Olomouc, die sechstgrößte Stadt Tschechien ist eine Stadt mit langer Geschichte und vielen Sehenswürdigkeiten. Kein Wunder war sie doch bis ins 17. Jahrhundert das historische Zentrum von Mähren.

Kaum zweieinhalb Stunden von Wien entfernt, liegt die Stadt in die der Wiener Hof vor der Revolution flüchtete, Kaiser Franz Josef I. den Thron bestieg und die immer wieder mit Brünn und Wien in Pracht, Schönheit und Einfluss wetteiferte.

Blick auf das Rathaus in Olmütz
Blick auf das Rathaus in Olmütz


Leider war auf meiner letzten Pressereise nur ein kurzer Besuch möglich. Doch in diese Stadt lohnt auch ein Blitzbesuch, besser ist es jedoch ein paar Tage zu bleiben. Zu entdecken gibt es genug.
Dennoch möchte ich euch hier kurz einen kleinen Überblick über die Geschichte und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt geben. Zum Schluss gibt es noch eine Aufzählung an Sehenswerten, die man besuchen kann, wenn man ein bisschen mehr Zeit in der Stadt verbringen kann.

Geschichte

Gerne erzählen Olmützer die Geschichte, dass die Stadt von Julius Caesar gegründet. Um dieses zu beweisen oder daran zu erinnern, ziert Caesar hoch zu Pferd einen Brunnen und beim „Römerhaus“ am Stadtplatz vis à vis des Brunnen schauen „Römerköpfe“ auf die Besucher des Hauptplatzes herab.

Dem angeblichen Gründer der Stadt - Julius Caesar - ist sogar ein Brunnen gewidmet
Dem angeblichen Gründer der Stadt - Julius Caesar - ist sogar ein Brunnen gewidmet


Caesar wird es wohl nicht gewesen sein, darüber sind sich die Historiker eigentlich einig, aber gegen Ende des 2. Jahrhunderts befand sich ein römisches Heerlager, das nördlichste in Mitteleuropa. Funde gibt es aber schon aus der Steinzeit – damals befand sich hier eine wichtige Kreuzung. Bis ins 5. Jahrhundert ist eine Besiedlung durch die Germanen nachweisbar, im späten 7. Jahrhundert entstand die erste slawische Siedlung im heutigen Ortsteil Povel, die um 830 zerstört wurde.
Die neue Burg auf dem Předhrad zählte vermutlich zu den wichtigsten Burgen in Mähren.

Detail der Dreifaltigkeitssäule in Olmütz
Detail der Dreifaltigkeitssäule in Olmütz


1017 wird Olmütz zum ersten Mal schriftlich erwähnt. 1055 ist Olmütz Sitz eines eigenen Teilfürstentums. 1063 wird das Bistum Olmütz gegründet.

Blick von der Dreifaltigkeitssäule zum Rathaus
Blick von der Dreifaltigkeitssäule zum Rathaus


Am Anfang des 13. Jahrhunderts stirbt der letzte Olmützer Fürst, Mähren wird vereint und einem Markgrafen aus dem Geschlecht der Přemysliden unterstellt. 1248 wird Olmütz als Königsstadt erwähnt.

Die alte Brauerei ist noch nicht renoviert
Die alte Brauerei ist noch nicht renoviert


1306 besucht König Wenzel III. während seines Feldzuges nach Polen Olmütz und wird hier ermordet. Damit stirbt das Geschlecht der Přemysliden aus.

1573 bekommt Olmütz seine Universität. Sie gilt als die zweitälteste in Tschechien.

Detail des Arionbrunnen am Oberen Platz
Detail des Arionbrunnen am Oberen Platz


Während der Renaissance beginnt eine Blütezeit der Stadt: es entstehen prunkvolle Paläste, die Einwohnerzahl wächst auf an die 10.000 Menschen. Olmütz wird zur Hauptstadt von Mähren und die zweitgrößte Stadt nach Prag. Während der Hussitenkriegen steht Olmütz treu auf der katholischen Seite.

Wunderschöne Fassaden in der Stadt
Wunderschöne Fassaden in der Stadt


Im Dreißigjährigen Krieg kommt es zum Kampf mit den Schweden, die die Stadt einnehmen und fast vollständig zerstören. Ein Großteil der Bevölkerung stirbt oder flüchtet. Die Stadt verliert ihren Status der Hauptstadt Mährens, den Brünn übernimmt.

Häuserfront am Oberen Platz
Häuserfront mit dem Theater am Oberen Platz


Danach erholt sich die Stadt langsam wieder und während der Barockzeit entstehen einzigartige Denkmäler, Gebäude und Kirchen, wie die Barockbrunnen, die Michaelskirche und die Dreifaltigkeitssäule, die sogar Maria Theresia besucht und in ihrer Kapelle betet.

Unesco Weltkulturerbe: Die Dreifaltigkeitssäule am Oberen Platz in Olmütz
Unesco Weltkulturerbe: Die Dreifaltigkeitssäule am Oberen Platz in Olmütz


War es den Preußen noch im Ersten Schlesischen Krieg gelungen die Stadt einzunehmen, mussten sie 1758 ihre Belagerung erfolglos abbrechen. Die neue, umfangreich ausgebaute Festungsanlage hatte dem Ansturm standgehalten, Olmütz wird zu einem wichtigen militärischen Zentrum in der Österreichischen Monarchie.

1767 komponiert der elfjährige Wolfgang Amadeus Mozart seine Symphonie Nr. 6 in F-Dur in Olmütz.  

1777 wird das Bistum Olmütz zum Erzbistum erhoben.

In der Kapelle der Dreifaltigkeitssäule
In der Kapelle der Dreifaltigkeitssäule


Im Revolutionsjahr 1848 flieht der kaiserlich Hof mit dem damaligen Kaiser Ferdinand I. vor der Revolution aus Wien und wird im Schloss des Erzbischofs in Olmütz aufgenommen. Ferdinand gilt als schwacher Monarch und so wird dem achtzehnjährigen Franz Joseph hier in Olmütz am 2. Dezember 1848 die Regentschaft übertragen.

Detail des Rathauses in Olmütz
Die Wappen am Rathaus von Olmütz


1850 wird die Olmützer Punktation (Olmützer Vertrag) zwischen Preußen, Österreich und Russland unterzeichnet und so der Deutsche Bund unter österreichischer Führung wieder hergestellt. Trotzdem werden zuerst die Befestigungsanlagen wieder erweitert, bevor 1886 der Festungsstatus aufgehoben wird. Olmütz erhält ein Stadtstatut als Königliche Hauptstadt.

Hausdurchgang beim Unteren Platz in Olmütz
Hausdurchgang beim Unteren Platz in Olmütz


Ende des 19.Jahrhunderts besitzt Olmütz die erste Straßenbahn im Land, sechs katholische und eine evangelische Kirche, einen israelitischen Tempel, ein deutsches und ein tschechisches Gymnasium, eine Realschule und eine Reihe weiterer Bildungsanstalten, ist Industriestandort, Sitz der Bezirkshauptmannschaft und eines Kreisgerichts.

Olmütz
Olomouc


Im März 1939 wird die Stadt wie auch die übrige Umgebung von der deutschen Wehrmacht besetzt und als Protektorat Böhmen und Mähren dem Deutschen Reich angeschlossen, die Olmützer Universität wird geschlossen. Über 2.000 jüdische Bürger der Stadt sterben im Zweiten Weltkrieg. Mit Kriegsende beginnt die Vertreibung der Deutschen aus Olmütz, die vor dem Krieg ein Drittel der Bevölkerung ausmachten.

Rathaus, Detail astronomische Uhr
Rathaus, Detail astronomische Uhr


In der kommunistischen Ära verliert Olmütz mehr und mehr an Bedeutung, das historische Erbe wird vernachlässigt, es entstehen mehrere Plattenbausiedlungen am Rande der Stadt. Dennoch ist seit 1971 die ganze Altstadt als Denkmalschutzreservat geschützt. Doch erst die Samtene Revolution bringt eine allmähliche Rekonstruktion des Stadtzentrums und eine Tourismusinfrastruktur.
Im Jahr 2000 wird die Dreifaltigkeitssäule in die Unesco-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Heute ist Olmütz eine wunderschöne Universitätsstadt, die sechstgrößte Stadt in Tschechien, Zentrum der Olmützer Region und Sitz des Erzbistums.

Sehenswürdigkeiten

Eine ganze Reihe besichtigungswürdiger Bauten finden sich am Oberen und Unteren Marktplatz, deren Häuserfassaden man auf jeden Fall auch den einen oder anderen Blick schenken sollte. Wenn ihr also nur so wenig Zeit zur Besichtigung habt, wie wir bei unserem Kurzbesuch, so sind diese beiden Orte, die noch dazu in Gehnähe zusammenhängen die Orte eurer Wahl.

Oberer Hauptplatz

Die Ehrensäule der Heiligen Dreifaltigkeit

Die barocke Skulpturengruppe aus der Mitte des 18. Jahrhunderts ist eines der ganz besonderen Bauten, die man auf jeden Fall gesehen haben sollte, wenn man Olmütz besucht. Und nicht nur, weil sie auf der Liste des Unesco-Welterbes angeführt ist. Die 32 Meter hohe „Säule“ ist das Werk mehrerer Künstler und Handwerker, wobei die Pläne für die Errichtung und der Entwurf auf den Steinmetz Wenzel Render zurückgehen. Er vermachte auch sein ganzes Erbe der Säule, damit sie nach seinem Tod vervollständigt werden konnte.

Weltkulturerbe: Die Ehrensäule der Heiligen Dreifaltigkeit
Weltkulturerbe: Die Ehrensäule der Heiligen Dreifaltigkeit


Sein Sohn Ignatius setzte die Arbeiten nach seinem Tod mit F. Thoneck und J.W. Rokický fort, die Bildhauerarbeiten stammen von P. Sattler und A. Zahner. 18 Heiligenstatuen, 12 Fackelträger und 6 Reliefe mit Halbfiguren der Apostel, die Statuengruppe Mariä Himmelfahrt im mittleren Teil und die Statuengruppe der Heiligen Dreifaltigkeit an der Spitze bilden den Skulpturenschmuck der Säule, die im unteren Teil eine Kapelle beherbergt. 37 Jahre wurde an ihr gearbeitet und zu ihrer Einweihung waren Maria Theresia und ihr Mann Franz I. von Lothringen anwesend.

Eingang zur Kapelle der Ehrensäule der Heiligen Dreifaltigkeit am Oberen Platz
Eingang zur Kapelle der Ehrensäule der Heiligen Dreifaltigkeit am Oberen Platz


Während der Belagerung von Olmütz durch die preußische Armee 1758 wurde der Stolz der Stadt mehrmals von Kanonenkugeln getroffen, worauf die Stadtbewohner den preußischen General baten, die Schießerei zu stoppen. Der General erfüllte ihren Wunsch und verschonte die Säule. Heute erinnert noch eine vergoldete Kanonenkugel an die Tapferkeit der Olmützer Bürger, die der Belagerung widerstanden.

Das Rathaus

Der Obere Platz wird dominiert vom sechs Jahrhunderte alten Rathaus, das an die wirtschaftliche und politische Bedeutung der Stadt im Laufe ihrer Geschichte erinnert. 1378 erlaubte ein Privileg des Markgrafen Jost von Luxemburg den vierflügeligen Bau mit Innenhof.

Blick zum Erker des Rathauses
Blick zum Erker des Rathauses


Auf der Südfassade sieht man den Erker der gotischen Kapelle des Heiligen Hieronymus, der reich mit Maßwerk und figuralen Motiven verziert ist. Schon damals scheint es aber mit der Bezahlung der Handwerker (zumindest) gewisse Verzögerungen gegeben zu haben. Darauf scheint zumindest die Büste eines Steinmetzes unter dem Erker zu erinnern, der seine Hand flehend um Bezahlung ausstreckt.

Das Rathaus von Olmütz am Oberen Platz
Das Rathaus von Olmütz am Oberen Platz


An der Ostseite des Rathauses befindet sich die zweiachsige Treppe mit einer Renaissance Logia und wer über die Mittagszeit den Oberen Platz besucht, sollte versuchen sich um Punkt 12.00 Uhr bei der Astronomischen Uhr einzufinden. Sie wurde 1422 vom sächsischen Uhrmacher Anton Pohl geschaffen, der auch die astronomische Uhr in Prag entworfen hatte. Urkundlich erwähnt wird sie erstmals 1519.

Die wunderschöne Treppe des Rathauses
Die wunderschöne Treppe des Rathauses


In ihrer langen Geschichte hat sie viele Veränderungen durchgemacht: Gotik, Renaissance und Barock hinterließen ihre Spuren. Ihr derzeitiges Aussehen stammt jedoch aus den 1950er Jahren und ist stark vom sozialistischen Realismus geprägt. Daher setzen sich heute Figuren von Arbeitern, Bauern, also der „schaffenden Intelligenz“ um Punkt 12.00 Uhr in Bewegung, während das Glockenspiel wieder hannakische Volkslieder spielt. An der Wand unter ihnen arbeiten ein Schlosser und ein Chemiker motiviert um die Ziele der sozialistischen Planwirtschaft zu erfüllen.

Ein Blick auf die astronomische Uhr
Ein Blick auf die astronomische Uhr


Ich war doch einigermaßen überrascht, auch Sportler dargestellt zu erkennen und wenn ich mich nicht täusche, war sogar eine Handballerin dabei. Das erfreut doch gleich mein Herz …

Eine Handballerin ist auch mit dabei?
Eine Handballerin ist auch mit dabei?


Wenn ihr Zeit genug mitbringt, solltet ihr auch die Ausstellungen im Rathaus besichtigen und eine Besteigung des Rathausturmes in Erwägung ziehen. Oben angekommen bietet sich ein toller Ausblick über die Stadt und natürlich auch auf die Dreifaltigkeitssäule. Bei der Besichtigung – der Turm ist nur mit einem Führer zugänglich- kann man dann auch die Zimmer des Türmers besichtigen. Karten für die Führung sind im Informationszentrum erhältlich, das sich im Rathaus befindet.

Wurden die Handwerker nun bezahlt oder nicht?
Wurden die Handwerker nun bezahlt oder nicht?


Neu war für mich die Bedeutung der vier Türmchen am Rathausturm. Sie deuten angeblich darauf hin, dass Olmütz das Recht hatte, die Todesstrafe zu verhängen und damit auch einen eigenen Henker beschäftigte.

Die Brunnen

Olmütz ist auch die Stadt der Brunnen: sechs Barockbrunnen, aber auch der jüngere Arionbrunnen ist sehenswert. Am Oberen Platz finden wir gleich vier Brunnen.

Der Caesarbrunnen

Die sechs Barockbrunnen mit ihren mythologischen Motiven schmücken das Stadtzentrum bereits seit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert. 

Der römische Feldherr und Kaiser hoch zu Ross
Der römische Feldherr und Kaiser hoch zu Ross


Der Caesarbrunnen wurde von 1724-1725 erbaut und stellt den sagenhaften Gründer der Stadt – den Kaiser Julius Caesar – dar. Zu seinen Füßen symbolisieren zwei Figuren die Flüsse March und Donau und der sitzende Hund soll die Treue der Stadt zu ihrem Herrscher ausdrücken.

Der Hund symbolisiert die Treue der Stadt
Der Hund symbolisiert die Treue der Stadt


Caesar blickt in Richtung des Michaelshügels, auf dem sich das römische Lager befunden haben soll. Die Skulptur ist ein Werk von J. Schauberger, das Brunnenbecken hat der Steinmetz W. Render geschaffen.

Auch die Flüsse March und Donau sind symbolisch verewigt
Auch die Flüsse March und Donau sind symbolisch verewigt

Der Herkulesbrunnen

Dieser Brunnen stammt aus dem Jahre 1687 und zeigt im Mittelpunkt Herkules, der mit seiner Keule in der rechten Hand einen Adler, der als Symbol der Stadt gilt, gegen eine siebenköpfige Hydra verteidigt. Die Statue stammt von M. Mandík aus Danzig.

Herkulesbrunnen
Herkulesbrunnen

Der Merkurbrunnen

Der Brunnen mit der Statue des Merkurs, ein Werk von Phillip Sattler, wurde als letzter der sechs barocken Brunnen 1727 erbaut.  Merkur gilt als Schutzpatron der Kaufleute und Reisenden. In seiner rechten Hand hält er seinen geflügelten Stab, der von zwei Schlangen umschlungen wird.

Der Arionbrunnen

Der Arionbrunnen ist der jüngste Brunnen der Stadt, stammt vom Olmützer Ivan Theimer und wurde im Jahre 2002 gegenüber der Dreifaltigkeitssäule aufgestellt. Er erinnert mit seinen Skulpturen an die antike Sage über den Dichter Arion, der von einem Delphin aus dem Meer gerettet wurde.

Der Arion- oder Schildkrötenbrunnen
Der Arion- oder Schildkrötenbrunnen


Im Sommer ist er besonders bei Kindern, aber auch bei den Besuchern der Stadt besonders beliebt, da man sich mit seinem Wasser erfrischen kann.

Die Paläste am Oberen Platz

Hier sticht besonders der Edelmann-Palast, ein Renaissance-Palast mit reich verzierter Fassade ins Auge, der von 1572-1586 für den Stadtrat Wenzel Edelmann erbaut wurde. Das Eingangsportal trägt das Wappen der Familie und symbolisierte Porträts von Wenzel Edelmann und seinem Sohn. Seit 1719 befindet sich der Palast im Besitz der Stadt, ab 1816 residierten hier die Festungskommandanten, darunter auch der Feldmarschall Radetzky, an dessen Aufenthalt eine Gedenktafel aus 1892 erinnert.

Blick auf den Oberen Platz in Olmütz
Blick auf den Oberen Platz in Olmütz


Sehenswert sind unter anderem auch der Salm- und der Petráš-Palast, in dem 1746 die erste Gelehrtengesellschaft der österreichischen Monarchie gegründet wurde: die Societas incognitorum.

Oberer Platz in Olmütz
Oberer Platz in Olmütz


Am Oberen Platz befindet sich auch noch das Mährische Theater, in dem Gustav Mahler von Jänner bis März 1883 Kapellmeister war. Anscheinend wurde er von seinen Musikerkollegen aber hier nicht ganz für „voll genommen“, zumindest beschwerte er sich brieflich über seine Kollegen. Möglicherweise hing dieses Verhalten damit zusammen, dass Mahler zur damaligen Zeit keinen Alkohol zu sich nahm, seine Kollegen aber doch ein Bierchen oder ein Glas Wein schätzten.

Am Oberen Platz befindet sich auch die Mährische Philharmonie.

Wir machen uns aber auf unserer schnellen Tour auf zum Unteren Marktplatz

Unterer Marktplatz

Auch am Unteren Marktplatz begrüßen uns Brunnen und eine Mariensäule

Die Marienpestsäule

Auch Olmütz hatte unter der Pest zu leiden, die vielen Stadtbewohnern das Leben kostete. Nach einer verheerenden Pestepidemie wurde die Mariensäule auf Initiative von Steinmetz Wenzel Render von 1713-1715 errichtet. Auf dem unteren Teil kann man die acht Schutzheiligen gegen die Pest sehen – Karl Borromäus, Franz Xaver, Sebastian, Rochus, Rosa von Lima, Katharina von Siena, Barbara und die Patronin von Olmütz, die Heilige Paula. Hoch oben auf der spiralförmigen Säule wacht die Statue der Jungfrau Maria Immaculata über die Stadt.

Die Mariensäule am Unteren Platz in Olmütz
Die Mariensäule am Unteren Platz in Olmütz


Die beiden Brunnen des Platzes befinden sich links und rechts von der Marienpestsäule.

Der Neptunbrunnen

Der Neptunbrunnen gilt als der älteste Olmützer Brunnen. Er stammt aus dem Jahr 1683 und wurde von der Werkstatt M. Mandík gestaltet, das Brunnenbecken stammt auch hier von W. Render.

Der Neptunbrunnen am Unteren Platz
Der Neptunbrunnen am Unteren Platz

Vier Meerespferdchen „tragen“ den Meeresgott Neptun, der mit einem Dreizack das Gewässer beruhigt und so die Stadt beschützt. Unterhalb der Neptun-Figur kann man die Signatur des Künstlers finden: MAN/DIK/FE (Mandík fecit – von Mandik gemacht). Ursprünglich waren allerdings anstelle der Pferde vier Schildkröten in dem Becken, die allerdings bei Reparaturarbeiten 1754 entfernt wurden. Daher wurde der ursprünglich Schildkrötenbrunnen auch in Neptunbrunnen umbenannt.

Der Jupiterbrunnen

Auch hier gab es einen Austausch der Statuen, denn ursprünglich war der Brunnen mit dem Heiligen Florian „bestückt“, dem Schutzheiligen gegen Feuer- und Wassergefahr, die von einem unbekannten Künstler 1707 geschaffen worden war. Später ersetzte man den Heiligen Florian durch Jupiter, um die sechs Barockbrunnen thematisch zusammenfassen zu können. Jupiter, der Herrscher der Götter steht nun auf dem Sockel und hält ein Bündel mit Blitzen in der Hand. Ein Adler sitzt zu seinen Füßen.

Der Jupiterbrunnen am Unteren Platz
Der Jupiterbrunnen am Unteren Platz


Die Skulpturen stammen wieder von Philip Sattler, das Becken wurde wieder von W. Render gestaltet, die den Brunnen 1735 fertig stellten.

Auch am Unteren Platz sollte man den Fassaden der Häuser Beachtung schenken.

Der Hauenschild-Palast

Interessant ist auch die Geschichte dieses Renaissance-Gebäudes, das 1583 von der Familie Hauenschild erbaut wurde. Seine Dominante ist der Eckerker mit seinen figuralen Reliefs. Der Palast wechselte ab dem 17. Jahrhundert oft seine Besitzer. Von 1744 – 1768 wurde im Haus auch Theater gespielt, im Hof dafür ein eigener Raum gebaut. Der Palast wurde aber auch als Gasthaus genutzt und so erinnert heute eine Gedenktafel, dass hier 1767 im damaligen Gasthaus „Zum Schwarzen Adler“ der Salzburger Kapellmeister Leopold Mozart mit seiner Frau und seinen Kindern wohnte.

Der Hauenschild-Palast am Unteren Platz
Der Hauenschild-Palast am Unteren Platz

Fleischmarkt

Vom Unteren Platz weg führt ein Durchgang mit Renaissancegewölbe zur größten Barockbrauerei von Olmütz. Sie ist leider noch nicht renoviert, doch was nicht ist, kann ja noch werden. Das Gebäude ist allein durch seine Größe schon beeindruckend. Auf dem Weg dorthin findet sich im Gewölbe ein Lokal neben dem anderen – hier pulsiert das Studentenleben der Stadt.
Damit endet mein erster Aufenthalt in der Stadt, obwohl es noch jede Menge zu sehen gibt.

In den Durchgängen findet sich ein Lokal neben dem anderen
In den Durchgängen findet sich ein Lokal neben dem anderen


Welche Sehenswürdigkeiten man aber noch unbedingt sehen sollte:

Der Tritonenbrunnen

In meiner Auszählung fehlt noch der künstlerisch wertvollste aller Barockbrunnen, der nach dem Stadtbrand von 1709 geschaffen wurde. Zwei Männer tragen auf ihren Schultern eine Muschel mit einem Jungen, der ein Seeungeheuer zähmt. Delphine an den Seiten dienen als Wasserspeier. Der Entwurf dieses Brunnen stammt ebenfalls von W. Render.

Der Erzbischofspalast

Das Gebäude ist eines der spektakulärsten barocke Paläste der Stadt und Sitz des Olmützer Erzbistums. Gebaut wurde es im 17. Jahrhundert nach den Plänen des italienischen Architekten F. Lucchese an Stelle eines früheren Renaissancepalastes. Die frühbarocke Neugestaltung geht auf den kaiserlichen Architekten G.P. Tencala zurück.


Bei einer Führung durch das Palais sieht man auch den Thronsaal, wo Franz Joseph I. am 2. Dezember 1848 die Herrschaft der Österreichischen Monarchie übernahm, neben anderen repräsentativen Sälen mit reichem Rokoko-, Empire- und Neobarockdekor. Doch Franz Joseph I. war nicht die erste hoch gestellte Persönlichkeit, die sich in diesen Räumlichkeiten aufhielt. So besprachen der österreichische Kaiser Franz II. und der russische Zar Alexandr I. vor der Schlacht von Austerlitz 1805 hier ihre Strategie gegen Napoleon. Aber auch Maria Theresia, Papst Johannes Paul II. und die Präsidenten T.G. Masaryk, E. Beneš, und V. Havel wurden im Erzbischöflichen Palais beherbergt.

Weitere Infos findet ihr unter www.arcibiskupskypalac.cz

Die Olmützer Burg

Leider gibt es heute nur mehr wenige Beweise von der Macht und Bedeutung der Přemyslidenburg, die später durch Kirchengebäude und die Kathedrale ersetzt wurden. Einige monumentale Überreste sind jedoch bis heute erhalten und zu sehen: Steinmauern, Reste einer Außenwand des Bischofspalastes mit romanischen Fenstern oder der Runde Turm.  In der Nähe der Kathedrale befindet sich die Kapelle der Heiligen Anna, in der früher die Bischöfe und Erzbischöfe gewählt wurden.

Viele bedeutende Persönlichkeiten besuchten die Burg: Bischof Heinrich Zdik verlegte 1141 den Bistumssitz in die Burg. Doch sie war auch Schauplatz blutiger Ereignisse: Wenzel III., der letzte Přemyslide wurde hier 1306 ermordet, der junge Mozart soll hier gewesen sein und komponiert haben und in neuerer Zeit wurde die Burg unter anderem von Mutter Teresa und Papst Johannes Paul besucht.

Heute ist das ehemalige Kapiteldekanat Sitz des Erzdiözesanmuseums.

Der Wenzelsdom

Die Katedrála sv. Václava wurde von 1107 bis 1131 als romanische Basilika errichtet und im selben Jahr von Bischof Zdik geweiht, der auch den Bischofssitz von der Peterskirche hierher verlegte. Von der ursprünglichen Kirche sind noch Teile der Langhausmauern und der Turmfundamente erhalten.

Ein Brand 1265 vernichtete den romanischen Dom, der jedoch als gotische dreischiffige Hallenkirche wieder aufgebaut wurde, der Kreuzgang wurde erst im 14. Jahrhundert vollendet.  Später wurde die Renaissance-Kapelle des Heiligen Stanislaus hinzugefügt. König Wenzel III. wurde ursprünglich in der Kathedrale beigesetzt, aber 1326 in die Grablege der Přemysliden umgebettet.

1616-1618 erfolgt der Neubau des Chors im manieristischen Stil, der mit seinen Fensterformen und seinen 23 Meter Höhe im Außenbau bis heute deutlich erkennbar ist.

1803 wird die Fassade im klassizistischen Stil erneuert nachdem ein Blitzschlag mit anschließendem Feuer die gotische Doppelturmfassade und den Südturm zerstört hatte. 1883 wird der Dom wieder durch Gustav Meretta und Richard Völke umgestaltet, die die neugostische Westfassade mit den beiden Türmen und den über 100 Meter hohen neuen Südturm planen. Dabei wird auch das Innere vollständig regotisiert. Außer einigen barocken Kapellen stammt auch die Ausstattung vom Ende des 19. Jahrhunderts.

Unter dem Presbyterium ist eine zweistöckige Krypta angelegt, die im Obergeschoss als Ausstellungsraum dient und darunter die Särge der Olmützer Bischöfe beherbergt. Auf dem Altar ist ein Reliquienschrein mit den Gebeinen des Heiligen Sarkander platziert, der große Verehrung der Gläubigen genießt.

Im Dom befindet sich die acht Tonnen schwere Wenzelsglocke, die als größte Glocke Mährens gilt.

In der Stadt warten noch viele weitere Sehenswürdigkeiten auf unseren Besuch – vielleicht das nächste Mal.

Auch kulinarisch hat die Stadt einiges zu bieten: Vor allem ist es ein Muss zumindest einmal die berühmten Olmützer Quargel zu probieren, wer möchte kann auch eine Konditorei besuchen und die süßen Spezialitäten verkosten, die mit diesem speziellen tschechischen Käse hergestellt werden.

Mehr über Olmütz findet ihr unter https://tourism.olomouc.eu/

Der Besuch erfolgte im Rahmen einer Pressereise auf Einladung der Tourismusorganisaton Mittelmähren, der Tourismusorganisation Jeseníky und Czech Tourism Wien