Das zweite Standbein der Albertina ist mit der Ausstellung „The Beginning. Kunst in Österreich 1945 bis 1980“ eröffnet, die bis 8.11.2020 läuft.

Wer sich für die Eröffnungsausstellung interessiert, sollte das neu renovierte Haus am besten jetzt besuchen – noch herrscht nicht der übliche Massenandrang und die Ausstellung lohnt sie auch mit Maske zu sehen.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung "The Beginning"


Die Albertina modern bietet damit erstmals einen umfassenden Überblick über eine der innovativsten Epochen der heimischen Kunstgeschichte und zeigt die bedeutendsten Positionen an der Schwelle zur Postmoderne: vom Wiener Phantastischen Realismus über die frühe Abstraktion, den Wiener Aktionismus, die kinetische und konkrete Kunst sowie die „österreichische“ Popart bis zum gesellschaftskritischen Realismus.

Arnulf Rainer in der Albertina modern
Arnulf Rainer in der Albertina modern


Die Kunst nach 1945 wurde in Österreich bis in die 1970er Jahre als „entartet“ bezeichnet, kriminalisiert und verdrängt. Nicht zuletzt im Wiener Künstlerhaus, in dem durch die verschiedenen Präsidenten seit den frühen 1930er Jahren Überzeugungen des Nationalsozialismus herrschten und ein reaktionärer Kunstbegriff offiziell vertreten und auch durchgesetzt werden konnte.
Nun werden die Avantgarden der Nachkriegsära gerade in jenem Haus gezeigt, in dem einst die Schandausstellung der „Entarteten Kunst“ unter dem Künstlerhaus-Präsidenten Rudolf Eisenmenger die letzte Station im „Dritten Reich“ gefeiert hat.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung


Den Künstlerinnen und Künstlers dieser Avantgarden ist die radikale Auflehnung gegen Autorität und Hierarchie, die Kritik an Verdrängung der Schuld und die kompromisslose Zurückweisung eines reaktionären Kunstverständnisses gemein. Wahrscheinlich fühle ich mich auch deshalb so von ihren Werken angezogen und war von der Ausstellung so begeistert.

The Beginning in der Albertina modern
The Beginning in der Albertina modern


In der Ausstellung zu sehen sind Werke von Ernst Fuchs, Anton Lehmden und Rudolf Hausner. Die Wiener Aktionisten Otto Mühl bis Günter Brus und Hermann Nitsch, die Abstrakten Wolfgang Hollegha und Markus Prachensky, gesellschaftskritische Realisten wie Alfred Hrdlicka, Reimo Wukounig oder Gottfried Helnwein und Art Brut von Franz Ringel bis Peter Pongratz.

Christian Ludwig Attersee
Christian Ludwig Attersee


Sie wirft einen Blick auf den Geschlechterkampf und die Emanzipation mit Aktionistin Valie Export, zeigt aber auch die spätere feministische Avantgarde von Renate Bertlmann und Friederike Pezold bis Birgit Jürgenssen und Karin Mack.

Maria Lassnig
Maria Lassnig


The Beginning widmet aber auch den bedeutenden Einzelkünstlern dieser Epoche wie Friedensreich Hundertwasser, Arnulf Rainer oder Maria Lassnig eigene Räume und die Skulptur und die Objektkunst ist durch Joannnis Avramidis, Rudolf Hoflehner, Wander Bertoni, Roland Goeschl, Curt Stenvert, Bruno Gironcoli und Cornelius Kolig vertreten.

Gottfried Helnwein
Gottfried Helnwein


Damit sind werden knapp 400 Werke von insgesamt fast 100 Künstlern und Künstlerinnen dieser, sich über drei Jahrzehnte dauernden Epoche an der Schwelle zur Postmoderne gezeigt.
Wie mir die Ausstellung gefallen hat und wer meine besondere Verehrung genießt, könnt ihr hier am Blog erfahren. Mir bleibt nur noch die Empfehlung abzugeben: Schaut euch diese Ausstellung an…

Arik Brauer in der Albertina modern
Arik Brauer in der Albertina modern

Die Albertina modern ist täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der um 49,90 Euro im Shop der Albertina, der Albertina modern oder im Online-Shop unter www.albertina.at erhältlich ist.

Friedensreich Hundertwasser
Friedensreich Hundertwasser


27.5.-8.11.2020 The Beginning. Kunst in Österreich. 1945 bis 1980

Albertina modern, Erd- und Untergeschoss
1010 Wien, Karlsplatz 5
Tel: +43 1 534 83-0
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www.albertina.at/albertina-modern