Miniaturbild Maharaja Abhai Singh von Jodpur S. Shakir © SchallaburgEin Besuch auf der Schallaburg lohnt sich: Gibt es doch nicht nur das wunderschöne Renaissanceschloss zu bestaunen, sondern jedes Jahr eine andere tolle Ausstellung. Heuer ist Indien zu Gast.

Das Indien der Maharadschas steht heuer im Mittelpunkt der Ausstellung der Schallaburg. Wie bunt und vielfältig das Land und damit auch die Ausstellung gestaltet ist, zeigt sich schon beim Anstieg zum Schloss: bunte Fahnen heißen den Besucher willkommen und auch der Schlosshof ist damit geschmückt.

Auf einer Ausstellungsfläche von 1.300 Quadratmetern werden 450 Jahre spannende Weltgeschichte zwischen Europa und Indien beleuchtet. Beide Kontinente beeinflussten sich lange Zeit gegenseitig: Waren die Vorbilder der europäischen Renaissance-Gärten unter anderem die Gärten der Großmoguln, so errichteten diese wieder einige ihrer Paläste mit deutlichen Anleihen aus der europäischen Renaissancekunst. Europäische Kolonialherrschaft prägte den indischen Raum, indische Kunst inspirierte Europa. Maria Theresia, Prinz Eugen und viele andere hohe Herrschaften statteten ihre Prunkräume mit indischem Kunsthandwerk aus. Vor allem Maria Theresia schätzte ihre Mogulminiaturen über alles.  So ist ihr Ausspruch überliefert, dass ihr diese Miniaturen mehr wert seien als Diamanten und Perlen. Auch der Thronfolger Franz Ferdinand schrieb auf seiner Reise durch Indien begeistert über 2.000 Seiten in seinem Tagebuch voll.

Schallaburg - Das Indien der MaharadschasDie Ausstellung zeigt wie viele Facetten das Leben der Maharadschas in Indien hatte. Während die ersten Zimmer langsam in die Thematik einführen und noch eher den Anschein einer „normalen“ Museumsausstellung besitzen, taucht man dann mit jedem Schritt mehr in die Atmosphäre Indiens ein. Kleine wie große Besucher können am „Glücksrad“ drehen und so erfahren, wie ihr Leben als Auswanderer wahrscheinlich ausgefallen wäre. Man kann die verschiedensten Gewürze kennen und „schnuppern“ lernen, sehen wie man selbst in der Tracht der Maharadschas ausgesehen hätte oder sich ein Horoskop am Computer erstellen lassen. Der Besucher erfährt von Prunk der indischen Fürsten, man ist „inmitten“ einer fürstlichen Prozession und sieht die fürstlichen Marwari Pferde und mit Diamanten und Rubinen geschmückte Kriegselefanten. Man staunt, wie viele Worte sich aus dem Indischen ableiten lassen, sei es Punsch oder Pygama und an einer eigenen Station kann man damit gleich sein Hindi verbessern. Auch Stoffe und die Textilindustrie sind unweigerlich mit Indien verbunden. Wer wissen will, wie sich die unterschiedlichsten Stoffe im Blindtext anfühlen, kann seinen taktilen Sinn ebenfalls in der Ausstellung testen.

Die Ausstellung spannt einen geschichtlichen Rahmen von Vasco da Gama, der am 22. November 1497 den Subkontinent erreichte bis Mathama Ghandi.

Der Besucher lernt die unterschiedlichen Religionen kennen, die am indischen Subkontinent vorherrschen, war doch die Förderung der Religion eine der wichtigsten Fürstentugenden. Neben den Hauptreligionen Hinduismus und Islam, deren „Unversöhnbarkeit“ zur Abspaltung von Pakistan von Indien führte, werden auch die Minderheitsreligionen wie der Dschainismus, der nordindische Sikhismus, der Buddhismus und das Christentum vorgestellt.

Das Indien der Maharadschas auf der SchallaburgEine eigenen „Welt“ ist der Stellung der Frau gewidmet. Generell galt: je höher ihr sozialer Status, umso mehr musste sie sich verhüllen. In den Palästen gab es eine strikte Trennung der Räume für Männer und Frauen. Die Frauengemächer durften nur vom Maharadscha selbst und von Eunuchen betreten werden. Manche Frauen haben diese Gemächer wahrscheinlich in ihrem Leben nie mehr verlassen. Dennoch scheint das Leben in diesen „Gefängnissen“ auch einige Abwechslung geboten zu haben: man sieht die Freizeitmöglichkeiten der Frauen – angeblich war „Schaukeln“ eine beliebte Freizeitbeschäftigung, aber es musste auch Möglichkeiten zum Studium gegeben haben, so gingen aus ihnen Philosophinnen, Mathematikerinnen und Dichterinnen hervor. Dennoch: ein Leben hinter Gittern, wie man sehr schön durch die Ausstellungsgestaltung erkennen kann. Allerdings nicht in Einsamkeit. Vom König von Vijayanagar wird berichtet, dass er mit 12.000 Frauen zusammengelebt haben soll.

Zum Abschluss der Ausstellung erhält man auch noch Informationen darüber, womit Maharadschas im heutigen Indien beschäftigt sind – und das reicht von der Hotelierdynastie über den Businessman, der Baseball-Mannschaften sponsert bis zum Leiter einer Hilfsorganisation.

Für Kinder und Jugendliche gibt es einen „Reisebegleiter“, in dem ein Maharadscha und eine Maharani durch die Ausstellung führen. Damit wird die Familie gemeinsam mit viel Augenzwinkern durch die Räume geführt und die vielen „Mitmach“-Stationen laden Kinder wie Eltern ein, alles auszuprobieren. Wissenswertes wird damit interessant und kurzweilig vermittelt. Einem Ausflug mit der ganzen Familie auf die Schallaburg steht damit nichts im Wege.

Das Indien der Maharadschas auf der Schallaburg - Die FühlstationZur Ausstellung ist ein wunderschöner Katalog erhältlich, der alle Indien-Wissbegierigen begeistern wird. 29 AutorInnen haben auf über 200 Seiten spannende Geschichten über die Kolonialzeit, das höfische Leben der Frauen, über die Habsburger in Indien, über Feste, Gärten, Tanz und viel mehr zusammengestellt. Weggefährten von Thronfolger Franz Ferdinand und Mathama Gandhi kommen zu Wort und Gouri Parvathi Bayi, Prinzessin von Travancore gibt einen Einblick in das Leben der Maharadscha-Familien heute. Neben wunderschönen Bildern, die Indien in seiner ganzen Farbenpracht zeigen ist auch noch eine CD des Märchenerzählers Parvis Mamnun begelegt.

Zu guter Letzt sollte man es auch nicht verabsäumen, den Renaissancegarten zu besuchen. Bis in den Frühsommer hinein wird sich das byzantinische Gemüsebeet des Vorjahres heuer in ein indisches Beet verwandeln. Lernen Sie typische indische Pflanzen und Gemüsesorten wie indisches Brennkraut, Katzenbart, Gewürzlilien oder indisches Basilikum auf der Wiese zwischen Neuschloss und Schloss kennen. Auch Safran gehört natürlich dazu, allerdings kommt dieser nicht aus Indien, sondern aus der Wachau, wo die Gegend um Loosdorf ebenfalls eine lange Anbautradition besitzt.
Eine weiteres Highlight wird die Installation „1200 göttliche Jahre“: ein indischer Schriftzug im Mittelgang, Klanginstallationen und der „Apfelhain der Wünsche“ sind nur einige Elemente des Projekts.

Sollten Sie durch das viele Schauen und Staunen hungrig geworden sein, empfiehlt sich ein Besuch im Schlossrestaurant, dass heuer indische Küche mit Mostviertler Flair bietet. Eine interessante Kombination, die man sich nicht entgehen lassen sollte!

Die Ausstellung ist Montag bis Freitag von 9:00 bis 17:00 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertag von 9:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. (Einlass bis eine Stunde vor der Schließung). Die Mitnahme von Tieren in den Schlossbereich ist nicht gestattet.

Das Indien der Maharadschas vom 23.3. – 10.11.2013

Das Indien der Maharadschas auf der Schallaburg

Renaissanceschloss Schallaburg

3382 Schallaburg 1
Tel: +43 2754 6317-0
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.schallaburg.at

Mehr über die Schallaburg erfahren Sie hier aus www.ask-enrico.com

Während der Ausstellung finden zahlreiche Veranstaltungen statt, die Sie nicht verpassen sollten. Mehr darüber erfahren Sie hier auf ask-enrico, unter www.schallaburg.at oder im Schallaburg-Blog.