Das Theater an der Wien ist unter der Intendanz von Roland Geyer zu einem der führenden Opernhäuser herangewachsen. Unter seinem neuen Intendanten Stefan Herheim wird vieles neu – auch die Spielstätte ändert sich für die neue Saison …

In der Spielsaison 2022/23 wird vieles neu. Die Spielstätte ist in die Jahre gekommen und nicht nur die Fassade des Gebäudes, auch das Innenleben und die Bühnentechnik benötigen dringend einen neuen Kick. Daher begannen bereits mit März 2022 die ersten Vorarbeiten für eine Generalsanierung des Hauses, das erst 2024 wieder in neuem Glanz und verbesserter Technik zur Verfügung stehen wird.

Der neue Intendant des Theaters an der Wien: Stefan Herheim
Der neue Intendant des Theaters an der Wien: Stefan Herheim


Eine zusätzliche Herausforderung für den neuen Intendanten Stefan Herheim und sein Team, muss er doch seine erste Spielsaison nicht nur mit den Herausforderungen von Covid, sondern auch mit einer gänzlich anderen Spielstätte und zusätzlich noch mit dem – auch die Kultur überschattenden Ukraine-Krieg beginnen.

Das neue Team: Carolin Wielpütz, Stefan Herheim, Peter Heilker
Das neue Team: Carolin Wielpütz, Stefan Herheim, Peter Heilker


Am Wochenende lud er zu seiner Programmpräsentation und diese wartet mit einigen Neuerungen auf.

Musik-Theater an der Wien

Zu allererst findet der frischgebackene Intendant, dass das Wort Oper zu kurz greift. Er will mehr und damit auch zeigen, dass Musik im Theater die verschiedensten Formen umsetzt. Um diese Einstellung deutlich zu machen, wurde auch gleich das Logo geändert: das Theater an der Wien wird in Musik Theater an der Wien kurzer Hand umbenannt.

Das Programm kann sich aber in seiner Vielfältigkeit wirklich sehen lassen: so wird es in der neuen Spielsaison 13 szenische Musiktheaterproduktionen geben, 9 konzertante Opern-Highlights, eine neue Late Night Serie plus einer doppelten Zugabe und ein neues Vermittlungsformat TaWumm!

Bereits die Eröffnungswochen im Oktober schießen ein Feuerwerk der unterschiedlichsten Genres ab und werden die einzigartige Synthese von Musik und Theater zeigen, auf die es dem Team rund um Herheim ankommt: vom Frühbarock bis heute, einschließlich unbekannter Gattungen und vernachlässigter Formen.

So bietet sich vom 6.10.2022 bis 23.10.2022 bereits ein buntes Treiben durch unterschiedlichste Genres:

Zwei Premieren: Das schlaue Füchslein im MQ und La Liberazione in der Kammeroper, ein Musical Heute Abend: Lola Blau in der Kammeroper, ein Tag der Offenen Tür, als konzertantes Highlight La Lotta d’Ercole con Acheloo im MQ, die Reihe Unterwegs mit … im Museumsquartie und die Zugaben Igudesman & Joo: Mambo Jambo und zu guter Letzt der Arnold Schoenberg Chor mit seinem Geburtstagskonzert unter dem Titel Zurück in die Zukunft.

Glücklicherweise wird aber nicht alles Pulver gleich zu Beginn verschossen und so erwartet das Publikum die ganze Spielsaison noch einige interessante Schmankerl, von denen ich hier noch einige kurz vorstellen möchte:

Szenische Oper (Museumsquartier, Halle E)

Diese Gattung liegt mir ja besonders am Herzen, ebenso wie die tschechischen Komponisten.


Daher sei hier noch einmal das Schlaue Füchslein von Leoš Janáček erwähnt. Dabei sei auch gleich darauf hingewiesen, dass dies auch das „Premierenwerk“ des neuen Intendanten sein wird. Stefan Herheim insziniert, Giedrė Šlekytė hat die musikalische Leitung inne, Audun Iversen sind den Förster, Jana Kurucová den Fuchs und Mélissa Petit die Füchsin.

Die diebische Elster
Die diebische Elster


Weiter geht es dann im Museumsquartier mit La Gazza Ladra von Gioachino Rossini in der Inszenierung von Tobias Kratzer. Premiere der „Diebischen Elster“ ist am 16.11.2022

Eine Familienoper zu Weihnachten
Eine Familienoper zu Weihnachten


Zu Weihnachten steht das Museumsquartier mit Amahl und die nächtlichen Besucher von Gian Carlo Menotti ganz im Zeichen der Familie. Auch dieses Werk wird Stefan Herheim inszenieren und man merkte bereits bei der Präsentation wie sehr ihm dieses Werk am Herzen liegt. Start ist am 15.12.2022, es gibt extra Familienkarten und gespielt wird zu früherer Stunde als üblich.

Die Straßensängerin
Die Straßensängerin


Im Jänner (Premiere 16.1.2023) geht es mit La Périchole von Jaques Offenbach dann operettenhaft zu, bevor am 20.2.2023 Georg Friedrich Händels Oratorium Belshazzar auf die Bühne kommt.

Georg Friedrich Händel: Belshazzar
Georg Friedrich Händel: Belshazzar

Marie-Eve Signeyrole inszeniert den Fall Babylons, die musikalische Leitung liegt bei Christina Pluhar, die ihr Ensemble L’Arpeggiata mitbringt und der Arnold Schoenberg Chor übernimmt die Darstellung der drei verfeindeten Völker aus dem Nahen Osten.


Im März (Premiere 22.3.2023) folgt in einer Koproduktion mit dem Teatro Real Madrid der Freischütz von Carl Maria von Weber bevor sich die Spielsaison im MQ mit zwei weiteren Highlights dem Ende zu neigt. Am 28.4.2023 hat der Idiot von Mieczysław Weinberg Premiere.

Darauf bin ich schon sehr gespannt
Darauf bin ich schon sehr gespannt


Das Werk eines russisch-polnischen Komponisten, das zum ersten Mal in Österreich aufgeführt wird. Darauf bin ich schon besonders gespannt, ich kannte ihn nicht, habe kurz in seine 3.Symphonie hineingehört und bin begeistert.

Lulu - Eine Kooperation mit den Wiener Festwochen
Lulu - Eine Kooperation mit den Wiener Festwochen


Abgeschlossen wird die Saison im MQ mit einem gemeinsamen Projekt der Wiener Festwochen und dem Theater an der Wien mit Alban Bergs Lulu. Maxime Pascal übernimmt die musikalische Leitung, Marlene Monteiro Freitas ist für Konzept und Regie verantwortlich Vera-Lotte Boecker wird die Lulu singen, Bo Skovhus Dr. Schön, Anne Sofie von Otter ist als Gräfin Geschwitz zu hören und Kurt Rydl als Schigolch um nur einige der hervorragenden Besetzung zu nennen.

Nicht vergessen möchte ich aber auf die Vorstellungen in der Kammeroper:

Diese eröffnet am 6.10.2022 mit einer Rarität: La Liberazione von Francesca Caccini, vermutlich die erste Oper, die von einer Frau geschrieben wurde.


Es folgen L’Arbore di Diana von Vicente Martín y Soler, Der Goldene Drache von Peter Eötvös als Wiener Erstaufführung, Superzero Baby, eine Opernperformance zu Wert und Wertigkeit, vor allem für das junge Publikum und schließlich Die stumme Serenade von Erich Wolfgang Korngold als Österreichische Erstaufführung.

Noch immer nichts für euch dabei gewesen? Also mir fällt jetzt eigentlich schon die Wahl schwer und ich liebäugle mit dem Kauf eines oder mehrerer Abos.

Vielleicht interessiert euch ja auch mehr das konzertante Musiktheater? Dann findet hier noch einen schnellen Überblick:

Start im Oktober mit La Lotta d’Ercole con Acheloo von Agostino Steffani, der November bringt Il Tamerlano von Antonio Vivaldi, im November wird Il Venceslao von Antonio Caldara gespielt und der Dezember bietet Johann Sebastian Bach & Domenico Scarlatti auf. Das neue Jahr beginnt mit Joseph Haydn Orfeo ed Euridice und im Februar könnte es zu einer Jam-Session mit Christina Pluhar & L’Arpeggiata kommen, wenn Händel goes wild am Programm steht. Im März folgt Thésée von Jean-Babtiste Lully und danach steht mit Alexander’s Feast or the Power of Music Georg Friedrich Händel im Mittelpunkt. Im Mai schließt das Programm mit Il Polifemo von Nicola Antonio Porpora.

Für alle die von Musik nicht genug bekommen können, wurde außerdem noch eine Late Night Schiene in der Kammeroper programmiert, die mit ihrem Beginn um 21.00 Uhr besonders die Nachtschwärmer ansprechen soll. Start ist am 9.10.2022 mit Heute Abend: Lola Blau.

Wer es nun bis hierher geschafft hat zu lesen, sieht dass da einiges auf uns Musikliebhaber wartet. Wenn das Team rund um Stefan Herheim die Saison so schwungvoll durchsteht, wie sie die Programmpräsentation gestaltet haben, dann dürfen wir uns einiges erwarten. Ich bin auf jeden Fall schon gespannt.

Hier habe ich noch einen kleinen Livemitschnitt von der Programmpräsentation. Man möge die schlechte Qualität entschuldigen…