Die kleine Stadt in der Olmützer Region am Fluss Desná am Fuße des Altvatergebirges ist nicht nur durch den Tenor Leo Slezak bekannt, der hier geboren wurde.

Šumperk oder Mährisch Schönberg hat eine lange, zum Teil grausame Geschichte: 1180 befindet sich die Stadt in Besitz des Zdeněk von Waldstein, unter der Herrschaft seiner Söhne wird das Dorf zur Stadt erhoben. 1224 gründen die Dominikaner hier ein Kloster. Die Stadt ist in mehrere kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt, die immer wieder zu großen Zerstörungen und wechselnden Besitzern führen. 1391 erhält die Stadt zahlreiche Privilegien, die sie einer königlichen Stadt gleichstellen, bevor schließlich 1495 die Herren von Žerotín die Stadt mit allen ihren Schulden übernehmen.

Blick in die Ausstellung über die Hexenverfolgungen
Blick in die Ausstellung über die Hexenverfolgungen


Während der Reformationen müssen die Dominikaner und die katholische Bevölkerung die Stadt verlassen, 1584 erfolgt die Ausweisung der Juden. Nach der Schlacht am Weißen Berg wendet sich jedoch das Blatt: Kaiser Ferdinand II. überträgt die Besitzungen Karl von Liechtenstein als Stadthalter und dieser beginnt sogleich mit der Gegenreformation: Der Stadtrat muss einen katholischen Eid ablegen, die Dominikaner werden zurückgeholt, das Kloster 1623 wieder instand gesetzt.

Die Ausstellung über die Hexenverfolgungen im Geschader Haus
Die Ausstellung über die Hexenverfolgungen im Geschader Haus


Bald danach, in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts beginnt eine ganz dunkle Zeit der Stadt: Es kommt zu den Hexenverfolgungen, die hier nicht nur Frauen das Leben kosten.
Im 18. Jahrhundert entwickeln sich die ersten Vorläufer der Leinen- und Textilindustrie, im Rahmen der Josephinischen Reformen wird das Dominikanerkloster aufgehoben, 1870 wird die Mährische Grenzbahn in Betrieb genommen.

Ausstellung über die Hexenverfolgung
Ausstellung über die Hexenverfolgung


Nach dem Zerfall der Österreich-Ungarischen Monarchie akzeptieren die vorwiegend deutsch sprechenden Einwohner der Stadt nicht die Gründung der Tschechoslowakei und erklären sich als deutsche Böhmen unabhängig. Der Bürgermeister von Mährisch Schönberg, Gustav Oberleithner wird zum Stellvertretenden Regierungschef ernannt. Die Stadt wird aber im Dezember 1918 von tschechischen Truppen besetzt ohne dass ein Schuss fällt. Da der endgültige Status der Tschechoslowakei noch nicht geklärt ist, wird Oberleithner nicht bestraft.

Beim jährlichen Folklore-Festival (Foto © Sumperk)
Beim jährlichen Folklore-Festival (Foto © Sumperk)


Tschechische Staatsbürger siedeln sich in den nächsten Jahren in der Stadt an, Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Tschechen nehmen zu. Die Sudetendeutsche Partei erreicht 64% bei den Wahlen 1935 und wird offen durch das Dritte Reich unterstützt. 1938 wird die Stadt nach dem Münchner Abkommen in das Deutschen Reich eingegliedert und bis 1945 Sitz des Landkreises Mährisch Schönberg. Danach wird Šumperk wieder der Tschechoslowakei zugezählt und ein Großteil der deutschsprachigen Bevölkerung wird enteignet und vertrieben.
Heute gibt es in der Stadt ein tschechisch-deutsches Begegnungszentrum.

Sehenswürdigkeiten

Sehenswert ist auf jeden Fall das Rathaus der Stadt und auch sonst habe ich beim vorbei fahren einige wunderschöne Häuser entdeckt. Leider war es mir aber auf dieser Pressereise nicht vergönnt, die Stadt näher kennen zu lernen. Allerdings haben wir uns, nachdem wir das Losinyer Schloss gesehen und von den Hexenverfolgungen gehört haben, entschlossen die Ausstellung darüber im Gschaderhaus (wird 2021 auch gerade renoviert) anzusehen und diese Schau ist wirklich mehr als empfehlenswert.

Die Hexenverfolgungen

Diese Zeit war wohl eine der dunkelsten Abschnitte in der Geschichte der Stadt, ja der ganzen Umgebung. Mehr als 10 Jahre lang tobte hier die Inquisition und der mit den Hexenprozessen beauftragte Jurist Heinz Franz Boblig von Edelstadt. Jeder Besucher der Ausstellung erhält einen Audioguide (auch in Deutsch) mit dem man selbständig durch die Schau gehen kann. Dabei lauscht man der Stimme von Heinz Franz Boblig, der erzählt wie er versucht hat, die Hexen und andere Schuldigen zur Strecke zu bringen, aus ihnen weitere Schuldige „heraus zu foltern“ und wie sie schließlich dem Feuer „der Reinigung“ übergeben wurden. Anfangs beschuldigte man eher Frauen, unterstellte ihnen Giftmorde.

Der Hexenhammer in der Ausstellung über die Hexenverfolgungen
Der Hexenhammer in der Ausstellung über die Hexenverfolgungen


Maria Peschke, in deren Haus nun im Keller die Ausstellung untergebracht ist, war eine der ersten gegen die ermittelt wurde und obwohl sie der Folter standhielt (was einem Gottesurteil gleich kam) landete sie dennoch am Scheiterhaufen. Der zuständige Fürst, Claudius Eusebius von Liechtenstein, schreckte erst vor den Verfolgungen und Folterungen zurück, auch fürchtete er die Kosten der Prozesse. Doch auch hier fand der Ankläger eine Lösung: für die Prozesskosten mussten die Beschuldigten oder deren Verwandten mit ihrem Vermögen aufkommen. Was unter anderem dazu führte, dass immer mehr Menschen angeklagt wurden, um sich deren Besitztümer einverleiben zu können, 1685 wurden angeblich mehr als 20.000 Menschen verurteilt. Boblig war wie im Rausch – immer weitere Beschuldigte wurden verhaftet und der Folter unterzogen, schließlich sollte die Verfolgung auch auf Olmütz ausgedehnt werden, wo sich allerdings der Rat im Olmützer Rathaus versammelte, um Argumente gegen den Inquisitor ins Treffen zu führen. Kaiser Leopold widersetzte sich dann der Auswertung.

Blick in die Ausstellung über die Hexenverfolgung
Blick in die Ausstellung über die Hexenverfolgung


Wie es bei diesen Prozessen zuging, zeigt auch die Geschichte des Hauses: nicht nur Maria Peschke starb in einem Hexenprozess, sondern auch ihr Mann starb im Gefängnis, dessen Todesursache blieb aber ein Geheimnis. Ihre Erben mussten das Haus verkaufen, um die Gefängniskosten bezahlen zu können und der Käufer war kein Unbekannter, sondern der Nachbar und Richter im Hexenprozess.

Hexenausstellung im Gschader Haus
787 01 Šumperk, Kladská 1
Tel: +420 583 213 721
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www.sumperk.cz

In der Stadt, die auch als Klein-Wien wegen ihrer schönen Bauten, die oft von Wiener Architekten in ihrer Blütezeit errichtet wurden, gibt es sicher noch vieles zu entdecken und zu sehen. Sie gilt auch als das Tor zum Altvatergebirge, das zu Wanderungen einlädt.

Folklore wird hier groß geschrieben (Foto © Teichmann)
Folklore wird hier groß geschrieben (Foto © Teichmann)


Allein das Rathaus ist ein wunderschöner Bau, zu dem man pilgern sollte, der Blick vom Rathausturm über die Stadt sollte den Aufstieg lohnen.

Das Rathaus der Stadt (Foto @ m_ark sumperk)
Das Rathaus der Stadt (Foto @ m_ark sumperk)


Im Rathaus befindet sich auch die Tourismusinformation, wo verschiedene Stadtrundgänge gebucht werden können. Sehenswert sind sicher auch die Klosterkirche Mariä Verkündigung, die Kirche St. Johannes der Täufer, sowie die Villen und Palais, die an der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert erbaut wurden und die Schönheit des Stadtzentrums ausmachen.

https://www.sumperk.cz/de/tourist/sehenswertes-in-der-stadt/

Der Besuch erfolgte im Rahmen einer Pressereise auf Einladung der Tourismusorganisation Mittelmähren und Jeseníky und Czech Tourism Wien