Früher hat es mich ja nicht so in die Klöster und Stifte getrieben, aber seit ich Stift Seitenstetten besucht habe und bei einer Buchpräsentation im Stift Heiligenkreuz eingeladen war, faszinieren sie mich immer mehr.

Die Kunstschätze (von denen man ja teilweise bereits in der Schule hört) waren zwar für mich schon immer beeindruckend, was mich aber viel mehr bei meinen Besuchen überrascht hat, ist die Offenheit, das Leben, die Freundlichkeit der Bewohner und Besitzer.

Bei einer Buchvorstellung im Kaisersaal von Stift Heiligenkreuz
Bei einer Buchvorstellung im Kaisersaal von Stift Heiligenkreuz


Der Besucher wird wirklich herzlich willkommen geheißen und neben guten Trunk und Speisen in den – meistens angeschlossenen  - Gasthäusern, kann man sich bei interessanten Führungen in frühere Zeiten zurückversetzen lassen, mehr über den Zusammenhalt der „Brüder“ erfahren, über ihre Ziele, über die Unterschiede von heute zu früher.

Schätze aus der Klosterbibliothek
Schätze aus der Klosterbibliothek


Allein das Wissen über Kräuter, Pflanzen, Krankenpflege, das sich in Klöstern befindet und nun wieder Step by Step an die Oberfläche geführt wird, scheint nahezu grenzenlos.
Viele Klöster bieten neben einfachen Übernachtungsmöglichkeiten auch Seminare, Workshops, Gespräche oder einfach nur Ruhe an. Alles wichtige Erfahrungsmöglichkeiten in unserer heutigen hektischen Zeit. Ich werde mich daher weiter auf Klostertour begeben und mich von Kultur und Kunst, von Reichtum und Arbeit, von Zurückgezogenheit und Offenheit faszinieren lassen.

Besucht jetzt einmal mit mir das Stift Heiligenkreuz der Zisterzienser

Die Zisterzienser

Stift Heiligenkreuz ist eine Gründung der Zisterzienser, deren Name sich von ihrem ersten Kloster, dem Cistercium in Frankreich ableitet. Zisterzienser leben nach den Regeln des Heiligen Benedikt. Eine seiner Regeln – ora et labora – ist euch sicher allen bekannt.

Heilige Bernhard von Clairvaux
Heilige Bernhard von Clairvaux


Doch die Benediktinier  vernachlässigten nach Meinung einiger ihrer Glaubensbrüder die Arbeit und freuten sich zu sehr am guten Leben. Daher versuchte Robert von Molesme im 11.Jahrhundert wieder eine strengere Beachtung der Regel Benedikts in seinem Kloster durchzusetzen, scheiterte aber bei einem Großteil der Mönche, die die Verschärfung ablehnten. Robert verließ daraufhin das Kloster mit einigen Mitbürgern und gründete ein neues Kloster mit dem Namen Cîteaux, lateinisch Cistercium, das später der Brüderschaft ihren Namen gab: Zisterzienser.

Im Stift Heiligenkreuz kann man auch einiges über die Zisterzienser und ihre Geschichte erfahren
Im Stift Heiligenkreuz kann man auch einiges über die Zisterzienser und ihre Geschichte erfahren


Das Leben der Mönche ist hart: sie tragen einfache Kleidung, auf Fleisch, Fisch, Eier, Weißbrot, Butter und Käse muss verzichtet werden, die Speisen dürfen nur mit Salz gewürzt sein. Zwei Mahlzeiten täglich im Sommer und ab Herbst bis zu Ostern muss eine Mahlzeit täglich reichen. Geschlafen wird in einem großen Saal, der nicht geheizt wird auf hölzernen Planken und das erste Gebet beginnt bereits um zwei Uhr früh.

Stift Heiligenkreuz
Stift Heiligenkreuz


Dennoch kann die Gemeinschaft auf einen wahren Gründungsreigen zurückblicken, der mit dem Heiligen Bernhard, der 1113 sein Gelübde ablegt beginnt. Vier Klöster werden in Frankreich in den nächsten zwei Jahren gegründet – sie bilden mit dem Mutterkloster Cistercium den Kern. Der gute Ruf eilt den Mönchen voraus: Bischöfe und Fürsten bitten um die Gründung von Zisterzienserklöster: beim Tod von Bernhard 1153 gibt es bereits 343 Zisterzienserklöster in ganz Europa.

Auch auf dem Gebiet des heutigen Österreichs finden Klostergründungen der Zisterzienser statt: 1129 wird Rein, 1133 Heiligenkreuz, 1138 Zwettl, 1142 Viktring, 1142 Baumgartenberg und 1146 Wilhering gegründet.

Stift Heiligenkreuz
Stift Heiligenkreuz

Heiligenkreuz ist außerdem das zweitälteste Kloster weltweit das ohne Unterbrechung seit seiner Gründung besteht. So musste es auch nicht in der Zeit Joseph II., in der viele Klöster aufgehoben wurden schließen. Als das älteste Kloster gilt übrigens Stift Rein.

Das Ordensgewand

Zu Beginn war die Ordenstracht der Zisterzienser ein ungebleichter, grauer Stoff, was den Mönchen bald den Namen „die grauen Mönche“ eintrug. Später erst wandelte sich die Kleidung zum schwarz-weißen Ordensgewand an dem ihr heute noch die Zisterziensermönche erkennen könnt. Laut Überlieferung wurde dieses Gewand von der Gottesmutter Maria persönlich dem 2.Abt von Citeaux, dem Heiligen Alberich übergeben.

Bei einer Buchpräsentation im Stift Heiligenkreuz
Bei einer Buchpräsentation im Stift Heiligenkreuz

Ein Rundgang durch das Stift Heiligenkreuz

Grundriss von Jochen Janke unter Creative Commons Attribution
Grundriss von Jochen Janke unter Creative Commons Attribution


Doch lasst uns nun den Rundgang durch das Paradies (im 12. Jahrhundert nannten die ersten Zisterzienser das Kloster Paradisum) beginnen.

Der Stiftshof mit der Dreifaltigkeitssäule und die Abteikirche sind frei zugänglich, den „Rest“ – also das eigentliche Zentrum kann man allerdings nur im Rahmen einer Führung besuchen, und glaubt mir, es lohnt sich.

Blick in den Stiftshof von Heiligenkreuz
Blick in den Stiftshof von Heiligenkreuz


Wir treten durch den Eingang ein, werfen noch einen kleinen Blick auf den Klosterladen. Hier bekommt man auch allerlei Köstliches und Erbauliches aus dem Kloster. Zwei „Produkte“ haben sich einen besonderen Hinweis verdient.

Der erste Tipp ist das Buch: Blumen einst und jetzt. Klosterbibliothek Heiligenkreuz – Biosphärenpark Wienerwald von Ing. Dkfm. Gerhard Wasshuber.

Blumen einst und jetzt.
Blumen einst und jetzt.


Um diese besondere Melange herstellen zu können, wurde ein besonderer Schatz der Klosterbibliothek ausgehoben, der das ganze botanische Wissen der Barockzeit vereint: Das vierbändige Kompendium des 1683 geborenen Apothekers Johannes Wilhelm Weinmann. 1025 wunderschöne Kupferstichabbildungen beinhalten die Bände, die aufgrund ihrer künstlerischen Qualität auch zu Vorlagen der Porzellanmanufaktur im 18. Jahrhundert wurden.

Ing. Dkfm. Gerhard Wasshuber wählte daraus jene Pflanzen aus, die auch heute noch im Wienerwald zu finden sind und stellte sie den barocken Vorbildern mit modernen Mitteln gegenüber. So stehen die Originalaufnahmen und kurze botanische Erläuterungen den entsprechenden Kupferstichabbildungen und Auszügen aus den barocken Texten gegenüber. Ich bin mir wirklich nicht sicher, welche Darstellungsweise ich schöner finden soll.

Der zweite Tipp ist für Musikliebhaber:


Das ist ein kleiner Auszug von der CD Chant – Music for paradise, die die Mönche von Stift Heiligenkreuz aufgenommen haben und damit einige erste Plätze in den Hitparaden und Platin-CDs abgeräumt haben. Dennoch: ich muss es einmal live erleben, das habe ich mir ganz fest vorgenommen. Was meint ihr?

Die Tickets gibt es entweder online oder vis à vis vom Klosterladen an der Pforte zu kaufen. Wer ins "Innere" des Klosters möchte, muss sich einer Führung anschließen. Ich habe bereits die Tickets in der Tasche und gehe weiter in den Stiftshof. Führungen gibt es meistens zur vollen Stunde, bitte erkundigt euch aber hier über die aktuellen Zeiten.

Noch einen Blick in den Stiftshof
Noch einen Blick in den Stiftshof


Der Hof hat polygonen Grundriss und unser Eingang mit dem Klosterladen liegt auf der kürzesten Seite, wobei über dem Eingangsportal ein fünfgeschossiger Turm ragt, der aus dem Barock stammt und mit einer Fassade aus Kaiserstein, einer kunstvollen Balustrade und einer Terrasse ausgestattet ist. Im Hof fallen die durchlaufenden Arkadengänge mit Kreuzgewölbe im Erd- und im Obergeschoss auf.

Der Blick auf den Turm des Stifts
Der Blick auf den Turm des Stifts


Der Turm über der Pforte heißt Hornturm, da er ein Hornwerk beheimatete, das bei feierlichen liturgischen Anlässen, aber auch zur Warnung bei Türkeneinfällen geblasen wurde. Er ist erst im 17. Jahrhundert entstanden, im Mittelalter war der Bau solcher Türme den Cisterciensern verboten, später wurde dieses Verbot jedoch ignoriert.

Der Eingang zum Stift
Der Eingang zum Stift


In der Mitte des Stiftshofs findet sich die Dreifaltigkeitssäule oder Pestsäule, die vom Bildhauer Giovanni Giuliani und dem Hof-Steinmetzmeister Elias Hügel geschaffen wurde. In enger Nachbarschaft dazu sieht man den Josefsbrunnen vom Steinmetz Joseph Winkler, der ebenso wie die Pestsäule in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtet wurde.

Ein Bick in den Hof
Ein Blick in den Hof


Während sich auf der rechten Seite der Eingang zum Kaisersaal befindet, in dem vor einigen Jahren die Präsentation des Buches „Blumen einst und jetzt“ stattgefunden hat und der durch seine Prächtigkeit ebenfalls großen Eindruck auf mich gemacht hat, findet sich auf der linken Seite der Eingang zur Abteikirche.

Die Stiftskirche

Die Abteikirche wurde in zwei Etappen vollendet. Im 12. Jahrhundert wurde die romanische, dreischiffige Basilika fertiggestellt: streng und nüchtern gestaltet, wie es damals den Zisterziensern vorgeschrieben war. Die drei Fenster an der Westfront stellen ein Symbol für die heiligste Dreifaltigkeit dar und erlauben, dass am Abend bei der Vesper die sinkende Sonne auf die betenden Mönche im Chorgestühl fällt. Das Langhaus ist eine Pfeilerbasilika im gebundenen System und umfasst fünf Joche. Darauf folgt der gotische Hallenchor, der als älteste seiner Art in Österreich gilt wurde im 13. Jahrhundert angebaut. Seine hohen Glasfenster stammen etwa zur Hälfte noch aus der Zeit um 1290.

Die Stiftskirche von Stift Heiligenstadt
Die Stiftskirche von Stift Heiligenstadt


Ab 1612 und nach dem Einfall der Türken 1683 wurde die Kirche barockisiert. Das große östliche Mittelfenster wurde dabei zugemauert und durch einen Barockaltar verstellt. Ende des 19. Jahrhunderts jedoch veranlasste der Abt Heinrich Grünbeck die barocke Kirchenausstattung wieder zu entfernen. Architekt Dominik Avanzo schuf dabei unter anderem sieben neue Seitenaltäre, einen Ziboriumsaltar, sowie eine Seitenempore im neugotischen Stil. Zwei Altarbilder von Michael Rottmayr der ursprünglichen barocken Ausstattung sind heute an der Südseite des Chores zu sehen: die Kreuzabnahme und die Vision des Heiligen Bernhard.

Die Stiftskirche von Stift Heiligenstadt
Die Stiftskirche von Stift Heiligenstadt


Der heutige Hochaltar mit dem Baldachin stammt aus 1887 von Avanzo. Im Baldachin hängt ein gemaltes Holzkreuz, das Christus als Gekreuzigten und Triumphierenden zeigt, flankiert von Szenen aus der Leidensgeschichte. Dieses Kreuz ist eine Kopie eines romanischen Kreuzes aus Italien, das 1138  gemalt wurde und von griechisch-byzantinischer Kunst beeinflusst wurde.

Das Chorgestühl in der Stiftskirche
Das Chorgestühl in der Stiftskirche


Das barocke Chorgestühl stammt aus 1707 und wurde von Giovanni Giuliani geschnitzt. In den Reliefs sind Szenen aus dem Leben Christi zu sehen, die Büsten im obersten Teil stellen Heilige aus dem Cistercienserorden dar: Päpste, Kardinäle, Bischöfe, Herrscher, Schriftsteller und Mönche. Hier versammeln sich die Mönche sieben Mal am Tag zum feierlichen Chorgebet.

Die Stiftskirche von Stift Heiligenstadt
Die Stiftskirche von Stift Heiligenstadt


Die Orgel der Stiftskirche wurde 1804 vom k.u.k. Hoforgelbaumeister Ignaz Kober erbaut. Bis 1949 stand sie auf einer barocken Empore über dem Hauptportal des Langhauses und verdeckte so den Lichteinfall durch die Fenster der Westwand. Daher ließ sie Abt Karl Braunsdorfer in das nördliche Querschiff versetzten wo sie mit ihrer Höhe fast die Decke erreicht. Auf der Kober Orgel haben unter anderem Franz Schubert und Anton Bruckner gespielt, Schubert hat sogar eine vierhändige Fuge für sie komponiert.

Die Sakristei

Die Sakristei wurde in der Barockzeit neben die mittelalterliche Klosteranlage gestellt. Zu dieser Zeit wollte man die Herrlichkeit Gottes in der Liturgie darstellen, die ursprüngliche Idee durch Askese Kunst auszudrücken wurde nicht mehr verstanden, die ursprüngliche Sakristei war damit zu klein geworden.

Blick in die Sakristei
Blick in die Sakristei


Der älteste Teil ist die Nische mit dem Lavabo-Brunnen links vom Eingang, der Rest zeigt schon bereits deutlich eine Gestaltung im Rokoko-Stil. Sehenswert sind die Rokokofresken und die Sakristeischränke mit den wunderschönen Einlegearbeiten, von zwei Laienbrüder des Klosters gestaltet wurden, die ihre Signatur in der ersten Tür des Schrankes links hinterlassen haben. In diesen Schränken werden die Gewänder für die Feier der Liturgie verwahrt.

Blick in die Sakristei
Blick in die Sakristei


Wir gehen nun wieder zurück in den Stiftshof zur Alten Pforte, die uns den Eingang zum Kreuzgang und damit ins Innere des Klosters gewährt.

Alte Pforte

Bis in die 1970erJahre war dies der Eingang ins Kloster, ein Mönch erwartete hier die Ankommenden und ließ sie ein. Die barocken Fresken des kleinen Raums zeigen die Muttergottes, den Heiligen Benedikt im schwarzen Mönchgewand und den Heiligen Bernhard im weißen Mönchsgewand. Mit dem Eintritt stellen sich die Besucher unter den Schutz der drei wichtigsten Heiligen des Zisterzienserordens.

Das Wappen von Stift Heiligenkreuz
Das Wappen von Stift Heiligenkreuz


Über dem Eingang sieht man das Wappen von Heiligenkreuz: eine Schwurhand auf dem Hintergrund eines Kreuzes.
Daran anschließend befindet man sich im Kreuzgang von Heiligenkreuz.

Der Kreuzgang

Der Kreuzganz ist nicht nur im Stift Heiligenkreuz ein Zentrum der Klosteranlage, da er alle wichtigen Räume miteinander verbindet. Diese Räume werden fast immer in gleicher Weise angereiht: die Sakristei, der Kapitelsaal, das Parlatorium (hier durfte gesprochen werden), die Fraterie (der Raum, in dem die Mönche arbeiteten), das Calefaktorium (beheizter Raum), das Refektorium (der Speisesaal), die Küche und der Konversentrakt, in dem sich die Räume für die Laienbrüder befinden). In Heiligenkreuz sind  alle diese Räume vorhanden und im Uhrzeigersinn um den Kreuzgang angeordnet, allerdings haben nicht mehr alle ihre ursprüngliche Funktion.

Blick auf den Kreuzgang von außen
Blick auf den Kreuzgang von außen


Der Kreuzgang in Heiligenkreuz stammt er aus dem 11. Jahrhundert und wurde 1240 unter Herzog Friedrich II. in seinem romanisch-gotischen Stil vollendet und geweiht. Die vielen roten Marmorsäulen sollen die Bäume im Paradies darstellen und die Schlusssteine symbolisieren die Blütenpracht des Paradieses. In der Mitte liegt ein kleiner schöner Garten, durch die man durch die offenen Bögen blicken kann.

Der Lesegang

Ein Teil des Kreuzganges, der Lesegang ist mit wunderschönen Glasfenstern „geschlossen“. Hier versammeln sich die Mönche jeden Abend zu einer Lesung. Ein Vorleser sitzt dann in der Kanzel, seine Mitbrüder und der Abt hören ihm auf der gegenüberliegenden Holzbank zu.

Die wunderschönen Fenster des Kreuzganges im Grisaille-Stil
Die wunderschönen Fenster des Kreuzganges im Grisaille-Stil

Die sehenswerten grau-schwarzen Glasfenster im Grisaille-Stil stammen zum Teil aus dem 13. Jahrhundert, einer Zeit, als auch durch die Ausgestaltung der Räume und Bauten die Schlichtheit des Mönchdaseins betont werden sollte. In diesem Lesegang findet jedes Jahr die Fußwaschungsfeier statt.

Der Lesegang
Der Lesegang

Die barocken Skulpturen stammen von Giovanni Giuliani, wurden 1705 geschaffen und thematisieren an beiden Enden des Ganges die Fußwaschung.

Die Fußwaschung von Giovanni Giuliani
Die Fußwaschung von Giovanni Giuliani

Der Grabsteingang

Interessant sind die Grabsteine, die hier an der Wand stehen. Sie erinnern an die Wohltäter, die im Mittelalter das Kloster mit Grundstücken, Weingärten oder anderen Gaben bedachten und mit ihren Geschenken den Lebensunterhalt der Mönche sicherten. Als Dank wurden sie hier im Kreuzgang begraben.

Der Grabsteingang
Der Grabsteingang


Widmen wir uns nun den Räumen, die mit dem Kreuzgang mehr oder weniger direkt verbunden sind.

Die Annakapelle

Die Annakapelle war ursprünglich ein Nebenraum der alten Sakristei, die dahinter liegt. Der Raum diente ursprünglich zur Aufbewahrung der Bücher, da die ersten Bücher des Klosters der Liturgie dienten und es daher Sinn machte, sie neben den der Sakristei aufzubewahren. Man kann daher die Annakapelle auch als erste Bibliothek des Klosters bezeichnen. Das in den Büchern verzeichnete Wissen galt als Waffe der Klöster, daher wurde der Raum auch als Armarium im Mittelalter bezeichnet.

Der Kapitelsaal

Der Saal ist durch offene Bogen mit dem Kreuzgang verbunden, er ist der Versammlungsraum der Mönche und da – zumindest früher – bei jeder Versammlung ein Kapitel aus der Heiligen Schrift vorgelesen wurde, kam er so zu seinem Namen. Doch sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart ist dieser Raum wichtig: Heutzutage findet hier die Feier der Einkleidung statt, also die feierliche Aufnahme all jener, die ins das Kloster eintreten und mit dem Ordensgewand eingekleidet werden. Hier legt der Mönch auch nach dem Noviziat sein zeitliches Gelübde ab.

Blick in den Kapitelsaal und auf das Grabmal Friedrichs des Streitbaren
Blick in den Kapitelsaal und auf das Grabmal Friedrichs des Streitbaren


Aber der Kapitelsaal im Stift Heiligenkreuz hat auch noch eine andere sehr spezielle Aufgabe, die in die Vergangenheit verweist. Was die Kaisergruft in Wien für die Habsburger bedeutet, das bedeutet Heiligenkreuz für die Babenberger. Der Kapitelsaal dient als Grablege für dieses österreichische Herrschergeschlecht, das auch für die Gründung des Klosters verantwortlich zeichnet.

Stift Heiligenkreuz, Kapitelsaal
Stift Heiligenkreuz, Kapitelsaal


Bereits beim Eintreten kann man das Hochgrab des letzten Babenbergers, Friedrich des Streitbaren, der 1246 starb, sehen. Hier liegt unter anderem auch der Babenbergerherzog Leopold V. begraben, der König Richard Löwenherz gefangen genommen hat, auch Markgraf Leopold IV. fand hier seine letzte Ruhestätte. Aber auch zwei Enkel von Rudolf von Habsburg sind hier in Heiligenkreuz begraben. Vielleicht wollten die Habsburger damit an die Traditionen der Babenberger anschließen und auch so die Legitimation ihrer Nachfolge unterstreichen.

Stift Heiligenkreuz, Kapitelsaal
Stift Heiligenkreuz, Kapitelsaal


Es lohnt sich in Ruhe die barocken Fresken in den Wandbögen zu betrachten, die jene Personen zeigen, die hier im Kapitelsaal begraben liegen. Auch die drei großen kreisrunden und bunt verglaste „Ochsenaugen“ die den Raum beleuchten, sind mehr als einen Blick wert.

Die Totenkapelle

Wenn wir nun weitergehen kommen wir zur Totenkapelle, die ursprünglich das Parlatorium beheimatete, den einzigen Raum in dem das Sprechen erlaubt war. Heute ist das Schweigen auf bestimmte Tageszeiten und die ganze Nacht beschränkt und so konnte Giuliani die Totenkapelle hier gestalten. Die Gestaltung ist typisch für den Barock und mutet heute skurril bis mystisch an. Tanzende Skelette als Kandelaber, der Sarg ist ein Prunkmöbel, die ganze Ausgestaltung, die Giuliani 1713 schuf wirkt doch beängstigend, um nicht zu sagen „gruselig“.

Blick in die Totenkapelle
Blick in die Totenkapelle


Doch der tanzende Tod trägt eine brennende Kerze, das Symbol des auferstandenen Christus und damit des ewigen Lebens. Damit gibt er auch Hoffnung auf die Auferstehung.

Die Totenkapelle
Die Totenkapelle


Auch heute noch werden die Mönche nach ihrem Tod in der Totenkapelle aufgebahrt und die Mitbrüder gedenken ihres Mitbruders im stillen Gebet bis zu seinem Begräbnis.

Das Brunnenhaus

An der Südseite des Kreuzganges, gegenüber vom Eingang ins Refektoriums befindet sich das wunderschöne hochgotische Brunnenhaus mit seinem Bleibrunnen und den farbenprächtigen Glasscheiben. 1295 wurde der im Stile der Gotik gestaltete Raum fertiggestellt, der früher die einzige Wasserstelle des Klosters war und zum Waschen nach der Arbeit und vor den Mahlzeiten diente.

Der Brunnen im Brunnenhaus
Der Brunnen im Brunnenhaus


Die wunderbare Ausgestaltung soll den Mönch erinnern, dass er alles was er tut – selbst die einfachsten Arbeiten – zu Ehren Gottes und im Angesicht Christi gemacht werden. So thront auch im Schlussstein des Gewölbes eine Christusfigur.

Fenster im Brunnenhaus
Fenster im Brunnenhaus (Detail)


Die berühmten gotischen Glasfenster zeigen Familienmitglieder der Babenberger, darunter den Gründer des Klosters, Leopold den Heiligen, und seinen Sohn Otto von Freising, der wesentlich zur Gründung beigetragen hat. Er ist am weißen Gewand erkennbar, das die Cistercienser beim Chorgebet tragen.

Stift Heiligenkreuz
Stift Heiligenkreuz, Fenster im Brunnenhaus


Der Brunnen selbst ist ein typischer Renaissance-Brunnen, der das Wasser von der höheren Schale in die größeren tiefer liegenden Schalen weiter verteilt. Durch das silikathaltige Wasser in Heiligenkreuz ist er mit seinen Ablagerungen zu einem Naturdenkmal geworden.

Die Fraterie

Die Fraterie stammt aus dem Jahre 1240 und ist im Original erhalten, sogar ein Großteil der Bemalung stammt aus dieser Zeit. Die Fraterie war der der Arbeitsraum der Frates (der Brüder) im Mittelalter. Hier waren die verschiedenen Werkstätten des Klosters untergebracht: Schusterei, Schneiderei, Tischlerei usw. Neben diesem Raum, der wahrscheinlich ursprünglich unterteilt war, befindet sich die Schreibstube, das Skriptorium. Das dieser Raum als einziger beheizt wurde unterstreicht die Wichtigkeit des Raumes, in dem die Mönche händisch Bücher schreiben oder kopierten.

Stift Heiligenkreuz, Blick in die Fraterie
Stift Heiligenkreuz, Blick in die Fraterie


Erst 1992 entdeckte man darunter den Heizraum, das Kalefaktorium, das heute über eine Stiege begehbar ist.

Die Bernhardikapelle

Die Kapelle ist der letzte wichtige Bau, der noch im Mittelalter errichtet wurde, wobei man allerdings das Jahr der Fertigstellung nicht genau datieren kann, man schließt aber auf die Zeit um das Jahr 1290. Ursprünglich dem Heiligen Erasmus von Antiochia geweiht, wurden hier oder in einem Raum im ersten Stock die Kranken gepflegt.

1910 wurde durch einen Brand der Chorabschluss freigelegt, der durch ein bühnenähnliches Gerüst verbaut war. Danach wurde die Kapelle immer mehr für das Stundengebet und die Feier der Heiligen Messe verwendet. Schließlich wurde sie durch den Einbau einer Heizung zur Winterkapelle und in den 1960er Jahren entstanden 13 Glasfenster nach Entwürfen von Margret Bilder.
Der Erker an der Westseite, der heute eine Bernhardstatue beheimatet, könnte im Mittelalter eine Glockennische als Ersatz des bei den Zisterzienser verbotenen Glockenturm gewesen sein.
Heute ist die Bernardikapelle die Winterkapelle für den Konvent – in den meisten Jahren wird sie von Allerheiligen bis Ostern verwendet.

Führungen

Wenn ihr das Kloster Heiligenkreuz so richtig kennen lernen wollt, solltet ihr euch einer Führung anschließen, für die normalerweise keine Anmeldung notwendig ist. Unter https://www.stift-heiligenkreuz.org/ erhaltet ihr Infos über die Führungszeiten, wie auch weiterführende Informationen über den Zisterzienser Orden und das Stift Heiligenkreuz.

Wer die Möglichkeit hat, den Kaisersaal im Rahmen einer Veranstaltung kennenzulernen – er ist nicht Teil der Führung – sollte diese Möglichkeit unbedingt ergreifen. Auch die Bernardikapelle und der Konvent können nicht besichtigt werden.

Blick in den Kaisersaal
Blick in den Kaisersaal


Im Klosterladen kann man sich sowohl mit Köstlichkeiten aus dem Kloster als auch mit Büchern oder CDs eindecken. Es ist fast immer etwas dabei, das man gerne mitnimmt.
Zum Abschluss sollte man sich dann noch – je nach Geschmack und Zeit – bei Kaffee und Kuchen oder mehr im Klostergasthaus stärken. Auch diesen Sidestep werdet ihr sicher nicht bereuen.
https://www.stift-heiligenkreuz.org/gaeste-willkommen/klostergasthof/

Stift Heiligenkreuz
2532 Heiligenkreuz im Wienerwald
Tel: +43 2258 8703 0
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
https://www.stift-heiligenkreuz.org/