Keine Stunde Fahrzeit von Wien entfernt liegt Wiener Neustadt und obwohl meine Eltern in der Nähe ein Haus besitzen, hat es bis zu Niederösterreichischen Landesausstellung 2019 gebraucht, dass ich mich mit der Stadt beschäftigt habe.

Und gleich baff und ganz erstaunt war.  Hier wurde nicht nur Kaiser Maximilian geboren und begraben, Matthias Corvinius war in der Stadt, Porsche entwickelte hier und Maria Theresia errichtete in Wiener Neustadt ihre erste Militärakademie, die noch bis heute besteht. Kaum zu glauben, was hier alles passierte.
Aber schön der Reihe nach…

Die Geschichte

Es gab einmal eine Zeit, da schien Wiener Neustadt wichtiger zu sein als Wien und lange Zeit stand sie der Hauptstadt an Bedeutung nicht nach. Die Niederösterreichische Landesausstellung war für mich – spät aber doch – ein „Entdeckungserlebnis“. Schade, dass sie nicht von mehr Menschen besucht wurde. Dennoch: wer Interesse an Geschichte (nicht nur von Wiener Neustadt) hat, sollte im Stadtmuseum St. Peter an der Sperr auch jetzt noch vorbeischauen. Ihr werdet sehen es lohnt sich.

Die ungarischen Reichsinsignien - leider nur in Kopie
Wiener Neustadt wurde bereits als Stadt gegründet und ihre Ansiedlung im Steinfeld, im südlichsten Teil des Wiener Beckens, war auf dem ersten Blick eher ein ungewöhnlicher Platz für eine mittelalterliche Stadt. Auch die Finanzierung der Gründung ist eine Geschichte wert, denn das Kapital dafür stammte aus dem Lösegeld, das Herzog Leopold V. für den englischen König Richard Löwenherz erhalten hatte. Ob die Stadt nun 1192, 1194 oder 1195 gegründet wurde, darüber sind sich die Gelehrten noch nicht ganz einig. Fact ist aber, dass es um diesen Dreh herum passiert sein muss und die Gründung politsch-strategische Ziele hatte und mit einer befestigten Stadt die Babenbergischen Herzogtümer Steiermark und Österreich gegen das ungarische Königreich sichern wollte.

Erinnerungen an Matthias Corvinus
Erinnerungen an Matthias Corvinus


Die Stadt wurde in Form eines Rechtecks geplant und wurde von vier Hauptstraßen, die nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet waren und zu den Stadttoren führten unterteilt. Im Zentrum war ein Platz als Markt vorgesehen und eine fünf Meter hohe und ein Meter dicke Steinmauer sollte die Stadt umgeben, an den Ecken durch massive Ecktürme verstärkt. Auch die Stadttore wurden zusätzlich mit Türmen gesichert. Ein Wassergraben um die Stadtmauern herum sollte für zusätzliche Sicherheit sorgen.

... und an die jüdische Gemeinde
... und an die jüdische Gemeinde


Wiener Neustadt erhielt gleich bei der Gründung wichtige Privilegien wie die volle Gerichtsbarkeit und das Marktrecht. Später übersiedelte auch die landesfürstliche Münzstätte von Fischau in die Neustadt.

Blick in den Stadtpark auf die alten Stadtmauern
Blick in den Stadtpark auf die alten Stadtmauern


Für Friedrich dem Streitbaren war Wiener Neustadt ein Rückzugsort während seiner Auseinandersetzungen mit Kaiser Friedrich II.  Nach seinem Tod gewannen in den folgenden kriegerischen Auseinandersetzungen schließlich die Habsburger und damit Rudolf I. die Oberhand. Aus dieser Zeit findet man die erste namentliche Nennung eines Bürgermeisters in Wiener Neustadt: ein gewisser Merboto wurde am 3.6.1285 zum Bürgermeister der Neustadt gewählt.

Im Stadtpark von Wiener Neustadt
Im Stadtpark von Wiener Neustadt


1379 teilten sich die Habsburger Familienzweige. Neustadt wurde in der Folge zu einer der Hauptresidenzen des Leopoldiner Zweiges und erlebte damit im 15. Jahrhundert eine Blütezeit.
Friedrich V. von Österreich, als deutsch-römischer Kaiser  Friedrich III. wählte Neustadt neben Graz als eine seiner Hauptresidenzen. 1453 wurde hier sogar ein Reichstag abgehalten. Dom und Neukloster wurden umgebaut und an der Burg, der heutigen Kaserne kann man den Kaiser inmitten der Wappen seiner Besitzungen sehen.

1469 wird die Neustadt zum Bistum erhoben. Dieses wurde jedoch bald mit dem Wiener Bistum zusammengeführt und im 19. Jahrhundert nach St. Pölten verlegt.

Erinnerung an die jüdische Bevölkerung
Erinnerung an die jüdische Bevölkerung


Einer der berühmtesten Söhne der Stadt ist der Sohn und Nachfolger von Friedrich: Maximilian I., der am 22.3.1459 auf der Burg zu Wiener Neustadt geboren wurde und hier seine Jugend verbrachte. Der letzte Ritter, wie man ihn nannte, wurde auf seinen eigenen Wunsch in der  Kapelle der Burg, der St. Georgs-Kathedrale begraben.

Neustadt ist um 1450 der Sitz eines der bedeutendsten jüdischen Gelehrten seiner Zeit: Rabbi Israel Isserlein und gilt als eine Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit.

Schönes in der Stadt
Schönes in der Stadt


Wiener Neustadt war aber nicht immer „österreichisch“: im August 1487 zog der ungarische König Matthias Corvinus nach einer fast zweijährigen Belagerung in die Stadt ein. Er verhielt sich allerdings ritterlich zu den Verteidigern, denen er einen freien Abzug gewährte. Der Stadt schenkte er angeblich einen wundervollen Prunkpokal, der als Corviniusbecher bekannt wurde und heute im Stadtmuseum besichtigt werden kann. Maximilian I. kann aber die Stadt nach seinem Tod ohne wesentlichen Widerstand zurückerobern.

In Wiener Neustadt
In Wiener Neustadt


1496 vertreibt König Maximilian I. die Juden aus der Stadt und verbietet ihnen auf ewige Zeit, sich hier wieder niederzulassen. Diese organisierte Ausweisung bedeutet das Ende der jüdischen Gemeinde, erst im 19. Jahrhundert lassen sich Juden wieder in Neustadt nieder.

In der Stadt findet man viele interessante Lokale
In der Stadt findet man viele interessante Lokale


Im 16. Jahrhundert verliert Neustadt zunehmend seine Bedeutung als Residenz, stellt jedoch weiter ein wichtiges Bollwerk gegen die Osmanen und Kuruzen dar. Diese Ära ist allerdings reich an Verschwörungen und Aufständen. So finden in Neustadt zwei politisch motivierte Hinrichtungen statt:
Während der Herrschaft Ferdinands I. im August 1522 findet das sog. Neustädter Blutgericht statt, bei dem nicht nur Mitglieder des unterennsischen Ständeausschusses, sondern auch der Wiener Bürgermeister und fünf weitere ehemalige Wiener Ratsherren wegen Hochverrats enthauptet werden.

Die Erinnerungstafel an die Hinrichtung von Fran Krsto Frankopan und Petar Zrinski
Die Erinnerungstafel an die Hinrichtung von Fran Krsto Frankopan und Petar Zrinski am Wiener Neustädter Dom


Im April 1671 werden Fran Krsto Frankopan und Petar Zrinski (wer mehr über die Verschwörer wissen möchte und wo sie herkamen, findet in unserem Bericht über Krk weitere Infos: https://ask-enrico.com/krk) als Anführer einer (angeblichen) Magnatenverschwörung gegen Kaiser Leopold I. hingerichtet. Das Grab von Fran Krsto Frankopan befindet sich noch immer in Wiener Neustadt, seine sterblichen Überreste wurden allerdings 1919 in die Grabkammer hinter dem Hautaltar der Kathedrale von Zagreb überführt.

Gässchen und Aussichten in der Stadt
Gässchen und Aussichten in der Stadt


Erst im 17. Jahrhundert setzt sich langsam die Bezeichnung Wienerische Neustadt durch, um die Stadt von anderen Neugründungen zu unterscheiden. Das 18. Jahrhundert bringt wieder einen kleinen Aufschwung für die Stadt: Maria Theresia gründet hier die Theresianische Militärakademie in der kaiserlichen Burg, die 1752 ihren Unterricht aufnimmt. Sie gilt als die älteste Militärakademie der Welt.

Alte Geschäftsschilder
Alte Geschäftsschilder


1768 wird die Stadt von einem schweren Erdbeben erschüttert, das auch die Burg so in Mitleidenschaft zieht, dass ein Wiederaufbau unter Nikolaus Pacassi erfolgt, der von den früheren vier Türmen nur mehr einen wieder erbaut.

Alte Tore und Torbögen
Alte Tore und Torbögen


1785 verliert die Stadt den Status als Bistum, das von Joseph II. nach St. Pölten transferiert wird. Außerdem werden alle Klöster der Stadt mit Ausnahme des Zisterzienserstiftes Neuklostr und des Kapuzinerklosters aufgehoben. Die Gebäude der aufgelassenen Klöster werden zu Manufakturen umgestaltet. Es etabliert sich zuerst die Textilindustrie, später folgen Papiererzeugung, eine Zuckerfabrik und Tonwaren.

Interessante Auslagengestaltungen
Interessante Auslagengestaltungen


1797-1805 wird der Wiener Neustädter Schifffahrtskanal fertiggestellt, der eigentlich nur der Anfang einer großen Wasserstraße sein sollte, die über Ungarn Donau und Adria verbinden sollte. Durch das Aufkommen der Eisenbahn wurde das Projekt aber später nicht mehr weiter verfolgt. Heute kann man entlang des Kanals einen Radausflug genießen und vom Wiener Karlsplatz bis nach Wiener Neustadt radeln. Mehr darüber findet ihr hier: https://www.niederoesterreich.at/a-thermenradweg-entlang-am-wiener-neustaedter-kanal

Blick auf den Sparkassenbrunnen in Wiener Neustadt
Blick auf den Sparkassenbrunnen in Wiener Neustadt


1834 vernichtet ein Großbrand über 500 Gebäude der Stadt.
1841 wird die Südbahn von Wien nach Wiener Neustadt eröffnet und damit beginnt ihr Wandel zur Industriestadt. Ein Jahr später wird bereits eine Lokomotivfabrik gegründet, die spätere Wiener Neustädter Lokomotivfabrik. 1899 errichtet die Firma Austro-Daimler (eine Tochter der deutschen Daimler Werke) eine große Fahrzeugfabrikation. Die Fabriken und Fertigungen zogen Arbeitssuchende in die Stadt, was zur Folge hatte, dass Wiener Neustadt in den 1860er Jahren die zweitgrößte Stadt Niederösterreichs (nach Wien) war.

Überraschende Figuren am Häusereck
Überraschende Figuren am Häusereck


1851 begann man die Befestigungsanlagen zu demontieren, 1864 wurden schließlich auch die Stadttore abgebrochen.
1909 lag die Stadt wieder im Bann von einer neuen Entwicklung: im Norden der Stadt wurde ein Flugfeld errichtet, 1911 wurde hier die erste österreichische Flugwoche abgehalten, österreichische Flugpioniere starteten hier ihre Flugversuche und das Flugfeld war das erste offizielle Flugfeld in ganz Österreich. Heute ist der Flugplatz der größte Naturflugplatz in Europa.

In der Stadt
In der Stadt


Der Erste Weltkrieg beendete die industrielle Blütezeit der Stadt, die auch ein Zentrum der Rüstungsindustrie war. Im kleinen Österreich mussten die großen Fabriken mangels Nachfrage schließen, die Flugzeugproduktion wurde durch den Vertrag von Saint Germain verboten. Diese Entwicklungen und die Weltwirtschaftskrise tragen die Stadt hart.

Blick zum Marienmarkt
Blick zum Marienmarkt


Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurde ab 1938 wieder kriegswichtige Industrie angesiedelt. Bereits 1940 wurde in den Wiener Neustädter Flugzeugwerken ein Viertel der gesamten Messerschmitt-109-Jagdflugzeuge produziert. Außerdem wurde ab 1943 in den Raxwerken, der ehemaligen Wiener Neustädter Lokomotivfabrik mit der Montage von A4-Raketen begonnen.

Am Hauptplatz von Wiener Neustadt
Am Hauptplatz von Wiener Neustadt


Die Rüstungsbetriebe und der Eisenbahnknoten waren der Grund für ein umfangreiches Bombardement der Stadt: rund 50.000 Bomben sorgten für eine fast vollständige Zerstörung.
Bereits 1946 wurde die Bevölkerung zum freiwilligen Arbeitseinsatz aufgerufen, Tonnen von Schutt mussten aus der Stadt gebracht werden. Doch es gelang den Wiederaufbau großteils bis 1955 abzuschließen.

Wiener Neustadt
Wiener Neustadt


Heute ist Wiener Neustadt nicht nur Verwaltungszentrum mit Sitz von Bezirks- und Landesgericht, sondern auch die wichtigste Schulstadt Niederösterreichs. Drei Kasernen machen sie zu einer wichtigen Garnisonsstadt, mit ihrem Eisenbahnknoten und den Verbindungen von Autobahn, Schnellstraße und mehreren Bundesstraßen stellt sie auch einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt dar.
1994 wurde hier die erste Fachhochschule Österreichs gegründet, 1995 mit der Multifunktionshalle Arena Nova, die drittgrößte Veranstaltungshalle Österreichs errichtet.
Seit 1975 darf sich die Stadt Europastadt nennen und 1989 bekam sie als erste österreichische Stadt die Europaplakette  des Europarates.

Detail vom Schrauthammerbrunnen
Detail vom Schrauthammerbrunnen


Was man sich in Wiener Neustadt anschauen sollte …


Museum St. Peter an der Sperr

Ich gestehe gleich zu Beginn: Ich kenne das Museum nur von einem Besuch bei der Niederösterreichischen Landesausstellung 2019. Vorher hätte ich mich auch nicht für das Stadtmuseum von Wiener Neustadt interessiert, hatte ich doch zugegebener Maßen keine Ahnung von der glorreichen Vergangenheit der Stadt.

Hier verbindet sich Alt und Neu - das Museum St.Peter an der Sperr
Hier verbindet sich Alt und Neu - das Museum St.Peter an der Sperr


Natürlich war mit Maximilian I., der letzte Ritter, ein Begriff – nicht nur durch einige wunderschöne Ausstellungen in der Albertina, die seine Verbindung zu Albrecht Dürer zeigten, aber ich hätte ihn nie und nimmer nach Wiener Neustadt verortet. Residenzstadt war und blieb für mich immer Wien. Natürlich kannte ich auch den ungarischen König Corvinus und es war schon einigermaßen schwierig vorstellbar, dass er einige Jahre in Wien residierte. Aber vom Corvinusbecher, den er ja angeblich den Wiener Neustädtern geschenkt hat, hatte ich davor noch nichts gehört. Daher: ein Besuch lohnt sich. Es ist nicht nur der goldene „Becher“ sehenswert.

Schön und repräsentativ, dieser Corviniusbecher
Schön und repräsentativ, dieser Corviniusbecher


Nun konzentriert sich die Ausstellung wieder auf eine interaktive Präsentation der städtischen Schausammlung, zu der eben auch der schon erwähnte spätgotische Corvinusbecher, aber auch das silberne Evangeliar des Deutschen Ordens von 1325, eine umfangreiche Gemäldesammlung und herausragende sakrale Kunstwerke gehören. Immerhin gilt es über mehr als 800 Jahre Stadtgeschichte zu berichten.

Der
Der "alte" Teil von St. Peter an der Sperr


Doch nicht nur die Sammlungen sind interessant, auch das Gebäude verdient sich genauerer Betrachtung. Für mich ist es – ebenso wie die Kasematten – ein gelungener Mix zwischen Alt und Neu.

Bereits im 13. Jahrhundert wird an dieser Stelle ein Kloster der Dominikanerinnen erwähnt, das 1444 den Dominikanern übergeben wird und vom kaiserlichen Baumeister Peter von Pusica  umgebaut wird. Doch bereits im 16. Jahrhundert wurde das Kloster profaneren Zwecken gewidmet, die Kirche folgte im 18. Jahrhundert. Zuerst wurden die Gebäude als Lager, aber auch als Gasthaus verwendet, ab 1966nutzte man die Kirche für Kunstausstellungen, das Kloster war eine Zeitlang Sitz des Stadtarchivs.

Im Museum
Im Museum


1994 wurde ein moderner Zubau errichtet und das Museum St. Peter an der Sperr bezog seine neue Heimstätte, die noch einmal 2017/18 umgebaut wurde, um die Niederösterreichische Landesausstellung zu beherbergen.

Museum St. Peter an der Sperr
2700 Wiener Neustadt, Johannes-von-Nepomuk-Platz 1
Tel: +43 2622 373 951
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
https://www.museum-wn.at/de/startseite

Johannes von Nepomuk-Kapelle

Wer bei seinem Museumsbesuch den großen Parkplatz oder das Parkhaus bei der Stadtmauer benutzt, kann auch gleich die Johannes von Nepomuk-Kapelle begutachten. Statuen des Heiligen Nepomuks sind eigentlich meistens in der Nähe von Brücken zu finden, gilt er doch als Brückenheiliger (durch seinen Tod in der Moldau) und als Wahrer des Beichtgeheimnisses.

Die Kapelle des Heiligen Johannes von Nepomuk
Die Kapelle des Heiligen Johannes von Nepomuk


Auch diese Statue, die vom Ratsherrn C.A. Exinger 1704 gestiftet wurde, hat mehrere „Umsiedlungen“ erlebt und steht nun seit 1979 am Johannes Nepomuk-Platz und damit in der Nähe ihres ursprünglichen Standorts. Die Kapelle wurde 1756 von Steinmetz Anton Obermayer errichtet.

Die Kasematten

Ein weiteres Architekturjuwel – mit Ursprüngen bis ins späte 12. Jahrhundert – sind die Kasematten. Sie wurden ebenfalls zur Niederösterreichischen Landesausstellung revitalisiert und zum zweiten Ausstellungsort derselben. Auch heute finden sich neben einem multifunktionalen Veranstaltungs-, Kultur- und Kongresszentrum Ausstellungen des Stadtmuseums in den unterirdischen Räumen.

Der Eingang zu den Kasematten während der Niederösterreichischen Landesausstellung 2019
Der Eingang zu den Kasematten während der Niederösterreichischen Landesausstellung 2019


Die Wehranlage in Wiener Neustadt, zu der die Kasematten, aber auch die Stadtmauer und der einzige, noch erhaltene Turm – der Reckturm – gehören, ist bauhistorisch einzigartig. Die weitläufigen unterirdischen Räume dienten einst als Munitionslager, Luftschutzkeller oder als Bierlager, heute kann man hier sogar den Bund fürs Leben schließen.

In den Kasematten
In den Kasematten


Der Bau der Stadtfestung zu der die Kasematten gehören begann wohl bereits kurz nach der Stadtgründung von Wiener Neustadt. Ihre endgültige Höhe von bis zu 13,50 Meter erreichte die Stadtmauer aber erst im 15. Jahrhundert durch Kaiser Friedrich III., der für den Ausbau durch Vorwerke und die Erhöhung der Stadtmauer sorgte. Insgesamt zählte die Anlage vier Tortürme und 11 Mauertürme, wovon der nordwestliche Eckturm – der „Reckturm“ und zwei Zwischentürme (der „Rabenturm“ im Westen und der „Brüderturm“ im Süden) sowie der südwestliche Eckturm, der „Jakoberturm“ bei den Kasematten gut erhalten geblieben sind. Als im 16. Jahrhundert die Osmanen das Reich bedrohten wurden die Befestigungsanlagen modernisiert und Bastionen und das Kaiserliche Zeughaus entstanden ebenso wie die Kasematten an der südwestlichen Stadtmauer nach Plänen des Festungsbaumeisters Johann Tscherte. Sie dienten der Lagerung von Waffen und Munition. Ein Renaissanceportal gewährte im Norden Zugang.

Kasematten
Kasematten


Heute kann man sich auf Spurensuche in die jahrhundertalte Anlage begeben oder bei Veranstaltungen und Events ihren Flair genießen. In der „Strada Coperta“ erfährt man in einer interaktiven Ausstellung, warum diese einzigartige Festung aus- und umgebaut wurde und wieso das Bier daran schuld ist, dass die Raumhöhe acht Meter erreicht.

Auch hier gelang es wieder wunderbar alte Substanz mit modernen Elementen zu verbinden. Verantwortlich dafür zeichnet das Architektenbüro Bevk Perovic aus Ljubljana.
Inmitten des Stadtparks, in der direkten Nähe des Bahnhofs kann man sie eigentlich gar nicht verfehlen.

Hier gibt es nähere Informationen zu den Ausstellungen: https://www.museum-wn.at/de/ausstellungen/event-detail/152391---die-stadt-als-festung

Befestigung und Kasematten
2700 Wiener Neustadt, Bahngasse 27
Tel: +43 2622 373-933
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
https://www.kasematten-wn.at/de/

Der Wasserturm

Er ist einer der Wahrzeichen der Stadt. Errichtet wurde der Wasserturm in den Jahren 1909/1910 wenige Monate nach der Inbetriebnahme der ersten Teilstrecke der Tiefquellenwasserleitung nach Plänen der Wiener Architekten Theiß und Jaksch, die eine Form entwarfen, die an den Corvinusbecher erinnert. Ausgeführt wurde der Bau von der Wiener Neustädter Firma Koblischek.
1945 wurde der Wasserturm durch einen Bombentreffer zerstört und es dauerte bis 1950 um ihn instand zu setzen. Im April 1951 erfolgte die Wiederinbetriebnahme. Als Regelbehälter ist er auch noch heute in Betrieb

Zu finden ist der Wasserturm am Südtiroler Platz.

Das Alte Rathaus

Über die reiche und auch glorreiche Geschichte der Stadt habe ich ja bereits erzählt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass das Rathaus bereits 1401 erstmals urkundlich als Sitz eines Stadtrichters erwähnt wird. Ab der Mitte des 15. Jahrhunderts dient der Ort zur Versammlung des Rates der Stadt. In der 2.Hälfte des 16. Jahrhunderts und Anfang des 17. Jahrhundert wurde das vormals gotische Rathaus im Stil der Renaissance umgestaltet. Der große Stadtbrand 1834 verschonte auch dieses Gebäude nicht und so kam es zur Umgestaltung im klassizistischen Stil.

Das Alte Rathaus in Wiener Neustadt
Das Alte Rathaus in Wiener Neustadt


Bemerkenswert sind die Wappen an der Fassade, die von den 1860 abgetragenen Stadttoren stammen.
Das Rathaus findet ihr am Hauptplatz 1-3.

Altes Rathaus, Detail
Altes Rathaus, Detail

Der Gedenkstein

Wenn ihr bereits zum Hauptplatz und zum Rathaus gewandert seid, könnt ihr euch auch auf die Suche nach einem besonderen Gedenkstein machen, der sich ebenfalls am Hauptplatz befindet. Er erinnert an den Ort, an dem die rebellischen Ratsherren der Wiener Landesregierung 1522 hingerichtet wurden.
Sie hatten 1519 die Landesverwaltung und das landesfürstliche Kammergut übernommen und sich selbst zu Regenten erklärt. Im August des Jahres 1522 wurde über sie in einem Schauprozess das Urteil gefällt und Erzherzog Ferdinand ließ acht der elf Angeklagten enthaupten. Sieben davon starben an der Stelle des Gedenksteines am Hauptplatz.

Die Mariensäule

In vielen österreichischen Städten finden sich auf den Hauptplätzen diese Marien- oder Pestsäulen, so auch hier. In Wiener Neustadt war der ursprüngliche Anlass allerdings ein (hoffentlich) erfreulicher: Der Wiener Neustädter Bischof Leopold Graf Kollonitsch gab den Auftrag zu ihrer Errichtung um an die Hochzeiten der Schwestern Kaiser Leopolds I. im Jahr 1678 in der Burg zu erinnern.

 

Die Mariensäule am Hauptplatz
Die Mariensäule am Hauptplatz


Doch die Pest spielte beim endgültigen Aussehen auch hier eine Rolle: Bischof Franz Anton Graf Puchheim stiftete die Balustrade mit den Statuen der Pestheiligen 1714 in Dankbarkeit für das Ende der Pestepidemie.

Der Schrauthammerbrunnen

Ebenfalls am Hauptplatz zu sehen, ist der Schrauthammerbrunnen der ursprünglich vor dem Haus Hauptplatz 30 stand das dem Stifter Hans Schrauthammer gehörte. Das steinerne Brunnengewände stammt aus dem Jahre 1609 und wurde vom Steinmetz und Bildhauer Johann Baptist Zelpi ausgeführt. 1936 verwendete man Fragmente zur Rekonstruktion am ehemaligen Fischplatz, am nordwestlichen Hauptplatz. Der Entwurf des Gitters stammt von Senta Platzer.

Der Schrauthammerbrunnen am Hauptplatz von Wiener Neustadt
Der Schrauthammerbrunnen am Hauptplatz von Wiener Neustadt

Das Stadttheater

Das Stadttheater hat eine wechselhafte Geschichte und war ursprünglich eine Kirche der Karmeliterinnen, die aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammte. Davor stand an dieser Stelle eine Deutschordenskirche. Als Kaiser Joseph II. das Kloster wie viele andere aufhob, beherbergte sie zuerst eine Textilfabrik, später wurde sie als Kino und als Theater adaptiert. Doch auch hier blieben Geschichte und Erfolg wechselhaft. Die Direktoren wechselten häufig, immer wieder war das Theater von der Schließung bedroht. 1932 war es schließlich so weit: nach einem Brand, der Schäden an der Infrastruktur verursachte, wurde der Theaterbetrieb eingestellt. Erst 1948 getraute sich ein neuer Besitzer das Gebäude wieder als Theater und Kino zu eröffnen. 1979 wurde das Gebäude renoviert, aber auch hier hielt der kommerzielle Erfolg nicht an. Der Kinobetrieb wurde 1999 eingestellt. In dem Gebäude wurden von 1997 bis 2010 auch Kunstausstellungen präsentiert.

Seit dem Jahr 2017 wurden im Theater in der Herzog Leopold-Straße 17 aber wieder Filme gezeigt. Allerdings wird derzeit (2021) die Zeit der Corona-Pandemie genutzt, um das Haus auf den neuesten technischen Stand zu bringen. Die Wieder-Eröffnung ist für 2024 geplant.

Stadttheater Wiener Neustadt
2700 Wiener Neustadt, Herzog Leopold-Straße 17
Tel: +43 2622 373-902
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
https://stadttheater.wiener-neustadt.at

Der Allerheiligenplatz

Der Platz war das Zentrum des mittelalterlichen Judenviertels der Stadt mit allen wichtigen jüdischen Einrichtung wie einer Fleischbank, einem Spital und dem rituellem Bad (Mikwe). Heute ist das Haus Nr.1 am Allerheiligenplatz ein Kaffeehaus, früher beheimatete es die mittelalterliche Synagoge. 2014 wurde der Platz neu gestaltet, dabei stieß man auf eine Mauer und einen Brunnen, deren Lage durch Bodenmarkierungen sichtbar gemacht wurde. Außerdem wurde eine Infostele angebracht die über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Wiener Neustadt informiert.

Diese reicht bis ins Jahr 1239 zurück und damit zählt die Gemeinde in der Neustadt neben Wien zu den ältesten und bedeutendsten Gemeinden in Österreich. Während der Herrschaft von Kaiser Friedrich III. erreichte sie ihre Blütezeit. Unter Maximilian I. wurde sie im Jahre 1496 (für alle Zeit) aus der Neustadt vertrieben, wobei dies nicht in Form eines Pogroms stattfand, sondern es wurde eine organisierte Ausweisung: Die Juden mussten ihre Häuser verkaufen, sämtliche Geldangelegenheiten zwischen Juden und Christen mussten beigelegt sein. Die jüdische Bevölkerung durfte auch ihr mobiles Hab und Gut mitnehmen und es war ihnen vorgeschrieben worden, die Neustadt zu verlassen und nach Marchegg oder Eisenstadt zu ziehen.

Obwohl auch in Neustadt der Judenhass vorhanden war und besonders in wirtschaftlich schlechten Zeiten immer wieder hoch kochte und es Übergriffe auf die jüdische Bevölkerung gab, fanden bis zur Herrschaft der Nationalsozialisten keine Pogrome in Neustadt statt.

Nach der Aufenthaltsverbot durch Maximilian I. kam es erst wieder im 19. Jahrhundert – nach dem Revolutionsjahr 1848 - zu einer erlaubten Ansiedlung und schließlich 1871 zur Gründung der Israelitischen Kultusgemeinde Wiener Neustadt, der vor 1938 mehr als 1000 Jüdinnen und Juden angehörten. Handel, vor allem mit Gemischtwaren, Textilien und Wein waren ihre Professionen. So war über ein Drittel aller Weinhandlungen in jüdischer Hand. Viele waren Akademiker, vor allem bei Ärzten und Rechtsanwälten waren Juden zahlreich vertreten. Über ein Drittel der ordinierenden Ärzte und fast die Hälfte der aktiven Rechtsanwälte waren jüdischer Abstammung.

Nach dem Anschluss wurde die IKG aufgelöst, unmittelbar nach der „Machtergreifung“ im März 1938 setzte die systematische Verfolgung der jüdischen Bevölkerung ein. Sie wurde misshandelt und zu unwürdigen „Diensten“ gezwungen (Straßenreinigung mit Zahnbürsten!), jüdische Geschäfte wurden boykottiert und ausgeraubt. Berufsverboten und Amtsenthebungen tragen in Kraft. Die jüdische Bevölkerung wurde systematisch vertrieben oder deportiert. Auch in Wiener Neustadt kam es zur „Reichskristallnacht“ in der die Synagoge stark beschädigt wurde und die Tempelutensilien gestohlen wurden. Mit Jänner 1939 ruhte jegliche religiöse Tätigkeit und im Oktober des gleichen Jahres begann die Deportation der Wiener Neustädter Juden, die bis März 1944 andauerte.

Es war das Ende der jüdischen Gemeinde in Wiener Neustadt – nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte keine Neugründung mehr. Die Synagoge wurde während und nach dem Krieg als Depot verwendet und wurde, da sie durch Bombentreffer beschädigt war 1952 abgerissen. An die jüdische Vergangenheit von Wiener Neustadt erinnert noch der jüdische Friedhof in der Wienerstraße, der von der Stadtgemeinde gepflegt wird und eine Gedenktafel am Baumkirchnerring.

Die Evangelische Kirche

Auch in Wiener Neustadt setzte sich die Gegenreformation am Ende des 16. Jahrhunderts durch und beendete die Existenz der protestantischen Gemeinde. Es dauerte bis 1837 bis in der Kirche am heutigen Allerheiligenplatz wieder ein Gottesdienst gefeiert werden konnte. 1910/11 wurde nach den Plänen der Architekten Siegfried Theiß und Hans Jaksch ein neues Gotteshaus für die größer werdende Gemeinde errichtet. Auch dieses Gebäude trug Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg davon und musste zwischen 1951 und 1955 wieder instand gesetzt werden. 1981 wurde der ursprüngliche Turmhelm rekonstruiert. Im selben Jahr fand man eine Lutherbibel aus dem 16. Jahrhundert auf dem Dachboden der Kirche, die nun als Dauerleihgabe im Stadtmuseum St. Peter an der Sperr zu sehen ist.

Die Evangelische Kirche findet ihr am Ferdinand Porsche-Ring 4.

Der Dom

Der Bau des Doms war Bestandteil der mittelalterlichen Stadtplanung. Es heißt, dass das Langhaus die Nord- und Westseite genau in der Mitte schneidet und mit seiner Ausrichtung an genau jenen Punkt zeigt, an dem am Pfingstsonntag (24.5.1192) die Sonne aufgegangen ist. An diesem Tag wurde Herzog Leopold V. durch Kaiser Heinrich VI. mit der Steiermark belehnt. Ein Jahr später wurde am Pfingstsonntag der Chor ebenfalls nach der aufgehenden Sonne orientiert. Um das Jahr 1200 hat man wahrscheinlich mit dem Bau der Pfeilerbasilika im romanischen Stil begonnen, 1207 erhielt Wiener Neustadt das Pfarrrecht.

Der Dom zu Wiener Neustadt
Der Dom zu Wiener Neustadt


Der Bau bestand aus dem heutigen Langhaus und den Westtürmen. Fast 80 Jahre lang wurde an der Kirche gebaut, dann wurde sie im März 1279 zu Ehren der Jungfrau Maria und dem Heiligen Ruprecht geweiht. Während dieser Bauphase entstanden auch das Westportal und das sehenswerte Brauttor an der Südseite. Dieses Rundbogenportal mit seiner zierlichen romanischen Steinmetzarbeit erinnert an die Kunst der Normannen. Daneben kann man den Grabstein der 1671 hingerichteten kroatischen Magnaten Zrinski und Frankopan sehen.

Der Dom
Der Dom


Im 14. Jahrhundert wurde die Kirche erweitert und umgebaut. Anstelle der romanischen Apsis wurde ein gotisches Querschiff und der gotische Chor errichtet und die Sakristei angebaut. Unter Kaiser Friedrich III. erfolgten im 15. Jahrhundert weitere Umbauten und eine Neuausstattung. Unter anderem wurde das Langhaus mit den Holzstatuen der zwölf Apostel von Lorenz Luchsperger und weiteren wertvollen Kunstwerken ausgestattet.

Die Domrosette
Die Domrosette


Von 1469 bis 1785 war der Dom auch Bischofkirche, wobei sich allerdings der Wirkungsbereich nur auf das Gebiet von Wiener Neustadt beschränkte.
Nachdem in Wiener Neustadt der lutherische Glaube großen Anklang gefunden hatte, wurde Melchior Klesl als Bischof berufen, der die Gegenreformation mit großem Erfolg vorantrieb. Der spätere Kardinal stiftete auch die frühbarocke Kanzel. Klesl war Administrator des Bistums Neustadt 1588 bis 1630, sein Epitaph befindet sich im Chor, die Büste wird G.L. Bernini zugeschrieben.

Hier war des Kaisers Platz
Hier wohnte der Kaiser der Messe bei


Der spätbarocke Hochalter, dessen Marmor aus Maiersdorf stammt, wurde 1776 eingeweiht. Das Hochaltarbild stammt von Gianbettino Cignaroli und stellt die Himmelfahrt Mariens dar, den Figurenschmuck gestaltete Gabriele Molinarola.

Die Kanzel im Wiener Neustädter Dom
Die Kanzel im Wiener Neustädter Dom


1785 verlegte man das Bistum Wiener Neustadt nach St.Pölten und errichtet anstatt eine Propsteipfarrei.

Im Inneren des Doms
Im Inneren des Doms


Wiener Neustadt wurde in der Vergangenheit immer wieder von Erdbeben heimgesucht, die die 64 Meter hohen Türme beschädigten. Wegen Baufälligkeit wurden sie daher 1886 abgetragen und nach den alten Plänen und der Leitung von Richard Jordan von 1892 bis 1899 wieder aufgebaut. Durch ihre Höhe sind die Türme mit ihren steinernen, achteckigen Turmhelmen von weitem sichtbar, helfen den Besuchern bei der Orientierung in der Stadt und gehören zu den Wahrzeichen von Wiener Neustadt.
1975 bis 1999 wurde der Dom vollständig renoviert.

Im Inneren des Doms von Wiener Neustadt
Im Inneren des Doms von Wiener Neustadt


Weitere Informationen findet ihr unter www.dompfarre-wienerneustadt.at

Mosesbrunnen

In der Nähe des Domes – an der Südseite – kann man den Mosesbrunnen finden, den Prof. Ernst Fuchs, ein Vertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, geschaffen hat. Fuchs verband die biblische Figur Moses immer mit Wasser, daher entstanden mehrere Brunnen mit einer Moses-Skulptur als zentrale Brunnenfigur: zu sehen in seiner Wagner-Villa in Wien sowie im Stadtpark von Bärnbach.

Die Propstei

Gleich beim Dom, Adresse Domplatz 1, findet ihr die Propstei. Sie war Anfang des 13. Jahrhunderts das Stadtpalais der Babenberger. 1469 bis 1785 diente sie als bischöfliche Residenz, danach als Propstei. Im Vordertrakt befindet sich die Katharinen-Kapelle mit der Gruft des Wiener Neustädter Bischofs Franz Anton Graf Puchheim. Er war es auch, der das Barockportal errichten ließ.

Der Eingang zur Propstei
Der Eingang zur Propstei

Der Reckturm

Wer vom Dom Richtung St. Peter an der Sperr maschiert, kommt zum Reckturm. Der Turm war der nordwestliche Eckturm der Stadtbefestigung, die Anfang des 13. Jahrhunderts errichtet wurde, um die Wiener Ebene gegen Feinde verteidigen zu können.

Ab dem Beginn der Neuzeit wurde der Turm zur Unterbringung von Folterinstrumenten verwendet. Beim Turm befand sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts das städtische Amts- und Gefangenenhaus. Ab 1957 beherbergte der Turm ein kleines Museum, seit 1994 kann man dort eine Ausstellung einer privaten Waffensammlung besichtigen.
Der Reckturm befindet sich in der Petersgasse 22.

Die Kapuzinerkirche St. Jakob und das Kapuzinerkloster

1623 ließen sich die Kapuziner hier am Ort eines früheren Minoritenklosters aus dem Jahre 1267 nieder, das seit der Reformation verlassen und verfallen war. Im August desselben Jahres wurde unter der Herrschaft Kaiser Ferdinands II. der Grundstein zum Bau des Klosters gelegt, den Wohltäter finanzierten. 1628 konsekrierte Kardinal Khlesl die noch teilweise bestehende und erneuerte Kirche auf ihren früheren Titel zu Ehren des Heiligen Apostels Jakobus. Dabei wurde das Gewölbe barockisiert. Das Haus wurde 1941 teilweise beschlagnahmt und im Krieg schwer getroffen. Der Provinzialstrakt war gänzlich zerstört und der Osttrakt dem Einsturz nahe. 1945 wurde das Kloster wieder dem Orden zurückgegeben und restauriert,  1973 wurde das Innere der Kirche neu gestaltet. Das Kloster ist bis heute Sitz einer Brüdergemeinschaft der Kapuziner.

Die Kapuzinerkirche St. Jakob
Die Kapuzinerkirche St. Jakob


Die Kapuzinerkirche findet ihr in der Bahngasse 23a.

Kirche und Stift Neukloster

Bereits 1227 stiftete Leopold VI. in Wiener Neustadt Kirche und Kloster, allerdings waren diese in Besitz der Dominikaner. 1442 bemühte sich König Friedrich IV. die Zisterzienser in seiner Residenzstadt Wiener Neustadt anzusiedeln, was ihm allerdings erst 1444 mit der Stiftung des Neuklosters gelang. Eine Mönchskolonie aus Rein zieht im ehemaligen Dominikanerkloster ein.
Noch heute kann man die gotische Hallenkirche mit ihrer wertvollen barocken Einrichtung bewundern, allerdings ohne den berühmten dreiteiligen gotischen Marienaltars aus dem Jahre 1447, den „Wiener Neustädter Altar“. Dieser ist in der Gegenwart im Wiener Stephansdom, in der Nähe des Grabes von Kaiser Friedrich III. zu sehen. Er wurde 1884, nach der Vereinigung des Neuklosters mit dem Stift Heiligenkreuz an das Domkapitel in Wien verkauft.

1453 erfolgt der Anbau der Barbara- und Kreuzkapelle, womit dann auch der Umbau der Kirche beendet ist. 1467 stirbt Eleonore von Portugal, die Ehefrau Kaiser Friedrich III. und wird hinter dem barocken Hochaltar mit dem Altarbild „Himmelfahrt Mariens“ von Anton Schoonjans begraben. In Neukloster sind auch weitere drei ihrer Kinder beigesetzt. Kaiser Friedrich III. wird 1493 im Wiener Stephansdom ein Grabmal gesetzt, sein Sohn Maximilian I. 1518 in der Burg beigesetzt.

Im 18. Jahrhundert kommt es zur Blützeit des Klosters, das Konventgebäude und weitere andere Gebäude werden errichtet, wie die Bibliothek, der Klosterhof, der Kapitelsaal und das Refektorium. 1775 besucht Maria Theresia das Neukloster und übergibt ein Jahr später Teile des Tierparks (Neuklostergarten) an den Abt. 1782 erhält das Kloster wieder hohen Besuch: Papst Pius VI. besucht Kaiser Josef II. und macht im Neukloster Halt.

1793 wird Mozarts Requiem in Neukloster in seiner ursprünglichen Bestimmung als Seelenmesse fr die verstorbene Frau des Grafen Walsegg aufgeführt.
1881 resigniert schließlich der letzte Abt des Neuklosters und das Neukloster vereinigte sich mit Stift Heiligenkreuz.

Sehenswert sind nicht nur Klosterbibliothek, Kapitelsaal und der Speisesaal mit den Deckenfresken von Johann Bergl. Seit 2017 kann man in der „Kunst- und Wunderkammer“ die umfangreiche Sammlung der „Klosterschätze“ bewundern.

Weitere Informationen über das Neukloster, seine Kunstschätze und seine Geschichte findet ihr hier: https://www.neukloster.at/kunst-und-geschichte/

Stiftspfarre Neukloster
Neuklostergasse 1
Tel: +43 2622 23102 10
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www.neukloster.at

Die Burg und die Militärakademie

Die Burg zeugt von über 800 Jahren spannender Geschichte und der Bedeutung der Stadt. Lange Zeit trotzte sie alle Widrigkeiten. Doch der Zweite Weltkrieg wurde sie durch Bomben, Bränden und Plünderungen fast vollständig zerstört. Nach ihrem Wiederaufbau ist sie auch heute noch Sitz der ältesten Militärakademie der Welt.

Unter der Regierung von Herzog Friedrich II., dem Streitbaren entstand an der südöstlichen Ecke der Stadt eine Zitadelle mit vier Türmen, die 1260 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Doch zwei Erdbeben in den Jahren 1348 und 1356 zerstörten die Babenberger Burg. Leopold III. von Habsburg gibt jedoch eine neue Burg in Auftrag. Im ehemaligen Kapellengewölbe im Osttrakt ist der noch erhaltene Schlussstein mit der Jahreszahl 1379 zu sehen.

Während der Regentschaft von Kaiser Friedrich III. erlebt nicht nur die Stadt ihre Blütezeit, sondern auch die Burg wandelt sich von der Festung zur Kaiserresidenz. In dieser Zeit entstehen die heute noch erhaltene ursprüngliche Wappenwand und die St. Georgs-Kathedrale. Die Burg ist nicht nur Geburtsstätte seines Sohnes Kaiser Maximilians I., sondern der letzte Ritter liegt auch hier begraben.

1529 entstehen schwere Schäden am Gebäude durch die Türkenbelagerung, aber auch Brände verwüsten die Burg immer wieder – so auch 1608 und 1616.

Die St. Georgs-Kathedrale

Die spätgotische, dreischiffige Hallenkirche wurde 1440 bis 1460 erbaut. Ursprünglich nannte man die Kirche Marien- oder Frauenkapelle. Doch als Friedrich III. 1479 den von ihm gegründeten Georgsritterorden nach Wiener Neustadt verlegte und die Stadt von Papst Sixtus IV. zum Bistum erhoben wurde, änderte man ihren Namen in Georgskirche.
Sehenswert sind die Glasfenster, die aus dem 15. und 16. Jahrhundert stammen. Die ursprünglichen Fenster von 1479 wurden teilweise bei der Belagerung der Stadt durch Matthias Corvinus und durch Feuersbrünste zerstört. In den Jahren 1500 bis 1520 wurden sie vom Niederländer Joris van Delft wieder hergestellt, allerdings mit einigen Veränderungen. So findet man nun öfter das berühmte AEIOU Friedrichs auf den Fenstern, aber er selbst wurde nicht mehr abgebildet. Früher waren auch die Seiten- und rückwärtigen Fenster mit Glasmalereien versehen, diese wurden aber später durch normales Glas ersetzt. Den Zweiten Weltkrieg überstanden die wertvollen Glasfenster gut verpackt im alten Salzbergwerk bei Hallein.

Der Reliquienschrein Friedrichs III., der im mittleren Kirchenschiff aufgestellt war, wurde 1770 entfernt, da der Platz gebraucht wurde. 1990 wurde er nach einer Restaurierung wieder in der Georgs-Kathedrale aufgestellt.

Die St. Georgs-Kathedrale ist Taufkirche, aber auch Begräbnisstätte von Maximilian I. Im hinteren Teil der Kirche befindet sich der zwölfeckige Taufstein aus dem 15. Jahrhundert, der vermutlich zur Taufe von Maximilian I. 1459 benutzt wurde. Er starb am 12. Jänner 1519 auf der Reise von Innsbruck zum Landtag nach Linz in der Burg von Wels. In seinem Testament hatte Maximilian festgehalten, dass er in seiner Taufkirche auf der Burg in Wiener Neustadt unter den Stufen des damaligen gotischen Hochaltars beigesetzt werden sollte und zwar so, dass der Priester auf seine Brust treten sollte, wenn er zum Altar geht. Nur Maximilians Herz wurde getrennt bestattet. Es ruht in der Liebfrauenkirche in Brügge im Sarkophag seiner ersten Frau Maria von Burgund.

Das berühmte Grabmal mit den (28) überlebensgroßen Bronzefiguren hatte Kaiser Maximilian zwar ursprünglich für die St. Georgs-Kapelle in Auftrag gegeben, allerdings blieb es zu seinen Lebzeiten unvollendet. Erst sein Enkel, Kaiser Ferdinand I., ließ es nach Innsbruck bringen und als Kenotaph in der eigens dafür von ihm erbauten Hofkirche aufstellen. Erst 1584 wurde das Grabmal in seiner heutigen Gestalt unter Erzherzog Ferdinand II. vollendet.

Im rechten Seitenschiff befindet sich noch die Gruft des Chorbischofs von Köln, Propst Wolfgang Georg. Er war der Bruder von Kaiserin Eleonore, der Gattin Leopold I. und starb hier auf der Rückreise von Rom.

Ebenfalls sehenswert sind die Wappenschilde des Hauses Österreich, die an den Schlusssteinen des Gewölbes angebracht sind. Durch die eigentümliche Anlage der Kirche fehlen Querschiff und Presbyterium.

Auch die St. Georgs-Kathedrale wurde im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört. Nur eine einzige Säule blieb im Original erhalten. Im Zuge der Rekonstruktion konnte aber ein Fresko aus der Zeit Friedrichs III. freigelegt werden, das in neun Bildern Szenen aus dem Leben Jesu Christi zeigt.


Sehenswert ist auch die Wappenwand an der Außenseite der Kathedrale, mit der Friedrich III. seine Abstammung von historischen und biblischen Personen belegen wollte. Daher finden sich neben 14 „echten“ Wappen auch 88 Fantasiewappen von erfundenen Vorfahren. Sie wurde aus feinkörnigen, gelblichen Sandstein gefertigt, dessen Eigenschaften an Marmor heranreichen. Am Fuße der Wappenwand verband die alte Königsgalerie ursprünglich die kaiserlichen Gemächer, die durch die Kathedrale getrennt waren, miteinander.
Überraschender Weise hat die Wappenwand Kriege, Erdbeben und Brände fast unbeschadet überstanden und ist auch heute noch im Originalzustand zu sehen.

Die Militärakademie

Kaiserin Maria Theresia gründete 1751 das „adelige Kadettenhaus“, das jährlich 200 Offizierskadetten ausbilden sollte: „Mach’ er mit tüchtige Offiziere und rechtschaffene Männer darauß“ lautete ihr Auftrag an den ersten Kommandanten Feldmarschall Leopold Joseph von Daun.

Nach schweren Beschädigungen durch ein Erdbeben wurde die Burg nach den Plänen des Baumeisters Nikolaus Pacassi den Bedürfnissen der Ausbildungsstätte angepasst.
1769 wurde sie mit der Pflanzschule für Kadetten vereinigt und in Militärakademie umbenannt. 1771 gab es bereits einen geregelten Studienplan und 1775 das von Maria Theresia sanktionierte Akademie-Reglement. Die Ausbildungszeit betrug damals elf Jahre und wurde schrittweise auf drei Jahre verkürzt. Von 1805 bis 1849 war der steirische Erzherzog Johann von Österreich Oberdirektor der Theresianischen Militär-Akademie.

Von 1777 bis 1945 blieb Aussehen und Zustand der Burg fast unverändert. Beim Kampf um Wiener Neustadt Anfang April 1945 geriet die Burg jedoch in Brand und brannte fast restlos aus. Beim Wiederaufbau versuchte man die historische Form wieder herzustellen und dabei die alten Mauern möglichst zu belassen. Allerdings wurde die Raumaufteilung im Inneren durch Zwischenwände und –decken den modernen Erfordernissen angepasst. Bereits 1958 wurde der Ausbildungsbetrieb wieder aufgenommen.

Theresianische Militärakademie
Burgplatz 1
Tel: +43 50201 20 28901
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
https://www.milak.at/besucherinformation/die-militaerakademie-besuchen

Josef Matthias Hauer

Man lernt ja nie aus. Deshalb bin ich ja auch so gerne auf Reisen unterwegs. Bis dato dachte ich immer, dass Arnold Schönberg die 12-Ton Musik „erfunden“ hat. Doch gefehlt – es gab da auch noch einen Wiener Neustädter namens Josef Matthias Hauer.

Sein Geburtshaus steht in der Lange Gasse 23, wo er am 19. März 1883 das Licht der Welt erblickte. Das Haus wurde im Laufe der Jahre stark verändert und weist eigentlich nichts Besonderes auf, außer dass der Erdenbürger, der hier geboren wurde schon 1919, also noch vor Arnold Schönberg zur Zwölftonmusik fand und er eigentlich als Begründer derselben gelten sollte. In seinem Nachlass finden sich nicht nur theoretische Schriften, sondern auch zahlreiche Kompositionen, darunter zwei Opern: Die schwarze Spinne und Salambo. Josef Matthias Hauer starb am 22. September 1959 in Wien.

Der Wiener Neustädter Kanal

Von der Kultur wieder zurück zu Natur, aber auch zur Wirtschaft. Um das Jahr 1800 begann man einen künstlichen Kanal anzulegen, der – laut Plan – Wien mit Triest verbinden sollte. 1803 wurde dann eine Teilstrecke eröffnet und noch heute sind 36 Kilometer von Wiener Neustadt nach Biedermannsdorf intakt. Ab 1870 verlor allerdings der Kanal immer mehr an wirtschaftlicher Bedeutung, unter anderem durch den Siegeszug der Eisenbahn. Der Hafen befand sich in der Ungargasse in der Nähe des heutigen Krankenhauses. Er wurde jedoch 1926/27 zugeschüttet. So liegt der Beginn heute in der Nähe der Kreuzung Nestroystraße/Schelmergasse und der ehemalige Wasserweg dient heute überwiegend der Bewässerung der Felder, der Stromerzeugung mit Kleinwasserkraftwerken, aber auch als Radfahrweg und für Kanufahrten. 1956 ging er in den Besitz der Niederösterreichischen Landesregierung über, die eigene „Kanalwärter“ beschäftigt, um den geschichtsträchtigen Wasserweg zu erhalten.

Radfahrer auf dem Eurovelo 9 Themenradweg fahren entlang seines Laufes und in den Sommermonaten freuen sich Erholungswillige auch über die Möglichkeit ein Boot zu mieten und so den einzigen Schifffahrtskanal Österreichs zu erkunden.

Der Marienmarkt

Besucher meiner Website kennen mein Faible für Märkte aller Art und so darf bei der Schilderung der Sehenswürdigkeiten von Wiener Neustadt natürlich auch der Marienmarkt nicht fehlen. Wer also Märkte gerne besucht, sollte auch dem Marienmarkt am Hauptplatz von Wiener Neustadt einen Besuch abstatten. Egal, ob ihr Obst, Gemüse oder Köstliches für Zuhause mitnehmen wollt, oder vielleicht das eine oder andere regionale Schmankerl probieren möchtet – hier werdet ihr fündig werden.

Blick zum Marienmarkt
Blick zum Marienmarkt


Und wenn nicht, kann man sich noch immer bei einem Kaffee oder einem gesunden Snack vom Stadtrundgang erholen. Normalerweise ist der Markt Montag bis Freitag von 9:00 bis 18:00 Uhr und am Samstag von 9:00 bis 15:00 Uhr geöffnet. In Pandemiezeiten lohnt sich aber sicherheitshalber ein Blick auf die Website: https://www.marienmarkt.at/, um richtig informiert zu sein. Dort findet ihr auch gleich einen Überblick über die Standbetreiber und ihr Angebot.

Stadtführungen

Wer jetzt so richtig Lust bekommen hat, Wiener Neustadt zu besuchen und noch einige Geschichten, Legenden und Besonderheiten mehr wissen möchte, dem empfehle ich eine Stadtführung. Bitte schaut hier nach: https://tourismus.wiener-neustadt.at/gefuehrte-stadttouren, um jeweils die aktuellsten Termine zu finden.

Weitere Informationen zu Wiener Neustadt finden sich auch auf den folgenden Websites:
https://www.wiener-neustadt.at/de/stadt/geschichte
https://de.wikipedia.org/wiki/Stift_Neukloster
https://de.wikipedia.org/wiki/Theresianische_Milit%C3%A4rakademie
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgesch%C3%BCtzten_Objekte_in_Wiener_Neustadt
https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_in_Wiener_Neustadt
https://de.wikipedia.org/wiki/St._Peter_an_der_Sperr
https://tourismus.wiener-neustadt.at/sightseeing
https://www.wiener-neustadt.at/de/kultur-tourismus
https://tourismus.wiener-neustadt.at/

Tipps zur Gastronomie: https://tourismus.wiener-neustadt.at/gastronomie-in-wiener-neustadt
Tipps zur Übernachtung: https://tourismus.wiener-neustadt.at/alle-hotels-in-wiener-neustadt-im-ueberblick