Am Hang des Berges Zengő, 17 Kilometer von Pécs entfernt, liegen die „Burg“ und die Stadt Pécsvárad. Eigentlich ist es keine Burg, sondern ein befestigtes Kloster mit großer Geschichte…

Geschichte

Die Gründung von Pécsvárad geht auf den Heiligen Stephan, den ersten König von Ungarn zurück. Er gründete die Benediktinerabtei, die bald zu einem Zentrum der ungarischen Staats- und Kirchenentwicklung wurde, denn der erste Abt, Bischof Astrik, reiste nach Rom, um aus der Hand des Papstes die Königskrone zu erhalten. Für die Unabhängigkeit Ungarns war es sehr wichtig die Krone aus der Hand des Papstes und nicht von einem anderen Herrscher in Europa zu erhalten. Astrik scheint hier gute Dienste geleistet zu haben und sehr überzeugend gewesen zu sein, denn es gibt Gerüchte, dass diese Krone ursprünglich für einen anderen Herrscher bestimmt war. Ein mögliches Indiz für diese Theorie ist, dass die untere Schrift der Krone in griechischen Buchstaben ausgeführt ist.

Der Abt wacht auch heute noch über die Burg
Obwohl das Kloster bereits im Jahre 998 gegründet wurde, ist die „offizielle“ Gründungsurkunde erst 1015 abgefasst. In diesem Jahr wurde auch die kleine Kapelle, die sich bis heute erhalten hat, eingeweiht und es wurden damit auch die Pflichten und Aufgaben der Mönche festgehalten. Die Gründungsurkunde, die auch festhält das 41 Dörfer zum Besitz des Klosters gehören, kann im Museum besichtigt werden – 21 Dörfer existieren auch heute noch.

Eingang zum Kloster Pécsvárad und zum Museum
Interessant ist auch, dass dabei festgelegt wurde, dass sich die Mönche auch um Kranke zu kümmern hatten. Pécsvárad gilt daher – so auch die Aussage der ungarischen Apothekerkammer – als Wiege der ungarischen medizinischen Versorgung. Primäre Aufgabe der Mönche war aber die Verbreitung des christlichen Glaubens in diesem Teil von Ungarn – das Kloster war zur Zeit der Gründung das zweite Ordenshaus der Benediktiner in Ungarn.

Pécsvárad
1157 beschädigte ein großer Brand das Kloster. Dabei verbrannte nicht nur die ganze Bibliothek mit 24 handgeschriebenen Kodizes und vielen anderen Gegenständen, sondern auch die kleine, dreischiffige Kapelle wurde beschädigt. Da man fürchtete, dass die Säulen die Last nicht mehr halten könnten, errichtete man in der Mitte eine weitere riesige Säule, die allerdings den Eintretenden die Sicht auf den Altar heute verwehrt. Danach wurde das Gebäude um eine zusätzliche Etage aufgestockt, in der sich die Privatkapelle des Abtes befand.

Blick in den Innenhof
Das Kloster, obwohl von König Matthias später als eines der schönsten und ruhigsten im ganzen Land bezeichnet, wurde dennoch ständig erweitert und verschönert. Matthias, mit einer Italienerin verheiratet, holte damals viele italienische Künstler ins Land, die auch in Pécsvárad tätig wurden. Allerdings wurde in dieser Zeit nicht mehr ausgebaut, sondern nur mehr verschönert oder das Wohnen wie z.B. durch den Einbau von Kachelöfen bequemer gemacht.

Das neue Veranstaltungszentrum im Innenhof
Im 13. Jahrhundert erbaute man eine große gotische Kirche, ein viereckiger Hof mit Kreuzgang entstand, ein Wohnturm und der ganze Gebäudekomplex wurde mit Mauern umgeben und mit Basteien geschützt. Viele wichtige geschichtliche Persönlichkeiten besuchten das Kloster oder lebten hier, darunter Bela der Blinde, Bela II. bedachte das Kloster aus Dankbarkeit mit wertvollen Geschenken.

Kanonenkugel aus längst vergangenen Zeiten
1490 wurde jener Turm erbaut, der sich bis heute erhalten hat. Bereits damals begann man, sich auf den Ansturm der Osmanen vorzubereiten, die dann tatsächlich 1535 einfielen.
Da der damalige Abt keine Möglichkeit sah, das Kloster mit den wenigen Soldaten, die ihm zur Verfügung standen zu verteidigen, entschied er sich, die heiligen Stätten, die große Kirche, zu zerstören, um sie nicht in die Hände der Feinde fallen zu lassen. Da die kleine Kapelle damals keine kirchliche Funktion mehr hatte, wurde sie von den Zerstörungen ausgenommen und ist heute der älteste und wertvollste Teil der Burg.

Der Torbogen mit Jahreszahl
Damit ging die traditionsreiche Geschichte des Klosters zu Ende. Ein Bauwerk, das zwar wegen der Türken, aber nicht durch sie zerstört wurde. Die Türken allerdings eroberten Petschwar erst viel später – 1543. Das ruinierte Gebäude kümmerte sie allerdings nicht, es wurde nicht renoviert, aber auch nicht weiter zerstört, allerdings verschlechterte sich der Zustand des beschädigten Baus weiter.

Der Gründer des Klosters - der heilige Stephan
Doch auch nach dem Abzug der Türken im Jahre 1686 kehrten die Benediktinermönche nicht mehr in ihr Kloster zurück, die Gegend rundherum war entvölkert und erst im 18. Jahrhundert bevölkerten deutsche Siedler wieder die Umgebung. Die das Kloster umgebenden Mauern wurden wieder aufgebaut und man errichtete zwei erdgeschossige Häuser für die Gutsverwalter.
Auch wenn es die Abtei nicht mehr gab, der Titel „Abt von Petschwar“ und die Einkünfte des Stifts waren aber noch immer vorhanden. Einige „Äbte“ arbeiteten nur in ihre eigene Tasche, manche – wie Graf Hugo Franz Karl von Eltz-Kempenich, erzbischöflicher Vikar von Mainz, ließ mit dem erwirtschafteten Geld die Pfarrkirche über der Burg erbauen. Es war dann Maria Theresia, die mehr Klarheit über die Einkünfte des Guts verlangte und die eine Stiftung gründete, mit dem Ziel mit den Einnahmen die Universität in Buda zu erhalten.

Die Ausgrabungen
1957 bis 1987 fanden archäologische Untersuchungen auf dem Gebiet des Klosters statt. Dabei wurden die Grundmauern der in der Türkenzeit eingestürzten Gebäude freigelegt und sichtbar gemacht, die Kapelle aus dem 10. Jahrhundert renoviert, die Gesteinssammlung begonnen und die noch erhaltenen Teile für die Besucher zugänglich gemacht.
1988 wurden anstelle der früheren Büros ein Restaurant und das Hotel eingerichtet. Heute ist der ganze Komplex in Besitz der Stadt und wird auch von dieser verwaltet.

Am Hang des Berges Zengő, 17 Kilometer von Pécs entfernt, liegen die „Burg“ und die Stadt Pécsvárad. Eigentlich ist es keine Burg, sondern ein befestigtes Kloster mit großer Geschichte…

Geschichte

Die Gründung von Pécsvárad geht auf den Heiligen Stephan, den ersten König von Ungarn zurück. Er gründete die Benediktinerabtei, die bald zu einem Zentrum der ungarischen Staats- und Kirchenentwicklung wurde, denn der erste Abt, Bischof Astrik, reiste nach Rom, um aus der Hand des Papstes die Königskrone zu erhalten. Für die Unabhängigkeit Ungarns war es sehr wichtig die Krone aus der Hand des Papstes und nicht von einem anderen Herrscher in Europa zu erhalten. Astrik scheint hier gute Dienste geleistet zu haben und sehr überzeugend gewesen zu sein, denn es gibt Gerüchte, dass diese Krone ursprünglich für einen anderen Herrscher bestimmt war. Ein mögliches Indiz für diese Theorie ist, dass die untere Schrift der Krone in griechischen Buchstaben ausgeführt ist.

Der Abt wacht auch heute noch über die Burg
Obwohl das Kloster bereits im Jahre 998 gegründet wurde, ist die „offizielle“ Gründungsurkunde erst 1015 abgefasst. In diesem Jahr wurde auch die kleine Kapelle, die sich bis heute erhalten hat, eingeweiht und es wurden damit auch die Pflichten und Aufgaben der Mönche festgehalten. Die Gründungsurkunde, die auch festhält das 41 Dörfer zum Besitz des Klosters gehören, kann im Museum besichtigt werden – 21 Dörfer existieren auch heute noch.

Eingang zum Kloster Pécsvárad und zum Museum
Interessant ist auch, dass dabei festgelegt wurde, dass sich die Mönche auch um Kranke zu kümmern hatten. Pécsvárad gilt daher – so auch die Aussage der ungarischen Apothekerkammer – als Wiege der ungarischen medizinischen Versorgung. Primäre Aufgabe der Mönche war aber die Verbreitung des christlichen Glaubens in diesem Teil von Ungarn – das Kloster war zur Zeit der Gründung das zweite Ordenshaus der Benediktiner in Ungarn.

Pécsvárad
1157 beschädigte ein großer Brand das Kloster. Dabei verbrannte nicht nur die ganze Bibliothek mit 24 handgeschriebenen Kodizes und vielen anderen Gegenständen, sondern auch die kleine, dreischiffige Kapelle wurde beschädigt. Da man fürchtete, dass die Säulen die Last nicht mehr halten könnten, errichtete man in der Mitte eine weitere riesige Säule, die allerdings den Eintretenden die Sicht auf den Altar heute verwehrt. Danach wurde das Gebäude um eine zusätzliche Etage aufgestockt, in der sich die Privatkapelle des Abtes befand.

Blick in den Innenhof
Das Kloster, obwohl von König Matthias später als eines der schönsten und ruhigsten im ganzen Land bezeichnet, wurde dennoch ständig erweitert und verschönert. Matthias, mit einer Italienerin verheiratet, holte damals viele italienische Künstler ins Land, die auch in Pécsvárad tätig wurden. Allerdings wurde in dieser Zeit nicht mehr ausgebaut, sondern nur mehr verschönert oder das Wohnen wie z.B. durch den Einbau von Kachelöfen bequemer gemacht.

Das neue Veranstaltungszentrum im Innenhof
Im 13. Jahrhundert erbaute man eine große gotische Kirche, ein viereckiger Hof mit Kreuzgang entstand, ein Wohnturm und der ganze Gebäudekomplex wurde mit Mauern umgeben und mit Basteien geschützt. Viele wichtige geschichtliche Persönlichkeiten besuchten das Kloster oder lebten hier, darunter Bela der Blinde, Bela II. bedachte das Kloster aus Dankbarkeit mit wertvollen Geschenken.

Kanonenkugel aus längst vergangenen Zeiten
1490 wurde jener Turm erbaut, der sich bis heute erhalten hat. Bereits damals begann man, sich auf den Ansturm der Osmanen vorzubereiten, die dann tatsächlich 1535 einfielen.
Da der damalige Abt keine Möglichkeit sah, das Kloster mit den wenigen Soldaten, die ihm zur Verfügung standen zu verteidigen, entschied er sich, die heiligen Stätten, die große Kirche, zu zerstören, um sie nicht in die Hände der Feinde fallen zu lassen. Da die kleine Kapelle damals keine kirchliche Funktion mehr hatte, wurde sie von den Zerstörungen ausgenommen und ist heute der älteste und wertvollste Teil der Burg.

Der Torbogen mit Jahreszahl
Damit ging die traditionsreiche Geschichte des Klosters zu Ende. Ein Bauwerk, das zwar wegen der Türken, aber nicht durch sie zerstört wurde. Die Türken allerdings eroberten Petschwar erst viel später – 1543. Das ruinierte Gebäude kümmerte sie allerdings nicht, es wurde nicht renoviert, aber auch nicht weiter zerstört, allerdings verschlechterte sich der Zustand des beschädigten Baus weiter.

Der Gründer des Klosters - der heilige Stephan
Doch auch nach dem Abzug der Türken im Jahre 1686 kehrten die Benediktinermönche nicht mehr in ihr Kloster zurück, die Gegend rundherum war entvölkert und erst im 18. Jahrhundert bevölkerten deutsche Siedler wieder die Umgebung. Die das Kloster umgebenden Mauern wurden wieder aufgebaut und man errichtete zwei erdgeschossige Häuser für die Gutsverwalter.
Auch wenn es die Abtei nicht mehr gab, der Titel „Abt von Petschwar“ und die Einkünfte des Stifts waren aber noch immer vorhanden. Einige „Äbte“ arbeiteten nur in ihre eigene Tasche, manche – wie Graf Hugo Franz Karl von Eltz-Kempenich, erzbischöflicher Vikar von Mainz, ließ mit dem erwirtschafteten Geld die Pfarrkirche über der Burg erbauen. Es war dann Maria Theresia, die mehr Klarheit über die Einkünfte des Guts verlangte und die eine Stiftung gründete, mit dem Ziel mit den Einnahmen die Universität in Buda zu erhalten.

Die Ausgrabungen
1957 bis 1987 fanden archäologische Untersuchungen auf dem Gebiet des Klosters statt. Dabei wurden die Grundmauern der in der Türkenzeit eingestürzten Gebäude freigelegt und sichtbar gemacht, die Kapelle aus dem 10. Jahrhundert renoviert, die Gesteinssammlung begonnen und die noch erhaltenen Teile für die Besucher zugänglich gemacht.
1988 wurden anstelle der früheren Büros ein Restaurant und das Hotel eingerichtet. Heute ist der ganze Komplex in Besitz der Stadt und wird auch von dieser verwaltet.

Rundgang durch das Kloster Pécsvárad

Wer mehr über das Kloster, seine Bewohner und die Legenden und Geschichten der Umgebung wissen möchte, sollte sich – wenn möglich – einer Führung anschließen. Wir möchten hier aber auch einen kleinen Einblick geben.

Museum

Im Museum kann man sich mit den verschiedenen Entwicklungen der Klosterburg vertraut machen. Immerhin lassen sich an den Gebäudefragmenten die drei großen Bauphasen der Klosters ablesen – romanisch, gotisch und Renaissance. Es ist die Gründungsurkunde ausgestellt, ein Modell der ehemaligen Klosterburg zeigt die einstigen Ausmaße und man „stolpert“ förmlich über das Brunnensystem.

Im Museum der Burg Petschwar

Während man ein bisschen die Atmosphäre früherer fürstlicher Häuser erschnuppern kann – dicke Mauern, kleine Fenster – bietet der erste Raum einen Überblick über die Funde auf dem Gelände des Klosters.

Im Museum der Burg Petschwar

Der zweite Raum bietet eine Übersicht über allerlei Gegenstände, die von den Handwerkern der damaligen Zeit benutzt wurden und man geht über ein tiefes Loch, das auf das schon angesprochene Brunnensystem hinweist und für das uns die Führerin gleich zwei Erklärungen anbietet:
Zunächst die wahre Geschichte: Da das Kloster relativ hoch liegt, Wasser aber immer gebraucht wird, war es fast unmöglich einen Brunnen bis zum Grundwasser zu graben. Doch das Kloster liegt am Hang eines Berges, auf dem sich zahlreiche Quellen und Bäche befinden und so grub man mehrere Löcher in den Berg hinein, um Wasser darin zu sammeln und in die Burg zu leiten. Daher gab es hier bereits kurz nach der Gründung ausreichend Wasser zur Verfügung.

Tief geht es hinunter ...
Diese Geschichte klang in den Ohren der Petschwarer aber viel zu einfach, daher hält sich seit langer Zeit eine andere Geschichte, die eine Art Gottesurteil beschreibt:
Gefangene wurden durch eine steile Straße hinter der Kirche, die sogenannte Muk-Straße (Muk – wie muxmäuschenstill) zur Klosterburg geführt. Wenn sie dann endlich bei der Burg ankamen, war es bereits sehr finster und in der Finsternis wurden sie zu diesem Loch geführt, dass allerdings mit 12 scharfen Sensen an den Seiten ausgestattet war. Die Gefangenen wurden dann in dieses Loch hinunter geworfen und wer überlebte, fand dann in der Wand einen Tunnel, der auf die Spitze des Berges führte und durch den er entkommen konnte.

So hat das Kloster Pécsvárad einmal ausgesehen

Dieser Tunnel taucht in vielen Erzählungen immer wieder auf. So sollen mehrere Burgen und die Bergspitze durch ein Tunnelsystem verbunden sein und auch im ungarischen Freiheitskampf von 1848/49 sollen sich Husaren monatelang – von der einheimischen Bevölkerung mit dem Lebensnotwendigsten versorgt – in diesen Tunneln versteckt gehalten haben. Historiker nehmen aber eher das es eine der zahlreichen Höhlen war, die den Verfolgten Schutz bot.

Teile der Kachelöfen ...
Im nächsten Raum kann man dann Teile der Kachelöfen bewundern, die während der Renaissancezeit zur größeren Behaglichkeit eingebaut wurden. Außerdem finden sich auch einige der 138 Töpfe, die hier in den Latrinen gefunden wurden – die anderen sind im Nationalmuseum in Budapest ausgestellt.

Die Burgkapelle

Dann treten wir in den ältesten und wertvollsten Teil der Klosterburg ein – in die alte Kapelle, die wahrscheinlich bereits bei der Gründung im Jahre 998 vorhanden war. Wie es zur Errichtung der Mittelsäule kam, haben wir schon im Geschichteteil behandelt. J

Die Burgkapelle von Pécsvárad

etzt wollen wir unsere Aufmerksamkeit auf das Fresko lenken, auf dem ein Engel zu sehen ist. Manche Fachleute meinen, dass dies das älteste Wandgemälde aus dem Mittelalter in Ungarn darstellt. Wenn man das Gesicht des Engels betrachtet, fällt der typische byzantinische Stil auf, der sich von der Darstellungsweise, die die Benediktiner normalerweise benutzten, unterscheidet und eher zu den Gemälden der „Ostkirche“ passt. Darauf weisen die relativ großen, schwarzen Augen der Figur, die dem Betrachter starr in die Augen sehen, die lange, schmale Nase, der kleine Mund und das ovale Gesicht hin.

Das Bild des Engels
Es wird vermutet, dass sich auch noch an anderen Teilen der Kirche Freskenteile befinden, und dass die vier Hauptengel die Apsis geschmückt haben könnten. Zwar deutet die goldene Schleife darauf hin, dass es sich um einen der Hauptengel handelt, allerdings konnte man bis jetzt nicht herausfinden, welchen das Fresko darstellen soll.

Der Erzengel Michael?
Obwohl keine Beweise vorliegen, sind sich die Bewohner der Stadt allerdings einig, dass es sich nur um den Heiligen Michael handeln kann.

Hier wird wieder gerne geheiratet
Die Kapelle wurde 1996 wieder geweiht – vom Abt von Pannonhalma Asztrik Várszegi. Dennoch gibt es hier keine regelmäßigen heiligen Messen, aber zahlreiche junge Paare geben sich hier das „Ja“ fürs Leben. Die Kirche ist für Hochzeitsfeiern oft lange im Voraus ausgebucht. Durch die außerordentlich gute Akustik des Raumes werden hier auch manchmal Kammermusikvorstellungen gegeben.

Die Stephanskrone

Noch ein weiteres Kleinod der ungarischen Geschichte wird hier aufbewahrt: eine Kopie der Stephanskrone. Leider ist sie noch nicht öffentlich ausgestellt, man muss also noch nach Budapest ins Parlament pilgern, um die ungarische Krone zu sehen.

Die Kopie aus Pécsvárad unterscheidet sich auch vom Budapester Original in drei Emailbildern und gerade auf die Bilder sollte man – neben dem schiefen Kreuz – seine Aufmerksamkeit richten. Sie sind durch ihre Technik besonders wertvoll. So wurde um jede Farbe herum ein dünner Goldfaden gezogen, um die Farben voneinander abzugrenzen, eine sehr schwierige Technik und auch sehr zeitintensiv in der Herstellung. Das sich die Beliebtheit der Heiligen von Zeit zu Zeit änderte, kam es dazu, dass eben diese Bilder dann ausgetauscht wurden.
Ein weiterer Unterschied ist, dass die Petschwarer Krone nicht komplett aus Gold hergestellt ist, sondern aus Silber, das dann vergoldet wurde.

Die Kopie der ungarischen Krone aus Petschwar

Doch nun zum schiefen Kreuz, um das sich natürlich ebenfalls viele Erklärungen ranken.
Zwei davon seien hier erzählt:
Bei einer Reise des ungarischen Königs wurde die Krone in einem Holzkasten gesteckt und natürlich mitgenommen, doch der Schlüssel wurde zu Hause vergessen. Als nun der König am Ziel seiner Reise angekommen war und in voller Königwürde als Gast erscheinen wollte, musste man die Holzkiste mit der Gewalt eines Schwertes öffnen und dabei wurde das Kreuz der Krone getroffen und seitdem ist dieses schief.

Doch auch die Gier nach Gold könnte daran Schuld tragen. Da man annahm, dass das Kreuz aus reinem Gold bestand, wurde es versucht es einfach aus seiner Verankerung zu reißen. Dabei wurde die Halterung beschädigt und die Achse verbogen. Damit wäre es notwendig gewesen ein neues Loch in das Emailbild zu bohren, um das Kreuz wieder gerade befestigen zu können. Dies hätte nicht nur eine Beschädigung des Bildes bedeutet, das Kreuz wäre auch nicht mehr im genauen Scheitelpunkt der Krone angebracht gewesen. Also setzte man es wieder auf seinen alten Platz ein und nahm in Kauf, dass es schief steht.

Sicher ist, dass die Krone aus zwei Teilen zusammengebaut ist und der untere Teil mit der griechischen Schrift der ältere Teil ist.

Die Kopie der ungarischen Krone aus Pécsvárad
Die Krone ist eigentlich riesengroß und passte nur auf einen großen Kopf mit vielen Haaren. Eine Samtkappe im Inneren der Krone sorgte dafür, dass sie auch auf kleinen Köpfen passte. Diese könnte immer auf den jeweiligen Träger angepasst werden. Und auch damals wusste der Hut oder besser gesagt die Krone, wie es um die Herrschaft des neuen Königs bestellt sein würde: Bewegte sich Krone am Haupt des neuen Königs auch nur ein wenig während der Krönungszeremonie, dann bedeutete dies, dass seine Herrschaft nicht lange dauern sollte.

Noch eine weitere Geschichte über die ungarische Krone möchten wir ihnen nicht vorenthalten:
Gegen Ende des Freiheitskampfes 1948/49 flüchtete ein Teil der Regierung mit Lajos Kossuth Richtung osmanisches Reich und nahmen die Krönungsinsignien und die Krone mit. Da diese wertvollen Stücke aber auch nicht in die Hände des Sultans fallen sollten, wurden sie in einem Wald vergraben.

Wie man weiß, wurde die Revolution niedergeschlagen, die Verhandlungen zum Österreich-Ungarischen Ausgleich schienen erfolgreich zu enden und der Zeitpunkt rückte näher an dem Franz Joseph zum ungarischen König gekrönt werden könnte. Dazu war es aber unumgänglich, dass die heilige Stephanskrone auf sein Haupt gesetzt wurde, ohne die echte Krone war jede Krönung in Ungarn ungültig – doch die Krone war verschwunden. Kossuth in seinem Asyl konnte man schlecht fragen. Also wurden Heerscharen der österreichischen Geheimpolizei ausgeschickt, um den Verbleib der Krone zu finden. Überall suchte man nach ungarischen Migranten, die vielleicht mit Kossuth geflohen waren und etwas über das Versteck wissen konnten. Nach jahrelangen Bemühen war man endlich erfolgreich: man fand einen Gefährten Kossuths, der nach etlichen Gläschen englischen Bier in einem Pub verriet, wo ungefähr die Kiste mit den Kronjuwelen vergraben war. Sofort wurde die Information nach Wien telegrafiert und am nächsten Tag schwärmten 3000 Menschen mit Hacken und Spaten „bewaffnet“ zur Suche auf dem beschriebenen Gelände aus. Und tatsächlich: Die Kiste wurde gefunden und es war höchste Zeit, dass die wertvollen Stücke wieder richtig aufbewahrt wurden, denn durch einen Wassereinbruch waren die Schätze schon schwer in Mitleidenschaft genommen. Nichts desto trotz - die Krone kam zur Renovierung nach Wien und danach stand 1867 der Krönung von Franz Joseph und seiner Sisi in der Matthiaskirche in Budapest nichts mehr im Wege.

Schmiede, Rauchküche und Kräutergarten

Die Schmiede

Eine Schmiede gehörte ebenfalls zum früheren Leben auf der Burg, schließlich mussten die Pferde beschlagen werden und es gab auch noch so manchen anderen Bedarf an Gegenständen, die ein Schmied herstellen konnte: vom Nagel bis zur Hacke war alles dabei.

Blick in die Schmiede in Pécsvárad

Wie schwierig dieses Handwerk war, kann man an manchen Tagen bei bestimmten Veranstaltungen in der Schmiede der Burg mit dem Schmiedemeister ausprobieren. Und dieser Herr ist besonders: weiße Haare, kaum mehr Zähne im Mund so dass er mit Fug und Recht über sich meint: „Ich komme aus dem Mittelalter.“

Die Rauchküche

Wenn man das Leben in der Klosterburg zu früheren Zeiten heraufbeschwören will, muss man sich klarerweise auch der Verpflegung widmen und hier hilft die neu errichtete Schauküche im Hof der Burg tatkräftig mit, Einblicke in die kulinarische Welt früherer Zeiten zu geben. Schon der traditionell gebaute Schaubackofen, ist schon alleine wegen seiner Größe und der einzigartigen, aus Schmiedeeisen angefertigten Backofentür eine Sehenswürdigkeit.

Die Schauküche in Petschwar

Außerdem gibt es noch eine freie Feuerstelle und die Möglichkeit mit einem Kochkessel zu kochen. Wer möchte kann die alten Back- und Kochwerkzeuge besichtigen und manchmal darf auch mitgekocht werden – immerhin werden auch ganz „klassisch“ bei einigen Festen auch Langos hier gebacken …

Der Kräutergarten

Wie schon erwähnt, beschäftigten sich die Benediktiner auch mit dem Heilen und daher natürlich auch mit der Kräuterkunde. Es war also naheliegend im Hof des ehemaligen Klosters auch wieder einen Kräutergarten anzulegen.

Blick auf den Kräutergarten im Hof des Klosters Pécsvárad

Lavendel, Kamille, Melisse, Dost (Oregano), Minze, Pfefferminze, Ringelblume, Fingerhut und Tausendguldenkraut werden angepflanzt und auch verarbeitet. Im Souvenirshop kann man unter anderem Lavendelprodukte kaufen und im „Teeraum des Spitals“ seine eigene Teemischung erproben. Oder aber man nimmt auf einer der Bänke Platz und genießt den vielfältigen Duft der Kräuter.

Sándor Kígyós

Die Ausstellung

Der ungarische Bildhauer Sándor Kígyós wurde 1943 in Debrecen geboren, lebte aber seit 1966 in Pécsvárad. Kígyós machte das Petschwarer Kulturhaus als sein Direktor zu einem bedeutenden kulturellen Zentrum, war in der Volksbildung tätig, unterrichtete an der Universität in Pécs Ästhetik und war aktiv als Künstler tätig.

Sándor Kígyós
Sándor Kígyós war vor allem Bildhauer und er schaffte es den Steinen eine ganz einzigartige Ästhetik abzutrotzen. Nach seiner Bearbeitung scheint der Stein an Gewicht zu verlieren, leicht zu werden, manchmal geradezu zu schweben.

Kígyós beschäftigte sich auch sehr mit der Frage, wie man eine künstlerische Idee umsetzen sollte, damit auch der Betrachter versteht, was der Künstler mit seinem Werk ausdrücken wollte. Seine Werke sollten auch mit der Realität verbunden sein.

Blick in die Ausstellung Sándor Kígyós
So lud ihn einmal ein Mann zu sich nach Hause ein und übergab ihm über 40, zum Teil verrostete, Sensenklingen, die er vom Beginn seiner Tätigkeit an aufgehoben hatte. Immer wenn ein Sensenblatt zu stumpf zum Arbeiten geworden war, kam es zu dieser speziellen Sammlung.

Für Sándor Kígyós stellte sich nun die Frage, wie er das ganze Leben des Mannes nun mit diesen Sensenklingen nachzeichnen konnte. Wie viele Millionen Schwünge er wohl gemacht hatte, wie viel Schweiß, wie viel Mühe steckten in diesem Leben? Wie konnte man dies im Kunstwerk für andere aufzeigen, wie es dem Betrachter deutlich machen?

Blick in die Ausstellung Sándor Kígyós
Es waren diese Fragestellungen, die den Künstler beschäftigten. Wenn er sich mit seinem Publikum unterhielt, erzählte er meistens über konkrete Statuen und Werke oder über Probleme, die ihn gerade in der künstlerischen Umsetzung beschäftigten.

Leider starb Sándor Kígyós viel zu früh mit 41 Jahren an einem Krebsleiden.

Hotel, Restaurant,

Das Hotel

Heute kann man im Kloster auch übernachten. Es ist zwar nicht das Original-Klostergebäude in dem nun ein Hotel untergebracht ist, sondern der Bau aus dem 18. Jahrhundert, in dem die Wirtschaftsbüros des Guts untergebracht waren. Ende der 1980er Jahre wurde dann hier ein Restaurant eröffnet und auf das Erdgeschoß des Hotels noch zwei Stockwerke angebaut.

Das Kloster-Hotel in Petschwar
2014 wurden die Räumlichkeiten komplett erneuert und nun steht den Gästen in der Oberetage ach eine Pilgerunterkunft mit 15 Betten zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es noch 2 Einbettzimmer und 8 Zweibettzimmer, alle jeweils mit einem extra Sanitärblock, einer gemeinsamen Teeküche, Wasch-, Trockner- und Gesellschaftsraum.
Im Untergeschoss finden sich weitere 9 Zweibettzimmer und 4 Dreibettzimmer und – teilweise im Turm – 3 Appartements.

Restaurant „König Stephan“

Im östlichen Flügel der Burg, der aus der Barockzeit stammt, ist das Restaurant untergebracht, das für die Hotelgäste auch zum Frühstück zur Verfügung steht. Das Restaurant ist nicht sehr groß, zwei Räume mit Kreuzgewölbe bieten höchstens jeweils 20 Personen Platz. Größere Gesellschaften (z.B. bei einer Hochzeitsfeier) werden daher im Raum „Gerhart der Heilige“, der an das Restaurant anschließt, untergebracht.

Blick ins Restaurant

Bei schönem Wetter im Sommer sollte allerdings die Burgterrasse der Ort ihrer Wahl sein, um einen Kaffee und einen Strudel mit Vanilleeis zu versuchen. Oder aber man genießt einen lauen Sommerabend bei einem romantischen Abendessen mit Kerzenlicht.

Das Spital

Hier wurden früher die Heiligungssuchenden und Pflegebedürftigen untergebracht: Fremde, Pilger, Kranke und Arme. Zu Beginn war es in der Regel ein einziger Raum, später im 18. und 19. Jahrhundert entstanden daraus die Krankenhäuser und andere Wohltätigkeitseinrichtungen.

Hier wird Tee gemischt
Heute wird das Spital wieder neu belebt. So kann man in den verschiedenen Räumen nicht nur das Leben der Benediktiner (mittels Video) besser kennen lernen, sondern auch z.B. seinen eigene Teemischung finden und natürlich auch gleich verkosten oder Salben aus Kräutern herstellen.

Der Aromaraum in Petschwar
Außerdem wartet ein wunderschöner Aromaraum auf Pilger, Hotelgäste und Besucher. Der erste Gast, der den Raum betritt, kann jeweils seinen Lieblingsduft zum Aroma des Tages bestimmen.
Gleich daneben wartet eine Salzkammer auf die Besucher. Damals wie heute trägt sie zur Heilung und Linderung von allergischen Schnupfen, Bindehautentzündungen, Asthma und dem allgemeinen Wohlbefinden bei.

Die Salzkammer in Pécsvárad
Salzkammer und Aromaraum stehen auch Besuchern des Klosters mit einem Kombiticket zur Verfügung.

Auf die Hotelgäste wartet zusätzlich noch eine Infrarotsauna und wer möchte, kann sich (gegen Aufpreis) mit verschiedenen Massagen verwöhnen lassen.

Adresse, Plan, Bildershow, Video

Plan

 

Bildershow

In Petschwar kann man nicht nur sehr romantisch Hochzeit feiern, sondern auch Konzerte oder Theateraufführungen besuchen, eine Nacht im Kloster verbringen oder beim Lavendelsträußchen basteln mitmachen. Am besten Sie fragen in der Burg oder bei der Touristeninformation über die Veranstaltungen nach.

Hier ein Video vom Lavendelsträußchen fertigen:

Burg/Kloster Pécsvárad
7720 Pécsvárad, Vár u. 45.
Telefon: +36 72 671 235
Handy: +36 30 387 8435
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.pecsvaradivar.hu (Deutsch, Englisch, Ungarisch)

Nach oder vor ihrem Besuch in Pécsvárad sollten Sie auf jeden Fall auch das nahe Pécs besuchen und einen Ausflug ins Mecsek-Gebirge planen. Weitere Informationen darüber finden Sie hier auf askEnrico mit einem Klick auf die Namen.