Einzigartig in Herkunft und Sprache, zeichnet die Geschichte Ungarns einen großen Bogen vom Ursprung der "sieben Stämme" bis zum Beitritt in die Europäische Union.

Die "Vorvorfahren" der Ungarn stammen von den obugrischen Völkern aus dem Uralgebiet ab. Durch Klimawandel veränderten sich jedoch ihre Siedlungsräume langsam von einer Waldsteppe in Richtung Trockensteppe, was schließlich zur Abspaltung der Ugrier von dem Obugriern führte. Während die Obugrier nach Norden zogen, blieben die Vorfahren der heutigen Magyaren in ihrem Siedlungsgebiet, änderten allerdings ihre Lebensweise und wurden zu einem Nomadenvolk. Um 500 v.Chr. zwingt wahrscheinlich eine weitere Klimaänderung die Magyaren ihr Gebiet zu verlassen und in Richtung des südlichen Urals zu wandern. Kontakte mit den Völkern der Skythen und Sarmaten scheinen friedlich verlaufen zu sein und zur Bereicherung jeweils beider Völker beigetragen zu haben.

Etwa um 500 n.Chr. verlassen die Magyaren ihr Siedlungsgebiet im Südosten des Urals und brechen Richtung Westen auf. Ungefähr um 800 n.Chr. erreichen Sie Levedien unweit des Schwarzen Meeres. Im Gegensatz zu den Awaren und Hunnen nehmen sie nicht nur die südliche Steppenzone in Besitz, sondern den gesamten Karpatenbogen, unterwerfen sich jedoch dem chasarischen Khan. Zwischen 820 und 839 kommt es bei den Chasaren zu Aufständen, an denen sich auch Ungarn beteiligen, der Aufstand scheitert jedoch. Viele Aufständische flüchten zu den Magyaren. Um weiteren Angriffen der Chasaren zu entgehen ziehen die Magyaren weiter und erreichen im 9.Jht. die Pannonische Tiefebene
Das Volk der Magyaren bestand zu dieser Zeit aus sieben Stämmen: Nyék, Megyer, Kürtgyarmat, Tarján, Jenö, Kér und Keszi.

896-907 Unter der Führung Arpads nehmen die Magyaren-Stämme die Tiefebene an der Theiß und der mittleren Donau in Besitz. Es folgen Feldzüge gegen das ostfränkische Reich, gegen Italien, Frankreich, Lothringen, Burgund, Spanien und Byzanz.

955 Nach ihrer Niederlage bei Augsburg festigt der Enkel Arpads - Geza - die Fürstengewalt und fördert die Christianisierung. Die Ungarn werden wieder sesshaft.

997-1038 Stephan I., der Heilige, begründet die christliche Königsgewalt. Christliche Ritter werden an den Hof gerufen und Benediktiner mit Land belehnt.

1001 Gründung des Erzbistums Gran und Krönung Stephans. Dem König steht ein Rat aus Geistlichen und Grafen der Komitate zur Seite.

1077-1095 Ladislaus I. verbindet Kroatien in Personalunion mit Ungarn. Sein Nachfolger Koloman I. wird König von Kroatien.

1173-1196 Bela II. erreicht nach Auseinandersetzungen mit Byzanz den Anschluss Dalmatiens, Kroatiens und Bosniens. Zisterzienser und Prämonstratenser werden ins Land gerufen und dadurch Beziehungen zu Frankreich aufgebaut. Siebenbürgen wird durch ins Land gerufene Sachsen besiedelt; ihnen wird eine Selbstregierung zugesichert.

1222 Andreas II erlässt die Goldene Bulle, die die Adelsprivilegien verankert.

1241 Zusammenbruch Ungarns im Mongolensturm. Es folgen Auseinandersetzungen mit Ottokar II. von Böhmen.

1301 Mit dem Tod Andreas III. erlischt die Dynastie der Arpaden.

1387 Sigismund von Luxemburg, der ab 1410 deutscher König und ab 1433 deutsch-römischer Kaiser ist, wird zum König gewählt

1458-1490 Matthias Corvenius erhält die Königswürde. Er fördert Künste und Wissenschaften und ermöglicht eine Blütezeit Ungarns. Die Gefahr der Türkenbedrohung steigt ständig.

1526 Schlacht von Mohács. König Lajos II. stirbt, Ungarn fällt durch einen Erbvertrag an Ferdinand I. von Habsburg, die ungarischen Stände wählen allerdings überwiegend Fürst Johann Zápolya zum ungarischen König. Das Land ist größtenteils von den Türken besetzt.

1527-1538 Ein Bürgerkrieg um die Vorherrschaft in Ungarn bricht aus. Obwohl die Truppen Ferdinands I. überlegen sind, erkennt Ferdinand im Frieden von Großwardein 1538 Zápolya als König an, lässt sich aber im Falle seines Todes das Recht auf Nachfolge zusichern.

1541 Der Tod Johann Zápoyas, die Unmündigkeit seines Sohnes (der nun doch anstelle Ferdinands den Thron übernehmen sollte) rufen die Osmanen auf den Plan. Buda und Ofen wird erobert und in den folgenden Jahren auch Gran, Stuhlweißenburg und Fünfkirchen besetzt. Damit ist das Land dreigeteilt: Das unabhängige Fürstentum Siebenbürgen ist tributpflichtig an die Türken, der mittlere Teil Ungarns ist unter der Herrschaft der Osmanen, Nord- und Westungarn steht unter der Herrschaft Habsburgs.

1686 Nach der missglückten Belagerung Wiens 1683 wird Buda von den kaiserlichen Truppen zurückerobert und die Türken weiter aus dem Land vertrieben. Allerdings haben die Habsburger mit ungarischen Unabhängigkeitsbewegungen und Aufständen zu kämpfen.

1703-1711 Kuruzenaufstand unter Fürst Ferenc Rákóczi II. Nach dessen Niederlage werden beim Frieden von Szatmár die traditionellen Freiheiten des ungarischen Adels erneuert und die Habsburger als Könige Ungarns anerkannt.

1740-1780 Maria Theresia reformiert die Verwaltung, verankert das Schulwesen und siedelt erneut Deutsche im Königreich Ungarn an.

1780-1790 Reformversuche Kaiser Joseph II scheitern am ständisch-nationalen Widerstand.

1825 Ungarisch wird Staatsprache.

1848/1849 Unter der Führung von Lajos Kossuth kommt es zur Revolution gegen die Habsburger, die mit Hilfe der russischen Armee blutig niedergeschlagen wird. Ministerpräsident Batthyány sowie 13 weitere Revolutionsführer werden am 6. Oktober 1849 hingerichtet.

1867 Kaiser Franz Joseph I. stimmt dem Österreich-Ungarischen Ausgleich zu, um den Vielvölkerstaat auf eine breitere Basis zu stellen. Allerdings verschärfen sich die nationalistischen Bestrebungen weiter und es kommt zu einer Magyarisierung in der ungarischen Reichshälfte.

1819 Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wird Ungarn als unabhängiger Staat errichtet.

1920 Durch den Vertrag von Trianon verliert Ungarn zwei Drittel seines Staatsgebietes: 63% der einstigen Länder der heiligen Stephanskrone befinden sich nach diesem Vertrag außerhalb der neuen Grenzen, knapp 30% der Ungarn. Mit diesen Gebieten gingen fast alle Rohstoffvorkommen verloren und Ungarn wird als Nachfolgestaat der k.u.k. Monarchie zu Reparationszahlungen verpflichtet.

Ab 1934 nähert sich Ungarn immer mehr Deutschland an: es wird ein Wirtschaftsabkommen geschlossen, im ersten Wiener Schiedsspruch 1938 (von Deutschland und Italien gefällt) erhält Ungarn die Südslowakei zurück, im zweiten Wiener Schiedsspruch 1940 wird Siebenbürgen zwischen Rumänien und Ungarn geteilt. 1937-1941 folgen antijüdische Diskriminierungsgesetze und schließlich unterstützt Ungarn 1941 das Deutsche Reich beim Jugoslawienfeldzug und nimmt am Krieg gegen die Sowjetunion teil.

1943 Die 2.ungarische Armee mit 200.000 Mann wird im Jänner von der Roten Armee eingekesselt, die ungarische Regierung versucht ab August mit den Alliierten Kontakt aufzunehmen.

1944 Deutsche Truppen besetzen am 19. März Ungarn, innerhalb kürzester Zeit werden Juden vollständig entrechtet. Unter der Leitung von Adolf Eichmann setzen massenhafte Deportationen von Juden aus der ungarischen Provinz in Vernichtungslager ein.

Im Oktober besetzt die Rote Armee Teile Ungarns, es kommt zur Belagerung und schweren Kämpfen um Budapest, bei denen 38.000 Zivilisten sterben.

1945 Bei den ersten Wahlen siegt die Unabhängige Partei der Kleinlandwirte. Bei den folgenden Parlamentswahlen siegt – unter Einsatz unlauterer Mittel – ein Block der Linken, die von der sowjetischen Besatzungsmacht unterstützt werden. Im der Folge werden alle anderen Parteien verboten und eine Einparteienherrschaft errichtet. Mátyás Rákosi verfolgt einen stalinistischen Kurs in Ungarn.

1953 Imre Nagy wird Ministerpräsident und versucht eine vorsichtige Liberalisierung, wird 1955 wieder abgesetzt.

1956 Rákosi wird am Parteitag gestürzt. Es kommt zum ungarischen Volksaufstand, der eine Mehrparteiendemokratie wieder herstellen soll. Durch eine Intervention der sowjetischen Armee wird dieser Entwicklung jedoch Anfang November ein blutiges Ende gesetzt. Eine Marionettenregierung wird eingesetzt, es kommt zu Geheimprozessen. Imre Nagy wird im Juni 1958 zum Tode verurteilt und kurz darauf gehängt. Über 200.000 Ungarn verlassen das Land in Richtung Westeuropa und Nordamerika.
János Kádár wird Parteichef, er beginnt ab 1968 mit Wirtschaftsreformen, die unter der Bezeichnung „Gulaschkommunismus“ bekannt werden.

1988 Károly Grósz löst Kádar von der Parteispitze ab. Oppositionsparteien entstehen, die zuerst geduldet, aber schließlich anerkannt werden. Wirtschaftsreformer kommen an die Macht, Miklós Németh wird Ministerpräsident.

1989 Imre Nagy wird rehabilitiert. Während eines Paneuropäischen Picknicks kommt es am 19. August zur ersten „offiziellen Öffnung“ des Eisernen Vorhanges: tausende DDR-Bürger kommen über die Grenze nach Österreich.

1990 Im März finden die ersten freien Wahlen statt, die das Ungarische Demokratische Forum (MDF) gewinnt. Erster Ministerpräsident wird Jósef Antall. Ungarn tritt aus dem Warschauer Pakt aus.

1991 Die in Ungarn stationierten sowjetischen Soldaten verlassen das Land.

1999 Ungarn wird Mitglied der NATO.

2004 Ungarn ist Mitglied der Europäischen Union.

Weitere Informationen:
www.wikipedia.org
www.ungarn-budapest.de