzeug versteckte und Steine auf sie warf. Irgendwann allerdings hatte er sein Spiel satt, er wollte niemanden mehr ärgern, sondern mit den Menschen Freundschaft schließen. So mutierte er zu einer eher lustigen Figur, die auch hin und wieder ein Mok (Vorgänger des Bieres: Bitter wie das Leben, aber süß wie die Liebe) über den Durst trinkt und Liebe und Leben genießt. Immerhin gab es auf dem Gelände der Burg in früherer Zeit auch eine Brauerei. (Heute ist diese nicht ganz einen Kilometer Fußmarsch entfernt, aber absolut empfehlenswert).

Heute gilt der Rarášek als eine „liebe“ Figur, bei der man allerdings nie vergessen sollte, dass sie sich auch unmöglich verhalten kann.
Über den Rarášek wurde auch ein Theaterstück verfasst, das im Sommer auf der Burg einmal wöchentlich von einer Laiengruppe aufgeführt wird.

Die Kapelle des Heiligen Wenzel

Die Kapelle des Heiligen Wenzel ist eine der Höhepunkte im Werk der Piseker Baumeister und ein wunderbares Beispiel der frühen böhmischen Gotik unter der Herrschaft von Přemysl Ottokar II. Den mittelalterlichen Stil der Kapelle verstärken die Wandmalereien aus den Jahren 1480 bis 1500. Sehenswert ist auf das Fragment eines Gotischen Altars mit einem Relief des leidenden Christus, das in den Jahren von 1600 – 1610 von einem Zvíkover Meister geschnitzt und in den gotischen Steinaltar eingefügt wurde.

In der Burg Zvíkov


Hier finden Sie die Öffnungszeiten der Burg Zvíkov: https://www.hrad-zvikov.cz/en/visitors-information/tours/1061-the-royal-palace

Verpassen Sie nicht, auch der Brauerei einen Besuch abzustatten. Weitere Infos darüber finden Sie hier auf askEnrico.

Hrad Zvíkov
397 01 Písek
Tel: +420 382 285 676
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.hrad-zvikov.eu

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