Die Geschichte der Tschechischen Republik umfasst lange Zeit die geschichtliche Entwicklung der drei historischen Länder Böhmen, Mähren und Tschechisch-Schlesien.

Ein Überblick:

Der älteste Fund für menschliche Anwesenheit auf dem Gebiet Tschechiens ist ca. 1,87 Millionen Jahre alt (Fundort: Beroun-Autobahn). Die paläolithische Besiedlung des Landes, insbesondere Mittel- und Nordböhmen, wie auch Mittel- und Südmähren gilt als nachgewiesen. Ab 5300 bis 4500 v.Chr. ist eine weitreichende neolithische Besiedlung belegt. Ebenso sind Funde der Schnurkeramik, Glockenbecherkultur, der Aunjetitzer, Hügelgräber- und Urnenfelderkulturen vorhanden. In der Latenezeit wurden Teile des heutigen Tschechiens von dem keltischen Stamm der Boier besiedelt, die als Namensgeber für Böhmen gelten (ihr lateinischer Name lautet: Boiohaemum). Den Kelten folgten im ersten Jahrhundert nach Chr. die Markomannen in Böhmen und die Quaden in Mähren.

Um 550 wandern Slawen ein.

623 bis 658 erstes slawisches Herrschaftsgebilde – das Reich des Samo

Nach dem Tod Samos könnte Böhmen möglicherweise in die fränkische Herrschaftssphäre gelangt sein. Die genaue Ausbreitung und Machtverhältnisse sind jedoch noch nicht endgültig geklärt.

Ab 805 führt Karl der Große, der die Awaren verjagt, auch Kriege gegen die Böhmen, die wahrscheinlich tributpflichtig werden

vom 8 Jhd. bis 833 bestand das Mährische Fürstentum

833 entsteht Großmähren unter Fürst Mojmir I. (auf ihn folgt Rastislav)

864 kommen die byzantinischen Mönche Kyrill und Method nach Großmähren und begründen die slawische Liturgie.

in den 80 und 90 Jahren des 9. Jhs. war Böhmen ein Teil des Großmährischen Reichs.

894 stirbt Rastislavs Nachfolger Svatopluk und das großmährische Reich beginnt zu zerfallen.

895 akzeptiert Fürst Spytihnev in Regensburg die ostfränkische Oberherrschaft über Böhmen, er herrscht bis 915 und gilt als Begründer des Staates der Premysliden, von denen Borivoj I. als erster historisch belegbar ist.

935 Wenzel, der Enkel Borivojs, wird von seinem Bruder Boleslav ermordet. Er gilt heute noch als der Schutzheilige des Landes.

937 Kaiser Otto I. gibt Böhmen ein eigenes Bistum mit Sitz in Prag.

1031 Mähren kommt endgültig zu Böhmen.

1085 Heinrich der IV., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, verleiht Vratislav II. die böhmische Königswürde.

1198 Ottokar I wird König von Böhmen und erhält 1212 durch die Goldene Bulle von Sizilien von Kaiser Friedrich II. die Erblichkeit des Königstitel zugesichert.

1251 Ottokar nutzt die Schwäche der Babenberger zur Aneignung ihrer Herrschaftsgebiete und wird Herzog von Österreich

1253 Ottokar II. wird zum König gekrönt

1261 Ottokar II wird Herzog der Steiermark und 1269 auch von Kärnten und Krain.

1306 wird sein Enkel Wenzel III. in Olmütz ermordet und damit geht die Dynastie der Premysliden zu Ende.

1310 heiratet Johann von Luxemburg (Sohn des römischen Kaisers Heinrich VII) Elisabeth von Böhmen, die Tochter Wenzel II. und wird damit böhmischer König.

1344 Gründung des Erzbistums Prag

1347 wird sein Sohn Karl IV (als Karl I.) König von Böhmen

1348 Gründung der Karls-Universität (erste Universität nördlich der Alpen). Die böhmische Hauptstadt wird das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum von Mitteleuropa.

1355 Kasimir der Große von Polen verzichtet auf Schlesien – Karl IV. wird in Rom zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt und wählt Prag zu seiner Residenzstadt.

1378 Karl IV. teilt in seinem Testament sein Erbland unter seinen Söhnen auf. Sein Sohn Wenzel IV. wird Herrscher von Böhmen. Seine Nachfolger sind Sigismund, Albrecht II und Ladislaus Postumus

1415 wird Jan Hus während des Konzils in Konstanz trotz der Zusage des freien Geleits als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

30. Juli 1419 Erster Prager Fenstersturz: Anhänger von Jan Hus stürmen das Neustädter Rathaus, befreien gefangene Glaubensgenossen und werfen Ratsherren aus dem Fenster.

1420 Beginn der Hussitenkriege

1458 Jiri von Podebrad wird von den böhmischen Ständen zum ersten protestantischen König in Europa gewählt, er versucht sich strikt an das Abkommen von Jihlava zu halten, das Zugeständnisse an die Hussiten enthielt.

1466 erklärt Papst Paul II. Jiri von Podebrad zum Ketzer, ein Aufstand der katholischen Städte Breslau und Pilsen ist die Folge.

1469 lässt sich der ungarische König Matthias Corvinus vom katholischen Teil der Stände zum Gegenkönig wählen. Podebrad unterzeichnet einen Nachfolgeschaftsvertrag mit dem polnischen König Kasimir IV.

1471 Vladislav II. – ein polnischer Prinz – wird zum König von Böhmen gewählt.

1479 wird der Krieg mit Matthias Corvinus beendet. Matthias kann die böhmischen Nebenländer Mähren, Schlesien, Ober- und Niederlausitz behalten – beide dürfen den Titel „König von Böhmen“ führen.

1490 stirbt Matthias und Vladislav wird vertragsgemäß wieder alleiniger König von Böhmen.

1500 Vladislavsche Landesordnung: älteste geschriebene Verfassung Böhmens.

1512 Ludwig II

1526 Ludwig stirbt ohne eigene Nachkommen, die Stände wählen seinen Schwager Ferdinand I. von Habsburg zum böhmischen König.

1575 Confessio Bohemica sollte alle evangelische Strömungen im Land unter ein theologisches Dach bringen

1583 Kaiser Rudolf II., Ferdinands Nachfolger, zieht mitsamt dem Hof von Wien nach Prag. Prag wird damit ein Zentrum der Kunst und Wissenschaft

1609 Rudolf erlässt den Majestätsbrief der Religionsfreiheit.

1611 Matthias, der Bruder Rudolf, kommt an die Macht, die Konfessionsproblematik wird wieder entfacht.

23.5.1618 Die evangelische Stände rebellieren gegen Kaiser Matthias. Gesandte der böhmischen Stände dringen in die Kanzlei des Hradschin und werfen zwei kaiserliche Stadthalter aus dem Fenster. Der sogenannte zweite Prager Fenstersturz leitet den Dreißigjährigen Krieg ein.

1619 Matthias stirbt, die Stände sagen sich von den Habsburgern los und wählen Friedrich von der Pfalz zum König.

1620 kommt es zur Schlacht am Weißen Berg. Friedrich (der „Winterkönig“) muss fliehen.

1620-1637 „Temno“ – die Epoche der Dunkelheit. Kaiser Ferdinand II. unterdrückt alle Nicht-Katholiken. Böhmen wird zunächst streng absolutistisch verwaltet. Ein großer Teil der Adeligen wird hingerichtet oder muss fliehen.

1740-1780 Maria Theresia ist Erzherzogin von Österreich und Königin Ungarns und Böhmens.

1780-1790 Joseph II. – hebt 1781 die Leibeigenschaft auf

Ende des 18.Jhts – 1885 Als Reaktion auf den Wiener Zentralismus kommt es zu einer „nationalen Wiedergeburt“ des Tschechischen. Intellektuelle fördern wieder die Pflege, Anerkennung und Verwendung der tschechischen Sprache. Das Verlangen nach kultureller und politischer Autonomie wird stärker.

1804 die habsburgischen Lande werden zum Kaisertum Österreichs.

1848 Märzrevolution, im Juni tagt in Prag ein Slawenkongress, dessen Hauptforderung eine gleichberechtigte Rolle der Slawen in der Donaumonarchie ist.

13. Juni 1848 Es kommt zum Pfingstaufstand in Prag, nachdem Kaiser Ferdinand I. die Forderungen ablehnt. Dieser Aufstand wird nach drei Tagen mit militärischer Gewalt niedergeschlagen.

1867 Österreichisch-ungarischer Ausgleich, Böhmen gehört zum cisleithanischen Teil der Doppelmonarchie.

1860, 1861 und 1867 gibt es mehrere Ansätze, den Tschechen mehr Freiheiten zu verschaffen

1897 Ministerpräsident Graf Badeni erlässt eine Nationalitätenverordnung für Böhmen und Mähren. Damit wurde festgelegt, dass Tschechisch in den beiden Kronländern von einer Minderheitensprache zur Nationalsprache avancierte. Daraufhin legen deutsche Abgeordnete den österreichischen Reichsrat lahm.

1899 wird die Nationalitätenverordnung wieder aufgehoben. Tschechische Abgeordnete blockieren die Parlamentsarbeit in Wien, Deutsche in Prag.

1905 Mährischer Ausgleich bringt auch keinen dauerhaften Erfolg

28.10.1918 Die Niederlage von Österreich-Ungarn im ersten Weltkrieg bietet die Möglichkeit der Gründung eines unabhängigen tschechischen und slowakischen Staates. Tomáš Garrigue Masaryk wird erster Staatspräsident. Die Slowakei schließt sich dem neuen Staat an (Milan Rastislav Štefánik)

1933 Gründung der Sudetendeutsche Parte durch Konrad Heinlein. Die Forderung nach weitergehender Autonomie bis zur Abtrennung des deutschsprachigen Landesteiles verschärft sich 1938 zur Sudetenkrise. Hitler droht mit dem Einmarsch ins Sudetenland.

29.9.1938 Münchner Abkommen: Frankreich und Großbritannien glauben durch Nachgeben („Appeasement-Politik“) einen Weltkrieg verhindern zu können. Etwa ein Drittel des Staatsgebietes fällt an das Deutsche Reich.

5.10.1938 Präsident Edvard Beneš tritt zurück und geht ins Exil nach Großbritannien.

15.3.1939 Einmarsch deutscher Truppen, Gründung des Reichsprotektorat Böhmen und Mähren.

9.5.1945 Einmarsch sowjetischer Truppen in Prag. Beneš übernimmt wieder die Regierungsgewalt. Die Beneš-Dekrete werden erlassen, die neben Verwaltungsangelegenheiten auch die Bestrafung, Vermögensenteignung und Ausbürgerung von Deutschen und Ungarn regeln.

26.5.1946 die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei gewinnt die Wahlen

25.2.1948 vollständige Machtergreifung durch die Kommunisten; erster „Arbeiterpräsident“ wird Klement Gottwald.

10.3.1948 Dritter Prager Fenstersturz: der nicht kommunistische tschechoslowakische Außenminister Jan Masaryk (Sohn von Tomáš Garrigue Masaryk) stürzt im Schlafanzug aus dem Fenster seines Büros im heutigen Außenministeriums und stirbt. Die Umstände seines Todes (Mord oder Selbstmord) sind nicht endgültig geklärt.

Juni 1967 Auf dem vierten tschechischen Schriftstellerkongress werden Rufe nach Reformen laut und gipfeln in direkter Kritik der politischen Führung

5.1.1968 Präsident Novotný wird vom ZK abgesetzt. Alexander Dubček wird Vorsitzender der Kommunistischen Partei.

März 1968 Aufhebung der Zensur

5.4.1968 Aktionsprogramm: „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ soll umgesetzt werden (verbürgte Versammlungsfreiheit, kleines Unternehmertum, Freilassung politischer Gefangener)

21.8.1968 Sowjetische und Truppen der Warschauer Paktstaaten okkupieren die Tschechoslowakei. Moskau erlässt Breschnew-Doktrin der „Begrenzten Souveränität der sozialistischen Staaten“.

17.4.1969 Alexander Dubček wird abgelöst, Gustáv Husáks wird Generalsekretär der KSC.

1.1.1977 Gründung der Bürgerbewegung „Charta 77“

17.11.1989 Die brutale Unterdrückung einer Studenten-Demonstration führt zu Großdemonstrationen.

19.111989 Das Bürgerforum wird zur tragenden Kraft der „Samtenen Revolution“ in Tschechien

10.12.1898 Staatspräsident Gustáv Husák erklärt seinen Rücktritt, Alexander Dubček
wird zum Präsidenten der Föderalversammlung gewählt.

29.12.1989 Vaclav Havel wird von der Föderalversammlung zum Präsidenten der Tschechoslowakei gewählt.

8.6.1990 Erste freie Parlamentswahlen

5.7.1990 Vaclav Havel wird zum Präsidenten gewählt

20.7.1992 Präsident Vaclav Havel tritt zurück

25.11.1992 Gesetz über die Auflösung der Tschechoslowakei und die Trennung von Tschechien und der Slowakei wird beschlossen

16.12.1992 Neue Verfassung der Tschechischen Republik als „demokratischer Rechtsstaat“

12.3.1999 Beitritt zur NATO

1.5.2004 EU-Beitritt Tschechiens


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