Er ist wohl der berühmteste Kaffeehausstuhl der Welt: Der Thonetsessel mit der Nummer 14. Die neue Ausstellung Bugholz, vielschichtig. Thonet und das moderne Möbeldesign beleuchtet die Erfolgsgeschichte vom 18.12.2019 bis zum 13.4.2020 im MAK.

Thonet feiert heuer bereits das 200- Jahr Jubiläum seiner Gründung und das MAK zeigt aus diesem Anlass eine Zeitreise durch das moderne Möbeldesign.

Statements bei der Pressekonferenz der Auisstellung
Statements bei der Pressekonferenz der Ausstellung


Und es war auch für mich als Besucher eine Reise in die Vergangenheit. In der Ausstellung werden nicht nur Thonet Möbel ausgestellt, sondern diese auch Werken berühmter und bekannter Designer gegenübergestellt.

Der
Der "Stadthallen-Sessel"

Schließlich waren Thonet-Möbel auch immer wieder Inspiration für nachfolgende Möbel-Designer und so finden sich auch Werke von Birgit Jürgenssen, Bruno Gironcoli, Rolf Sachs, Uta Belina Waeger und Markus Wilfing in der Ausstellung. Mich haben damit nicht nur die Thonet-Modelle erfreut, sondern auch jene Sessel oder Fauteuils, die mich an meine Jugend erinnert haben:
Darunter findet sich z.B. der Stadthallen-Stuhl – der bei so manchen Konzert die Begeisterung des Publikums und meiner Wenigkeit (damals noch schlanker) „schultern“ musste oder aber jener Stuhl oder sollte ich besser Fauteuil sagen, der so manchen Wartebereich bei Agenturen schmückte (damals allerdings in schwarzem Leder) und den ich damals auch unglaublich schick fand – aber mir nicht leisten konnte.

Diese Designerstücke habe ich in meiner Jugend sehr verehrt - auch die
Diese Designerstücke habe ich in meiner Jugend sehr verehrt - auch die "nachgemachten" ...


Nicht alle dieser Sitzgelegenheiten sind unbedingt als bequem zu bezeichnen (wobei man sollte es in dieser Ausstellung auch nicht ausprobieren), schön oder zumindest kurios sind sie alle. Ob man nun den „Schuhsessel“ dafür heranzieht, oder die später modern gewordenen Plastiksessel. Für die Bequemlichkeit lobe ich mir dann doch die Schaukelstühle oder die Liegen, von denen ebenfalls wunderbare Modelle vertreten und die verschiedenen Materialien, Epochen und Entwürfe gegenüber gestellt sind.

Sitzen im Schuh?
Sitzen im Schuh?


Doch zurück zu Thonet: Schließlich besitzt das MAK eine der bedeutendsten Thonet-Sammlungen der Welt mit einem weltweit führenden Bestand an Bugholz-Möbel. Außerdem wurden – wie man aus Aufzeichnungen des MAK erfahren kann – auch für das damalige k.k. Österreichische Museum für Kunst und Industrie wurden „Sitzgelegenheiten“ von Thonet angeschafft.

Auch an diese Ausführuingen kann ich mich noch erinnern ...
Auch an diese Ausführuingen kann ich mich noch erinnern ...


Mitte des 19. Jahrhunderts machte sich der deutsche Tischlermeister Michael Thonet von Boppard am Rhein nach Wien auf, wo er seine von ihm entwickelte Bugholztechnik perfektionierte und patentieren ließ. Damit gelang es ihnm das größte Möbelimperium de 19. Jahrhunderts zu begründen, vorallem durch den ab 1859 produzierten ikonischen Stuhl Nr. 14, der bis heute als Inbegriff eines Kaffeehausstuhls gesehen wird.

Gebrüder Thonet, Sessel Nr. 14, 1859, Foto © MAK, Georg Mayer
Gebrüder Thonet, Sessel Nr. 14, 1859, Foto © MAK, Georg Mayer


Die neuartige Technologie des Biegens von massiven Buchenholz machte damals erstmals die Produktion von Möbeln in industriellen Dimensionen möglich und wer in die Kiste am Eingang vor der Ausstellung blickt, wird wahrscheinlich schnell an Ikea erinnert werden: Hier liegen die Sessel zerlegt und wohl verpackt in der Kiste, in der sie günstig und schnell verschickt werden konnten, um dann am Bestimmungsort wieder zusammengesetzt zu werden. „Selbstbaumöbel“ sind also eigentlich keine Erfindung unserer Tage, sondern waren schon lange vorher bekannt.

Bugholz, vielschichtig. Thonet und das moderne Möbeldesign in MAK
Bugholz, vielschichtig. Thonet und das moderne Möbeldesign in MAK


In der Ausstellung kann man daher die gesamte Firmengeschichte von Thonet von der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis heute Revue passieren lassen: Die Entwicklungsschritte der Bugholz-Technologie, der Übergang vom Handwerk zur Serien- und schließlich zur Massenproduktion, die Ausweitung der Technologie auf Tische, Liegen und Garderoben, die Zusammenarbeit mit namhaften DesignerInnen und ArchitektInnen. Ab den 1930ern widmete sich Thonet auch der Produktion von Stahlrohrmöbel und wurde zum weltweit größten Produzenten dafür.

Sessel von Josef Hoffmann
Sessel von Josef Hoffmann


Die Möbel in der Schau sind jeweils zu zwei oder drei Objekten  und damit zu rund 100 Vergleichsgruppen zusammengestellt, womit ein fundierter Einblick in materialtechnologische Entwicklungen, typologische Parallelen und ikonografischen Affinitäten gelingt.

Ich glaube, diese Variante war bei meiner Oma zuhause
Ich glaube, die linke Variante war bei meiner Oma zu Hause


Bugholzmöbel treffen auf Stahlrohrmöbel und Plastiksessel, klassische Bürostühle und avantgardistische Möbelexperimente, aber auch vereinzelte Referenzbeispiele aus der Biedermeierzeit oder höfische Möbel. Verwandtschaften und Korrespondenzen sowie Kontraste und Divergenzen mit anderen Herstellern sind ebenso abzulesen wie Brücken und Zäsuren, die die Weiterentwicklung der Möbelherstellung vorantrieben.

Verschiedene Liegen
Verschiedene Liegen


Zur Ausstellung erscheint auch ein Katalog mit ca. 304 Seiten und zahlreichen Farbabbildungen, der im MAK Design Shop und unter MAKdesignshop.at um 49,95 Euro erhältlich ist.

Rahmenprogramm

Wer mehr über Thonet erfahren möchte, sollte sich einer der regelmäßigen Führungen anschließen, die jeweils an Sonntagen um 14:00 Uhr stattfinden und ca. eineinhalb Stunden dauern.

Führungen

Am Mittwoch, den 15.1.2020 um 15:00 Uhr gibt es in der Reihe „Mittwochs im MAK“ eine Führung mit einem anschließenden weiterführendem Gespräch im Restaurant Salonplafond im MAK.

Bugholz, vielschichtig. Thonet und das moderne Möbeldesign in MAK
Bugholz, vielschichtig. Thonet und das moderne Möbeldesign in MAK


Kuratorenführungen mit Sebastian Hackenschmidt finden am Donnerstag, den 19.3.2020 und am Donnerstag, den 9.4.2020, jeweils um 16:30 Uhr statt. Wolfgang Thillmann führt Sie am Samstag, den 7.3.2020 um 15:00 Uhr und am Dienstag, den 10.3.2020 um 18:00 Uhr durch die Ausstellung.

Auch Parkettböden wurden von Thonet gefertigt (Ausstellungsansicht MAK, © MAK, Georg Mayer)
Auch Parkettböden wurden von Thonet gefertigt (Ausstellungsansicht MAK, © MAK, Georg Mayer)


Am Freitag, den 21.2. und am Donnerstag, den 2.4.2020 gibt es eine Führung durch die Produktion der Firma TON in Bystřice (CZ), wo die berühmten Bugholz-Möbel seit 1861 hergestellt werden. Anmeldung und weitere Infos finden Sie unter MAK.at/thonet2019.

In der Ausstellung im MAK
In der Ausstellung im MAK


Mit den Thonetsessel wurde auch das sogenannte Wiener Geflecht berühmt. Darüber gibt es am Samstag, den 7.3. und am Sonntag, den 8.3.2020 eine Vorführung und eine Präsentation in der MAK Säulenhallte durch den Sesselflechter und Tischlermeister Gerhard Stöglehner. Er zeigt, wie ein Wiener Geflecht entsteht und gibt einen Einblick in die geschichtliche Entwicklung der Flechttechniken.

Sessel mit Wiener Geflecht
Sessel mit Wiener Geflecht

Kinder- und Familienprogramm

Am Samstag, den 18.1.2020 findet von 14:00 bis 15:00 Uhr eine Mini MAK Tour mit einer Führung für die ganze Familie statt.

Was hat vier Beine und zwei Arme? Diese Frage beantwortet ein Workshop für die ganze Familie im Rahmen von MAK4Family am Samstag, den 11.1. und 8.2.2020. Kinder können hier ab 4 Jahren dabei sein – eine Online-Anmeldung unter MAK.at/programm/kind_familie ist notwendig.

MAK Ausstellungsansicht 2019, Foto © MAK, Georg Mayer
MAK Ausstellungsansicht 2019, Foto © MAK, Georg Mayer


Während der Semesterferien findet dann noch der Workshop „Sesseltanz“ für Kinder von 6 bis 13 Jahren jeweils Dienstag bis Freitag (4.2.-7.2.2020) jeweils von 10:15 bis 12:30 Uhr statt, wo sich die Teilnehmer von den Klassikern in der Ausstellung inspirieren lassen und allerhand fürs Sitzen von morgen finden werden.

Das MAK ist Dienstag von 10:00 bis 22:00 Uhr, Mittwoch bis Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.

MAK Ausstellungsansicht
MAK Ausstellungsansicht


18.12.2019-13.4.2020 Bugholz, vielschichtig
Thonet und das moderne Möbeldesign
MAK Ausstellungshalle
1010 Wien, Stubenring 5
Tel: +43 1 711 36-0
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www.mak.at