Der kleine Ort liegt etwa 17 Kilometer von Trnava und 60 Kilometer von der Hauptstadt Bratislava entfernt und beeindruckt den Besucher zu aller erst durch sein Schloss…

Doch hier am Fuße der Kleinen Karpaten sollte man nicht nur das Schloss besichtigen, auch das Museum Molpír, die Höhle Driny, der Wasserfall Hlboča, die herrlichen Weine und die Honigweinproduktion sollte man nicht unbesucht lassen.

Schloss Smolenice (Foto © Anton Chrvala)
Schloss Smolenice (Foto © Anton Chrvala)

Die Geschichte des Ortes und der Burg

Die Vergangenheit des Ortes und seiner Umgebung ist eng mit der Burg bzw. dem Schloss Smolenice verflochten, obwohl das Gebiet bereits seit dem 6. Jahrhundert vor Christi besiedelt wurde. Ursprünglich erstreckte sich die Gemeinde mit den sogenannten „Gemeindebergen“ nördlich der damaligen Burg. Stein, Holz, Kalk waren wichtige Einnahmequellen.

Blick auf den Turm von Schloss Smolenice
Blick auf den Turm von Schloss Smolenice


Smolenice wurde 1256 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Die Herrscher über das Gebiet und die Burg wechselten in der Vergangenheit des Öfteren: verschiedene Adelsfamilien lebten hier als Pächter oder Besitzer. Bekannt ist unter anderem die Schenkung von  König Sigmund 1388 an Ctibor von Ctiborice und 1438 erlangte Graf Georg von Pezinok und St. Jur die Herrschaft. Mit dem Bau der ursprünglichen Burg erlangte die Bedeutung von Smolenice einen weiteren Aufschwung. Diese hatte im 14. Jahrhundert die Aufgabe die Grenzpässe in den Karpaten zu schützen, außerdem lag die Burg am sogenannten böhmischen Weg, einem Handelsweg vom Prag nach Sachsen.

Blick auf die Burg Smolenice (Detail)
Blick auf die Burg Smolenice (Detail)


Im 15. Jahrhundert wurde das Schloss anstelle der Burg gebaut, das im 16. Jahrhundert in den Besitz der Orszagh Familie kam, bevor 1777 Johann Pálffy das Gut als Pfand übernimmt. Allerdings wird das Schloss nicht von ihm bewohnt, da es zur Zeit seines letzten Besitzers Christoph III., dem letzten männlichen Nachkommen der Edödys aus Geldmangel mehr und mehr dem Verfall preisgegeben war. Während der Napoleonischen Kriege vernichtet eine Feuersbrunst auch noch das Hauptgebäude des Schlosses und den Turm, nachdem sie bereits während des Rakoczy Aufstandes schwer gelitten hatte.

Blick auf die Burg Smolenice (Detail)
Blick auf die Burg Smolenice (Detail)


1877 wurden die Festungsmauern und die Basteien wiederaufgebaut, die alten Basteien erhöht und überdacht. Die Pálffys beauftragten den Architekten Josef Hubert, der auch das Schloss Bojnice errichtete, mit den Planungen, die Arbeiten wurden von Pavol Reiter aus Bayern überwacht. Handwerksmeister aus Italien, Deutschland, Österreich und Ungarn waren ebenso am Wiederaufbau beteiligt wie 60 Arbeiter aus Smolenice. Manche Quellen sprechen davon, dass die Burg Kreuzenstein bei Wien als Modell für das Schloss Pate stand, andere sehen die Vorbilder für das Schloss in den französischen Schlössern an der Loire. Das Schloss Smolenice ist das jüngste und gilt als das schönste Juwel der westlichen Slowakei. Das Hauptgebäude hat zwei Flügel und einen Turm und ist aus Stahlbeton.

Blick auf die Burg Smolenice (Detail)
Blick auf die Burg Smolenice (Detail)


Der Erste Weltkrieg unterbrach die Rekonstruktion: einige Räume wurden provisorisch adaptiert um die Archive der Familie Pálffy aufnehmen zu können. Die Renovierung war noch nicht beendet als der Zweite Weltkrieg ausbrach, während dessen das Schloss im Frühling 1945 beschädigt wurde. Im gleichen Jahr wurde es dann auch verstaatlicht und vom Slowakischen Nationalrat übernommen, der seine Sommerresidenz im Schloss einrichtete und es auch vollständig renovierte. 1953 wurde es der Slowakischen Akademie der Wissenschaften übergeben. Mit dem Bau des neuen Eingangsbereiches im Jahre 1971-73 erhielt es sein heutiges Aussehen.

Burg Smolenice
Burg Smolenice


Heute dient das Schloss als Konferenzzentrum und ist der Öffentlichkeit nur bei besonderen Veranstaltungen und in den Monaten Juli und August zugänglich.

Burg Smolenice
Burg Smolenice


Wir haben es während eines Mittelalter-Weihnachtsmarktes im Dezember 2018 besucht. Allein im Hof des Schlosses herumzuspazieren macht ausgesprochen Spaß. So konnten wir – vom Wind geschützt – die Angebote der verschiedenen Standeln betrachten, aber auch Köstlichkeiten wie einen ausgezeichneten Punsch probieren.

Am Weihnachtsmarkt im Hof der Burg Smolenice
Am Weihnachtsmarkt im Hof der Burg Smolenice


Natürlich haben wir auch andere Spezialitäten der lokalen Küche gesehen (aber ausnahmsweise diesmal nicht probiert) wie Lokše, diesen wunderbaren geräucherten Käse, der auch gebraten werden kann und auch die Käsezöpfe.

Hier wird Käse gebraten beim Weihnachtsmarkt
Hier wird Käse gebraten beim Weihnachtsmarkt


Außerdem gab es Holzschwerter (die braucht man eben als Ritter) aber auch Silberringe für die Burgfräuleins, Metwein und vieles mehr.

Meine Kollegin weiß sich zu verteidigen
Meine Kollegin weiß sich zu verteidigen


Wir konnten den Handwerkern über die Schulter schauen und das handbetriebene Holzringelspiel hat nicht nur die kleinsten Besucher beeindruckt, sondern auch uns.

Am Weihnachtsmarkt konnte man den Handwerkern über die Schulter schauen
Am Weihnachtsmarkt konnte man den Handwerkern über die Schulter schauen


Wenn Sie die Gelegenheit haben das Schloss zu besichtigen, sollten Sie diese nutzen. Wir haben uns bei unserem Besuch auf der Suche nach einer Toilette ein wenig „verirrt“ und bekamen so einfach zufällig einen Raum zu sehen – toll. Manche Autoren schwärmen auch von den herrlich eingerichteten Repräsentationsräumen, wie dem roten und blauen Salon, dem goldenen Zimmer oder der Schlossbibliothek.

Für die Kinder gab es ein ganz besonderes Karussel
Für die Kinder gab es ein ganz besonderes Karussel


Auch die Aussicht vom dreistöckigen Turm über die ganze Umgebung von Smolenice und natürlich über den englischen Park, der zum Schloss gehört muss traumhaft sein. In der Galerie im Aussichtsturm zeigen Fotos das Alltagsleben der Grafenfamilie, aber es gibt auch Bilder vom Bau des Schlosses während der Pálffy-Ära. In Smolenice befindet sich – am Ortsfriedhof – die Familiengruft der Pálffys.

Auch die Kulinarik war am Weihnachtsmarkt vertreten
Auch die Kulinarik war am Weihnachtsmarkt vertreten


Vor allem Josef Pálffy war für die Gemeinde sehr wichtig: Der gelehrte Ökonom gründete Fischereien, Sägewerke, Höfe, Bennereien und widmete sich auch der Pferdehaltung. Auch eine Chemiefabrik, später Chemolak, wurde von ihm gegründet. Auf der Kapelle der Heiligen Vendelin beim Familiengrab findet sich folgende Inschrift an der Fassade: „Zur ewigen Ruhe für mich und für unsere. Josef Pálfi Graf von Erdöd.“ Inmitten seiner ehemaligen Untertanen ist hier Josef Pálffy, seine Eltern, sein Sohn und zwei Schwestern begraben.

Hier wurde der Punsch gekocht
Hier wurde der Punsch gekocht


Das Schloss ist im Juli und August täglich 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Ich empfehle jedoch bezüglich der Öffnungszeiten sicherheitshalber vor dem Besuch im Schloss oder beim Tourismusbüro in Trnava nachzufragen, die Mitarbeiter sprechen Deutsch, Englisch und Slowakisch (Tel: +421 33 3236 440 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Begrüßung beim Schloss Smolenice
Begrüßung beim Schloss Smolenice

Schloss Smolenice
919 04 Smolenice, Zámocká č.
Tel: +421 33 558 61 91
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.kcsmolenice.sav.sk

Die Höhle Driny

Diese Höhle ist die einzig freigelegte Höhle in der westlichen Slowakei. Sie wurde zufällig entdeckt, da immer wieder Hunde in einer kleinen Felsspalte verschwanden, sodass man schließlich neugierig wurde und das Geheimnis des mysteriösen Lochs mit Leitern zu entdecken suchte. So kam es, dass die Höhle Driny nun schon seit mehr als 75 Jahren für Besucher offen steht und als eine der bedeutendsten Attraktionen des Gebietes gilt.

In der Höhle Driny (Foto © Anton Chrvala)
In der Höhle Driny (Foto © Anton Chrvala)


Weitere Informationen über die Höhle, Eintrittspreise und die Führungszeiten finden Sie unter http://www.regiontirnavia.sk/de/sehen-und-erleben/smolenice/hohle-driny

Der Wasserfall Hlboča

Für alle, die den einzigen Wasserfall der Kleinen Karpaten sehen möchten, gilt es zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Manchmal so scheint es, ziert sich der neun Meter hohe Wasserfall im Tal Hlboča. Er erscheint nur im Frühling bei der Schneeschmelze. Die besten Chancen das Wunder im Naturschutzgebiet zu sehen, hat man daher bei einem Spaziergang im März oder April – je nachdem wann der Schnee zu tauen beginnt.

Die Maria-Geburt-Kirche

An einem ruhigen Platz, auf der Anhöhe über der Gemeinde, steht die Maria-Geburt-Kirche umringt von mehr als dreihundert Jahre alten Linden. Ursprünglich im gotischen Stil erbaut wurde sie von 1642 bis 1644 von Gabriel Erdödy und seiner Frau Maria Pálffy im Renaissancestil umgebaut. Sehenswert ist das verzierte Portal und die Reste der gotischen Architektur, die im Kontrast mit der frühbarocken Ausstattung im Inneren der Kirche stehen.

Die Burgstätte Molpír und das Museum

Der geheimnisvolle Gipfel Molpír ist für die keltische und slawische Burgstätte bekannt, die durch ihre Größe, drei Vorhöfe und die Akropole mit ihren breiten Steinwänden glänzte. Neben einer Menge wertvoller Gegenstände wurden hier auch menschliche Überreste gefunden, die anscheinen geopfert wurden. Die damaligen Ureinwohner glaubten, dass die Eigenschaften und die Kraft der Opfer dadurch auf sie übertragen wurden.

Im Museum Molpír (Foto © Anton Chrvala)
Im Museum Molpír (Foto © Anton Chrvala)


Mehr über diese Zeit erfahren Sie im kleinen, aber feinen Museum, das seinen Sitz im Gebäude der alten Pfarre hat. Sechs Räume erzählen Geschichten über die Vergangenheit und zeigen Perlen aus Glas, Kanelkeramik, alte Waffen wie auch alte Bücher aus der Pfarrbibliothek. In einem Zimmer, das im Volksstil des 19. Jahrhunderts eingerichtet ist, lernt man das Heiratsgut damaliger Bräute kennen und ein Raum ist dem Erfinder des Fallschirms, Štefan Banič gewidmet.

Štefan Banič

Er ist wahrscheinlich der berühmteste Bürger von Smolenice. Seine berühmte Erfindung hat Banič allerdings in den USA gemacht, wohin er 1907 wie viele andere Slowaken vor dem Ersten Weltkrieg auswanderte um Arbeit zu finden. In Grenwille fand er einen Job und hier konstruierte er auch den Prototyp seines Fallschirms.

Ein Flugzeugunfall, dessen Zeuge er wurde inspirierte ihn darüber nachzudenken, wie man in so einem Fall das Leben der Piloten retten könnte.  

Štefan Banič probierte seine Erfindung – den Fallschirm – selbst aus: er sprang von einem fünfzehn Meter hohen Hochhaus in die Tiefe. 1914 meldete er sein Patent an, doch 17 Jahre später verkaufte er es für ein paar Dollar an die amerikanische Armee und kehrte 1920 nach Smolenice zurück.
Er wurde auf dem Friedhof seiner Geburtsstadt begraben.

Weitere Informationen finden Sie auf einem kleinen Folder, den Sie hier downloaden können oder unter http://www.regiontirnavia.sk/de/sehen-und-erleben/smolenice

Link zu Google Maps

Der Besuch erfolgte im Rahmen einer Pressereise auf Einladung der Slowakischen Tourismusvertretung in Wien