Im Naturhistorischen Museum in Wien und in den Salzwelten in Hallstatt kann man sich jetzt mit Virtual Reality in das Salzbergwerk zur Hallstattzeit zurückversetzen lassen …

Faszinierend sind sie ja schon – die VR-Brillen. Ich hatte bereits vor geraumer Zeit auf den Klangbildern die Möglichkeit so ein Ding aufzusetzen und mich damit in die Vorstellung zu versetzen, die Wiener Philharmoniker zu dirigieren. Beeindruckend. So beeindruckend, dass ich fast vom Dirigentenpult gefallen wäre, obwohl ich in einem ebenen Zimmer stand.

Virtual Reality Station im NHM, © NHM Wien, Schumacher
Virtual Reality Station im NHM, © NHM Wien, Schumacher


Daher war es für mich klar, als die Einladung zur virtuellen und analogen Presseführung vom Naturhistorischen Museum kam: „Da muss ich hin“…

Und es war wieder mal beeindruckend, was mit der neuen Technik auf die Beine gestellt wurde. Ich bin mir sicher, so macht Geschichte auch dem uninteressiertesten Schüler Spaß – es ist echt gar nicht faaad. Kaum hat man die Brille auf, ist man auch schon mitten im Bergwerk. Da ich ein bisschen zur Klaustrophobie neige – vor allem wenn es durch enge, dunkle Gänge in Bergwerken geht – war ich gespannt und gleichzeitig überrascht: Im virtuellen Salzbergwerk erwarteten mich hohe weite Räume, neben mir arbeiteten neben den Männern auch Frauen und Kinder, man konnte sich ihre Werkzeuge und auch ihr Gewand genau anschauen. Mit einem Druck auf das Handpanel erkennt man, wo man weitergehen kann und sich ein neuer Gang öffnet oder wo einem eine Felswand wirklich den Weg versperrt. Genial.

VI: Bergmann beim Wechseln des Pickelstiels © Slamar, Prenner, NHM Wien, Brandner, Reschreiter
VI: Bergmann beim Wechseln des Pickelstiels © Slamar, Prenner, NHM Wien, Brandner, Reschreiter


Außerdem werden auch noch unterschiedliche Informationen eingeblendet, die ich einerseits zwar sehr gut finde, die aber andererseits natürlich das Erlebnis, mitten im Geschehen von vor zigtausenden Jahren zu sein, ein wenig stören.

VI: Der große Zentralschlacht im bronzezeitlichen Bergwerk © Slamar, Prenner NHM Wien, Brandner, Reschreiter
VI: Der große Zentralschlacht im bronzezeitlichen Bergwerk © Slamar, Prenner NHM Wien, Brandner, Reschreiter


Auf jeden Fall machte auch schon der kurze Einstieg (schließlich wollten ja auch meine KollegInnen in die virtuelle Welt eintauchen) ganz schnell Lust, mehr über die Salzbergwerke zu erfahren. Immerhin hat sich rund um Hallstatt durch 7.000 Jahre Salzgewinnung die älteste Kultur- und Industrielandschaft der Welt entwickelt, in der noch immer produziert wird. Seit der Steinzeit wird hier Salz abgebaut und doch war es bis dato schwierig den Besuchern diese einmalige Geschichte näher zu bringen.

Funde aus Hallstatt im Hallstattsaal des NHM (Foto © Dagmar Postel)
Funde aus Hallstatt im Hallstattsaal des NHM (Foto © Dagmar Postel)


Dabei sind diese Bergwerke einmalig: es die ältesten bisher bekannten prähistorischen Abbaukammern und gleichzeitig die größten, die weltweit gefunden wurden.  Horizontale Hallen aus der Hallstattzeit um 700 v. Christus, die man bereits erschlossen hat, waren so hoch wie ein achtstöckiges Haus, 300 Meter lang und zum Teil über 30 Meter breit. Doch auch die Kammern der Bronzezeit um 1.100 v.Chr. waren riesig: aktuell erforscht man einen Abbauraum in 100 Meter Tiefe, der über 50 Meter lang, über 25 Meter breit und bis zu 10 Meter hoch war. Kein Grund also für mich Platzangst zu bekommen.

Salzbrocken im Hallstattsaal des NHM (Foto © Dagmar Postel)
Salzbrocken im Hallstattsaal des NHM (Foto © Dagmar Postel)


Leider ist von diesen Hallen nichts mehr übrig, da im Salzstock keine Hohlräume erhalten geblieben sind. Sie wurden entweder verschüttet oder der Bergdruck hat alle Abbauräume wieder geschlossen. Heute führen nur die kleinen, frei gelegten Forschungsstollen in den Berg – also gilt für mich: doch besser das Ganze in Virtual Reality erleben.

Schmuck aus der Hallstattzeit im NHM (Foto © Dagmar Postel)
Schmuck aus der Hallstattzeit im NHM (Foto © Dagmar Postel)


Hallstatt gehörte durch den Salzabbau um 800 v. Chr. zu den reichsten Gemeinschaften in Mitteleuropa, was auch die Gräberbeigaben der Bergleute belegen: Bernstein, Elfenbein und Wein aus dem Süden finden sich für die Reise ins Jenseits bei den Verstorbenen.

Ein Weinkübel aus der Hallstattzeit im NHM (Foto © Dagmar Postel)
Ein Weinkübel aus der Hallstattzeit im NHM (Foto © Dagmar Postel)


In Hallstatt wird in den letzten Jahrzehnten intensiv geforscht, immerhin wurde von hier aus in der Zeit von 1500 v.Chr. bis 200 n.Chr. in riesigen untertägigen Abbaukammern Salz gebrauchen und damit halb Europa versorgt. Werkzeuge und Geräte gingen bei der Arbeit zu Bruch, wurden nicht mehr benötigt oder zurückgelassen und wurden durch die besonderen Bedingungen im Salzbergewerk perfekt konserviert: Tausende Geräte und Gegenstände aus organischen Materialien warten hier auf ihre Entdeckung und erlauben einmalige Einblicke in das prähistorische Leben und die Arbeit damals.

Im Hallstattsaal des NHM (Foto © Dagmar Postel)
Im Hallstattsaal des NHM (Foto © Dagmar Postel)


Mit der VR-Brille werden aber die Funde, die beim reinen Betrachten oft nur unscheinbare braune oder graue Fell-, Leder-, Textil- und Holzobjekte sind, wieder lebendig: ob man irgendwann mal auch selbst mit dem ältesten Rucksack Europas über die älteste bekannte Holzstiege steigen wird können und selbst mit dem ältesten Handschuh beim Salzabbau mitmachen kann?  Wahrscheinlich ist das noch Zukunftsmusik, aber dann gibt es wahrscheinlich auch für die Gaming-Generation kein Halten mehr…..

Bei der Pressekonferenz im NHM (Foto © Dagmar Postel)
Bei der Pressekonferenz im NHM (Foto © Dagmar Postel)

Das Projekt für Forscher

Wer sich allerdings für die Forschung interessiert, der kann sich bald schon in den unterschiedlichsten Forschungsstellen mit Hilfe der VR-Brille umsehen. So wird neben der rein optischen Präsentation der prähistorischen Bergwerke auch gezeigt, aus welcher Vielzahl an Einzel- und Archivdaten die Einblicke in den prähistorischen Bergbau aufgebaut sind und woher die einzelnen Informationen stammen. So will man zukünftig visualisieren wie an den Bergwerksfunden geforscht wird und welche Analysen in welchen Laboren mit welchen Techniken gemacht werden.

Bei der Pressekonferenz im NHM (Foto © Dagmar Postel)
Bei der Pressekonferenz im NHM (Foto © Dagmar Postel)


Man könnte zum Beispiel im Bergwerk in Hallstatt starten, sich dann ins Dendrochronologielabor teleportieren lassen und herausfinden, dass hier die relevanten Untersuchungen zur Datierung der Funde gemacht werden. Dann könnte man mittels VR wieder zurück ins Bergwerk und im nächsten Schritt das Labor für Farbstoffanalytik in Holland oder für Mikromorphologie in der Schweiz besuchen. Klingt doch ziemlich interessant, oder? – Ich hoffe, ich werde wieder eingeladen, wenn es soweit ist….

Wie und wo kann man nun in die virtuelle Bergwerkswelt eintauchen?

Hallstatt

Im Schaubergwerk in Hallstatt wurde für BesucherInnen ein Virtual Reality Raum eingerichtet, wo man ab sofort mittels der VR-Brillen in die Welt der Bergleute um 1.100 v.Chr. eintauchen kann. Dabei werden in den nächsten Jahren auch laufend neue Erkenntnisse zu den Geräten und Werkzeugen, die vor über 3.000 Jahren zum Einsatz kamen, hinzugefügt. Allerdings habe ich auf der Website der Salzwelten (www.salzwelten.at) noch keine Möglichkeit zum Buchen gefunden.

Hallstatt mit Salzbergtal (Foto © Brandner)
Hallstatt mit Salzbergtal (Foto © Brandner)


Die Info, dass dies im Rahmen eines neuen Produkts „Salzwelten Exclusiv“ zu buchen sein wird, und dass die Details und die Preise auf Anfrage genannt werden, lässt mich befürchten, dass dies nicht ganz billig sein wird. Aber immerhin erhält ja auch das wissenschaftliche Team 10 Cent pro Eintrittskarte von den Salzwelten für ihre Forschung überwiesen.

Führungen im Naturhistorischen Museum Wien

Dann vielleicht lieber nach Wien und ab ins Naturhistorische Museum. Hier kann man im Rahmen einer Sonderführung nicht nur den Hallstattsaal des Museums besuchen, sondern auch das Depot mit seinen über 3.000 Jahre alten Originalfunden aus dem Bergwerk besichtigen und auch selbst Hand anlegen: während der Führung können die Funktionen der Fundstücke mittels Rekonstruktionen selbst getestet werden! Zum Abschluss taucht man dann noch mit Hilfe der VR-Brille in die Abbauräume der Bronzezeit ein und kann so das Leben und das Arbeiten im Salz vor 3.000 Jahren fast hautnah erleben.

Das Mammut begrüßt die BesucherInnen im NHM (Foto © Dagmar Postel)
Das Mammut begrüßt die BesucherInnen im NHM (Foto © Dagmar Postel)


Aber Achtung: Im Moment sind nur wenige Termine bekannt und die Teilnehmerzahl ist limitiert! Die Führungen finden am Mittwoch, den 18.9.2019 um 17:00 Uhr, am Sonntag, den 6.10.2019 um 11:00 Uhr und am Mittwoch, den 16.10.2019 um 17:00 Uhr statt. Es können nur jeweils 10 Personen an den Führungen, die ca. eineinhalb Stunden dauern werden, teilnehmen.

Im Naturhistorischen Museum in Wien (Foto © Dagmar Postel)
Im Naturhistorischen Museum in Wien (Foto © Dagmar Postel)


Die Tickets dafür sind um 24 Euro im Vorverkauf an der Kasse erhältlich. Reservierungen sind unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! möglich.

Naturhistorisches Museum Wien
1010 Wien, Burgring 7 – Besuchereingang: Maria-Theresien-Platz
Tel: +43 1 521 77-0
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.nhm-wien.ac.at