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Vom 30.9.-18.12.2016 widmet sich die Ausstellung in der Landesgalerie Burgenland den interkulturellen Positionen in der Kunst und zeigt die Positionen der unterschiedlichen Künstler zu den Themen Globalisierung, Mobilität, Migration, Flucht und Medien auf.

Es ist eine kleine, aber immens wichtige Ausstellung – gerade im Burgenland – und trotzdem groß in ihrer Vielfältigkeit und Aussagekraft. Allerdings sollte man sich Zeit nehmen, um auch die – anfänglich vielleicht verborgenen – Hinweise und Aussagen zu finden.

Anderswo und Hier. Interkulturelle Positionen in der Kunst
Ein Austausch im Kulturellen gibt der Kunst neue Impulse, ist eine Bereicherung und Weiterentwicklungen, neue Fragen werden gestellt, in ungewöhnlicher Weise Antworten gegeben. Man überprüft aber auch eigene Einstellungen, die einem vielleicht teilweise bereits fremd geworden sind, und eignet sich Fremdes an. Das Zusammenprallen verschiedener Denk- und Lebensweisen kann aber auch Konflikte, Gewalt und Ängste auslösen, der konstruktive Umgang damit ist gefragt.

Blick in die Ausstellung Anderswo und Hier

In der Ausstellung in der Landesgalerie Burgenland sind Arbeiten folgender Künstler zu sehen:

Heide Aufgewekt, Josef Danner, Abdel Dauood, Hüseyin Isik, Tobias Hermeling, Judith Huemer, Anna Jermaelowa; Pauline Marcelle und Deniz Sözen.

Tobias Hermeling, Heide Aufgewekt, Michael Weese, Hüseyin Isik, Pauline Marcelle, die Kuratorin Eva Maltrovsky, Judith Huemer und Josef Danner bei der Eröffnung © KSB, Weiss
Alle KünstlerInnen dieser Ausstellung haben entweder selbst eine multikulturelle Biographie oder beschäftigen sich seit Langem mit dem Thema Multi- und Interkulturalität. Flucht, Gewalt, ethische und wirtschaftliche Probleme, interkulturelle Wechselwirkungen und soziologische Zuschreibungen sind kaum einem der teilnehmenden KünstlerInnen fremd und stehen daher im Fokus ihrer Arbeiten.

Kuratorin Eva Maltrovsky bei der Eröffnung.
Durch die Fluchtbewegung 2015, die besonders auch im Burgenland zu spüren war –allerdings stärker im Organisieren der Weiterreise der ankommenden Flüchtlinge, denn in der Unterbringung derselben, kommt dem Thema eine besondere Aktualität zu.

Pauline Marcelle im Gespräch am Eröffnungsabend
Zwei Kunstwerke und die Eröffnungsperformance haben mich besonders beeindruckt:

Der in der Osttürkei geborene und nun am Friedrichshof lebenden Hüseyin Isik schuf eine Serie an Phantasiewelten, die im Austausch von Ost und West entstanden. Seine Bilder haben, wie möglicherweise auch seine Welt bzw. seine Erlebnisse zwei Seiten: eine bunte, fröhliche, wie aus 1000 und einer Nacht und eine, die von Gewalt und Krieg geprägt ist. Diese Gewalt zeigt sich in schwarzen Soldatenfiguren, oft mit einem Maschinengewehr oder einem Flammenwerfer in der Hand im Hintergrund (in der ersten Ebene) seiner Bilder. Hier sind auch kleine Kunststoffpanzer und Soldaten als Spielfiguren zu sehen. Überlagert wird diese Welt jedoch von durchsichtiger Folie auf der sich viele bunte, seltsam zarte Figuren sichtlich ihres Lebens freuen. Karawanen durch die Wüste ziehen, die Welt eigentlich in Ordnung zu sein scheint und dennoch kann sie diesem dunklem anderen Part nicht entfliehen und ist doch eins mit ihm. Vor diesen Bildern kann man viel Zeit verbringen und man wird immer wieder neue Kleinigkeiten, neue Verbindungen zwischen den Welten, neue Details sehen.

Anderswo und Hier. Interkulturelle Positionen in der Kunst. Landesgalerie Burgenland.

Isik gestaltete auch gemeinsam mit Josef Danner und Heide Aufgewekt die Performance des Eröffnungsabends, die man in einer abgewandelten Form als Installation der Videokünstlerin Heide Aufgewekt in der Ausstellung sehen kann und unbedingt sehen sollte. Auch hier gilt: Nehmen Sie genügend Zeit mit, lassen sie sich auf den Text und die Bilder ein. Aladin zeigt die schreiende Diskrepanz zwischen der Romantik des Orients und den Szenarien von Krieg, Tod und Zerstörung, die hier in der Gegenwart herrschen. Während eine Geschichte über Aladin und seinen Geist erzählt wird, sieht man Bilder der Zerstörung und die „Tagesmeldungen“ über die Anzahl der Toten. Es ist keine leichte Kost für den Museumsbesucher, aber man sollte sich doch dessen aussetzen und darüber nachdenken.

Judith Huemer setzt mit ihrem „Flauschhut“ humorvoll-grotesk den Akt des Grüßens in Szene und widmet sich dem Thema der globalen Vernetzung, Kommunikation und Interaktion und greift dabei auf die farbintensiven Stoffmuster von Migrantinnen zurück.

Anderswo und Hier. Interkulturelle Positionen in der Kunst. Landesgalerie Burgenland.

Tobias Hermeling wuchs in der DDR auf stellt die Flucht mit seinen Eltern 1989 über die ungarische Grenze in den Mittelpunkt seiner ausgestellten Arbeit obwohl die Familie mit Koffer in seinem Werk „Discounted Packages“ auf die Zeit des Nationalsozialismus verweist. Seine Arbeit Taxi nach Leipzig thematisiert die Reisesehnsüchte der Menschen des ehemaligen Ostblocks.

Anderswo und Hier. Interkulturelle Positionen in der Kunst. Landesgalerie Burgenland.
Deniz Sözen widmet sich ihren eigenen Wurzeln und denkt ihrer Installation an ihre türkische Großmutter und Teppichknüpferin zurück, während sich die aus Demonica stammende Pauline Marcelle dem globalen Problem der Ausbeutung widmet und damit einen weiteren Grund aufzeigt, warum Menschen ihre Heimat verlassen. Sie zeigt am Beispiel billig produzierter Kleidung, die wieder als Abfall die westafrikanischen Meere, Küsten und Flüsse verschmutzt den unsinnigen, ausbeuterischen Kreislauf auf.

Anderswo und Hier. Interkulturelle Positionen in der Kunst. Landesgalerie Burgenland.

Adel Dauood stammt ursprünglich aus Syrien, lebt nun in Wien und verarbeitet seine Erfahrungen von Grausamkeit, Einsamkeit und die Sehnsucht nach Geborgenheit in seinen subtilen Zeichnungen.
Heide Aufgewekt fragt in ihrem Video nach den psychischen und emotionalen Spätfolgen von Flucht und die in St. Petersburg geborene Anna Jermolaewa trifft in ihrem Video nach 20 Jahren jene polnische Frau wieder, die ihr großzügig und selbstlos in den Westen geholfen hat, nachdem sie die damalige UdSSR aus politischen Gründen verlassen musste.

Anderswo und Hier. Interkulturelle Positionen in der Kunst. Landesgalerie Burgenland.
Die Ausstellung wurde von Frau Dr. Eva Maltrovsky kuratiert, die auch am Sonntag, den 2.10.2016 um 15:00 Uhr eine Führung leitet, Preis der Führung € 5,50, ansonsten ist der Eintritt in die Landesgalerie Burgenland frei.

Die Arbeiten von Pauline Marcelle in der Ausstellung Anderswo und Hier

Mein Tipp: Zeit nehmen und diese Ausstellung nicht verpassen!

30.9.-18.12.2016 Anderswo und Hier. Interkulturelle Positionen in der Kunst
Landesgalerie Burgenland
7000 Eisenstadt, Franz Schubert-Platz 6
Tel. +43-2682-719-5000
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.landesgalerie-burgenland.at

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