Also ganz ehrlich:  ich kannte Steyr in erster Linie von dem kleinen Steyr-Puch und vom Postamt Christkindl, aber alles weitere? Leider keine Ahnung….

Mein Wissen über die Stadt Steyr hat sich allerdings im Sommer 2019 grundlegend geändert – der „Oberösterreichischen Sommerfrische Initiative“ im Kursalon Hübner sei Dank: einmal bei einem Gewinnspiel mitgemacht und gleich gewonnen. Und der Gewinn konnte sich sehen lassen: ein Wochenende (Freitag bis Sonntag) und dazu noch eine Vorstellung beim Musikfestival Steyr mit Übernachtung im Christkindlwirt. Herz was willst Du mehr.

Beim Museum Arbeitswelt
Beim Museum Arbeitswelt


Wie immer habe ich zu viel (vor allem Sportliches) eingepackt und bin gemütlich am Freitag von Wien aus losgefahren um nach guten zwei Stunden bequemer Fahrt beim Christkindlwirt zu landen.

An dieser Stelle möchte ich bereits einige Hinweise für alle Reisenden geben: (für jene, die Steyr auch noch nicht kennen)

  • Christkindl ist ein Ortsteil von Steyr
  • In diesem Ortsteil liegt auch die Wallfahrtskirche Christkindl
  • Hinter der Wallfahrtskirche befindet sich der Christkindlwirt
  • Die Engelsstiege führt links am Christkindlwirt hinunter zum Ufer
  • Wenn es auch Beschriftungen zum Christkindlwirt gibt – ohne Navi hätte ich wahrscheinlich länger gebraucht ihn zu finden.

Aber mit Navi bin ich schließlich auf dem kleinen Parkplatz vor der Wallfahrtskirche gelandet und wirklich hinter dem Torbogen lugt auch schon das Gebäude vom Wirt und Hotel hervor.

Christkindlwirt, Postamt Christkindl und die Engelstiege

Schnell eingecheckt und den Koffer ins Zimmer gebracht – schließlich habe ich die Tafel „Postamt Christkindl“ in der Nähe der Engelsstiege gesehen und da will ich mich doch umsehen.

Durchgang bei der Wallfahrtskirche zum Christkindlwirt
Durchgang bei der Wallfahrtskirche zum Christkindlwirt


Ich gehe also die Engelsstiege hinunter, betrachte den Engel in der Felswand, der – wie ich später feststelle – genau in mein Zimmer schaut und gehe weiter. Es ist heiß, gut dass ich in einen kleinen Wald komme. Von weiter unten höre ich das Rauschen von einem Nebenarm der Steyr.

Die Engelsstiege beim Christkindlwirt
Die Engelsstiege beim Christkindlwirt


Es ist angenehm kühl und ich komme bei dem wunderschönen Haus der alten Papiermühle vorbei, kühle mich kurz beim Unterhimmler Jungbrunnen ab, gehe noch ein Stück weiter, aber ich kann kein Postamt und schon gar nicht das vom Christkindl finden. Ein bisschen enttäuscht mache ich mich auf einem anderen Weg zurück zur Wallfahrtskirche – aber auch auf dieser Seite ist kein Postamt zu finden.

Beim Christkindlwirt
Beim Christkindlwirt


Erst später kann ich das Rätsel an der Rezeption des Hotels klären: Das Postamt Christkindl wird nur in der Weihnachtszeit geöffnet (logisch) und ist dann direkt in einem Raum im Christkindlwirt eingerichtet. Alles klar. Egal, der Spaziergang war trotzdem schön.

Die Wallfahrtskirche

Also mache ich mich auf um die Wallfahrtskirche zu besuchen. Zu ihrer Gründung gibt es eine schöne Geschichte, die ich hier erzählen möchte:
Es war am Ende des 17. Jahrhunderts als in Steyr der Kapellmeister und Türmer Ferdinand Sertl lebte. Sertl litt an Epilepsie, damals wie heute eine schwere Krankheit. Klosterschwestern schenkten ihm eine kleine, aus Wachs gefertigte Statue des Jesuskindes. Außerhalb der Stadt suchte er eine Fichte, in die er eine Höhlung schnitt und dort das Jesuskind hineinstellte. Jeden Sonntag wanderte Sertl zu „seinem Christkindl“ um zu beten und um Heilung zu bitten.

Blick auf die Wallfahrtskirche
Blick auf die Wallfahrtskirche


Als er wirklich von seiner Epilepsie geheilt wurde, sprach sich das Wunder natürlich in der Umgebung herum und es kamen immer mehr Wallfahrer um vom Christkindl im Baum Hilfe zu erbitten. So entstand auch der Name „Zum Christkindl unterm Himmel“.  1697 wurde mit dem Bau einer kleinen Kapelle begonnen, die aber bald zu klein wurde. Giovanni Battista Carlone begann 1702 mit dem Bau der heutigen Kirche, die dann ab 1708 von Jakob Prandauer vollendet wurde.

Das kleine Christkindl
Das kleine Christkindl


Wer das „Christkindl“ sehen möchte, sollte ganz nach vorne zum Hauptaltar gehen: die Gnadenfigur ist nur 10 cm groß. Sie befindet sich in einem kleinen Schrein oberhalb des als Weltkugel geformten Tabernakels und hält das Kreuz und die Dornenkrone in ihren Händen.

Im Inneren der Wallfahrtskirche
Im Inneren der Wallfahrtskirche


Der Hochaltar wurde ebenfalls von Jakob Prandtauer, inspiriert vom Krippenlied „Es hat sich heut‘ eröffnet das himmlische Tor, entworfen, geschnitzt wurde er von Leonhard Sattler um 1720. Der Altar steht frei vor dem Apsishintergrund mit 35 Engeln und gilt als einzigartiges Werk des österreichischen Barocks. Der Tabernakel, der Unterhimmel, stammt von Joseph Hieber und wurde um 1760 gestaltet. Die feuerrote Weltkugel wurde aus Kupfer getrieben und über dem Tabernakel dient das „Buch mit den sieben Siegeln“ als Aussetzungsthron.

Die Wallfahrtskirche in Christkindl
Die Wallfahrtskirche in Christkindl


Hinweis: Der Parkplatz vor der Kirche kann von Gästen des Christkindlwirts vor allem zum Ein- und Auschecken benutzt werden. Während der Gottesdienste wird allerdings gebeten, die Parkplätze für die Messebesucher frei zu lassen. Ein zweiter Parkplatz befindet sich wenige Meter entfernt und ohne Koffer oder Gehbeschwerden sollte es für Besucher auch kein Problem darstellen dort zu parken.

Die Loreto-Kapelle

Neben der Wallfahrtskirche befindet sich die Loreto-Kapelle, die nach den Entwürfen und unter der Leitung des steyrischen Kunsttischlers Johann Jaunisch gebaut wurde. Am 29.6.1876 wurde sie vom Linzer Bischof eingeweiht und ist damit wahrscheinlich die jüngste Loretokapelle in Mitteleuropa.

Im Inneren der Loreto-Kapelle
Im Inneren der Loreto-Kapelle


Im Zentrum des neugotischen Altars steht die typische Loreto-Madonna mit dem Jesuskind, eingehüllt in die „Dalmatika“, links und rechts vom Heiligen Josef und der Heiligen Anna umrahmt. Die Wände erinnern an die Ziegel des Heiligen Hauses, ein Fries trennt sie vom blauen Himmel mit goldenen Sternen.

Die Loreto-Kapelle
Die Loreto-Kapelle


Einer Legende nach wurde das Heilige Haus von Nazareth von Engel um 1291 nach Loreto gebracht und alle Loretokapellen gehen auf dieses Haus in Loreto (nahe Ancona) zurück.

Die Nepomuk Kapelle

Gegenüber der Loreto-Kapelle befindet sich die Barockkapelle aus ca. 1740 mit einer weiten Bogenöffnung mit schulterbogigen Ansätzen und schlichtem einfachen Gitter. Dahinter kann man die Steinfigur des Heiligen Johannes Nepomuk aus der gleichen Zeit erkennen.

Die Nepomuk-Kapelle bei der Wallfahrtskirche Christkindl
Die Nepomuk-Kapelle bei der Wallfahrtskirche Christkindl

Die Krippen in Christkindl

Im Pfarrhof Christkindl gibt es auch eine Krippenausstellung, in der zwei Krippenraritäten ausgestellt sind: Die mechanische Krippe von Karl Klauda und die Pöttmesser-Krippe. Während die erste durch ihre einzigartige Mechanik glänzt und aus über 300 aus Lindenholz geschnitzten Figuren besteht, zählt die zweite zu den größten Krippen der Welt. Sie ist 58 Quadratmeter groß und besteht aus über 700 herrlich geschnitzten und bekleideten Figuren.

In Christkindl
In Christkindl


Leider war bei meinem Besuch die Krippenausstellung nicht geöffnet. Außerhalb der Weihnachtszeit wird nur für Gruppen geöffnet und diese müssen sich unbedingt im Pfarramt Christkindl anmelden.

Der Christkindl-Laden

Im kleinen Geschäft neben der Kirche finden die Besucher ein reichhaltiges Angebot an Christkindlkerzen, Weihnachtsschmuck, Klosterarbeiten und Kunsthandwerk, außerdem Ansichtskarten und Kirchenführer. Schon im September beginnt die Bastelrunde,  um den Besuchern wieder einiges Neues und Besonderes bieten zu können.

Der Christkindl-Laden
Der Christkindl-Laden


Für Philatelisten ist der Christkindl-Laden ein ganz besonderes Geschäft, da man hier fast alle Christkindlstempel seit Beginn des Weihnachtspostamtes 1950 erwerben kann.

Pfarramt Christkindl
4400 Steyr, Christkindlweg 69
Tel: +43 7252 546 22
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
http://www.dioezese-linz.at/steyr-christkindl

Das Postamt Christkindl

Seit 1950 schickt das Christkindl aus Steyr (Postamt A-4411) seine Briefe. Alljährlich werden von hier aus ca. 1,8 Millionen Briefsendungen mit Weihnachtsmarke und Sonderstempel in die ganze Welt verschickt. Man muss auch gar nicht persönlich zum Christkindl-Postamt kommen, sondern kann seine Post auch über das Postamt verschicken. Wie das geht, egal ob In- oder Ausland – finden Sie hier: https://www.steyr.info/christkindl-region/wallfahrtsort-christkindl/postamt.html
Dennoch ein Besuch lohnt sich hier ….

Hier residiert zu Weihnachten auch das Postamt Christkindl
Hier residiert zu Weihnachten auch das Postamt Christkindl


So nachdem ich jetzt all diese Informationen um und rund um Christkindl herausgefunden habe, geht’s heute noch in die Stadt. Der Christkindlwirt ist zu weit entfernt um das per Pedes zu machen. Wer nicht mit dem Auto anreist, sollte sich erkundigen, wann ein Shuttle angeboten wird (gibt es z.B. zu den Veranstaltungen des Musikfestivals und auch wenn man eine Nachtwächterführung gebucht hat). Ich bin mit dem Auto unterwegs und suche mir in der Nähe des Schlossparks einen Platz für meinen kleinen Mitsubishi und mach mich – bevor ich die Aufführung Cabaret beim Musikfestival genieße noch auf in die Stadt.

Vor dem Rundgang durch die Stadt gibt es aber noch einen Abriss über ihre Geschichte.

Die Geschichte von Steyr

Die Gegend um Steyr war schon früh besiedelt: so richtig nachweisbar ist allerdings erst die Anwesenheit der Kelten, die um 600 v. Chr. einwandern und als Erste das Eisen des Erzberges abbauen. Auch der Name der Stadt hat seinen Ursprung in der keltischen Sprache – Stiria – und war der Name des gleichnamigen Flusses. Später brachen die Römer das „norische“ Eisen auf der alten Eisenstraße zu ihrer Schildfabrik nach Lauriacum und am Felsen über dem Zusammenfluss von Steyr und Enns konnte ein römischer Wachturm nachgewiesen werden.
Im 6. Jahrhundert kamen dann die Baiern in Steyr an und die Stadt wurde Teil des Herzogtums und gehörte später zum Kloster Kremsmünster.

Aufgang zur Stadtpfarrkirche beim Mesnerhaus
Aufgang zur Stadtpfarrkirche beim Mesnerhaus


Der Zusammenschluss der Flüsse Enns und Steyr war schon immer ein wichtiger geopolitischer Handelsplatz, aber die Gegend war auch umkämpft und so wurde hier die 980 erstmals urkundlich erwähnte Styraburg der Grafen von Wels-Lambach gebaut. Unter der Stirapurhc, dem heutigen Schloss Lamberg, und der Stadtpfarrkirche entstand in der Folge die städtische Siedlung.

Blick auf Bürgerspital und Michaelerkirche
Blick auf Bürgerspital und Michaelerkirche


1055 kam das Geschlecht der Otakare aus dem Chiemgau nach Steyr und brachte ihr Wappentier, den weißen Panther, mit in die Stadt. Otakar II. heiratete eine Babenbergerin und durch ihre kluge Politik konnten sie ihre Besitzungen in der Steiermark beachtlich vergrößern. So kam auch der Erzberg in das „Einzugsgebiet“ von Steyr und trug zum Reichtum ihrer Herrscher bei. Die Styraburg wurde der Mittelpunkt von ritterlichen Leben und der Künste. 1180 wurde der letzte Otakar in den Herzogsrang erhoben, 1186 vermachte er, da kinderlos und krank die Enns Burg und die Herrschaft Steyr den Babenbergern. Durch den Verlust des Herzogssitz verlor die Stadt zwar an politischer Bedeutung, aber ihre Rolle als Verarbeitungs- und Handelszentrum von Eisen blieb ihr erhalten und wurde weiter ausgebaut – eine der ältesten Industrielandschaften Europas entstand: die Eisenwurzen. Steyr wurde zur Eisenmetropole nördlich der Alpen, von überall kamen Waffen- und Rüstungsschmiede, um hier Arbeit und ein gutes Leben zu finden.

Blick auf die Stadtpfarrkirche Steyr
Blick auf die Stadtpfarrkirche Steyr


Doch dann kamen wieder schwere Zeiten auf die Stadt zu: Durch den Frieden von Ofen verlor die Stadt seine Mark – die Steiermark fiel damals an Ungarn – und wurde damit vom Erzberg getrennt. Nun herrschte Böhmenkönig Ottokar II. Přemysl über die Stadt, die nun zum Land ob der Enns gehörte.

Beim Museum Arbeitswelt
Beim Museum Arbeitswelt


Ab 1287 ging es dann langsam wieder auf, Herzog Albrecht I. bestätigte der Stadt ihre Rechte im Handel und der Eisenverarbeitung und mit dem Großen Privileg wurde den Steyrern auch das Stapelrecht für Holz und Eisen gewährt. Das bedeutete, dass diese Waren drei Tage lang den Steyrer Bürgern zu einem besonderen Preis angeboten werden mussten, ehe die Händler weiterreisen durften. Die Stadt und ihre Bürger blühten wieder auf und Künstler aus Deutschland, Böhmen und Italien wurden in die Stadt geholt.

Blick auf das Neutor und die Enns
Blick auf das Neutor und die Enns


Steyr handelte mit seinen Eisenwaren bis Venedig, wo es ein eigenes Handelskontor unterhielt.
Der wirtschaftliche Erfolg der Stadt führte dazu, dass viele Handwerker wie Harnischmacher, Klingenschmiede und vor allem Messerer in die Stadt kamen. Gerade die Letztgenannten waren im gesamten süddeutschen Raum berühmt und ihr Zunftbrief aus 1406 gilt als einer der ältesten in Österreich. Steyr steigt nach Wien zur wohlhabendsten und vornehmsten Stadt in Österreich auf.

Der Wallfahrtsweg in Christkindl
Der Wallfahrtsweg in Christkindl


Im Religionskonflikt stellen sich die Steyrer bald und fast geschlossen auf die Seite der Lehre Luthers. Nur 18 katholische Familien kann man in der Stadt zur Zeit der Gegenreformation noch zählen. Die Kultur bekommt einen hohen Stellenwert in der Stadt und bis zur Gegenreformation wird auch der Meistergesang gepflegt.

Spazierwege in Christkindl
Spazierwege in Christkindl


Nach einem verheerenden Hochwasser 1572 machen sich die ersten Anzeichen des Niedergangs der Eisenherstellung bemerkbar: Man beklagt unlauteren Handel. Der Dreißigjährige Krieg, Gegenreformation und der große oberösterreichische Bauernkrieg verstärken den wirtschaftlichen Niedergang der Stadt. 1625 wurden 228 protestantische Steyrer Familien aus der Stadt gewiesen, der Bauernaufstand war niedergeschlagen worden und die Truppen der Sieger wurden auf Kosten der Stadt einquartiert. Viele Messerer verließen ebenfalls die Stadt in der Hoffnung woanders Geld verdienen zu können. Einige von ihnen gründeten dabei auch die bis heute noch berühmte Solinger Stahlwarenerzeugung.

Spazierweg in Christkindl
Spazierweg in Christkindl


Nachdem die Türkengefahr wieder gebannt scheint, blüht die Stadt erneut auf – die Verarbeitung des steirischen Eisens führt zu einem neuen Aufschwung: Die Michaelerkirche oder die Wallfahrtskirche von Christkindl am Rande der Stadt entstehen. Der Grundstein der späteren Industrialisierung der Stadt wird gelegt.

1727 vernichtet ein Großbrand nicht nur große Teile der Altstadt, sondern auch die Styraburg, an ihrem Platz entsteht das barocke Schloss Lamberg.
In den Franzosenkriegen wird die Stadt dreimal von den französischen Truppen besetzt, eine Inschrift am Haus der heutigen Löwenapotheke weist darauf hin, dass hier 1800 der Waffenstillstand zwischen Österreich und Frankreich unterzeichnet wurde.

Beim Spaziergang in Christkindl
Beim Spaziergang in Christkindl


Das Revolutionsjahr 1848 bringt auch in Steyr Unruhe, 1849 erlaubt die Stadt regierungsfeindlichen Husaren den Durchmarsch, der Kaiser ist darüber gar nicht „amused“. Um das Kaiserhaus wieder zu besänftigen, beschließt der Gemeinderat die Errichtung eines Votivaltars in der Stadtpfarrkirche anlässlich des missglückten Attentats auf den Kaiser, der in der Wiener Minoritenkirche ausgestellt wird und den das Kaiserpaar auch besichtigt.

Ein Durchgang zum Ennskai
Ein Durchgang zum Ennskai


1855 bricht in die Cholera aus, der auch der Vater von Josef Wendl zum Opfer fällt. Der 1831 geborene Sohn gilt als der „Retter von Steyr“. Er übernimmt das Unternehmen seines Vaters und erfindet gemeinsam mit einem Mitarbeiter nach Aufenthalten in den USA bei Remington und Colt den Tabernakelverschluss für Hinterlader. Mit der Serienproduktion des Gewehrs wird Steyr zur Waffenschmiede Europas. Aber er beweist auch besonderen Erfindergeist: 1884 zeigt er im Rahmen einer Ausstellung den ersten durch Wasserkraft elektrisch beleuchteten Straßenzug in Europa. Sogar der Kaiser und Kronprinz Rudolf mit Gattin besichtigen Steyr.

Der k.k.Adler am Innerberger Stadel
Der k.k.Adler am Innerberger Stadel


1889 stirbt Josef Werndl. Die heutigen Steyr-Daimler-Puch-Werke, die später nicht nur Jagd- und Sportwaffen, sondern auch Autos, Traktoren, Lastkraftwagen, Kugellager produzierten gehen auf sein ursprüngliches Unternehmen zurück.

Die Wirtschaftskrise der Zwischenkriegszeit trifft Steyr besonders – viele Menschen werden arbeitslos und haben bald weder etwas zu essen noch ein Dach über dem Kopf. Die Steyr-Werke, der größte Arbeitgeber der Region entlässt 1929 bis 1931 70% seiner Arbeitskräfte. 1931 erklärt die Gemeinde ihren Bankrott. Auch hier kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen der Heimwehr und dem Schutzbund. Österreicher kämpfen gegen Österreicher, Militär, Bundespolizei und Schutzkorps brechen allerdings schnell den Widerstand. Die Nationalsozialisten gewinnen – unter anderem auch durch die Unterstützung ihrer Mitglieder – an Zulauf.

Das Lebzelterhaus in Steyr
Das Lebzelterhaus in Steyr


In der Zeit des Nationalsozialismus war in Steyr, in Münichholz, auch eine Außenstelle des Konzentrationslagers Mauthausen. Über 3000 Menschen sind dort untergebracht, die als Zwangsarbeiter nicht nur in der Waffenproduktion eingesetzt werden, sondern sie mussten auch einen Stollen als Schutz vor den Bombenangriffen bauen. Die Ausstellung im Stollen der Erinnerung kann und sollte man bei einem Besuch von Steyr besuchen.

Im Ersten und Zweiten Weltkrieg steht die Waffenproduktion allerdings im Vordergrund. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Werksanlagen durch Luftangriffe der Alliierten 1944 zerstört werden.

In der Loreto-Kapelle in Christkindl
In der Loreto-Kapelle in Christkindl


Heute zeigt sich die Stadt von ihrer besten Seite: ein wunderschön renovierter Hauptplatz, das im Zuge der 1000 Jahre Feier renovierte Schloss Lamberg, das Postamt Christkindl, das Musikfestival und viele andere interessante Veranstaltungen bringen Touristen in die Stadt.

Heute sorgen aber auch die Steyr Präzisionswerke, die Bosch-Gruppe, Hartlauer, Steyr Motors, BMW Motoren, SKF und MAN Nutzfahrzeuge (einige sind Nachfolger der Werndl Werke) wieder für Arbeitsplätze.

Steyr
Steyr


Jetzt geht es aber wirklich in die Stadt…

Zum Hauptplatz

Über die Mayrstiege komme ich auf den Hauptplatz von Steyr und bin gleich fix und fertig: Wahnsinn, dieses Ensemble. Auch wenn gerade wieder renoviert wird und ich damit bei einigen Fotos die Absperrungen mit drauf habe, es begeistert mich einfach, diese vielen schönen renovierten Häuser zu sehen. Ein paar davon möchte ich hier nun vorstellen:

Das Rathaus

Das Rathaus versucht mit seinem hohen Turm den Platz zu dominieren, aber Anbetracht der Pracht der Häuser ringsum gelingt es ihm nicht ganz. Dennoch: es gilt als eines der bedeutendsten Rokoko-Baudenkmäler Österreichs. Das viergeschoßige Gebäude mit dem dominierenden Fassadenturm wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vom Bürgermeister und Stadtrichter Gotthard Hayberger errichtet. Die zwei Figuren seitlich des Turms symbolisieren die Allwissenheit (Auge Gottes) und die Selbsterkenntnis (Spiegel). Darunter auf der Balustrade stehen vier barocke Frauengestalten für die damaligen Machtbefugnisse der Stadt: Justitia (mit Schwert und Waage), Strafrecht (mit Eisenkugel und kette am Fuß), Kirchenpatronanz (Weihrauchgefäß) und Römisches Recht (Buch).  Bis heute ist das Rathaus Sitz des Bürgermeisters, der Stadtverwaltung und des städtischen Archivs, in dem unter anderen wertvollen historischen Urkunden und Ratsprotokolle auch die älteste Urkunde der Stadt zu finden ist: Das Große Privilegium, das verbriefte Stadtrecht, das Herzog Albrecht I. 1287 Steyr verlieh.

Das Rathaus am Hauptplatz von Steyr
Das Rathaus am Hauptplatz von Steyr


Im Rathaus befindet sich auch das Tourismusbüro, in dem Sie Informationen über die Stadt und auch den Nationalpark Kalkalpen bekommen, aber auch Karten für die verschiedenen Veranstaltungen und Führungen kaufen können. Vor dem Rathaus ist jeweils auch der Treffpunkt für die Nachtwächter-Führungen.

Der Stadtbrunnen

Ein paar Schritt vom Rathaus entfernt steht der große Stadtbrunnen oder Leopoldibrunnen, benannt nach einem der bedeutendsten Babenberger, der Heiligen Leopold, dessen Statue auch den Brunnen krönt. In der rechten Hand hält er ein Modell des Stifts Klosterneuburgs, das er gestiftet hat und in der Linken die Flagge der Stadt Steyr mit dem feuerspeiendem Panther auf grünem Grund. Wer am Donnerstag oder am Samstag in der Stadt ist, sollte nicht dann auf jeden Fall hier beim Leopoldibrunnen vorbeischauen: an beiden Tagen wird jeweils am Vormittag Markt abgehalten und frisches Gemüse, Blumen, aber auch das eine oder andere Bauernschmankerl angeboten.

Der Leopoldibrunnen am Stadtplatz
Der Leopoldibrunnen am Stadtplatz


Machen Sie einen Rundgang über den Stadtplatz – ein Haus ist hier wirklich schöner als das andere. Über ein paar möchte ich hier mehr erzählen.

Das Bummerlhaus

Das Bummerlhaus gilt als das Wahrzeichen der Stadt und als eines der am besten erhalten gotischen Bürgerhäuser in ganz Österreich. In der Vergangenheit beherbergte es auch prominente Gäste: Kaiser Maximilian soll hier öfter zu Gast gewesen sein, um sich Geld zu leihen und da man ja weiß, dass er permanent pleite war, hat er das Bummerlhaus und Steyr sicher viele Besuche abgestattet. Im 17. Jahrhundert war im Haus eine Gastwirtschaft untergebracht, im 19. Jahrhundert konnte man hier ins Wirtshaus „Zum Goldenen Löwen“ gehen. Dieser Löwe ist heute noch zu sehen und er ist auch für den Namen „Bummerlhaus“ verantwortlich: Die Gäste des Wirtshauses, fanden ihn nämlich viel zu klein und zu dick, daher nannten sie ihn „Bummerl“ – in dieser Gegend eine Bezeichnung für einen kleinen, dicken Hund.

Das Bummerlhaus am Hauptplatz
Das Bummerlhaus am Hauptplatz


Sehenswert im Inneren sind die eindrucksvollen Holzdecken und auch auf den Innenhof mit seinen Arkaden und den gedrehten Steinsäulen sollte man einen Blick werfen.

Das Sternhaus

Der Name des Sternhauses kommt von dem goldenen Stern, der über dem Portal von zwei Greifvögel gehalten wird und das Symbol für den Eisenhandel, aber auch im Wappen des Geschlechtes der Schoiber, denen dieses Gebäude einmal gehörte, zu finden ist.

Das Sternhaus am Hauptplatz von Steyr
Das Sternhaus am Hauptplatz von Steyr


Wie viele andere Gebäude wurde auch das Sternhaus durch den großen Stadtbrand 1727 komplett zerstört und danach mit einer spätbarocken Fassade (1767) wieder aufgebaut. Über den Fenstern des 2.Stocks befinden sich fünf Rundfelder mit Putten, die Gegenstände halten, die als Symbole für die fünf Sinne des Menschen stehen. So symbolisiert die Ambraschale mit Rose den Geruch, die Weintraube den Geschmack, die Mandoline das Gehör, der Spiegel das sehen und die Schlange den Tastsinn.

Sternhaus (Detail)
Sternhaus (Detail)


Am Giebel über dem Mittelerker befindet sich ein Relief, das Johannes den Täufer zeigt.
Die Gebäudeecken werden durch Runderker betont und der Mittelerker endet in einem Aufsatz mit einer Darstellung des „Guten Hirten“, links und rechts davon steht je eine Steinvase.

Das Schuberthaus

Franz Schubert besuchte Steyr drei Mal: 1819, 1823 und 1825. Bei seinem letzten Besuch wohnte er in diesem Gebäude, das sich links vom Sternhaus befindet und sich durch seine schmale Fassade auszeichnet. Zu sehen ist darauf auch eine Gedenktafel, die Schubert zeigt und die 1890 angebracht wurde.

Schuberthaus in Steyr (Foto © Christoph Waghubinger Lewenstein, Wikipaedia)
Schuberthaus in Steyr (Foto © Christoph Waghubinger Lewenstein, Wikipaedia)


In diesem Haus wurde auch das berühmte Forellenquintett bereits 1819 uraufgeführt, das Schubert für Sylvester Paumgartner, den damaligen Besitzer des Hauses komponierte hatte.
Schubert scheint sich in Steyr recht wohl gefühlt zu haben. So sind folgende Worte an seinen Bruder in Wien überliefert: „Die Gegend in und um Steyr ist über alle Begriffe schön. In dem Haus, wo ich wohne, befinden sich acht Mädchen, beinahe alle hübsch. Du siehst, dass ich zu tun habe.“

Das Bürgerhaus besitzt zwei Innenhöfe, der Kern des Gebäudes stammt aus dem 16. Jahrhundert. Vom Stadtplatz aus sieht man die dreigeschoßige, dreiachsige Fassade mit den spätgotischen Steingewändefenstern in den beiden Obergeschossen. Die Gedenktafel von Franz Schubert stammt von Virktor Tilgner.

Das Meditzhaus

Das Haus mit seiner schönen Barockfassade, das nach seinem ehemaligen Besitzer benannt wurde, birgt innere Werte: nämlich einen der schönsten Renaissancehöfe von Steyr. Drei Seiten des Hofes sind mit Arkadengängen und toskanischen Säulen geschmückt. Auch dieses Haus reicht, wie die meisten Handelhäuser bis zum Ennskai. Ihre längliche Form, die man vom Turm der Pfarrkirche sehr gut erkennen kann, war auch der damaligen Steuerberechnung geschuldet, der die Breite der Hausfront zu Grunde gelegt wurde. Außerdem konnten damals die Innenhöfe mit den großen Zufahrten und Durchgängen auch mit Pferdefuhrwerken befahren werden und so die Häuser leichter direkt vom Fluss beliefert werden.

Das Wickhoff-Haus

Das Wickhoff-Haus stammt aus spätgotischer Zeit, in der Renaissance- und in der Barockzeit wurde allerdings die Fassade immer wieder geändert. So wurde auch das zweite Obergeschoß vorgezogen und im Erdgeschoss die Konsolen mit Säulen unterfangen.

Das Haus ist im ältesten Stadtsteuerbuch 1543 als Eigentum des Handelsherren Hanns Schwab verzeichnet, der auch zeitweise als Stadtrichter und als Bürgermeister in Steyr tätig war.
Benannt ist es allerdings nach Franz Wickhoff, dem Begründer der Wiener Schule für Kunstgeschichte, der am 7. Mai 1853 in diesem Haus geboren wurde. Seit 1956 gehört die Liegenschaft der Stadtgemeinde Steyr, die es 1961/62 umbaute und an das benachbarte Rathaus angliederte.

Innerberger Stadel

Geht man vom Hauptplatz Richtung Grünmarkt und Schönauer Brücke kommt man beim Innerberger Stadel vorbei. Leider waren bei meinem Besuch gerade Renovierungsarbeiten der Straße angesagt und somit sind die Bilder nur halb so schön. Aber dafür wieder ein Grund mehr, nochmal Steyr zu besuchen.  Das Gebäude gilt als eines der bedeutendsten Wirtschaftsgebäude der Renaissance und wurde 1612 als Getreidespeicher gebaut. Später diente es als Sitz der Innerberger Eisengewerkschaft. Die Fassade des Hauses ist mit Sgraffiti verziert und das Fresko über dem Mitteltor zeigt die Brüder von Josef in Ägypten wie sie Getreide einkaufen. Im Gebäude selbst ist nun das Stadtmuseum untergebracht zu dessen Ausstellungsstücken unter anderem eine Nagelschmiede und eine vollständig eingerichtete Sensenschmiede mit Originalwerkzeugen aus der Zeit Maria Theresias gehören. Hier kann man auch die heute seltsam anmutenden Verpackungen der Sensenblätter bestaunen: jahrhundertelang wurden bis zu 1200 Sensenblätter in Holzfässern transportiert.

Innerberger Stadel
Innerberger Stadel


Außerdem ist die Sammlung der Lamberg’schen Krippenfiguren mit originalen Kostümen aus der Barock- und Biedermeierzeit zu sehen, wie auch eine reichhaltige Messersammlung, eine Vogelausstellung und eine Waffensammlung.

Detail Innerberger Stadel
Detail Innerberer Stadel


Hier wird auch das „Steyrer Kripperl“ aufbewahrt, ein historisches Stabpuppentheater, das um die Weihnachtszeit noch immer bespielt wird.

Das Neutor

Wenn man den Weg bis zum Innerberger Stadel nicht gescheut hat, kann man gleich durch das Neutor Richtung Schönauer Brücke gehen und die wuchtige Toranlage, die 1573 zum Schutz gegen das Hochwasser nach der Überflutung der Stadt im Jahre 1572 gebaut wurde, betrachten.

Blick auf das Neutor
Blick auf das Neutor


Wenn wir nun wieder über den Grünmarkt zurück zum Stadtplatz wandern, kommen wir auch bei der Marien- oder Dominikanerkirche und ihren zwei vorgelagerten Kapellen vorbei.

Die Marien- oder Dominikanerkirche

Die Marien- oder Dominikanerkirche hat eine wechselvolle Geschichte, die den verschiedenen – auch religiösen – Strömungen über die Jahrhunderte geschuldet ist. 1472 kamen Dominikaner aus Krems nach Steyr, um ein Kloster zu errichten. Sie hatten zwar die Einwilligung des Kaisers, aber der damalige Abt von Garsten war über die Klostergründung nicht gerade begeistert. Doch der Papst persönlich entschied 1478 zu Gunsten der Dominikaner und dem Kloster Garsten wurde ewiges Stillschweigen in dieser Sache aufgetragen.
Im selben Jahr wurde die Kirche auch zu Ehren der „Verkündigung Mariens“ geweiht.

Marien- oder Dominikanerkirche
Marien- oder Dominikanerkirche


1522 wurde sowohl die Kirche wie auch das Klostergebäude durch einen Brand schwer beschädigt und wenige Jahre später, 1543, verließen die Dominikaner schließlich die Stadt, da durch die Steyrer Bevölkerung mehrheitlich mit den Protestanten sympathisierten und so die Almosen immer spärlicher flossen. Daher wurde das Dominikanerkloster erst 1559 wieder aufgebaut und eine protestantische Lateinschule darin untergebracht. 1572 zerstörte das große Hochwasser wieder einen Teil des Gebäudekomplexes, 1625 wurde es nach der Rekatholisierung wieder den Dominikanern übergeben. die auch für ihr heutiges barockes Aussehen sorgten, doch 1785 wurde das Dominikanerkloster durch die Reformen Kaiser Josefs II. aufgehoben, nachdem die Kircheneinrichtung noch in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erneuert worden war. Um 1800 wurde die Kirche sogar als Heustadel benutzt.

Im Inneren der Marienkirche
Im Inneren der Marienkirche


1865 wurde die mehrmals renovierte Kirche dann den Jesuiten übergeben, die in Steyr Seelsorgearbeit leisteten und ein Missionshaus errichteten. Seit 1911 dient das Kloster nun als Jesuitenresidenz, ebenfalls in diesem Jahr wurde im vorderen Trakt das Postamt eingerichtet, der hintere diente zu Wohnzwecken.

In der Marienkirche
In der Marienkirche


Das Innere der Kirche ist hauptsächlich im Rokoko-Stil ausgeführt, es zeigen sich jedoch auch Formen des Früh- und Hochbarocks. Der Hochaltar, der von der Adelsfamilie Riesenfeld gestiftet wurde, zeigt Maria mit dem Jesuskind. Umrahmt werden sie von Heiligen des Dominikanerordens: Hyazinth mit der Monstranz, Dominikus mit dem Kreuz, Thomas von Aquin mit der Sonne auf der Brust und Vinzenz Ferrer mit der Posaune. Unter der Madonna sieht man zwei Engel, die das Familienwappen halten: Den sogenannten „Wilden Mann“ mit rot-silberner Stirnbinde, der einen Baumstrunk in zwei Teile zerreißt.

Die Kanzel in der Marienkirche
Die Kanzel in der Marienkirche


Sehenswert ist auch die Kanzel, die zu den wertvollsten Gegenständen des Gotteshauses zählt. Die Kanzeltür ist mit dem Relief des Guten Hirten verziert und an der Kanzelbrüstung kann man Reliefs mit Heiligen des Predigerordens erkennen: In der Mitte empfängt Dominikus den Rosenkranz, links fährt Raimund von Pennaforte mit seinem Mantel über das Meer von Mallorca nach Barcelona, rechts rettet Hyazinth eine Monstranz und eine Madonnenstatue aus der Stadt Kiew, die von Tataren belagert wird. Am unteren Rand sitzen die vier Evangelisten.

Seitenkapelle in der Marienkirche
Seitenkapelle in der Marienkirche


Die dreijochige und mit einem Kreuzgewölbe versehene Lourdekapelle wurde in den 1920er Jahren errichtet. In ihr befindet sich außer der Lourdesgrotte auch eine Kopie des Kreuzes von Limpias in Spanien.

Blick auf einer der äußeren Kapellen der Marienkirche am Hauptplatz von Steyr
Blick auf einer der äußeren Kapellen der Marienkirche am Hauptplatz von Steyr


Vor der Kirche befinden sich zwei Kapellen, die Christus am Ölberg und die Kreuzigung darstellen.
Weitere Informationen finden Sie unter http://www.pfarre-steyr-marienkirche.dioezese-linz.at

Das Schmollgruber Haus

Schräg vis à vis von der Marienkirche blickt man auf das Schmollgruber-Haus, an dem vorbei die Gasse zur Stadtpfarrkirche führt.
Das Schmollgruber-Haus ist eines der schönsten und markantesten Renaissance-Häuser, in dem nicht nur ein Uhrengeschäft, sondern auch das Eisenuhrenmuseum untergebracht ist. Dass es hier um Uhren geht, wird dem Spaziergänger schon beim vorbei flanieren bewusst.  

Das Schmollgruber Haus
Das Schmollgruber Haus


Im Eisenuhrenmuseum finden Uhrliebhaber viele alte schöne Stücke. Große gotische Turmuhren mit dem knarrenden „Zeitzerhacker“, oder kleinere Pendants , die in Küsten oder Nischen standen und nur einen Zeiger hatten und natürlich die bekannten Eisenuhren aus der Steyrer Produktion, - sie alle haben im liebevoll eingerichteten Museum ihren Platz gefunden.

Die Uhren-Passage im Schmollgruber Haus
Die Uhren-Passage im Schmollgruber Haus


Die ersten Eisenuhren wurden bereits im 15. Jahrhundert hergestellt und noch heute bewundert man den Einfallsreichtum, der in den mechanischen Uhren steckt, ihre komplizierte Mechanik und ihre Schönheit. Sie waren früher nicht nur ein „Zeitmesser“, sondern auch ein Symbol für den Reichtum und den Wohlstand einer Stadt und die Uhren aus Produktionen aus Steyr und Umgebung waren sehr geschätzt. Im Uhrenmuseum findet man Türmeruhren vom Ende des 14. Jahrhunderts, Eisenuhren aus der Barockzeit, Türmeruhren von Steyrer Turmuhrmachern aus der sogenannten „Eisenwurzen“ vom Anfang des 20. Jahrhunderts, sowie eine wasserbetriebene Turmuhr. Sehenswert ist auch die umfangreiche Sammlung der Turmuhren aus dem Barock.

Die Stadtpfarrkirche und das Mesner-Haus

Nachdem wir uns zumindest die Uhren im Durchgang des Schmollgruber-Haus angesehen haben, machen wir uns durch die Pfarrgasse zur Stadtpfarrkirche auf. Die dreischiffige Hallenkirche, auch das Steyrer Münster genannt, wurde von 1443 bis 1522, teilweise nach Plänen von Hans Puchsbaum, dem Leiter der Wiener Dombauhütte erbaut. Auch das ist ein Zeichen für den damaligen Wohlstand der Stadt. Die Kirche ist den Heiligen Ägidius und Koloman geweiht und entstand anstelle der früheren romanischen Kirche. Puchsbaum konnte noch den Rohbau des Chores fertigstellen, dann starb er und Laurenz Spenning übernahm die Einwölbung des Chores und den Bau des Turms, der eigentlich nicht in dieser Form geplant war.

Die Stadtpfarrkirche von Steyr
Die Stadtpfarrkirche von Steyr


Die „Bauwirtschaft“ scheint auch schon in früheren Zeiten anfällig für Korruption gewesen zu sein: auf jeden Fall wurde gegen Mert Kranschach, der seit 1477 am Bau des Langhauses beteiligt war, Anklage wegen Veruntreuung von Geldern erhoben und Wolfgang Tenk, Vorsitzender der Admonter Bauhütte mit dem Weiterbau beauftragt. Doch auch ihn ereilte der Tod und so folgte Hans Schwettichauer 1513 als Verantwortlicher nach. 1522 sorgte dann auch noch starker Wind dafür, dass sich ein Stadtbrand bis zur Kirche ausdehnte und das Dach, die meisten Altäre, Fenster und Gemälde, aber auch den schönen und kunstreichen Predigt Stuhl … zerstörte, wie der Steyrer Chronist Valentin Preuenhueber berichtet.

Stadtpfarrkirche Steyr
Stadtpfarrkirche Steyr


Während der Gegenreformation versuchte man die gotische Kirche dem barocken Geschmack anzupassen, die Benediktinermönche aus Garsten waren für die weitere Entwicklung der Stadtpfarrkirche verantwortlich. 1630 entstand das Stichkappengewölbe im Westteil der Kirche, 1655 das Kirchengestühl und 1688 das Altarbild für den Hochaltar. Als während der Josefinischen Reformen Stift Garsten aufgehoben wurde, übernahmen die Linzer Diözesanpriester die Seelsorge.

Stadtpfarrkirche Steyr
Stadtpfarrkirche Steyr


Adalbert Stifter, vielen als Dichter bekannt, war aber auch als Denkmalpfleger des Landes (Landeskonservator) tätig und sorgte 200 Jahre später für die Regotisierung der Kirche, bei der die barocke Ausstattung weitgehend entfernt wurde. 1876 wurde der Turmhelm durch einen Brand zerstört und so erfolgte nach den Plänen des Wiener Dombaumeisters und Erbauer des Wiener Rathauses Friedrich von Schmidt Bau des heutigen neugotischen Aufsatzes aus Steinquadern.

Stadtpfarrkirche Steyr
Stadtpfarrkirche Steyr


An der westlichen Außenseite der Vorhalle befindet sich ein Kriegerdenkmal des Ersten Weltkriegs von Franz Koppelhuber das am 1933 feierlich enthüllt wurde. 1982 wurde ein Kubus, den Helmut Buric geschaffen hat, aufgestellt und der nun auch an die Opfer des Zweiten Weltkriegs erinnert.

Das Innere der Pfarrkirche

Die Kirche ist dreischiffig gebaut, wobei die Seitenschiffe fast genauso breit sind wie das Hauptschiff, aber sie besitzt kein Querhaus. Das Langhaus ist mit einer spitzen Stichkappentonne überwölbt, die Seitenschiffe mit einem Kreuzgewölbe. Daran schließt der Chor mit seinem reichen Netzrippengewölbe an. Der 80 Meter hohe sechsseitige Nordturm verbindet das Langhaus und den Chor. 1522 wurde der quergelagerte Westbau, der die breite Durchgangshalle aufnimmt, errichtet. Davon führen zwei Eingangstore in den Kirchenraum mit der Orgelempore im Obergeschoss.

Fenster in der Stadtpfarrkirche
Fenster in der Stadtpfarrkirche


Zur Pfarrgasse hin gerichtet liegt die fünfseitige Vorhalle mit Doppelportal und einem netzrippengewölbten Baldachinvorbau. Ein Tympanonrelief aus Aflenzer Kalksandstein, das aus der Zeit um 1526 stammt befindet sich über dem linken Portal und zeigt den Tod und die Krönung Mariens. In den Nischen mit Baldachinen findet man Statuen der Heiligen Agnes, des Heiligen Jakobs und der Heiligen Dorothea, die um 1410 entstanden sind. Sie werden dem Meister von Großlobming zugeschrieben. Die Figur des Heiligen Johannes stammt aus 1900 und wurde von Franz Erlers gefertigt.

Die Fenster

Wer die Kirche betritt, ist sofort von den Glasfenstern fasziniert.

Das Laxenburger Fenster

Viele der ursprünglichen Glasfenster wurden durch den Brand von 1522 zerstört, Reste davon wurden um 1800 für die dortige Kapelle und der Rittergruft im Schloss Laxenburg verwendet. Dabei wurden Scheiben, die nicht gebraucht wurden, wieder zurückgesendet und sind heute im rechten Seitenschiff an der Südwand zu sehen (Laxenburger Fenster).

Fenster in der Stadtpfarrkirche
Fenster in der Stadtpfarrkirche


Das Laxenburger Fenster ist eine Sammlung von Glasgemäldefragmenten vom Beginn der Gotik bis zum Ende des 15. Jahrhunderts und zählt damit zu den ältesten Kunstwerken. Am wertvollsten sind drei um 1300 entstandene Scheiben mit der Darstellung des Herzog Leopolds, des auferstehenden Christus und der Markgräfin Agnes. Diese drei Scheiben stammen ursprünglich aus der Capella Speciosa in Klosterneuburg, gelangten dann Laxenburg und schließlich nach Steyr. Die heutige Zusammenstellung stammt aus 1955.

Das Renaissancefenster

Dieses Fenster wird teilweise auf 1523 datiert und zeigt in der oberen Hälfte den Tod und die Krönung Mariens, in der unteren Hälfte den Heiligen Berthold, die Heilige Katharina, den Heiligen Johannes den Täufer und den Heiligen Wolfgang. Darunter finden sich zwei Scheiben mit Porträts der Stifterfamilie (Wolfgang Püiller) sowie die Wappen des Landes Oberösterreich und der Stadt Steyr.

Stadtpfarrkirche
Stadtpfarrkirche


Teile der Scheiben der Heiligen Katharina und Johannes des Täufers sowie die Stifterporträts sind Originale, der Rest Ergänzungen aus dem späten 19. Jahrhundert. 1889 wurde die heutige Zusammenstellung vom Stadtpfarrer Johann Aichinger veranlasst, 1958 nach der Kriegsbergung restauriert und wieder eingefügt.

Das Lambergfenster

Es stammt aus dem Jahr 1891, wurde von der Familie Lamberg gestiftet und erinnert an die Ermordung von Franz Philipp von Lamberg während der ungarischen Revolution 1848 in Pest. Ursprünglich wurde das Fenster für die Wiener Votivkirche gefertigt. Es nimmt keine Rücksicht auf die Fensterform und wäre auch an anderer Stelle einsetzbar. Das Fenster unterscheidet sich jedoch von den anderen neugotischen Fenstern durch die Konzentration auf Hauptbild (die allegorische Darstellung des Geschehens: ein mit Attributen der Austria versehener Engel bekränzt den Sterbenden) und Aufsatzbild, das den Drachenkampf des Heiligen Georg zeigt.

Stadtpfarrkirche Steyr
Stadtpfarrkirche Steyr


Die restlichen Fenster stammen alle aus dem 19. Jahrhundert.

Der Hauptaltar

Der neugotische Hochaltar, der von Fidelis Schönlaub aus München stammt, wurde 1856 geweiht und bindet das gotische Sakramentshäuschen an der linken Seite der mittleren Apsis mit ein, das mit sechs Türchen mit unterschiedlichen Wirbelmustern ausgestattet ist.

Blick zum Altar in der Stadtpfarrkirche
Blick zum Altar in der Stadtpfarrkirche


Die Orgel

Sie befindet sich auf der Westempore, wurde von Franz Xaver Krismann gebaut und auf ihr hat auch Anton Bruckner gespielt.

In der Stadtpfarrkirche
In der Stadtpfarrkirche


Weiters sehenswert sind das Bild des Heiligen Sebastian von Carl Ritter von Reslfeld und die ebenfalls von ihm stammende Darstellung der Anbetung der Weisen, das Taufbecken mit Relief und reichen Ornamenten, sowie die Sakristeitur aus Nürnberg aus dem Jahre 1470 mit dem Wappen der Stadt Nürnberg und das spätbarocke eiserne Sonnenblumenepitaph, das an die Pockenepidemie 1703 erinnert.

Stadtpfarrkirche Steyr


Pfarre Steyr-Stadtpfarre

4400 Steyr, Brucknerplatz 4
Tel: 043 7252 52059-0
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.stadtpfarre-steyr-kath.at

Die Margaretenkapelle

Neben der Stadtpfarrkirche befindet sich die Kapelle, die bereits um 1430 errichtet sein dürfte. 1437 wird sie auf jeden Fall erstmals in einem Spruchbrief des Herzogs Albrechts V. erwähnt. Obwohl der Baumeister nicht bekannt ist, werden die Pläne für den gotischen Dachreiter auch Hans Puchsbaum zugeschrieben.

Der Anton Bruckner Platz

Wie schon erwähnt hielt sich Anton Bruckner und zwar ab 1884 immer über den Sommer in Steyr auf und wohnte im Alten Pfarrhof, wo er 1886 bis 1894 auch Teile der 8. und 9. Sinfonie komponierte. Er veranlasste auch den Umbau der damaligen Chrismannorgel.

Anton Bruckner Denkmal
Anton Bruckner Denkmal


Kein Wunder also, dass sein Denkmal gegenüber der Kirche, seiner ehemaligen Wirkungsstätte errichtet wurde. Es stammt aus dem Jahr 1898 und war damit das erste Denkmal, das dem Komponisten errichtet wurde. Es ist eine Gemeinschaftsproduktion durch Victor Tilgner, der die Büste fertigte und Fritz Zerritsch, der den Sockel und das übrige Beiwerk schuf.
Da wir schon beim „Denkmal schauen“ sind, gehen wir ein paar Schritte Richtung Schloss weiter und finden das

Werndl Denkmal

Josef Werndl gilt als DER Retter Steyrs. Wie bereits in der Geschichte der Stadt erzählt, übernahm er die Fabrik seines Vaters, erfand gemeinsam  mit seinem Werkmeister Karl Holub das Hinterladergewehr mit Tabernakelverschluss und führte einen Betrieb, der zeitweise 10.000 Menschen Arbeit bot – die größte Waffenfabrik Europas, die nachdem die Auftragslage in der Waffenproduktion abnahm, dann  Dynamos, Bogen- und Glühlampen erzeugte. Werndl errichtete aber auch Arbeitersiedlungen (im Wehrgraben) und galt auch als Gönner und Mäzen der Stadt.

Josef Werndl Denkmal
Josef Werndl Denkmal


Wir gehen jetzt die Handel-Mazzetti-Promenade weiter, um zum Schloss zu gelangen.

Das Waldenserdenkmal

Bevor wir nun zum Schloss kommen, sehen wir uns noch das Waldenserdenkmal von Gerald Brandstötter an, das 1997 errichtet wurde. Die Waldenser waren im 13. und 14. Jahrhundert eine christliche Laienbewegung, Steyr einer der bedeutendsten Waldenserorte Österreich. allerdings wurde die Bewegung von der katholischen Kirche bekämpft, das Waldensertum als ketzerisch eingestuft und daher wurde auch die Stadt mehrmals von der Inquisition heimgesucht.

Waldenserdenkmal
Waldenserdenkmal


1260 wurden hier die ersten Waldenser entdeckt, Inquisitionsgerichte 1311 und 1370 abgehalten, die schwersten Verfolgungen gab es zwischen 1391 und 1398, in denen laut Chronikberichten allein 1397 mehr als 1000 Personen „eingezogen“ wurden. Im selben Jahr wurden auf dem Ketzerfriedhof zwischen 80 und 100 Personen verbrannt. Das Waldenserdenkmal befindet sich am Prof.-Jörg-Reitter-Platz.

Das Schloss Lamberg

Hier findet im Sommer auch das besuchenswerte Musikfestival Steyr statt, das ich 2019 zu einer Vorführung des Musicals Cabarett (mehr darüber am Blog) besucht habe. Aber auch wenn es nicht gerade als Bühne (im Schlossgraben) zur Verfügung steht, sollte man einmal durch den Schlosspark wandern – auch der ist sehenswert und zumindest einen Blick in den Schlosshof werfen.

Im Hof von Schloss Lamberg
Im Hof von Schloss Lamberg


Das Schloss steht auf einem Felsvorsprung zwischen den beiden Flüssen Steyr und Enns, auf dem schon Ende des 10. Jahrhunderts eine Festung, die Styraburg, thronte. Davon ist heutzutage allerdings nur mehr der Bergfried erhalten geblieben, den der Volksmund Römerturm nennt, da er angeblich bereits von den Römern als Stützpunkt errichtet wurde.

Schloss Lamberg
Schloss Lamberg


Im 11. Jahrhundert starb das Geschlecht der Wels-Lambach aus und die Otakare kamen in den Besitz der Burg, die sie zu einer bedeutenden Residenz ausbauen ließen. Es war die Zeit der Ritterturniere und fahrende Sänger brachten damals Neuigkeiten, aber auch Unterhaltung zu den Burgbewohnern. Otakar II. machte die Burg Steyr zu seiner Residenz und übertrug auch den Namen auf seine Güter in der heutigen Steiermark. Erst 1122 bestimmten seine Nachfahren Graz zur Residenz.

Schloss Lamberg

Das Wappen seines Sohnes jedoch – der silberne Panther auf grünen Grund – gehörte ab dieser Zeit nicht nur der Steiermark, sondern auch weiterhin der Stadt Steyr. Otakar IV. schloss mit seinem Blutsverwandten Herzog Leopold V. von Österreich einen Erbvertrag ab, der 1192 nach seinem Tod auch in Kraft trat und damit die Babenberger nicht nur zu den Herren der Burg, sondern auch über die Steiermark, des Traunviertels und der Stadt Steyr machte. Wie in diesen Zeiten üblich, wechselte die Burg mehrfach den Besitzer, gelangte schließlich auch 1278 in den Besitz der Habsburger, bis sie dann 1666 von den Grafen Lamberg übernommen wurde.

Die Arkadenbrücke über den Schlossgraben
Die Arkadenbrücke über den Schlossgraben


Auch in der Geschichte der Burg spielte das große Feuer 1727 eine Rolle: Die Burg brannte nieder und die Grafen errichtete ein repräsentatives Barockschloss, dass Domenico d’Angeli plante und Johann Michael Prunner baute. Er übernahm die dreieckige Gundstruktur der alten Anlage mit dem in der Mitte liegenden Hofareal und fügte dem nördlichen Trakt einen repräsentativen Hallenvorbau mit Stiegenaufgang hinzu. Gegenüber liegt die Schlosskapelle mit reich geschwungener Fassade und Stukkaturen im Inneren. Eine dreischiffige Säulenhalle dient heute als repräsentativer Rahmen für feierliche Veranstaltungen, sie wurde früher als Pferdestall genutzt. Der Osttrakt glänzt mit seinem schönen Portal und dem Chor der Schlosskapelle. Auch die imposante Arkadenbrücke, von der man während der Festivalzeit einen Blick auf die Bühne und den Zuschauerraum im Burggraben werfen kann, stammt aus dieser Zeit. Im Park wurde das große Gartenhaus und die Johann Nepomuk Kapelle errichtet.

Schloss Lamberg
Interessant ist auch, dass ein unterirdischer Verbindungsgang von der Burg zum Haus Enge Nr.16 existierte, der möglicherweise aus dem frühen 14. Jahrhundert stammt. Immerhin war der damalige Pfleger der Burg, Peter Panhalm, auch der Besitzer des Stadthauses gewesen. Zwischen 1564 und 1573 wurde der Gang restauriert, geriet aber in Vergessenheit. Schließlich wurde er 1838 wieder entdeckt und im Zweiten Weltkrieg freigelegt.

Schloss Lamberg, Steyr
Einfälle der Franzosen ab 1800 sowie ein weiterer schwerer Brand 1824 beschädigten das Schloss, darauffolgende starke Regengüsse richteten große Schäden an den neu ausgestatteten Fürstenzimmern an. Bei den anschließenden Renovierungsarbeiten erhielt der Turm sein heutiges Aussehen.

Schloss Lamberg - hier geht's zum Musikfestival
Schloss Lamberg - hier geht's zum Musikfestival


1955 ging das Schloss in den Besitz der Republik Österreich über, was aber zu einem mehrjährigen Rechtsstreit mit Graf Lamberg führte. Erst 1961 einigte man sich mit seiner Tochter auf einen Vergleich: gegen eine Abfindung verzichtete sie auf Rückstellungsansprüche. Seither werden das Schloss und die dazugehörigen Wälder von den Österreichischen Bundesforste betreut und bewirtschaftet.

Schloss Lamberg
Der Zugang zum Schlosshof und zum Schlosspark ist frei, die Schlosskapelle wird als Standesamt von Steyr genutzt, die Schlossbibliothek, die mit ca. 11.400 Büchern zu den größten Adelsbibliotheken Österreichs zählt, kann im Zuge einer Führung besichtigt werden.

Der Schlosshof

Im Schlosshof fallen dem Besucher besonders die „Zwerge“ ins Auge, die Spottfiguren auf verschiedene Stände, Völker, Amtspersonen und Moden sind, wie ihre Inschriften betonen: So z.B.  Hali Nasili Pascha, der Statthalter auf der großen Insel Schmeks im Archipel-ago oder der Wiener Inspektor und Materialverwalter Liendl Schnekenfist. Der Künstler entnahm die Motive dem Augsburger Zwergenbuch von 1716. Diese Darstellungen waren in der zeit des Hochbarocks sehr beliebt.

Im Schlosshof von Schloss Lamberg
Im Schlosshof von Schloss Lamberg


Außerdem findet sich im Schlosshof noch eine barocke Figurengruppe, die die vier Jahreszeiten darstellt, sowie ein Brunnen, der von Johann Maximilian Graf von Lamberg errichtet wurde und in dessen Mitte eine Hundeplastik steht, das Wappentier der Grafen von Lamberg.

Der Schlosspark

Bereits ab 1476 wurde vom späteren Erzbischof von Salzburg, Johannes Beckenschlager, und damaligen Besitzer der Burg, erstmals ein Burggarten angelegt, seine heutige Gestaltung als englischer Landschaftspark erhielt er aber erst im März 1844. Seit Juli 1919 ist der Park öffentlich zugänglich und lädt zum Spazieren gehen, aber auch zum Joggen und Nordic Walken mitten in der Stadt Steyr ein. Auch wer gerne philosophiert kann sich in den Park aufmachen: immerhin sind an mehreren Stellen im Park Tafeln mit Gedichten aufgestellt, über die es sich lohnt nachzudenken. Auch der kleine Teich, der durch vier kunstvolle Rohre gespeist wird, lädt zum Verweilen unter den alten Weiden ein.

Der Schlosspark von Schloss Lamberg
Der Schlosspark von Schloss Lamberg


Wer vom Schloss kommt, wird der Dreifaltigkeitssäule gegenüber der Arkadenbrücke gewahr: sie stammt aus dem Jahr 1714 und stand früher an der Leopold Werndl-Straße. 1974 wurde sie hierher übersiedelt. Besucher des Musikfestivals finden hier vor den jeweiligen Veranstaltungen und in deren Pausen einige Stände mit Erfrischungen und Snacks.

Die Gedichte im Schlosspark
Die Gedichte im Schlosspark


Sollte der Hunger größer sein oder möchten Sie nach der Schlossbesichtigung sich vielleicht mit Kaffee und Kuchen stärken, empfiehlt sich ein Besuch der früheren Orangerie, in der sich nun ein Restaurant befindet. Auch sie wurde bereits 1727 ein Opfer der Flammen, aber dann unter Fürst Franz Arthur von Lamberg als Glashaus wieder aufgebaut.

Schlosspark Schloss Lamberg

Schloss Lamberg
Österreichische Bundesforste
4400 Steyr, Berggasse 2
Tel: 43 2231 600 7440
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.schlosslamberg.at

Wer noch mehr über das Schloss, seine Geschichte und seine Besitzer wissen möchte, kann sich hier den Informationsfolder downloaden.

Wir gehen nun am Schloss links vorbei, nehmen die Wendeltreppe und laufen über den Museumssteg ans andere Ufer der Steyr.

Wendeltreppe und Museumssteg

Die Wendeltreppe bringt uns hinunter ans Ufer der Steyr, wo wir uns entscheiden können entweder unterhalb des Felsen entlang des Flusses am Stollen der Erinnerung vorbei zum Platz Zwischenbrücken und damit in die Altstadt zurückzukehren oder über den Museumssteg ans andere Ufer der Steyr zu gelangen.

Der Museumssteg führt vom Schloss zum Museum Arbeitswelt
Der Museumssteg führt vom Schloss zum Museum Arbeitswelt

Museum Arbeitswelt

Ich habe mich vorerst bei meinem Besuch für Zweiteres entschieden und so konnte ich auch noch einen ganz schnellen Blick ins Museum Arbeitswelt werfen, dessen Besuch sich auf jeden Fall lohnt, wenn man mehr Zeit mitbringen kann.

Museum Arbeitswelt in Steyr
Museum Arbeitswelt in Steyr


Besonders stolz ist man gerade darauf, dass man 2019 – auch für und wegen der derzeit aktuellen Dauerausstellung „Arbeit ist unsichtbar“ – den Museumspreis am 10.10.2019 erhält. Ich kann nur sagen: Sehr verdient und dass obwohl ich nur einen kurzen Blick auf die Ausstellung werfen konnte und will mich doch gleich der Begründung der Jury anschließen:
„Die Erzählung der neuen Dauerausstellung holt die Besucher/innen in ihrer eigenen Zeit ab und zeigt ihnen andere, fremde Welten, zeitlich oder örtlich entfernt, damit sie sich in ihrer eigenen Gegenwart mit kritischem Hinterfragen besser zurecht finden und sich wissender einordnen können. Die Ausstellung ist multiperspektivisch, erfreulich modern gestaltet, multisensorisch, aktivierend und partizipativ!“

Blick in die Ausstellung im Museum Arbeitswelt
Blick in die Ausstellung im Museum Arbeitswelt


Die Ausstellung zeigt die Arbeit einst und jetzt, die Veränderungen der letzten 150 Jahre, Vergangenheit und Zukunft. Sie zeigt was an Arbeit sichtbar ist, wie Gebäude, Werkzeuge oder die arbeitenden Menschen, widmet sich aber auch dem Unsichtbaren: wie sich die Menschen wegen der Arbeit fühlen oder wozu sie sich gezwungen fühlen.

Blick in die Ausstellung im Arbeitsmuseum
Blick in die Ausstellung im Arbeitsmuseum


Sie lädt zum Nachdenken, zum Reflektieren ein, zeigt die Errungenschaften, aber auch worauf wir uns vielleicht in Zukunft einstellen müssen. Was wird uns im digitalen Zeitalter alles erwarten? Der Blick zurück soll helfen neue Strategien für die Zukunft zu entwickeln und der Blick in die Zukunft soll helfen uns der Grenzen bewusst zu werden.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung


Die Besucher erwarten Geschichten über Eigensinn, Widerstand, Kooperation und Motivation, Zusammenhalt, Identität, stolz, Stress, Angst, Ohnmacht.
Das Museum Arbeitswelt ist Dienstag bis Sonntag von 9:00 bis 17:00 Uhr geöffnet.

Im Museum Arbeitswelt
Im Museum Arbeitswelt

Museum Arbeitswelt
4400 Steyr, Wehrgrabengasse 7
Tel: +43 7252 77351-0
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.museum-steyr.at

Zum Museum Arbeitswelt gehört auch der Stollen der Erinnerung über dessen Besuch Sie am Blog einen Bericht finden.

Der Wehrgraben

Durch den Wehrgraben geht’s am Campus Steyr vorbei durch den ehemaligen Wehrgraben. Dieser Teil von Steyr war bereits im 12 Jahrhundert von Handwerkern besiedelt, die die Wasserkraft des Flusses nutzten. Eine Wehranlage sorgte für die Antriebskraft der Wasserräder, die wiederum für den wirtschaftlichen Erfolg der Handwerksbetriebe gebraucht wurden. Hier liegt der Geburtsort der wirtschaftlichen, aber auch sozialen Entwicklung der Stadt.

Wehrgraben
Wehrgraben


Hier entstand im 19. Jahrhundert eine typische Industrielandschaft mit einer Arbeitersiedlung, die die vielen Menschen aufnahm, die nach Steyr kamen, um in Werndls Waffenfabrik, einem der größten Industrieunternehmen der Monarchie zu arbeiten. Ich bin diesen Weg bei einer Nachtwächterführung mit unserer Nachtwächterin entlang gegangen. Ein bisschen schwummerig wird einem schon, wenn man durch enge Gassen Richtung Bürgerspital wandert. Tagsüber sieht das aber sicher wieder ganz anders aus.

Messererhaus

Wir laufen jedenfalls die Fabriksgasse und die Badgasse entlang und kommen zum Messererhaus in der Kirchengasse 1. Es ist ein schmales Haus mit wunderbarer Sgraffitomalerei aus dem 16. Jahrhundert und ist mir schon am Vortag bei meinem Rundgang aufgefallen. Hier war der Sitz der Messererzunft, die eine der größten und wichtigsten Handwerksverbände in Steyr.

Das Messererhaus

Der Rote Brunnen und das Lebzelterhaus

Hier im Zentrum des Stadtteils Steyrdorf, am Ende der Kirchengasse, befindet sich ein kleiner Platz auf dem sich der Rote Brunnen befindet, der als einer der schönsten der Stadt gilt. Früher hatte er ein Kupferdach, das dem Brunnen auch seinen Namen gab. Der Brunnen mit seiner kleinen zierlichen Marienstatue aus dem 18. Jahrhundert war früher sehr wichtig für die Bewohner: hier konnten sie früher ihr Wasser holen und ihre Wäsche waschen.

Das Rote Brunnen und das Lebzelterhaus

Gegenüber dem Brunnen befindet sich das um 1600 erbaute Lebzelterhaus, in dem bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts Lebzelten, Wachskerzen und Met hergestellt wurden. Heute kann man im Café im Lebzelterhaus seinen Rundgang durch die Stadt unterbrechen und eine Pause machen.

Dunklhof

Es war reiner Zufall, dass ich in diesen Hof hineinblickte, lassen Sie sich das aber nicht entgehen. Der Hof des Hauses in der Kirchengasse 16 gilt als der stimmungsvollste und schönste der ganzen Stadt. Romantisch ist er auf jeden Fall. Das Wohnhaus aus dem 15. Jahrhundert war früher Sitz der niederen Gerichtsbarkeit und ist der älteste Teil des Gebäudekomplexes. Ich bin durch ein Schild in der Hauseinfahrt, das auf eine Keramikwerkstätte hinweist aufmerksam geworden.

Blick in den Dunklhof
Blick in den Dunklhof


Nach der Hauseinfahrt, an der Westseite des Hofes erstreckt sich der erste Teil des Arkadenganges aus dem 16. Jahrhundert, der mit reich verzierten Säulen und Eckpfeilern mit Maßwerkornamentik ausgestattet ist. Ein weiterer Arkadengang im Stil der Renaissance mit eleganten Rundsäulen befindet sich an der Nordseite. Die Lyrikerin und Romanschriftstellerin Dora Dunkl hat in diesem Haus gelebt.

Das Weihnachtsmuseum im Bürgerspital

Am Messererhaus vorbei sehen wir auf der einen Seite den Erzengel Michael und auf der anderen das Weihnachtsmuseum, das bei meinem Besuch im Sommer allerdings nicht geöffnet war. Es ist nicht nur das erste Weihnachtsmuseum Österreichs, sondern es bietet auch eine Sammlung von 14.000 Stück antiken Christbaumschmuck von 1830 bis 1945 aus der Sammlung Elfriede Kreuzberger sowie 200 Stubenpuppen. Außerdem kann man mit der Erlebnisbahn über drei Etagen bis in die Engerlswerkstatt, in der hunderte Engerl gerade Vorbereitungen für Weihnachten treffen, fahren, es gibt kleine Geschenke zu kaufen und auch einen Christkindlpunsch im Museumsshop. Untergebracht sind ist das Weihnachtsmuseum im ehemaligen Bürgerspital.
An den Adventwochenenden kommt auch das Steyrer Christkindl zu Besuch im Weihnachtsmuseum vorbei. Führungen im Weihnachtsmuseum sind ganzjährig gegen Voranmeldung im Tourismusverband Steyr möglich, die Bahnfahrten im Museum sind nur während der Winteröffnungszeiten möglich.

Das Weihnachtsmuseum
Das Weihnachtsmuseum


Das Weihnachtsmuseum ist vom 22.11.2019 bis 6.1.2020 täglich von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Am 24. und 31.12. ist das Museum von 9:00 bis 15:00 Uhr und am 1.1. von 13:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Bitte checken Sie aber die Öffnungszeiten sicherheitshalber auf der Website.

1.Österreichisches Weihnachtsmuseum
4400 Steyr, Michaelerplatz 2
Tel: +43 7252 80659
www.christbaumschmuck.expert

Die Bürgerspitalskirche und das Bürgerspital

Der schmale gotische Turm neben dem Bürgerspital gehört zur Bürgerspitalskirche, deren erste Nennung bereits im 12. Jahrhundert erfolgte und als erstes Krankenhaus, Altersheim und Siechenheim der Stadt diente. Damit gehört das Gebäude, das angeblich die Johannitern errichtet haben, zu den ältesten der Stadt. Finanziert wurde der Betrieb Anfang des 14. Jahrhunderts von der Königin Elisabeth, der damals die Burgherrschaft Steyr gehörte, später stifteten vermögende Bürger neben Gütern unter anderem auch Weinberge. Wie in der Chronik berichtet wird wurde in einem kellerartigen Raum unter der Spitalskirche der überschüssige „Spitalwein“ ausgeschenkt. Die Fürsorgeanstalt unterstand dem Magistrat.

Das Bürgerspital mit der Bürgerspitalskirche
Das Bürgerspital mit der Bürgerspitalskirche


Sehenswert ist vor allem die Eingangshalle, wo ein Kruzifix aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und drei Marmorsäulen den Raum schmücken, der wohl bis zum Ende des Mittelalters sakralen Zwecken gedient zu haben scheint.

Bürgerspital und Michaelerkirche
Bürgerspital und Michaelerkirche


Die Spitalskirche wurde um 1500 zweischiffig erbaut und von 1632 bis 1647 auch von den Jesuiten für Gottesdienste benutzt. 1785/86 wurde sie zum heutigen Vorstadtpfarrhof umgebaut. Größere Umbauten wurden im Bürgerspital im 16. Jahrhundert und im Jahr 1761 durchgeführt. Die Hauskapelle zeigt einen unregelmäßigen Grundriss, das Kreuzgewölbe ruht auf vier toskanischen Säulen. Sehenswert sind auch die mit einer Holzdecke undzwei Holzsäulen versehene „Gmoanstuba“.

Der Erzengel Michael

Die kleine zierliche Statue zeigt den Erzengel Michael, der vis à vis des Bürgerspitals bei der gleichnamigen Kirche steht. Es zeigt den Erzengel mit seinen Symbolen der Welt und seinem feurigen Schwert.

Erzengel Michael
Erzengel Michael

Die Michaelerkirche

Wenn man vom Stadtplatz kommt und über Zwischenbrücken bei der Steyrbrücke beim Zusammenfluss von Steyr und Enns auf das andere Ufer blickt, kann man sie in ihrer ganzen Pracht erkennen: Die Michaelerkirche, die zwischen 1635 und 1677 im barocken Stil erbaut wurde. Mit dem Turm der Spitalskirche sieht es von einem bestimmten Winkel fast aus, als ob die Kirche mit drei Türmen ausgestattet wäre.  Doch wenn man näher kommt, merkt man den Irrtum und kann auch gleich das wunderbare Fresko am Giebel zwischen den beiden Türmen bewundern, dass den Heiligen Michael mit den gefallenen Engeln zeigt.

Michaelerkirche und Bürgerspital
Michaelerkirche und Bürgerspital


Die Michaelerkirche gehörte zu einer der drei barocken Klosteranlagen die in dieser Zeit in Steyr, das bis dato eher ein Zentrum des evangelischen Glaubens gewesen war, entstanden. 1551 hatte der spätere Kaiser Ferdinand I. die Jesuiten nach Österreich geholt, die in Steyr durch den Burggrafen Siegismund von Lamberg und dem Abt von Garsten tatkräftige Unterstützung erhielten und in Steyr auch eine Residenz gründeten. 1630 verlangte der Kaiser von der Stadt Steyr elf Häuser in der Nähe des Bürgerspitals den Jesuiten zum Bau einer Kirche mit Kollegium zu überlassen, die schließlich dann 1648 eingeweiht wurde. 1677 war der Bau der Türme abgeschlossen und nach Vollendung der Kirche begannen die Jesuiten den Bau eines sechsklassigen Gymnasiums, das nach  zwei Jahren den Unterricht aufnehmen konnte.

Über dem Eingangsportal befindet sich die Inschrift „Hic Deum adora“ (hier bete Gott an). In der Nische darüber sieht man die Gottesmutter mit dem Jesuskind, die von den Aposteln Petrus und Paulus flankiert wird. Das Wappen der Fürsten von Eggenberg ist an der obersten Stelle des Portals zu sehen.

Von 1766 bis 1770 wurden die beiden Türme der Kirche erhöht – zu dieser Zeit entstand auch das Fresko am Giebel von Franz Xaver Gürtler, der auch das Bild des Hochaltars schuf.
Bis zur Aufhebung des Jesuitenordens 1773 fungierte die Kirche als Kollegskirche, dann verwaiste sie, erst 1785 entstand dann die Vorstadtpfarre mit der Kirche zum Heiligen Erzengel Michael. Die gegenüberliegende gotische Spitalskirche wurde profaniert und zu einem Pfarr- und Wohnhaus umgebaut.

Im Inneren der Michaelerkirche
Im Inneren der Michaelerkirche


Die Bauweise der Kirche zeigt ein einschiffiges, vierjochiges Langhaus mit angesetzten Kapellennischen und Stichkappentonnengewölbe auf Gurten, das nach Nordsüd ausgerichtet ist. Die dreiachsige Orgelempore ruht auf einem Kreuzgratgewölbe und in den drei anschließenden Jochen sind die Seitenkapellen mit Tonnengewölbe angeordnet, deren reich gestaltete schmiedeeiserne Spiralgitter in das Ende des 17. Jahrhunderts datiert werden können. An allen Gewölben kann man reiche Stuckverzierungen erkennen, die allerdings bei vorangegangenen Restaurierungen mehrmals übermalt wurden. Bei der letzten großen Restaurierung der Kirche im Jahre 1989 versuchte man das ursprüngliche Aussehen wieder herzustellen. Außerdem konnte man Fresken aus der Bauzeit der Kirche freilegen, die die vier Erzengel Michael, Gabriel, Raphael und Uriel zeigen.
An der linken Seite ist eine größere Kapelle angebaut, die dem Heiligen Franz Xaver geweiht ist.

Im Inneren

Die Ausstattung im Inneren der Kirche stammt aus der Zeit von 1763 bis 1771 und ist vom Stil des späten Barock und Klassizismus gekennzeichnet.
Das Altarbild stammt – wie schon erwähnt – von Franz Xaver Gürtler aus dem Jahr 1769 und zeigt den Erzengel Michael als Sieger über Luzifer. Rechts davon befindet sich eine Statue des Erzengels Raphael mit Tobias, links ein Schutzengel. Das Tabernakel schuf Richard Jordan.

Im Inneren der Michaelerkirche
Im Inneren der Michaelerkirche


Kanzel und Orgel gelten als die wertvollsten Ausstattungsgegenstände der Kirche. Die Kanzel stammt aus dem Jahre 1770 und wurde von der Fürstenfamilie Lamberg gespendet, wie man an ihrem Wappen am Schalldeckel erkennen kann.

Im Inneren der Michaelerkirche
Im Inneren der Michaelerkirche


Die Orgel wurde von Johann Ignaz Egedacher 1707 gebaut und stammt eigentlich aus der Garstner Stiftskirche. Sie wurde aber nach der Aufhebung des Klosters im Zuge der Josephinischen Reformen in die Michaelerkirche übersiedelt. 1780 wurde sie erstmals renoviert und auch erweitert.

Im Inneren der Marienkirche
Im Inneren der Marienkirche


Das ehemalige Kloster der Jesuiten rechts neben der Kirche wird heute noch als Bundesrealgymnasium genutzt.

Taborturm

Von hier aus – oder besser auch noch ein paar Schritte weiter auf die Steyrbrücke - erblickt man den Taborturm, erbaut im 15. Jhdt. Zu diesem schönen Aussichtsplatz führt eine Stiege mit 243 Stufen. Dieser Turm war ursprünglich ein Teil der Stadtbefestigung und später ein Feuerwachturm. In der Zeit als es in den Häusern nur offenes Feuer und Licht gab, war dies auch bitter notwendig und wie wir bereits erfahren haben, zerstörten große Feuer mehrmals die Stadt. Daher gab es in Steyr vier Nacht- und zwei Feuerwächter, die es aber dennoch nicht schafften, die Brandkatastrophen zu verhindern: Der größte Brand passierte 1727 als in der Vorstadt in einer Färberei ein Brand ausbrach, sich über eine Holzbrücke bis in die Stadt verteilte und dabei große Teile der Styraburg und der Altstadt zerstörte.

Blick auf den Taborturm
Blick auf den Taborturm


Daher war auch bis 1812 das Rauchen innerhalb der Stadtmauern strengstens verboten. Wer dagegen verstieß musste für 24 Stunden in den Arrest.
Nun sind wir wieder zurück an der Steyr und gehen über die Zwischenbrücken wieder zurück zum Hauptplatz.

Der Ennskai

In Steyr kann man sowohl an der Enns als auch an der Steyr entlang spazieren. Beides empfiehlt sich. Wenn Sie die Enns wählen, sollten Sie auch einen Blick auf die Häuser werfen. Manche davon reichen vom Hauptplatz bis zum Ennskai und man kann die Durchgänge nützen.

Blick zum Ennskai
Blick zum Ennskai


Diese Bauweise war der damaligen Steuerberechnung geschuldet, die die Steuer anhand der Breite der Fassade berechnete. Die Länge beziehungsweise Tiefe wurde nicht berücksichtigt und so wurde eben eher „in die Länge“ gebaut. Ein anderer Grund war aber auch der Transportweg Fluss. Die Güter kamen mit Schiff oder Floss auf der Enns an und konnten so gleich ins Haus gebracht werden.

Die Enns

Sie war bereits vor vielen Jahrhunderten ein wichtiger Transportweg, vor allem für das Eisen in der Gegend. Der Transport mit dem Floß, später mit den Zillen, war auf dem Fluss mit seiner reißenden Strömung sehr gefährlich, da man seinen Lauf auch sehr genau wegen der vielen Felsklippen kennen musste. Ganz unglaublich mutet heute die Bestimmung an, dass die Flößer Nichtschwimmer sein mussten. So versuchten die Arbeitgeber zu verhindern, dass die Flößer bei Gefahr nicht leichtfertig die wertvolle Fracht aufgeben und mit einem Sprung ins Wasser ihr Leben retten würden.

Blick auf die Enns
Blick auf die Enns


Die Enns sorgte auch immer wieder für große Schäden, wenn sie Hochwasser führte. Als größte Überschwemmung im Laufe der Geschichte gilt jene des Jahres 1572 als das Wasser sogar den Stadtplatz überschwemmte und so viele Häuser und Teile der Stadtbefestigung zum Einsturz brachte.

Der Zusammenfluss von Enns und Steyr und der Wasserturm

Wer Steyr besucht, kommt auch an dieser Stelle – am Zusammenfluss der Enns und der kleineren Steyr, die der Stadt auch seinen Namen gab – nicht vorbei. Hier tummeln sich allerlei Enten im Wasser und Vögel nehmen hier im Sommer ein erfrischendes Bad. Das Wasser rauscht und grummelt.

Zusammenfluß von Enns und Steyr
Zusammenfluß von Enns und Steyr


Den besten Blick hat man von der Plattform beim Wasserturm, einem gelb gestrichenen Gebäude aus dem Jahre 1572, dessen Pumpwerk in früheren Jahren als technisches Wunderwerk galt. Er versorgte früher die Brunnen und die Hauser am oberen und unteren Stadtplatz mit Wasser. Allerdings begann er sich später zu neigen und wurde daher 1909 aus Sicherheitsgründen um ein Drittel gekürzt.

Zwischenbrücken

Am Ende der Innenstadt liegt dieser kleine Platz zwischen der Enns- und der Steyrbrücke. Im 19. Jahrhundert war der Platz noch von zwei mächtigen Stadttoren begrenzt. Heute biegt man bei seinem Rundgang hier zum Schloss Lamberg ab und geht durch einen wunderschönen gotischen Torbogen, der die beiden Habsburger Friedrich III. und seinen Sohn Maximilian – beide als Ritter- zeigt. An der Hauswand des Gebäudes auf der linken Seite kann man diese wichtigen Persönlichkeiten im Kaisergewand sehen.

Blick von Zwischenbrücken auf die Marienkirche
Blick von Zwischenbrücken auf die Marienkirche


Das letzte Haus des Platzes vor der Brücke auf der rechten Seite sollte ebenfalls beachtet werden und dies nicht nur wegen seiner schönen barocken Fassade. In diesem Gebäude, in dem sich nun im Erdgeschoss die Löwenapotheke befindet wurde 1800 ein Waffenstillstand geschlossen, der später zum Friedensvertrag zwischen Österreich und Frankreich führte.

Ehemalige Sparkasse

Hier sind man wieder wo das Geld wohnt – damals wie heute. Es ist ein mächtiges Haus, das hier am Stadtplatz thront. Repräsentation war schon in früheren Jahren notwendig und so baute sich die Sparkasse 1898 ein dreistöckiges Gebäude mit neun Achsen im neugotischen Stil. 1900 wurde es fertig gestellt.

Ehemalige Sparkasse mit dem Leopoldibrunnen
Ehemalige Sparkasse mit dem Leopoldibrunnen


Im ersten Obergeschoss kann man die gekoppelten Spitzbogenfenster, die auch mit Eisen vergittert sind erkennen, das Spitzbogenfries mit seinem darüber sitzenden Zwerchgiebel weist auf die damalige Funktion des Hauses hin: Sparcassa. Leider habe ich es verabsäumt mir auch den Innenhof anzusehen, der nun über dem Erdgeschoss überdacht ist.

Das Nothaft-Haus

Ins Nothaft-Haus bin ich eigentlich nur durch Zufall hineingestolpert. Hätte ich die Inschrift über dem Torbogen nicht gesehen, dann wüsste ich gar nicht, dass ich dort war. Wer es mit mehr Aufmerksamkeit besichtigen möchte, muss also in die Enge Gasse Nr. 31.
Auch den Namen habe ich falsch interpretiert: das Haus hat weder etwas mit Not noch mit Haft zu tun, es heißt so, da es sich seit 1847 im Besitz der Familie Nothaft befindet. Allerdings weist das Gebäude eine viel längere Geschichte auf. So beherbergte es nicht nur ein Warenhaus, sondern auch eine Gastwirtschaft und seine Besitzer waren reiche und anerkannte Bürger der Stadt wie ein reicher Nürnberger Tuchhändler, oder einem Ratsbürger, der mit einer Augsburgerin verheiratet war und deren Sohn sogar mit Venedig handelte. Außerdem war er auch noch einige Jahre Stadtrichter.  Aber auch ein Seidenstrumpfwirker und mehrere Gastwirte, von denen ebenfalls einer das Amt des Stadtrichters inne hatte, zählten zu den Besitzern.

Nothaft-Haus

Auf der Enns zugewandten Seite findet sich ein schöner Erker über einem Rundbogentor, den fünf Wappenfelder aus Stein zieren. Wahrscheinlich waren diese früher bemalt. Der hintere Trakt stammt wahrscheinlich aus der Zeit der Renaissance und wurde vermutlich nach der Zerstörung durch das Hochwasser 1572 neu gestaltet. Aber auch die großen Brände von 1727 und 1824 zogen das Haus in Mitleidenschaft. Dennoch blieb das Hauptportal aus gotischer Zeit, die Spitzbogenfenster und ein renoviertes Maßwerkfriesband über dem Erdgeschoß aus der Gotik erhalten. Im Hof finden sich auch noch spätgotische Türgewände.

Vom Hauptplatz durch einen Durchgang gelangt man zum Ennssteig, der über die Enns ans andere Ufer führt. Findet man beim Schloss oder in der Innenstadt keinen Parkplatz oder kommt man mit dem Zug an, kommt man von hier aus bequem in die Innenstadt (Parkhaus inklusive).

Der Ennssteg

Obwohl der Ennssteg auf architektonische Preise und Anerkennung verweisen kann, war seine Umsetzung aus wetterfestem Stahl nicht unumstritten, da die Außenschicht durch die Verwitterung warme Braun- und Rottöne zeigt, die von vielen mit simplen „verostet“ bezeichnet werden.

Blick auf den Ennssteg
Blick auf den Ennssteg


Die 106 Meter lange Brücke reduziert sich auf ein Hohlkastenprofil und eine Stahlbetonstütze, dazu kommt ein 114 cm hohes Tragwerk, das sich scheinbar mühelos von Ufer zu Ufer spannt. Da der Steg die Verbindung zwischen denkmalgeschützter Altstadt, neuer Tiefgarage und dem östlichem Stadtteil mit dem Bahnhof darstellt musste er auch viele Auflagen des Denkmalschutzes erfüllen. Mir jedenfalls gefällt die schlanke Lösung die auch einen schönen Ausblick über die Enns und Teile der Stadt bietet.

Wer noch mehr über Steyr erfahren möchte, sollte unbedingt eine Stadtwächter-Führung mitmachen. (Meine Eindrücke davon hier am Blog) und auf jeden Fall bei der Tourismusinformation vorbeischauen, wo man auch einiges an Informationsmaterial, wie einen Stadtplan erhält, aber auch gleich Führungen und weitere Veranstaltungen buchen kann:

Tourismusverband Steyr
4402 Steyr, Stadtplatz 27
Tel: +43 7252 53 229-0
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.steyr.info

Auch die Website des Tourismusverbandes bietet viele Anregungen und Veranstaltungstipps. Auf askEnrico erzähle ich auch noch von meinem Aufenthalt im Christkindlwirt und wie es mir im Jedermann’s geschmeckt hat. Am Blog gibt es noch einiges über den Stollen der Erinnerung und die Aufführung von Cabaret und über die Nachtwächterführung zu lesen. Einfach klicken …

Hier noch ein paar Impressionen aus Steyr: