Mit der kleinen, aber feinen Kabinettausstellung vom 10.7.-20.10.2019 gibt das KHM den Startschuss zum großen van Eyck Jahr 2020 in Gent.

„Als ich can“ ist der Titel der Ausstellung, der bereits die Besonderheit von Jan van Eyck ausdrücken soll. Immerhin war Jan van Eyck der erste Künstler nördlich der Alpen, der seine Werke signierte und datierte und sogar ein eigenes Motto für seine Arbeiten hatte. Dies war zur damaligen Zeit für einen Maler, dessen Tätigkeit als Handwerk galt, überhaupt nicht üblich. Im Gegenteil, es war ein Privileg der burgundischen Herzöge und des Adels. Jan Van Eyck wählte für seine Devise auch noch pseudo-griechische Buchstaben AΛΣ ΙΧΗ ΧΑΝ – „so gut ich kann (aber nicht so gut, wie ich möchte) – ein Understatement des Künstlers.

Philipp der Gute begrüßt die Besucher der Ausstellung
Philipp der Gute begrüßt die Besucher der Ausstellung

Jan van Eyck war der bevorzugte Hofmaler von Herzog Philipp des Guten von Burgund und wurde bereits zu Lebzeiten als bahnbrechender Künstler gefeiert. Manche feiern Jan van Eyck als Begründer der Ölmalerei und der niederländischen Malerei.

Blick in die Ausstellung (Foto © KHM Museumsverband)
Blick in die Ausstellung (Foto © KHM Museumsverband)

Nur rund 20 Gemälde von Jan van Eyck (um 1390 – 1441) sind bis heute erhalten. Drei davon kann man nun in der Kabinettausstellung im Kunsthistorischen Museum in Wien sehen und mit anderen Werken einen Einblick in die Kunst zur Zeit von Philipp des Guten  und die Burgundischen Niederlande im 15. Jahrhundert in der Blütezeit der höfischen und städtischen Kultur erleben.
Gleich beim Eintritt „begrüßt“ den Besucher ein Porträt des Herzogs Philipp des Guten von Burgund, eine Kopie nach Rogier van der Weyden, auf dem der Herzog mit dem Goldenen Vlies zu sehen ist, dessen Bund er gegründet hat.

Jan van Eyck: Die Madonna am Brunnen
Jan van Eyck: Die Madonna am Brunnen

Gleich danach fällt aber schon der Blick auf ein kleines Bild in der Mitte des Raumes: Die Madonna am Brunnen. Dieses Gemälde von Jan van Eyck entstand 1439, zwei Jahre vor dem Tod des Meisters. Es ist eine Leihgabe des Königlichen Museums für Schöne Künste Antwerpen und war der Anlass zu dieser Ausstellung. Die beiden Tafelbilder Jan van Eycks sowie Hauptwerke der Altniederländer-Sammlung der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums komplettieren die Schau, wie auch die Kasel (das Messgewand) des Ordens vom Goldenen Vlies.

Die Tafelbilder
Die Tafelbilder

Doch noch einmal zurück zur Madonna am Brunnen. Dieses Bild zeichnet sich durch die hohe technische Brillanz der perfektionierten Ölmalerei und das Raffinement der Feinmalerei aus. Bemerkenswert ist auch der Rahmen, auf dem noch Teile des Mottos von Jan van Eyck erhalten sind.

Jan van Eyck - Der Goldschmied Jan de Leeuw (Foto © KHM Museumsverband)
Jan van Eyck - Der Goldschmied Jan de Leeuw (Foto © KHM Museumsverband)

Auch beim Bild des Goldschmieds Jan de Leeuw, das Jan van Eyck malte sollte man nicht nur die Darstellung, sondern auch den Rahmen begutachten. Auf dem Originalrahmen befinden sich (übersetzt) folgende Inschriften:
Oben: Jan de (ein Löwe) am Sankt Ursula Tag
Rechts: Der die Welt erblickte. 1401. (Dies entspricht dem 21. Oktober 1401)
Unten: Gekonterfeit hat mich jetzt Jan
Links: Van Eyck es scheint dass er begann. 1436.

Kasel des Messornats des Ordens vom Goldenen Vlies, Rückseite (Foto © KHM Museumsverband)
Kasel des Messornats des Ordens vom Goldenen Vlies, Rückseite (Foto © KHM Museumsverband)

Ein weiteres Highlight der Ausstellung ist das bereits erwähnte Messgewand des Ordens vom Goldenen Vlies. Der priesterliche Umhang aus der Kaiserlichen Schatzkammer zeigt die exquisite Textilkunst, für die der burgundische Hof mit all seiner Pracht bekannt war. Wer die feine Lasurstickerei mit den Gold- und Seidenfäden genauer betrachten will, kann dies auf einem Bildschirm beim Eingang tun.  Aufwand und Materialwert dieses liturgischen Gewandes überstiegen damals bei weiten die Kosten eines Gemäldes.

Blick in die Ausstellung Jan van Eyck (Foto © KHM Museumsverband)
Blick in die Ausstellung Jan van Eyck (Foto © KHM Museumsverband)

Sehenswert ist auch das kleine Buchaltärchen von Philipp dem Guten, das zur privaten Andacht diente und das im Original in der Österreichischen Nationalbibliothek beheimatet ist.

Bildnis eines Gelehrten, ehemals als Kardinal Albergati bezeichnet (Foto © KHM Museumsverband)
Bildnis eines Gelehrten, ehemals als Kardinal Albergati bezeichnet (Foto © KHM Museumsverband)

Wer sich noch mehr für Jan van Eyck interessiert, dem sei die Website http://closertovaneyck.kikirpa.be/ ans Herz gelegt und auch darauf verwiesen, dass das Museum of Fine Arts in Ghent vom 1.2.-30.4.2020 eine große Ausstellung zu Ehren des Künstlers vorbereitet. Unter dem Motto „Omg! Van Eyck was here“ steht Ghent nächstes Jahr ganz im Gedenken des großen Meisters. Mehr über das komplette Programm finden Sie unter http://vaneyckwashere.be

Kasel des Messornats des Ordens vom Goldenen Vlies, Vorderseite (Foto © KHM Museumsverband)
Kasel des Messornats des Ordens vom Goldenen Vlies, Vorderseite (Foto © KHM Museumsverband)

Interessant ist auch das Rahmenprogramm zur Ausstellung in Wien

5.9.2019 – 18:00 Uhr – Im Vortragsraum im 2.Stock im KHM
Als Ich Can – Jan van Eyck Selbstdarstellungen
Prof. Karin Gludovatz (Freie Universität Berlin)
Teilnahme frei, keine Anmeldung erforderlich

Mittagskurzführungen:
Vom 2.7. bis 27.8.2019 finden jeweils an Dienstagen und Donnerstagen Mittagskurzführungen statt. Beginn ist jeweils um 12:30 Uhr, Dauer: ca. 30 Minuten
Treffpunkt ist immer im Eingangsbereich des jeweiligen Museums.
Die Themen und die genauen Termine erfahren Sie hier: https://www.khm.at/nocache/besuchen/kalender/?f_exhibition=12301&search_start_tstamp=1562882400&search_end_tstamp=1571522400&f_event_type=7

Zur Ausstellung ist auch ein wunderschöner Katalog in Deutsch und Englisch erschienen.
Das Kunsthistorische Museum ist von Juni bis August und während der Ausstellung „Caravaggio & Bernini“ von 15.10.2019 bis 19.1.2020 täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Jeden Donnerstag kann das Museum bis 21:00 Uhr besucht werden.
Online-Tickets können unter folgenden Link gebucht werden: https://shop.khm.at/de/tickets/

Bei den Touch-Pads kann man noch mehr über Jan van Eyck und seine Werke erfahren
Bei den Touch-Pads kann man noch mehr über Jan van Eyck und seine Werke erfahren

10.7.-20.10.2019 Als Ich Can - Jan van Eyck
Kunsthistorisches Museum Wien

1010 Wien, Maria Theresien-Platz
Tel: +43 1 525 24-0
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www.khm.at