Das MAK widmet sich noch bis zum 19.6.2022 in einer großen Retrospektive dem Gesamtwerk Joseff Hoffmann.

Josef Hoffmann war für mich ein Universalgenie, obwohl mich eigentlich immer seine Gläser, Vasen, Geschirr, Besteck am meisten fasziniert hat. In dieser Schau im MAK – noch dazu mit einer ausgezeichneten Führung durch einen der Kuratoren – wurde mir erst so richtig die ganze Bandbreite seines Schaffens klar.

Josef Hoffmann

Josef Hoffmann ist – nach heutiger Grenzziehung – eigentlich Tscheche. Er wurde am 15.12.1870 in Brtnice (wo es zu seinen Ehren auch ein Museum gibt) geboren und stammte aus einer wohlhabenden Familie, sein Vater war immerhin Bürgermeister des Ortes. Eigentlich sollte er Jura studieren, doch die Technik interessierte ihn mehr und so besuchte er die Staatsgewerbeschule in Brünn, arbeitete beim Militärbauamt in Würzburg und studierte schließlich an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Karl von Hasenauer und Otto Wagner.

Blick in die Ausstellung (Foto © Georg Mayer, MAK)
Blick in die Ausstellung (Foto © Georg Mayer, MAK)


Hoffmann war Mitbegründer der Wiener Secession, die er allerdings 1905 mit Gustav Klimt und anderen wieder verließ.

Interessante Details erfahren wir bei der Führung
Interessante Details erfahren wir bei der Führung


1903 gründete er mit Fritz Wärndorfer und Koloman Moser die Wiener Werkstätten, für die er viele Produkte entwarf. Ab 1899 lehrte Hoffmann an der Wiener Kunstgewerbeschule. 1906 entstand eines seiner bekanntesten Werke – das Sanatorium in Purkersdorf. Von 1905 bis 1911 wurde in Brüssel das Palais Stoclet gebaut, das als Hauptwerk des Weiner Secessionsmus gilt und in dem Gustav Klimt sein Stoclet-Fries gestaltete. Das Bauwerk ist in die Liste des Unescos Welterbe aufgenommen. 1907 begründet Hoffmann den Deutschen Werkbund mit, 1912 den Österreichischen Werkbund.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung


Hoffmann begrüßt 1938 den Anschluss an Deutschland, erwartet sich Aufschwung durch das Regime. Von den Nazis wird er als „degenerierter dekorativer Künstler“ und als nicht vertrauenswürdig eingeschätzt, trotzdem bekommt er auch von ihnen einige Aufträge. So plant er den Umbau des Botschaftspalais der Deutschen Botschaft am Rennweg.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung


Nach dem Zweiten Weltkrieg wird Hoffmann  österreichischer Generalkommissar bei der Biennale in Venedig und ist Mitglied im Österreichischen Kunstsenat. Hoffmann stirbt am 7.5.1956 in Wien, erhält ein Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 14C, Nummer 20), dessen Grabstein von Fritz Wotruba gestaltet wird.

Die Ausstellung

Die Ausstellung im MAK spannt einen Bogen von seiner Jugend und dem Studium an der Wiener Akademie der bildenden Künste bis zu seinem Tod 1956. An den äußeren Wänden findet der Besucher jeweils wichtige Daten im Lebenslauf Hoffmanns chronologisch aufgelistet, wobei der Schwerpunkt der Ausstellung auf seinen bis heute anhaltenden Einfluss auf Architektur, Kunstgewerbe und Design liegt.

Josef Hoffmann, Sanatorium Westend in Purkersdorf (Foto © Wolfgang Woessner, MAK)
Josef Hoffmann, Sanatorium Westend in Purkersdorf (Foto © Wolfgang Woessner, MAK)


Dabei gehen die Gestalter von seinen prominentesten Projekten und Bauten aus wie dem Sanatorium Westend in Purkersdorf, dem Palais Stoclet in Brüssel, der Wiener Kunstschau, dem österreichischen Pavillon für die Werkbundausstellung in Köln, dem Pariser Pavillon für die Exposition internationale des Art décoratifs et industriels modernes, der Werkbundsiedlung in wie nun dem Pavillon für die Biennale in Venedig.

Modell Cabaret Fledermaus
Modell Cabaret Fledermaus


Ich gestehe, ich war anfänglich fast ein wenig enttäuscht, hatte ich mich doch sehr auf die Entwürfe – vor allem – für die Wiener Werkstätten gefreut. Diese sind natürlich auch vorhanden, aber eben nicht ausschließlich.

Wunderschön! Ganz nach meinem Geschmack!
Wunderschön! Ganz nach meinem Geschmack!


Es sind immerhin 20 Kapitel mit über 1.000 Exponaten, mit denen das Lebenswerk von Josef Hoffmann in dieser Schau beleuchtet wird. Kein Wunder also, dass es auch für einen Hoffmann-Fan viel Neues zu entdecken gibt.

Auch diese Lampe ist wunderschön!
Auch diese Lampe ist wunderschön!


Für mich interessant zu sehen war die Rekonstruktion des, für die Pariser Weltausstellung entworfenen, Boudoir d’un grande vedette (Boudoir für einen großen Star) aus dem Jahre 1937. Auch einige wunderbare Deckenlampen haben mich wieder einmal total begeistert.

Entworfen für Stars:  Boudoir d’un grande vedette
Entworfen für Stars: Boudoir d’un grande vedette


Neu war für mich auch die politische „Dimension“ von Hoffmann. Man darf einfach nicht vergessen, dass Hoffmann fünf verschiedene politische Regime erlebte, von der Habsburgermonarchie bis zu Zweiten Republik Österreich. Dennoch hat es mich irgendwie überrascht, ihn auch als Befürworter des Anschlusses kennen zu lernen, der sich allerdings nicht der Ästhetik des Regimes in künstlerischen Ansichten beugte. Dennoch finden sich auch von ihm Entwürfe und Ausführungen mit Hakenkreuz.

Josef Hoffmann erlebte fünf verschiedene politische Regime
Josef Hoffmann erlebte fünf verschiedene politische Regime


Mit dem Besuch der Ausstellung kann man wirklich das nahezu 60-jährige Schaffen von Hoffmann vor sich Revue passieren lassen, eines einflussreichen Pioniers in Architektur und Design und viele seiner verschiedenen Facetten kennen lernen. Hoffmann galt als Geschmacks- und Identitätsstifter und pflegte als langjähriger Lehrer, einflussreicher Kunstgewerbedesigner und Mitbegründer der Wiener Secession, der Wiener Werkstätte und des Werkbundes ein beispielhaftes modernes Lebensmodell. Er vereinte einen künstlerisch ambitionierten architektonischen Ansatz mit einer handwerklich geprägten Produktkultur.

Auch Kleider wurden entworfen
Auch Kleider wurden entworfen


Wer sich also von der Welt Josef Hoffmanns inspirieren lassen möchte, sollte die Ausstellung unbedingt besuchen. Ich empfehle euch eine Führung zu buchen. So wird man kurzweilig durch die Schau geführt und erfährt noch dazu viele wissenswerte „Schmankerl“ aus Hoffmanns Leben. Danach oder vorher noch unbedingt Zeit einplanen, um sich alles noch einmal in Ruhe anschauen zu können.

Tipp: Guide.Mak.at

Solltet ihr nicht in Wien wohnen oder keine Gelegenheit haben die Ausstellung zu besuchen, gibt es den kostenlosen Guide zu den Highlights der Ausstellung. Unter dieser Adresse findet ihr nicht nur Audio-Files zu Hoffmann. Es lohnt sich auf jeden Fall vorbei zu schauen.

... wirkt doch sehr modern ...
... wirkt doch sehr modern ...


Mit den Audio-Files kann man auch die Ausstellung besuchen und sich per „Smartphone“ führen lassen.

Katalog

Zur Ausstellung ist die Publikation Josef Hoffmann 1870-1956: Fortschritt durch Schönheit. Das Handbuch zum Werk erschienen. Der Katalog umfasst 448 Seiten mit zahlreichen Farbabbildungen und kann im MAK Design shop vor Ort oder online unter makdesignshop.at um 69,95 Euro erworben werden.

Auch Schmuck kann man bestaunen
Auch Schmuck kann man bestaunen


Das MAK ist Dienstag von 10:00 bis 21:00 Uhr, Mittwoch bis Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, am Montag ist geschlossen.

 


15.12.2021-19.6.2022
Josef Hoffmann. Fortschritt durch Schönheit
MAK – Museum für angewandte Kunst
1010 Wien, Stubenring 5
T: +43 1 711 36-0
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.mak.at