Sie werden in vielen Liedern besungen, sind aber auch immer wieder den Vorwürfen der Tierquälerei ausgesetzt. Doch die meisten Fiaker schauen auf ihre Tiere und auch der Gesetzgeber hat nachgebessert…

Schwarze Schafe mag es hier und da noch geben, immerhin weist Wien mit über 30 Zulassungen für einen Fiaker-Fuhrbetrieb auf. Doch die großen der Branche halten die gesetzlichen Regeln peinlichst genau ein, arbeiten mit der Veterinär-Uni Wien zum Wohle der Pferde zusammen und schauen darauf, dass es ihren Tieren gut geht. Wenn man daher einen prüfenden Blick auf Kutsche, Kutscher und Pferde vor dem Einsteigen riskiert und feststellt, dass alle drei gepflegt aussehen, kann man ohne schlechtes Gewissen eine Fiakerfahrt genießen.

Los geht's zum Standplatz
Los geht's gleich zum Standplatz

Geschichte

Der Begriff stammt aus dem 18.Jahrhundert und ist dem französischen Fiacre entlehnt. In der Rue de Saint Fiacre war der erste Standplatz für Lohnkutschen und Saint Fiacre geht auf den Einsiedler Fiacrius zurück, der im 7. Jahrhundert von Irland nach Frankreich kam und südöstlich von Meaux eine Einsiedelei gründete.

Neugierig auf die Besucher der Stallbesichtigung
Neugierig auf die Besucher der Stallbesichtigung


Bereits 1693 wurde auch in Wien die erste Lizenz erteilt. Die Kutschen wurden nun nummeriert und lösten die Janschky-Wagen ab. Um 1700 gab es in Wien an die 700 Fiaker, am Höhepunkt der Fiakerzeit um 1900 waren es wohl über 1000 Wagen.

Ein Muss für den echten Fiaker - die Melone
Ein Muss für den echten Fiaker - die Melone


Wien war immer stolz auf seine Fiaker – wie auch das berühmte Fiakerlied beweist – weil fürs Fiaker fahren muss man die rechte (richtige) Pratz’n (Hand) besitzen. Kutscher kann ein jeder sein, aber fahren kann man eben nur in Wien…

Vor der Abfahrt werden die Hufe überprüft und gereinigt
Vor der Abfahrt werden die Hufe überprüft und gereinigt


Unter den Fiakern befanden sich oft auch stadtbekannte Originale, wie z.B. Josef Bratfisch, den Lieblingsfiaker von Kronprinz Rudolf. Er war es auch, der den Kronprinzen und Mary Vetsara zum schicksalshaften Treffen nach Mayerling führte.

Man bittet um mehr Beachtung!
Man bittet um mehr Beachtung!


Ein Fiaker war nicht nur ein guter Kutschenlenker, sondern oft auch Alleinunterhalter, ein ausgezeichneter Kenner der Stadt – damals wie heute – und vor allem: diskret und verschwiegen.

Wien und seine Fiaker

In Wien gibt es mehrere Fiaker-Standplätze in der Innenstadt: Stephansplatz, Heldenplatz, Michaelerplatz, Petersplatz, beim Burgtheater und hinter der Wiener Staatsoper bei der Albertina.
Seit 1984 gibt es auch weibliche Kutscher und seit 1998 ist in der Bundeshauptstadt auch eine spezielle Fahrdienstprüfung notwendig, um einen Fiaker lenken zu dürfen. Außerdem sind nun auch das Aussehen der Kutschen und auch die Kleidung der Fiaker geregelt.

Bei Regen kann die Kutsche geschlossen werden
Bei Regen kann die Kutsche geschlossen werden


Zum Wohle der Pferde traten auch einige Regeln zum Tierschutz in Kraft: So dürfen die Tiere bei Temperaturen über 35°C nicht mehr eingesetzt werden, an den Standplätzen gibt es eigenes Personal, das für ausreichend Wasser und Futter sorgt und die Pferde bei Hitze abspritzt. Die Tiere dürfen maximal an 4 Tagen der Woche arbeiten, in den Ställen muss es Tageslicht geben, die Boxen müssen eingestreut sein und die Tiere freien Zugang zu Wasser und Futter haben.

Ein guter Kutscher schaut auf seine Pferde
Ein guter Kutscher schaut auf seine Pferde


Wir haben uns im Rahmen eines Instawalks das Quartier der Fiakerpferde bei Fiaker Paul im 11. Bezirk angesehen und hatten sowohl bei der Besichtigung wie auch bei der nachfolgenden Fahrt zum Michaelerplatz das Gefühl dass es den Tieren gut geht.
Wer möchte, kann sich davon auch selbst überzeugen: RidingDinner bietet eine Stallbesichtigung mit allen Infos zur Haltung der Tiere und zum Fiaker Dasein auf seiner Internetseite an, um Interessierte auch einmal hinter die Kulissen blicken zu lassen. Schaut doch einmal vorbei.

Bei Regen mit Decken
Bei Regen mit Decken


Wer bei einer Fahrt durch Wien nicht nur die Sehenswürdigkeiten kennen lernen, sondern sich auch kulinarisch verwöhnen möchte, kann bei RidingDinner eine Fahrt mit kulinarischen Schmankerl buchen. Die Auswahl dazu findet ihr auf der Website www.ridingdinner.com Dort kann man auch die Stallbesichtigung buchen.

Fiaker am Michaelerplatz
Die Preise für Rundfahrten werden von der Stadt Wien festgesetzt. Stand Juni 2020 kostet die kleine Runde (ca. 20 Minuten) durch die Altstadt 55 Euro, die große Runde mit Ringstraße 80 Euro pro Fiaker. Auch den Zentralfriedhof oder den Schlosspark von Schloss Schönbrunn kann man per Fiaker erkunden.


Nicht nur im Wiener Lied wurde dem Fiaker ein Denkmal gesetzt, im 3. Bezirk - hier wohnten früher viele Fiaker – gibt es auch den Fiakerplatz mit dem Fiakerdenkmal von Josef Engelhart. Und Richard Strauss schuf mit der Fiakermilli in seiner Oper Arabella eine Hommage an die Volkssängerin Emilie Turecek, die mit einem Fiaker verheiratet war.

www.fiaker-paul.at

Wer seine Fiakerfahrt kulinarisch ergänzen möchte, egal ob mit einer Stelze aus dem Schweizerhaus oder Brötchen und Sekt vom Schwarzen Kameel, der sei auf diese Website verwiesen: www.ridingdinner.at.

Sparkling Sightseeing (Foto © RidingDinner)
Sparkling Sightseeing (Foto © RidingDinner)


Größere Gruppen mieten sich am besten gleich den Zeiserlwagen, in dem auch Stelze und Budweiser serviert werden kann…

Wie uns die Stallbesichtigung und die Fahrt zum Michaelerplatz gefallen hat, könnt ihr hier am Blog nachlesen.