Natürlich war mir Arnulf Rainer bekannt, wie wohl jedem in Österreich, der sich ein wenig für Kunst in Österreich interessiert. Dennoch war ich von der großen Bandbreite des Werkes überrascht: Arnulf Rainers Werk ist viel mehr und viel breiter aufgestellt als seine allseits bekannten Übermalungen.

In der Albertina sind nun bis Anfang Jänner 2015 ungefähr 150 Werke aus öffentlichen und privaten Sammlungen zu sehen, die teilweise noch nie oder schon lange nicht in Österreich ausgestellt waren. Danach übersiedelt die Schau ins Frieder Burda Museum nach Baden-Baden/Deutschland.

Arnulf Rainer Retrospektive in der Albertina
Die Ausstellung konzentriert sich auf Schlüsselstellen und richtungsweisende Schnittpunkte in der künstlerischen Entwicklung Rainers und ist eher thematisch, denn kalendarisch geordnet. Sie zeigt am Beginn die Vertikalisierungen und Zentralisationen der frühen 1950er Jahre und stellt diesen die zeitgleich entstandenen Proportionsstudien gegenüber. Impulsive, abstrakte Zeichnungen treffen auf mit Farbe und Fläche experimentierende Werke. Der junge Arnulf Rainer setzt sich mit den verschiedenen Impulsen der europäischen Kunst in seiner Arbeit auseinander, er beschäftigt sich mit Expressionismus, Surrealismus, Automatismus und Konstruktivismus. Darauf folgen in den späten 60er Jahren farbige Finger-, Hand und Fußmalereien mit breitformatigen, figurativen Zeichnungen in Schwarz und Weiß.

Arnulf Rainer Retrospektive in der Albertina
1968/69 stellt der Künstler die Gesichtsmimik ins Zentrum seines Interesses. Bilder aus Fotoautomaten seines zu Grimassen verzogenen Gesichts werden zu Ausgangspunkten seiner Werke, die dann in weiteren Schritten vergrößert, über- und bearbeitet werden. Seine „Face Farces“ und „Body Poses“ zeigen seinen eigenständigen Umgang mit dem Medium der Fotografie.

Arnulf Rainer Retrospektive in der Albertina

Übermalungen

Arnulf Rainer Retrospektive in der Albertina
Natürlich finden sich in der Ausstellung auch Exponate seiner Übermalungen beziehungsweise Zumalungen, die Rainer bereits ab Mitte der 1950er Jahre gestaltete. Die Kreuzform wird zur typischen und kennzeichnenden Malfläche, damit verbunden Assoziationen wie Tod und Mysterium. Rainer beschäftigt sich in seinen Werken bereits seit Beginn mit dem Tod: in einer frühen Zeichnung und in seiner Selbstinszenierung als Toter spiegelt er den Tod zuerst auf sich selbst, dann beginnt er Totenmasken zu sammeln, die er später direkt übermalt oder deren Fotografien bearbeitet.

Arnulf Rainer Retrospektive in der Albertina

Ende der 1990er Jahren entstehen farbige, transparent irisierende Schleierbilder. Auch bei den Überarbeitungen ändern sich die Themen: Frauenköpfe und Frauenkörper, Engel, Tiere, Pflanzen und Landschaften tauchen in seinen Bildern auf. Seine jüngsten Arbeiten zeigen magnethaft anziehende, luftdurchwehte Bildräume, die durch Misch- und Lokalfarben konstruiert werden.
Eine Ausstellung, die viel Neues über einen Maler zeigt, den man zu kennen glaubt und der allzu oft nur auf einen Teil seines Werkes reduziert wird. Es ist der Albertina zu verdanken, dass sie den 85.Geburtstag des Künstlers zum Anlass genommen hat, um einen wirklich großen Einblick in sein Werk zu ermöglichen.

Hiroshima Zyklus

Arnulf Rainer Retrospektive in der Albertina

Beeindruckend auch die Bilder, mit denen sich Arnulf Rainer mit dem Atombombenabwurf über Hiroshima und dessen Folgen für Land und Menschen auseinandersetzt. Es gibt wenige Künstler, die gleichzeitig so deutlich und doch so versteckt die Qualen und Schrecknisse dieses Ereignisses zeigen.

Arnulf Rainer Retrospektive in der Albertina
Am 13.9., 26.10. und 23.11.2014 finden jeweils von 14:00 bis 15:00 Uhr Junior-Führungen statt, die die Highlights der Ausstellung in jeweils einer Stunde präsentieren.

Rahmenprogramm zur Ausstellung:

17.9.2014 um 18:30 Uhr: Andrea Eckert liest aus den Schriften von Arnulf Rainer
22.10.2014 um 18:30 Uhr: Peter Sloterdijk Festvortrag
25.10.2014 um 11:00 Uhr: Künstlergespräch. Arnulf Rainer im Gespräch mit Klaus Albrecht Schröder
12.11.2014 um 18:30 Uhr: Arnulf Rainer. Performances und Posen. Filmdokumentation.
Alle Veranstaltungen des Rahmenprogramms finden im Musensaal statt. Für eine Teilnahme ist eine Anmeldung unter http://albertinanews.at/rainerevents erforderlich.

Arnulf Rainer
Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erschienen, der im Shop der Albertina oder online unter www.albertina.at erhältlich ist.

3.9.2014-6.1.2014 Arnulf Rainer Retrospektive
Albertina, Basteihalle
Albertinaplatz 1
Tel: + 43 1 534 83-0
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www.albertina.at