Velké Losiny (früher Groß Ullersdorf) ist ein kleiner Ort im Vorgebirgsland des Altvatergebirges. Bekannt ist der Ort durch eine der ältesten (und noch immer im Betrieb befindlichen) Papierfabriken und durch das Thermalbad.

In der Vergangenheit gab es aber auch mit dem benachbarten Šumperk recht dunkle Flecken.

Geschichte

Die warmen Schwefelquellen und ihre Heilkraft sollen angeblich schon den Römern bekannt gewesen sein, aber urkundlich erwähnt findet man sie erst im Jahre 1351. Einflussreiche Besitzer der landesfürstlichen Herrschaft waren die Herren von Žerotín, die das Dorf zuerst als Pfand und ab 1507 als regulären Besitz für sich beanspruchen konnten. Johann von Žerotín baute während seiner Herrschaft die gotische Wasserburg in ein Renaissance-Schloss mit einem prächtigen Arkadenhof um, das später im Mittelpunkt der dunklen Seiten der Geschichte des Ortes stand.

Kurhaus beim Thermalbad
Kurhaus beim Thermalbad


Johann der Jüngere von Žerotín wiederum könnte man als „Begründer“ des Thermalwesens bezeichnen: immerhin baute er 1592 das erste Badehaus an den Thermen.

Die Papiermanufaktur in Velké Losiny
Die Papiermanufaktur in Velké Losiny


Nach der Schlacht am Weißen Berg ging die Herrschaft an die Adelsfamilie der Liechtensteiner, doch Johann von Žerotín konnte sie nach kurzer Zeit wieder zurückkaufen. Damit blieb der Ort bis 1802 im Besitz der Familie.

Erinnerungen an die Hexenverfolgungen
Erinnerung an die Hexenverfolgungen


Danach kamen wieder die Liechtensteiner, denen Velké Losiny bis 1945 gehörte, dann wurden sie enteignet.
Neben dem Badebetrieb ist die 1596 erbaute Büttenpapiermanufaktur von Bedeutung, deren Gebäude Ende des 18. Jahrhunderts im Stil des Spätbarocks umgebaut wurde und in dem seit 1987 auch ein Papiermuseum untergebracht ist.

Die Papiermühle

Groß und stolz wartet das Gebäude der Papiermühle auf seine Besucher. Sie zählt zu den ältesten Papiermühlen Europas und auch heute noch wird hier Büttenpapier erzeugt. Stolz verweist man darauf, unter anderem auch an die Präsidentschaftskanzlei zu liefern und auf den „Platten“, die zur Herstellung und Veredelung des Papiers verwendet werden bzw. im Museum ausgestellt sind, finden sich viele adelige Wappen.

Bei der Führung in der Papiermanufaktur
Bei der Führung in der Papiermanufaktur


Die Papiermühle ist ein Nationales Kulturdenkmal, aber eben mehr als ein Denkmal. Hier wird noch immer gearbeitet. Dabei beginnt die Geschichte bereit vor dem 16. Jahrhundert. Damals befand sich im Ort eine Getreidemühle, die ebenfalls mit dem Wasser des Flusses Desná betrieben wurde. Jan von Žerotín erwarb die Getreidemühle und ließ sie zwischen 1591 und 1596 zu einer Papiermühle umbauen. Aus 1596 stammt auch das älteste erhaltene Papier mit dem Wappen der Besitzer im Wasserzeichen.

In der Papiermanufaktur
In der Papiermanufaktur


Mit der Papiermühle in Velké Losiny entwickelte sich die Gegend zu einem Zentrum der Papierherstellung, wovon einige – wenn auch modernisiert – heute noch aktiv sind.
Im Museum erfahren wir mehr über die Papierherstellung, wie überhaupt über das Schreiben. Papyrus aus Ägypten und das Pergament aus Tierhaut gelten als die Vorläufer des Papiers, das in China im 2.Jahrhundert nach Chr. erfunden wurde. 1150 kam es dann mit den Arabern in Spanien an. Zur Papierherstellung wurden Lumpen (altes Gewand, etc) verwendet, das man dann in kleinere Schnitzel schnitt und schließlich wartete bis die Fäulnis eintrat.

In der Papiermanufaktur Velké Losiny
In der Papiermanufaktur Velké Losiny


Zerkleinert wurde das Ausgangsmaterial in der sogenannten Holländermühle, die Flachs, Lumpen, Baumwolle zerkleinerte. Der Holländermüller überprüfte den „Papiermatsch“ und gab ihn dann für die weitere Produktion frei. Früher wurde das Papier dann im Mansardendach getrocknet. Dies ist heute nicht mehr möglich: Die Luftverschmutzung und die Ausweitung der Produktion stehen dem entgegen.

In der Papiermanufaktur
In der Papiermanufaktur


Ich habe eigentlich noch nie gesehen, wie Papier geschöpft wird (und das wird es im wahrsten Sinne des Wortes), auch das Glätten ist ein ziemlich aufwendiger Prozess und wenn man das einmal gesehen hat, dann kann man auch die Preise, die hier für einen Satz Briefpapier aufgerufen werden, besser verstehen.
Aber auch die unterschiedlichen Geräte, die es während der Führung zu sehen gibt, sind interessant. Wer möchte, kann dann auch noch ein exquisites Papier erwerben.


Papiermühle Velké Losiny
788 15 Velké Losiny, U papírny 9
Tel: +420 583 285 498
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.rucnipapirna.cz

Das Schloss

Leider haben wir auf unserer Pressereise das Schloss nur von Weitem gesehen, daher kann ich euch nichts über sein Innenleben berichten. Es liegt ein bisschen versteckt von der Straße entfernt und wir konnten in Eile nur einen Blick drauf werfen. Wenn ihr aber mehr Zeit habt, versucht unbedingt das Schloss zu besichtigen.

1580-1589 wurde von Johann Žerotín ein dreiflügeliges Renaissanceschloss um einen Arkadenhof gebaut und die Außenwände des Schlosses mit Sgraffito-Ornamenten reich verziert. Bei einem Rundgang durch das Schloss sollte man auf die Kachelöfen achten, die noch aus dieser Zeit stammen.

1693 wurde die Schlossanlage um einen dreiflügeligen Barockbau erweitert und ein französischer Garten angelegt. Die zwei Kapellen im Westflügel wurden 1742 mit Malereien von Johann Christoph Handke ausgestattet. Sehenswert ist auch der Speisesaal und der Rittersaal mit einer Kassettendecke sowie der Ahnensaal mit Porträts der Familie Žerotín. Im Schloss befinden sich auch eine Sammlung italienischer, flämischer und holländischer Meister, sowie eine Waffensammlung.

Da das Schloss den 30jährigen Krieg unbeschadet überstand, kann man heute noch eine außerordentliche Kollektion von Gobelins und Ledertapeten in den Innenräumen bewundern.
Nach dem 30jährigen Krieg wurden im Schloss die berüchtigten Hexenprozesse von Groß Ullersdorf abgehalten, die der Inquisitionsrichter Heinrich Franz Boblig leitete und die zahlreichen Menschen das Leben kostete. Mehr darüber erfahrt ihr in der Ausstellung im Museum von Šumperk, die wirklich besuchenswert ist und über die ich hier berichte. Auch am Großen Gerichtssaal, in dem die Verhandlungen geführt wurden, führt die Führung vorbei.

1802 gerieten die Žerotíner in finanzielle Schwierigkeiten und verkauften das Schloss und die Herrschaft an die Liechtensteiner aus Mährisch Krumau. Während dieser Zeit wurde der Bibliotheksflügel gebaut und die Vorburg im Empirestil umgestaltet. Damals wurde auch der Barockgarten über die Jahre in einen, zu dieser Zeit moderneren, englischen Landschaftspark umgewandelt, durch den man heute noch spazieren kann.

1945 wurde die Familie Liechtenstein enteignet und das Schloss ging in staatlichen Besitz über.
 Das Schloss diente auch als Kulisse in zahlreichen Filmen, wobei der Film „Kladivo na čarodějnice- Die Hexenjagd“ nach dem gleichnamigen Buch wohl die größte Übereinstimmung mit der Schlossgeschichte aufweist.

Im Sommer gibt es abends oft Taschenlampen-Führungen, die besonders bei den Kindern sehr beliebt sind.

Státní zámek Velké Losiny
788 15 Velké Losiny, Zámecká 268
Tel: +420 773 785 281
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
https://www.zamek-velkelosiny.cz/de

Das Thermalbad

Man muss nicht nur zur Kur in ein Thermalbad. Es macht auch sehr viel Freude, sich nach einem anstrengenden Sightseeing-Tag, nach einem Wander- oder Radausflug sich in den warmen Fluten zu entspannen.

Therme Losiny (Foto © Therme Losiny)
Therme Losiny (Foto © Therme Losiny)


Die Thermalquellen von Velké Losiny sind schon über 450 Jahre bekannt und damit zählt es zu den ältesten und bekanntesten Bädern in Mähren. Die schwefelhaltigen Quellen helfen gegen Erkrankungen des Bewegungsapparates, neurologischen Krankheiten, Hautkrankheiten, onkologischen Krankheiten und die Erkrankung des Kreislaufsystems. Vier Badehäuser und ein Wellnesshotel sorgen dafür dass sich die Gäste wohl fühlen.

Therme Losiny (Foto © Therme Losiny)
Therme Losiny (Foto © Therme Losiny)


Fünf Thermalquellen sprudeln in Velké Losiny, die kalte Mineralquelle Karel ist eine kalte Trinknaturwasserquelle, ein stark alkalisches Schwefelwasser, leicht mineralisiert. Die warme Mineralquelle Žerotín speist die Innen- und Außen-Thermalbecken im Thermalpark.

Therme Losiny (Foto © Therme Losiny)
Therme Losiny (Foto © Therme Losiny)


Der Thermalpark lädt die ganze Familie ein. 5 Innenbecken und 4 Außenbecken, zwei Wasserrutschen, ein Wildwasserkanal, ein Wasserfall, eine Höhle, Sauna, und einiges mehr sorgen dafür, dass weder bei Alt noch bei Jung Langeweile aufkommt.


Lazně Velké Losiny
788 15 Velké Losiny, Komenského 235