Im 11.Jht. gründete Fürst Břetislav auf dem über der Thaya (Dyje) emporragenden Felsenriff eine Burg. 1145 wurde die Stadt durch den böhmischen König Vladislav II. zerstört. 1190 wurde das Prämonstratenserkloster Louka (Klosterbruck) gegründet. 1226 wurde Znaim neu gegründet; ihre Bedeutung unterstrich Ottokar I. Přemysl, der sie zur Königsstadt erhob. Kaiser Rudolf I. bestätigte 1278 das Stadtrecht. Auch durch ihre Lage an einem wichtigen Kreuzungspunkt der Wege von Wien nach Prag war die Stadt immer wieder Schauplatz historischer Ereignisse:am 18.August 1308 schloss hier Friedrich von Österreich mit Heinrich von Kärnten Frieden, indem er der Rechte auf Böhmen entsagte.

Mit dem Oldtimer durch Znojmo

Hier verbündeten sich am 18. Dezember 1393 Siegmund von Ungarn, Jobst von Mähren und Albrecht III. von Österreich gegen König Wenzel. 1404 kämpften König Siegmund und Herzog Albrecht IV. von Österreich gegen die hier residierenden mährischen Freibeuter. In den Hussitenkriegen stand die Stadt auf der Seite des katholischen Bundes der Städte Mährens, obwohl es auch hier viele Anhänger der Reformation gab. Allerdings kam es immer wieder zu durchgreifender Rekatholisierung. Im April 1632 wurde in Znaim der Vertrag zwischen Kaiser Ferdinand II. und Wallenstein geschlossen. Weitere historische Eckpunkte sind das Gefecht vom 11.Juli 1809 zwischen Erzherzog Karl und den Franzosen unter Marmont und Massena, sowie durch den am Tag darauf abgeschlossenen Waffenstillstand von Znaim, der am 14.Oktober zum Frieden von Schönbrunn führte.

Die Stadt entwickelte sich zum regionalen Zentrum mit einem großen Verwaltungsgebiet weiter.

Sehenswürdigkeiten

Die Rotunde der Heiligen Jungfrau Maria und der Heiligen Katherina

Die mächtige romanische Rotunde in der Mitte der Burg der Přemysliden ist eines der wertvollsten Kulturdenkmäler von Znaim. Obwohl ihre Entstehung noch nicht genau ergründet werden konnte, soll die Kapelle in der Mitte des 11.Jhts unter der Herrschaft des böhmischen Fürsten Břetislav I. als Bestandteil der Grenzfassung an der Thaya errichtet worden sein. Die monumentale romanische Rotunde erhebt sich auf der höchsten Felserhebung direkt vor dem Zugang zur Přemysliden-Burg.

Die Rotunde in Znaim

1134 wurde der Sakralbau vom damaligen Burgverwalter Konrad II. umgebaut. Dabei entstand der einzigartige Freskenzyklus, der, von der zeitgenössischen byzantinischen Kunst inspiriert, die Přemysliden darstellt. Darunter auch biblische Motive der heiligen Maria, aber auch die Legende der Libuše (die Stammesführerin des böhmischen Volkes) und Přemysl Oráč (der Pflüger, Stammesvater des böhmischen Herrschergeschlechts). Durch die Darsstellung der Legende wurde ganz eindeutig der Anspruch auf die Herrschaft über Böhmen von Přemysliden zum Ausdruck gebracht. Unter den Herrschern nimmt Vratislav, der erste böhmische König, der ältere Bruder von Konrad I. Otto, einen führenden Platz ein. Die Rotunde zählt zum Erbe der europäischen Kulturdenkmäler und steht unter Denkmalschutz. Mit Rücksicht auf klimatische Bedingungen ist sie mit einer Sonderregelung Besuchern zugänglich.

Die Znaimer Burg (Znojemsky hrad)

Das Felsplateau auf dem Bergausläufer oberhalb des Zusammenflusses von Thaya und Granitzbach war bereits während der Jungsteinzeit (ca. 4200 v.Chr.) besiedelt. Archäologische Forschungen sprechen von einer frühmittelalterlichen Besiedlung auf diesem Gebiet schon Mitte des 10.Jahrhunderts.

Nach der Eingliederung von Mähren in das Přemysliden-Böhmen in der ersten Hälfte des 11.Jhts musste das damalige Grenzgebiet zu Österreich besser geschützt werden. Die alte großmährische Burg auf dem Pöltenberg bei Znaim entsprach nicht mehr dem Standard der mittelalterlichen Kriegsführung. Břetislav I. erbaute hier in den 40er Jahren des 11.Jhts eine Steinburg auf dem Felsenplateau auf einem strategisch engen Ausläufer, der sich gegenüber dem Pöltenberg erhebt und von den man einen besonders guten Ausblick über das ganze Thayatal, Granitztal und über das Gebiet der heutigen Stadt hatte.
Burg „Znoyem“ war dank ihrer Lage an der Südgrenze Mährens eine Pflichtraststätte bei allen diplomatischen Anlässen zwischen dem böhmischen Fürstentum und den österreichischen Gebieten des Heiligen Römischen Reiches. 1100 fand in der Burg die Hochzeit von Bořivoj II. Herzog von Böhmen statt. 40 Jahre später, bereits als Sitz des Fürsten Konrad von Znaim wurde die Burg von tschechischen Heeren belagert. In der zweiten Hälfte des 12.Jhts und Anfang des 13. Jhts besetzte der erste Mährische Markgraf Konrad Otto und kurz danach Vladislav Heinrich die Burg.

Blick auf die Rotunde im Winter
Sie wurde umgebaut und von einem Graben zweigeteilt: in die innere Burg mit dem Palast und einer Burgkapelle und in die Vorburg mit Gebäuden für die wirtschaftliche Versorgung, die Burgbewohner und einer anderen Kapelle (Rotunde der Heiligen Jungfrau Maria und der Heiligen Katherina). Der Zugang folgte durch das prächtige achtseitige Räubertor, das leider im 19.Jht. einstürzte.1226, nach der Gründung der Stadt Znaim durch Ottokar I. Přemysl, wurde die Burg zum Sitz der Garnisonen des königlichen Burggrafen. 1437 starb hier Kaiser Sigismund von Luxemburg. 1628 wurde das erste Rechtsdokument des Landes, die sogenannte Landordnung (heutige Verfassungsvariante) beschlossen, die bis zum Anfang des 30jährigen Krieges gültig war. Durch den Rückzug der Türken aus Ungarn nach 1683 verliert die Znaimer Burg an Bedeutung. Kaiser Josef I gibt 1710 das Burginnere als Lehnsgut an die Adligen von Deblin, die es zu einem Barockschloss umbauen. Das Vorburgsgelände geht an die Znaimer Bürger, die dort bald darauf eine Bierbrauerei errichten.

Die Znaimer Brauerei

Obwohl die Stadt eigentlich mehr durch ihren Wein bekannt wurde, gibt es hier dennoch auch eine lange Bierbrau-Tradition.
Gebraut wurde in der Stadt schon von 1278 an, als der römische König Rudolf I. der Stadt Znaim die Brau- und Meilenrechte erteilte.
Bereits 1720 wurde die Stadtbrauerei an Stelle des ersten Burghofs erbaut, die mehr als 100 Jahre von der Stadt verwaltet wurde. Doch da sich die Mieter immer wieder abwechselten, war keine gleichbleibende Qualität zu erzielen und so stand die Brauerei über kurz oder lang vor dem Ruin. 1861 wurde sie von Tomáš Maural gekauft, der selbst Brauer war und er sorgte wieder für einen Aufschwung, in dem er nicht nur in umfassende Baumaßnahmen, sondern auch in ein modernes Dampfkesselhaus und einige Keller investierte. Bis nach Österreich, aber auch in die umliegenden Dörfer und Städte wurde sein Bier geliefert.

Die Brauerei in Znaim
1885 entstand direkt hinter der Mauer eine zweite Brauerei, die Rudolf Watzilka gehörte. Allerdings sorgte der Ausbruch des 1.Weltkriegs für beide Brauereien für Umsatzverluste und so hatten sie bald beide mit Existenzproblemen zu kämpfen. 1924 war es dann soweit, beide Firmen schlossen sich zusammen als „Die erste Znaimer Brauerei und Mälzerei Aktiengesellschaft“, deren Entwicklung bis zum 2. Weltkrieg positiv verlief, doch dann wurde die erfolgreiche Brauerei 1947 verstaatlicht, zuerst in die mittelmährischen und ab 1960 ibn die südmährische Brauerei-Produktion eingegliedert. 1993 wurde das Unternehmen dann durch die Hostan GmbH privatisiert, eine Marke, die seit den 1970ern vom Znaimer Bier nicht mehr wegzudenken war.

Hostan lebte wirklich in Znaim, er ist eine historische Figur, die bereits 1363 in Erbbüchern als einer jener Bürger angeführt ist, die das Braurecht besaßen.
2001 wurde Hostan vom Brünner Unternehmen Starobrno aufgekauft, das schließlich von Heineken 2009 gekauft wurde und die Produktion aus Znaim nach Brünn übersiedelte. Die Brauerei lag wieder brach, das Gelände und die Bauten waren wieder im Besitz der Stadt bis 2014 ein Teil der Räumlichkeiten die neu gegründete Znaimer Stadtbrauerei mietete und nun die Geschichte der Bierbrauerei in Znaim neu begann und die Bierbrauerei wieder in die Vorburg der Znaimer Burg zurückkehrte.

Außerdem richtete das Staatliche Landwirtschaftsministerium eine Ausstellung über das Brauwesen im Braukeller ein, wobei die technologische Ausstattung aus dem Jahr 1930, hergestellt von den Škoda Werken in Pilsen, den Kern der Exhibition bildet. In den Läuterbottich können die Besucher sogar hinein gehen und in seinem Inneren die Geschichte der Znaimer Brauerei mittels Videosequenzen kennen lernen. Außerdem erklärt der Museumsführer die wichtigsten Zutaten des Biers – Wasser, Malz und Hopfen – während Kinder in einer Spielecke mit der kleinen Bierhefe wetteifern können:

Geöffnet ist die Ausstellung von April bis Oktober täglich von 9:30 bis 17:30Uhr, letzter Einlass für Besucher ist um 16:00 Uhr. Mit dem Ticket erhält man Ermäßigungen auf das Znaimer Bier vom Fass in der Imbissbude TeraZa an der Rotunde sowie Ermäßigung auf den Eintrittspreis der Ausstellung in der Znaimer Stadtbrauerei.

Znaimer Brauerei
Tel: +420 734 767 286 und +420 515 261 668
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www.expozicepivovarnictvi.cz

Das Debliner Schloss

Der hintere Burgteil der Znaimer Burg ging an die Grafen Maximilian, Anton und Franz von Deblin, die von 1710-1721 einen Adelssitz schufen. Vermutlich wurde das Bauwerk des Hochbarocks vom niederösterreichischen Architekten J.B. Fischer von Erlach entworfen. Die alte Přemysliden-Burg wurde abgerissen.

Blick auf das Debliner Schloss
Zwei Flügel der alten Burg (nördlicher und südlicher) haben denselben Grundriss wie das Schloss. An Stelle des früheren Süd- und Westburgflügels entstand ein geräumiger Burghof im Stil eines Ehrenhofes, dessen Stirnseite dem Pöltenberg und der Thaya zugewandt ist. Der ovale Eintrittsaal, der sogenannte Vorfahrensaal, ist reich an Wandgemälden mit Darstellungen der österreichischen Habsburger. Ganz oben findet man eine allegorische Darstellung Böhmens, Mährens und Schlesiens. Die Wandgalerie wurde von J.M. Fiseé geschaffen, der auch für die Schlosskapelle Gemälde beigesteuert hat. Die ursprüngliche ausgeschmückte Zierbarockfassade wurde Ende des 18. und im Laufe des 19.Jahrhunderts vereinfacht. Während des Krieges wurde das Gebäude zu einem Kriegskrankenhaus. Derzeit wird das Schloss als Museum genützt.

Die Stadtmauer

Znaim war – ihrer Bedeutung gemäß – die zuverlässigste Festung im Süden der böhmischen Länder. Die Stadtbefestigung wurde immer wieder aufgebaut und entsprechend den Erfordernissen umgebaut und verstärkt. Bereits vor 1226 begann man mit dem Bau der Wallbefestigung.

Der älteste Stadtmauerring stammt aus dem 13.Jahrhundert und umgibt das ganze historische Zentrum von Znaim. Der Mauerring ist der prächtigste und in ziemlich guten Zustand bis heute erhalten, er konnte durch vier Tore betreten werden.

Über die Zeit wurden mehrere Warttürme, Bastionen und Wassergraben errichtet, die die Stadtmauer verstärken sollten. Der höchste Turm befindet sich im Oberen Park. Der vom heutigen náměstí Svovody (Freiheitsplatz) bis zur Pasteur-Straße führende Teil war leicht zu erobern. Daher wurde er bereits im 13. und 14.Jahrhundert durch einen zusätzlichen Mauerring verstärkt. Zwischen den beiden Mauerringen entstand ein sogenannter Zwinger, ein Zwischenraum, der einige Meter breit war. Um das Heranrücken der feindlichen Heere zu erschweren wurde ein vorgelagerter Graben geschaffen, der mit Wasser gefüllt werden konnte. Das Wasser kam aus einem großen Wasserspeicher oder aus unterirdischen Brunnen, die sich in der heutigen náměstí Svobody und der Sokolská-Straße befanden. Im Grabeninneren wurde eine hohe Wallanlage aus Lehm geschaffen, die bis heute im Stadtpark erhalten geblieben ist. Im 15.Jahrhundert wurde ein dritter Mauerring an der Wallanlage gebaut, die im 16.Jahrhundert durch abgerundete Bastionen nochmals verstärkt wurde. Ein Graben wurde geschaffen und eine zusätzliche Außenwallanlage aufgebaut. Dadurch war Znaim die bestgeschützte Stadt zwischen Wien und Prag. Nach dem 30jährigen Krieg und den geänderten Kriegstechniken bedeutete sie jedoch für Eindringliche kein großes Hindernis mehr. Nach den Napoleonfeldzügen entschied der Stadtrat sie schrittweise abzureißen.

Der Wolfsturm

Der Wolfsturm ist einer der prächtigsten Türme der gotischen Stadtbefestigung. Er war einer der wichtigsten Bestandteile des Verteidigungssystems am Unteren Tor (Wiener Tor) und stand an der strategisch wichtigen Verbindung von Znaim nach Österreich. Die Stadtverteidiger hatten von seinem Laufgang an der Turmspitze einen guten Überblick über die Feindbewegungen vor der Stadt und konnten von hier aus feindliche Angreifer auch wirksam beschießen. Durch vereinbarte Warnsignale wurde die Bevölkerung auf Angriffe aufmerksam gemacht.

Der Wolfsturm
Der Wolfsturm wurde Mitte des 13.Jahrhunderts als Bestandteil der Stadtbefestigung errichtet. Aus Sicherheitsgründen war er nur vom Burglaufgang aus zugänglich. Der ins Erdgeschoss des Turmes führende Durchgang wurde erst später erbaut. Hier befindet sich heute ein kleines Museum). In der Turmnähe befand sich ein kleines Tor mit Fallgitter und Fallbrücke. Jenseits des Außenstadtwalls stand noch ein anderes Tor, hinter dem in der 2.Hälfte des 15.Jahrhunders ein neuer, tiefer Wassergraben errichtet wurde. Um das Eindringen der Feinde in die Stadt zu verhindern, wurde in diesem Zeitraum eine Barbakane (ein dem Tor einer mittelalterlichen Burg oder Stadtmauer vor gelagertes Verteidigungswerk) mit mehreren niedrigen walzenförmigen Bastionen gebaut. Das Vorfeld des Unteren Tores wurde oft zu einem blutigen Schlachtfeld, wie z.B. 1809 bei der berühmten Schlacht von Znaim, bei der sich die zurückziehenden österreichischen Truppen einen erbitterten Kampf mit den vormarschierenden Truppen Napoleons lieferten. In der Mitte des 19.Jahrhunderts wurde das Verteidigungssystem am Unteren Tor aufgegeben, - die Stadtgräben wurden zugeschüttet und alle Tore bis auf den Wolfsturm abgerissen. In den 60er Jahren des 20.Jahrhunderts wurde der Holzlaufgang der Turmspitze umgebaut und das ursprüngliche meißelförmige Dach durch ein neues, pyramidenförmiges ersetzt.

Der Neue Turm

Der niedrige Turm am südlichsten Ende des dritten Streifens der Stadtbefestigung wurde bereits 1404 gebaut, nach der erfolglosen Belagerung von Znaim durch österreichische und ungarische Truppen. Am Ende des 16. Jahrhunderts wurde der obere Bereich zu einem Wachturm umgebaut, wo in kriegerischen Zeiten auch eine Festungskanone installiert werden konnte. Heute befindet sich dort die Aussichtsplattform und im Turm ist eine Ausstellung von historischen Waffen und einer Rüstung zu sehen.

Der Pulverturm

Leider ist der Turm mit seiner charakteristischen Prismaform nicht mehr vollständig erhalten. Er bildete die rechtwinkelige südliche Ecke der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Im Turm wurde im 18. Jahrhundert das Schießpulver gelagert, daher auch seine Namensgebung. Wie so oft, explodierte dieses jedoch 1768 und beschädigte so den Turm. Heute befindet sich hier die Ausstellung "Geschichte der Znaimer Befestigung".

Der Hundsturm

Der zylinderförmige Turm stammt aus der Zeit von Ottokar II. Přemysl und hatte noch bis 1870 sein ursprüngliches Dach. In den 1970er Jahren wurde der Turm rekonstruiert und auch der ursprüngliche Zahnschnitt erneuert.

Der Schließturm

Nach der erfolglosen Belagerung von Znaim durch die Hussiten im Jahre 1425 wurde dieser Turm umgebaut und 1513 modernisiert. Im 17. und 18. Jahrhundert befand sich auf dem Zwinger unterhalb des Turmes ein Haus für die Znaimer Scharfschützen. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Turm zu Notwohnräumen umgebaut.

Wer mehr über die Befestigungsanlage und die Türme von Znaim wissen möchte, hat von April bis Oktober täglich von 9:30 bis 15:30 die Möglichkeit mit Start am Rathausturm einen Rundgang mit einem Stadtführer auf der Wallbefestigung zu machen. Dauer des Rundgangs ca. eine Stunde und 45 Minuten. Um 12:30 Uhr beginnt auch jeweils ein Rundgang durch Znaim mit einem Stadtführer, der an die eineinhalb Stunden dauert.

Der Znaimer Untergrund

Die unterirdischen Gänge von Znaim gehören mit ihren fast 37km Länge zu den größten unterirdischen Systemen in Europa. Sie wurden im 14. und 15.Jahrhundert angelegt. Znaim war zu dieser Zeit ein wichtiges Handelszentrum und reich an landwirtschaftlichen Produkten. Jedes Wohnhaus hatte daher unterirdische Räumlichkeiten, die zum Speichern von Waren und Vorräten dienten. Eine konstante Temperatur (für die auch die vielen Luftschächte sorgen) von 12° sorgt für gute Lagermöglichkeiten. Die Gänge finden sich unter dem historischen Kern der Stadt auf einer Fläche von 35 – 40 Hektar. An dem Bau beteiligten sich Tagelöhner, Arbeiter und städtische Dienstboten, aber auch Spezialisten wie Iglauer und Kuttenberger Bergleute. Wahrscheinlich wurde das abgebaute Material zum Aufbau und Ausbessern der Stadtmauer benutzt.

Der Znaimer Untergrund

Waren die Gänge bzw. Keller vielleicht anfänglich nur als Speicher gedacht, dienten sie sicher auch strategischen Zwecken und halfen die Bevölkerung vor Feinden zu schützen. Die Pläne der Gänge sind nirgendwo erhalten, man nimmt daher an, dass die Stadt ihr einzigartiges Verteidigungssystem gut bewachte und dass der Plan nur der engen Stadtregierung zur Verfügung stand. Das System der Gänge ist sehr unübersichtlich und läuft sowohl in horizontaler wie auch in der vertikalen Richtung, das bedeutet dass sich die Gänge auf bis zu 5 Stockwerke verteilen. Im unterirdischen System finden sich 54 Brunnen, die meisten liefern Grundwasser, aber 7 davon verfügen über Quellwasser, aber auch eine Abwasserleitung. Neben den Entlüftungsschächten besitzen die Räume Feuerstätten und Kamine, die mit den Schornsteinen der Bürgerhäuser verbunden sind.

Im Znaimer Untergrund
Damit konnte das Labyrinth auch als Zufluchtsort bei kriegerischen Auseinandersetzungen dienen. Einige Gänge führen in die nahe Umgebung, sodass die Versorgung der Stadt selbst bei einer Belagerung aufrecht erhalten werden konnte.

Sollten wirklich Feinde je in das Labyrinth eingedrungen sein, waren sie verloren. Ohne genaue Kenntnisse scheint es für Fremde unmöglich wieder an die Oberfläche zu finden. Möglicherweise hat ein Teil des Untergrundsystems auch als mittelalterliche Folterkammer mit Gefängniszellen gedient.

Eine Sage erzählt, dass die Schweden sich aus dem eroberten Znaim zurückgezogen haben, als sie unerklärlichen Rauch aus dem Untergrund aufsteigen sahen. Sie hatten Angst, dass die Stadt von Geistern bewohnt sein könnte und zogen ab.

Im Znaimer Untergrund

Für Besucher steht heute ungefähr ein Kilometer des Labyrinth-Systems zur Verfügung. Die Führungen beginnen am Platz „Slepičí trh" und die Route endet in der Obroková-Straße, die den Oberen Platz mit dem Masaryk-Platz verbindet.

Dazwischen erwarten Sie 14 Stationen mit leidenden Verbrechern, betenden Mönchen, Zwerge, mumifizierten Gefangenen, Särge und Folterinstrumente – aber auch die faszinierende Bauweise der Gänge mit ihren Luftschächten und Brunnen, Verwinkelungen und Wegen.

In Znaim zu sein ohne den „Untergrund“ kennengelernt zu haben, wäre ein grober Fehler – nehmen Sie Ihre Kinder ruhig mit. Zu den Seufzern der Verurteilten mischen sich begeisterte Schreie der Überraschung, des Entsetzens und lautes Kichern der kleinen Labyrinth-Besucher.

Der Rathausturm

Der Rathausturm, das Wahrzeichen der Stadt, ist eine schöne Demonstration der Znaimer Spätgotik. Er wurde 1445 von den Ratsherren der Stadt in Auftrag gegeben und am 17.7.1447 begannen die Arbeiten, die vom Steinhauermeister Nikolaus von Edelspitz ausgeführt wurden, wie eine lateinische Inschrift an der Nordwand des Turmes beweist. 1457 wurde der Turm dann fertig gestellt, der eine Höhe von 66.58 Metern erreicht. Der seltsame, subtil und Prisma-artige Turm wurde mit einer komplizierten dynamischen Konstruktion überdacht, er hat zwei Laufgänge und ist mit acht kleinen Türmchen und einem Spitzpfeiler mit goldenen Kuppeln und Fahnen verziert.

Der Rathausturm
Das Dach des Znaimer Turms ist eines der besten Beispiele des spätbarocken Zimmerhandwerkes in der Tschechischen Republik. Die ursprüngliche Schiefersteinbedachung wurde 1592 durch eine Kupferabdeckung ersetzt. Die meisten Tragbalken aber unter dem Turmdach sind noch original erhalten und damit über 500 Jahre alt. Besucher können auf dem unteren Turmlaufgang einen ausgezeichneten Überblick über Znaim und die Umgebung erhalten.

Der Turm galt gleichzeitig als Wachturm und als Zentralpunkt der Stadtbefestigung. Dieser Wachturm hatte in der Vergangenheit große Bedeutung, da die Stadt Znaim mit ihrer Burg in ein System von Wachburgen eingeschlossen war, die an der südlichen Grenze des Landes standen. Ursprünglich hatte der Turm gar keinen Wendelgang (dieser wurde erst in den Jahren 1592-1595 bei einer Renovierung errichtet), der Wächter beobachtete die Umgebung von einem kleinen Raum in der Mitte des Turmes aus. Der bis heute erhalten geblieben ist und der im 19. Jahrhundert sogar einen Telefonanschluss erhielt. Um zu beweisen, dass er seinen Dienst nicht vernachlässigte, musste der Wächter damals jede Stunde die Zeit melden.

Ein schmaler Erker hat den Rathausturm vor einer Bombe gerettet. Diese wurde durch das Dach abgelenkt – der Rathausturm blieb stehen, die Bombe änderte die Richtung und vernichtete das Rathaus, an dessen Stelle heute das Kaufhaus Dyje steht.

Die St. Nikolaus Kirche

Die Einweihung der Kirche zu Ehren von St. Nikolaus, dem Schutzpatron der Kaufleute ist auf eine vorstädtische Händlersiedlung namens Újezdec (Aujestetz) zurückzuführen, die sich Ende des 11. Jahrhunderts in der Nähe der Kirche entwickelt hatte. Schon um 1100 fand sich der Name St. Nikolaus auf den Münzen des Fürsten Lutold von Znaim.

Die St. Nikolauskirche
1190 schenkte Konrad Otto die ursprünglich romanische Rotunde an die neu entstandene Abtei in Louka. Im ersten Drittel des 14.Jahrhundert wurde sie Opfer der Flammen, so dass die Klosterbrucker Abteil den Entschluss fasste, die Kirche wieder aufzubauen. Durch die Kompliziertheit des Entwurfes erfolgte der Bau schrittweise im 14. und 15.Jahrhundert. Der Hauptteil der Kirche hat die Form eines hohen dreischiffigen Saales, der durch zylinderförmige Säulen gegliedert ist, Das Interieur der Kirche wurde in der Barockepoche mehrmals umgebaut. Im Chorraum finden sich gotische Fresken, ein einzigartiges Sanktuarium und eine wunderschöne gotische Christus-Holzskulptur. Sehenswert ist auch der erdkugelförmige Barockpredigerstuhl und die neugotische Orgel im Chor.

Erst in der Mitte des 19.Jahrhunderts entstand der Kirchenturm, der unüblicherweise an der östlichen Seite hinter dem Presbyterium angebaut wurde. Der ursprüngliche Turm stand auf der südlichen Seite, wo sich zurzeit das kleine Türmchen befindet.

Die Wenzelskapelle

1521 ließ die fromme Znaimer Bürgerin Katherina von Bučice die Kapelle neben der St. Nikolaus Kirche und in unmittelbarer Nähe des spätromanischen Karners erbauen.

Die Wenzelskapelle
Die Kapelle ist nach der gotischen Plastik an der Vorderseite, die den Heiligen Wenzel zeigt, benannt. in der oberen, der Heiligen Anna und Katherina geweihten Kapelle findet man ein spätgotisches Kreisgewölbe – das Einzige dieser Epoche in Mähren. Die untere, dem Heiligen Martin geweihte Kapelle ist vermutlich noch älterer Herkunft. Im 19.Jahrhundert wurde die obere Kapelle von der lutheranischen und in der 2.Hälfte des 20.Jahrhunderts von der orthodoxen Kirche genutzt. Zurzeit finden dort Ausstellungen und Konzerte statt.

Das Prämonstratenserkloster in Louka (Klosterbruck)

Das Kloster wurde 1190 vom Znaimer Fürsten und Herzog Konrad II: von Böhmen und seiner Mutter Maria gegründet. Zahlreiche Streitfälle und Gerichtsverfahren zeugen davon, dass sich die ökonomischen Interessen des Klosters und der Stadt oft widersprachen. Das Klosterareal wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals architektonisch umgestaltet. Den ältesten Teil, das romanische Steinkloster, befindet sich noch im Innenhof des Klosters.

Das Kloster Louka in Znaim
Am nachhaltigsten ist die Architektur aber durch die Zeit des Hochbarocks geprägt: 1748 begann F.A. Pilgram mit der Errichtung des aufwändig gestalteten Konvents. Er nahm sich den biblischen Tempel des Königs Salomon zum Vorbild, ließ sich aber auch von Stift Göttweig bei Krems an der Donau inspirieren. 1761 setzte Franz de Paula Anton Hildebrandt, der Architekt Maria Theresias den Bau fort. Einer der bedeutendsten Räume ist die Bibliothek im Südflügel, dessen genauer Nachbau zur Zeit im Strahover Kloster bewundert werden kann. Die Deckenfresken im Saal wurden von einem der bedeutendsten Künstler des Spätbarocks, F.A. Maulbertsch geschaffen.

Franz Joseph II. löste das Kloster 1784 auf. Der prächtige Barockbau blieb im unvollendeten Zustand und diente anfänglich als Adelssitz, später als Fabrik und schließlich als Kaserne. Seit 1990 wartet das Kloster auf seine Revitalisierung.

Das Kloster Louka in Znaim
In einem Teil ist Znovin Znojmo untergebracht – ein Weinhändler, der neben Weinverkostungen auch Führungen durch den Weinkeller anbietet. Nehmen Sie unbedingt an einer Weinverkostung teil! Sie werden von der Qualität des Angebotes angenehm überrascht sein!

Basilika der Jungfrau Maria und des Heilligen Wenzel in Louka

Die Hauptkirche der Prämonstratenser Abtei in Louka beeindruckt durch ihre Stilvielfalt: von romanischen Stil bis zum Barock. Im ersten Drittel des 13.Jahrhunderts wurde die dreischiffige zweitürmige Basilika, noch im spätromanischen Baustil, erbaut. Aus diesem Zeitraum stammt auch das Mauerwerk im Erdgeschoss eines unüblich langen Prespyteriums, die Schlussapsiden(mit typischem romanischen Bogenfries), Mauerwerk im Erdgeschoss und einer der beiden dort erbauten Türme. In der zweischiffigen Krypta, die sich unter dem Presbyterium und einem Schiffteil befindet, wurden zwei prächtige Säulen mit massiven Kapitellen geschaffen. 1425 wurde die Kirche von den Hussiten stark zerstört und in der Mitte des 15.Jahrhunderts umgebaut.

Die Basilika der Jungfrau Maria und des Heiligen Wenzel in Znaim
Das Presbyterium wurde im gotischen Stil auf die dreifache Höhe aufgestockt. In der Renaissance wurde auch das Kirchenschiff wesentlich verändert und im Frühbarock der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts wurde die Frontseite mit den zwei Türmen, die Statue des Hl. Wenzel und die Seitenschiffe der Basilika renoviert. Im Inneren der Kirche finden Sie eine der ältesten funktionsfähigen Orgeln in Mähren, ein handwerklich meisterhaft gearbeitetes Gitter im Nordschiff und die hochwertig geschnitzten Barockbänke (in Bullenblut gebeizt) für das Klosterkollegium. 1742 wurde die Kirche von Friedrich II. dem König von Preußen besucht.

Der Goltz-Palast

In der Obroková-Straße Nr.10 steht das größte Bürgerhaus von Znaim der sogenannte Goltz-Palast – häufiger als „Neues Rathaus“ bezeichnet, hier hat das Znaimer Rathaus seinen Sitz. Der Palast entstand in der Mitte des 16.Jahrhunderts durch einen komplizierten Umbau von drei gotischen Häusern. Das Hausfrontportal mit den Statuen von Adam und Eva (Spätrenaissance) stammt aus dem Jahr 1606 und wurde vermutlich vom Italiener Georg Gialdi geschaffen.

Goltz-Palast in Znaim
Durch das Portal gelangt man in ein geräumiges Maßhaus mit breiten Treppen. Linker Hand befindet sich ein kleineres, aus 1570 stammendes Renaissanceportal. Sehenswert im Palasthof sind auch die schönen zweistöckigen Renaissance-Loggien mit Gratgewölben, die von schlanken, toskanischen Pfeilern getragen werden. Ende des 16.Jahrhunderts wurde das unvollendete Bauwerk von Günther Freiherr von der Goltz gekauft. Während des 30jährigen Krieges war es im Besitz des Generals Martin Maximilian von der Goltz, der durch seine Heldentaten bei der Verteidigung von Prag gegen die Schweden berühmt wurde. In den 50er Jahren des 17.Jahrhunderts erwarb das Kloster Louka den Palast, um ihn 1661 der Znaimer Stadtverwaltung zu verkaufen. Ende des 18.Jahrhunderts wurde die Palast-Renaissance-Fassade im klassizistischen Stil wesentlich umgearbeitet. Damals wurde auch das Stadtwappen am Portal angebracht.

Tipp

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Wer von Wien aus Zanim entdecken möchte, kann das bequem und umweltschonend mit der Bahn machen. Wenn Sie Ihre Reise noch dazu im Voraus planen, können Sie sich bis zu 6 Monaten im Voraus die günstigen Sparschiene-Tickets sichern. Alle Infos dazu finden Sie unter oebb.at/sparschiene.

Interessante Links

www.znojmocity.cz (Deutsch, Englisch, Tschechisch)
www.remo-agency.com (Deutsch, Englisch, Tschechisch, Polnisch) oder www.remo-agency.at (Deutsch)
www.znovin.cz (Englisch, Tschechisch)
www.wikipedia.de
www.czecot.com (Deutsch, Tschechisch, Englisch, ….)
www.znojmo.biz (Deutsch, Englisch, Tschechisch, Polnisch)

Übernachtungstipps Znaim

Bildershow Znojmo

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Die Besuche erfolgten sowohl privat wie auch auf Pressereisen