Die Albertina zeigt vom 28.6.-22.9.2019 den Umbruch und die Neuorientierung in der Buchgestaltung in Österreich von 1840 -1940.

Mit dieser Ausstellung begeht die Albertina ein Jubiläum: liegt doch die Gründung der eigenen Fotosammlung genau zwanzig Jahre zurück. Damals wurde der Grundstock mit der Übernahme der historischen Sammlungen der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt als Dauerleihgabe gelegt. Seither kann man nicht nur auf mehr als 30 Fotoausstellungen zurückblicken, sondern auch auf eine beeindruckende Zahl an erworbenen Fotografien, deren Zahl bei etwa 115.000 liegt.

Martin Gerlach, Mikroskopische Aufnahmen - Aus: Formenwelt aus dem Naturreiche (Albertina Wien, Dauerleihgabe der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien, Hugo Hinterberger)
Martin Gerlach, Mikroskopische Aufnahmen - Aus: Formenwelt aus dem Naturreiche (Albertina Wien, Dauerleihgabe der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien, Hugo Hinterberger)

Die Sammlung beinhaltet aber auch eine 30.000 Bände umfassende Fachbibliothek, die in den letzten Jahren mit Hilfe des Photoinstituts Bonartes aufgearbeitet wurde und nun über den digitalen österreichischen Bibliothekskatalog aufrufbar und im Studiensaal der Albertina öffentlich zugänglich ist.
Darin sind nicht nur seltene Schriften zu allen Teilbereichen der nach einer kurzen experimentellen Phase zum führenden Bildmedium aufgestiegenen Technik enthalten, sondern auch ein umfassender Bestand von mit Lichtbildern illustrierten Büchern: vom Prachtband bis zur Firmenbroschüre,  von wissenschaftlichen Werken über Reiseberichte bis zu künstlerisch gestalteten Fotobüchern.

Umschlag von C.Angerer & Göschl Wien (Fotograf: Angerer & Göschl)
Umschlag von C.Angerer & Göschl Wien (Fotograf: Angerer & Göschl)

Beispiele daraus werden in dieser Ausstellung nun erstmals vorgestellt und es wird gezeigt, wie sich diese Kultur durch den Einsatz des technischen Bildmediums seit Mitte des 19. Jahrhunderts wandelte. Anfangs von einigen Pionieren mit erheblichen Schwierigkeiten in Angriff genommen, sorgte die Entwicklung des fotografisch illustrierten Buches für eine beschleunigte Aufklärung seiner Rezipienten und wurde mit der Einführung innovativer Drucktechniken zum entscheidenden Wendepunkt zur modernen Informationsgesellschaft.
In der Ausstellung zu sehen sind rund 300 Exponate aus den Jahren 1840 bis 1940, die eine außergewöhnliche Übersicht innovativer Leistung zeigen: Prachtbände und Werbebroschüren, Reiseberichte und wissenschaftliche Atlanten, Künstlerentwürfe und Industriedokumentationen sind zu sehen, ebenso wie ein breites Spektrum früher Fotobände, die hier erstmals eine faszinierende Kombination aus überzeugender Fotografie, raffinierter Buchgestaltung und handwerklicher Perfektion zeigen.

Bucheinband zu Alexander Niklitschek Ratschläge für Amateurfotografen, 1934, Albertina Wien Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Bundes Lehr- und Versuchsanstalt
Bucheinband zu Alexander Niklitschek Ratschläge für Amateurfotografen, 1934, © Albertina Wien, Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Bundes Lehr- und Versuchsanstalt

Bereits beim Aufkommen der Fotografie 1839 waren sich Kommentatoren der Bedeutung der Verbindung von Buch und Fotografie als zukünftiges Medium bewusst. Man schrieb der Erfindung der Fotografie auch eine ähnliche Bedeutung zu wie der Erfindung des Buchdrucks und das alles zu einer Zeit, in der die massenweise Vervielfältigung der Lichtbilder noch in weiter Ferne lag. Zu Beginn musste man sich allerdings mit Abbildungen nach Fotografien behelfen, also mit Lithografien oder Holzstichen.
1857 erschienen erste Bücher mit eingeklebten Fotografien zur Illustration der Texte. Die ersten Auftraggeber dieser Werke kamen vor allem aus der Wissenschaft und der Industrie, auch gab es privat produzierte Bände als luxuriöse Erinnerungsstücke.

Bucheinband zu Roger Ginsburger Frankreich. Die Entwicklung der neuen Ideen nach Konstruktion und Form. 1930. Coverentwurf el Lissitzky, Privatbesitz
Bucheinband zu Roger Ginsburger Frankreich. Die Entwicklung der neuen Ideen nach Konstruktion und Form. 1930. Coverentwurf el Lissitzky, Privatbesitz

Man entwickelte und experimentierte in den folgenden Jahren viel,  um das Bild in das Buch zu bringen: Edeldruckverfahren, die eine hochwertige Bildreproduktion ermöglichten, erlaubten umfassende Bildatlanten mit detaillierten fotografischen Abbildungen zu produzieren und erlaubten auf diese Weise authentisches Vergleichsmaterial für die Forschung zu schaffen.
Die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt unter ihrem Direktor Josef Maria Eder  war der Mittelpunkt der Professionalisierung des Fotodrucks in Österreich und ihr ist auch der Schwerpunkt der Ausstellung gewidmet. Rasch wurden fotografische Bilder in die raffiniert gestalteten Bücher des Wiener Jugendstils einbezogen.
1914 gestaltete Josef Hoffmann den Österreichpavillon für die Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik in Leipzig und unterstrich damit die Bedeutung des Buchgewerbes in der Monarchie. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs, der auch diese Ausstellung vorzeitig beendete, brachte ein neues Genre illustrierter Bände hervor, markierte aber auch das Ende der Prachtbände.

Stefan Kruckenhauser In großen Linien zeichnet der Schnee, Aus: Du schöner Winter in Tirol. 1937, © Albertina Wien
Stefan Kruckenhauser In großen Linien zeichnet der Schnee, Aus: Du schöner Winter in Tirol. 1937, © Albertina Wien

In der Zwischenkriegszeit erlaubte die weiterentwickelte Technik erstmals die Produktion kostengünstiger Bildbände. Nun wurden auch farbige Schutzumschläge mit fotografischen Motiven gestaltet – eine neue Ära des Buchmarktes entstand. Außerdem gewann das avantgardistisch gestaltete Fotobuch an Qualität und Bedeutung: Lichtbilder wurden bewusst aneinander gereiht oder gegenübergestellt, wie etwa im Jubiläumsband der Wiener Werkstätten 1929 oder in Stefan Kruckenhausers Du schöner Winter in Tirol 1937.

Zur Ausstellung ist auch ein Katalog bei Schlebrügge erschienen, der im Shop der Albertina erhältlich ist.
Die Albertina ist täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, am Mittwoch und Freitag bis 21:00 Uhr.

Am Mittwoch, den 3.7.2019 und am 28.8.2019, jeweils um 17:30 Uhr, finden Kuratorinnenführungen mit Monika Faber/Hanna Schneck statt. Tickets sind am Tag der Führung an der Kassa erhältlich, Führungsbeitrag 4 Euro. Begrenzte Teilnehmerzahl, keine Anmeldung möglich, first come, first served.

28.6.-22.9.2019 Foto.Buch.Kunst.
Albertina, Tietze Galleries
1010 Wien, Albertinaplatz 1
Tel: +43 1 534 83 0
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www.albertina.at