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Josef Frank war einer der bedeutendsten Architekten und angewandten Künstler der Moderne, ihm widmet das MAK nun vom 16.12.2015 - 3.4.2016 eine Ausstellung.

Josef Frank: Against Design im MAK Wien, Foto© MAK/Aslan Kudrnofsky
„Man kann alles verwenden, was man verwenden kann“, dieser Ausspruch stammt von Josef Frank und zeigt seinen undogmatischen, demokratischen Gestaltungsansatz. Heute gilt sein Architekturverständnis, das den Komfort über die Form stellte, als stilbildend.

Josef Frank: Against Design, Foto © MAK/Aslan Kudrnofsky
Die neue Ausstellung im MAK gibt einen umfassenden Überblick über das vielschichtige Werk des Künstlers. Against Design, der Titel der Werkschau bringt die undogmatische Haltung des Künstlers auf den Punkt: Frank war als „Designer“ hochproduktiv, entwarf eine Fülle von Möbeln und Textilien, er war ein maßgeblicher Architekt der Moderne und nahm innerhalb der Avantgarde eine äußerst kritische Position ein. Er sprach sich klar gegen die Idee des Gesamtkunstwerks, standardisierte Garnituren und innovative Formen um ihrer selbst willen aus. Damit konnte er den Umsetzungen der Wiener Werkstätten ebenso wie dem des Bauhauses wenig abgewinnen.

Frank stellte Wohlbefinden, Wohnlichkeit und stilistische Vielfältigkeit in den Mittelpunkt.

Josef Frank: Against Design im MAK Wien, Foto© MAK/Aslan Kudrnofsky
Josef Frank wurde 1885 in Baden bei Wien geboren und entstammte einer jüdischen Familie. Er studierte Architektur an der k.k. Technischen Hochschule in Wien. 1933 emigrierte er wegen des zunehmenden Antisemitismus nach Schweden, wo er 1939 die Staatsbürgerschaft annahm. Josef Frank arbeitet beim Möbel- und Einrichtungshaus Svenskt Tenn als Designer bevor er 1939 in die USA übersiedelt, wo er an der New School of Social Research in New York unterrichtet. Seine Hoffnungen als Architekt Fuß fassen zu können, erfüllten sich allerdings nicht.

Josef Frank: Against Design, Foto © MAK/Aslan Kudrnofsky
Seine Entwürfe für Svenskt Tenn prägten allerdings das schwedische Design der Nachkriegszeit, viele davon werden auch heute noch produziert.
Die Ausstellung im MAK versucht einen Überblick über das vielfältige Werk des Künstlers zu geben.

Der Architekt

Frank engagierte sich schon früh für den sozialen Wohnbau und die Errichtung von Arbeitersiedlungen. Seine Bauten reichen von Einfamilienhäusern mit Garten über Villen is hin zum sozialen Wohnbau, obwohl er den Siedlungsgedanken den mehrgeschossigen Wohnblöcken eindeutig vorzog. Zwischen 1929 und 1931entstand das Haus Beer, das neben dem Haus Moller von Adolf Loos als einer der bedeutendsten Wiener Bauten im Bereich des privaten Wohnbaus der 1920er Jahre gilt. 1932 wurde unter seiner Leitung die berühmte Wiener Werkbundsiedlung errichtet. Frank lud dazu u.a. Hugo Häring, Josef Hoffmann, Adolf Loos, Richard Neutra, Ernst Plischke, Gerrit Rietveld, Margarete Schütte-Lihotzky und Oskar Strnad ein. Die Siedlung im 13. Wiener Gemeindebezirk ist heute noch bewohnt und die Auswahl der ArchitektInnen zeigt seinen Glauben an die Vielfalt und weist auf seine Skepsis gegenüber Doktrinen hin.

Josef Frank: Against Design, Foto © MAK/Aslan KudrnofskyFranks kritische und komplexe Haltung zu den Möglichkeiten von Architektur und Bauen wird in der Ausstellung vergleichbaren Ansätzen anderer ArchitektInnen, KünstlerInnen und DesignerInnen gegenübergestellt. Diese Vergleiche verstehen sich meist nicht als Hinweise auf wechselseitige Einflüsse; vielmehr geht es um die Einordnung der Bedeutung von Franks Œuvre im internationalen Vergleich.

Josef Frank: Against Design, Foto © MAK/Aslan Kudrnofsky

Wohnen

Es sind etwa 70 Wohnungseinrichtungen von Frank bekannt. Im Bereich der Innenarchitektur vertrat er einen pragmatischen Designansatz und plädierte für eine normale Architektur und Gestaltung. Vorhandenes wird dabei ganz selbstverständlich berücksichtigt und für den Gebrauch weiterentwickelt. Die Wohnung soll nicht zum Designobjekt werden, sondern der Wohnraum steht im Mittelpunkt und dieser muss weder repräsentativ noch innovativ sein.

Josef Frank: Against Design, Foto © MAK/Aslan KudrnofskyDadurch scheinen seine ungekünstelten Entwürfe jenseits stilistischer Dogmen und modischer Konventionen aktueller denn je.
Anlässlich der Ausstellung gelang es dem MAK fast den gesamten noch existierenden Bestand aus Josef Franks erstem Interieur – der 1910 entstandenen Wohnung Tedesko in Wien - zu erwerben. Selbst diese frühe Arbeit lässt seinen charakteristischen, undogmatischen Stil erkennen.

Against Design

Für sein Wiener Einrichtungsunternehmen Haus & Garten und später für das schwedische Möbel- und Einrichtungshaus Svenskt Tenn entwarf Frank wiet über 1000 Einzelmöbel und rund 200 Stoffmuster, von denen viele bis heute noch immer produziert werden. Frank ging es aber nicht darum, neue Formen in die Welt zu setzen, sondern ihm war das komplexe Zusammenspiel moderner und historischer Ansätze abseits von herrschenden „Designdiskursen“ wichtig. Frank forderte, auch Kitsch, Trivialität und Alltagskultur zuzulassen. In Franks Idee der „Wohlfühl-Wohnung“ waren auch die Spuren des Erlebten wesentliche, willkommene Komponenten der individuellen Einrichtung. Er prägte den Begriff des Akzidentismus und regte dazu an, die Umgebung so zu gestalten, als wäre sie durch Zufall entstanden. Außerdem trat er vehement für das Normale und Natürliche, das Sachliche und Spontane ein, das für ihn einen zwar unspektakulären, aber durchaus überzeugenden, von der Qualität des Zufalls geprägten Gestaltungsansatz darstellte.

Josef Frank: Against Design, Foto © MAK/Aslan Kudrnofsky
Franks Möbel, Zeichnungen, Pläne und Textilien werden in Against Design weitgehend im Original gezeigt und durch zeitgenössische Fotografien und Architekturmodelle ergänzt. Im Zusammenhang mit Franks Weiterentwicklung des Loos’schen Raumplans wird in der MAK-Ausstellungshalle eine Empore installiert, die auch den Blick von oben auf die Ausstellung erlaubt.
Josef Frank verstarb 1967 in Stockholm.

Zur Ausstellung erschien eine umfassende Publikation.
Die Ausstellung ist von Mittwoch bis Sonntag von 10:00 – 18:00 Uhr geöffnet, am Dienstag von 10:00 bis 22:00 Uhr, von 18:00 – 22:00 Uhr ist der Eintritt jeden Dienstag frei.

16.12-2015 – 3.4.2016 Josef Frank: Against Design
MAK Ausstellungshalle
1010 Wien, Stubenring 5
Tel: +43 1 712 80 00
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.MAK.at

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