Ende April war es wieder soweit: Das Museum Niederösterreich eröffnete im Haus der Geschichte die neue Sonderausstellung, die bis 19.1.2020 zu sehen ist.

St. Pölten ist nicht so weit von Wien entfernt, wie es manchmal scheint und so mache ich mich gerne hin und wieder auf, um das Museum Niederösterreich zu besuchen.

Die Graffitti-Wand an der Teenager erzählen (Foto © Daniel Hinterramskogler)
Die Graffitti-Wand an der Teenager erzählen (Foto © Daniel Hinterramskogler)

Am 26.4.2019 war es wieder soweit und ich war besonders gespannt: Meine Jugend – Deine Jugend – eine Generation schreibt Geschichte ist der Name der neuen Sonderausstellung und ich gestehe, als Generation 1959, dass ich mir mittlerweile gerne in Ausstellungen gehe, die mich an meine Jugend erinnern. War doch die Studentenzeit (Publizistik –wie so viele –nicht abgeschlossen), für mich etwas ganz Besonderes: Damals war die Uni noch keine reine Ausbildungsstätte für die Berufslaufbahn. Man konnte noch in andere Fächer schnuppern, ohne gleich vom Campus verwiesen zu werden, es gab keine Studiengebühren und wenn man so wie ich, das Studium nicht abschloss, hatte man doch einiges für sein Leben gelernt. Neue Ansichten kennen und vielleicht auch schätzen gelernt, gemerkt wie man durch einen Paragrafen-Dschungel doch zum Ziel kommt und auch viel Freiheit genossen. Eine schöne Zeit.

In meiner Jugend war eine Menge los. Und in Eurer?
In meiner Jugend war eine Menge los. Und in Eurer?

Es war die Zeit der Gründung der Grünen, der Friedensbewegung, die Hainburger Au, des Aus für Zwentendorf und vielem mehr. Das Beatles Revival war gerade wieder zu Ende gegangen und ich kann mich noch erinnern, dass bei den ÖH-Wahlen (damals leider auch schon mit geringer Wählerbeteiligung) die Rebellen von Jang Shang Po oder so ähnlich kandidierten, die versprachen ein gewonnenes Mandat im Fall der Fälle an den meistbietenden zu versteigern. Aber jetzt genug davon und zurück zur Ausstellung.

Einst und jetzt ...
Einst und jetzt ...

Diese wurde gemeinsam mit über 100 Jugendlichen und dem Kurator Christian Rapp gestaltet, der sich, wie ich, über die gebetsmühlenartigen Befunde, „dass die heutige Jugend ja so entsetzlich ist“ anscheinend auch ärgert. „Jugend hat ihre eigenen Traditionen, ihre eigene Regeln und ihre eigene Form, sich mit der Gesellschaft auseinanderzusetzen und diese zu verändern.“ Und beschäftigt sich die Ausstellung auch mit der Suche nach Konstanten und Veränderungen, aber auch die Klischees, die manche Erwachsenen von der heutigen Jugend haben werden hinterfragt.

An der Selfie-Wand kann man die verschiedenen Trends
An der Selfie-Wand kann man die verschiedenen Trends "ausprobieren"

Und so weisen dem Besucher gleich zu Beginn die wunderbaren Gaffiti-Wände den Weg in die Ausstellungsräume. Dort wird man gleich von einer weiteren riesigen Wand (für Selfies sehr geeignet!) auf die unterschiedlichen Moden der Vergangenheit und Gegenwart eingestimmt. Mods sind hier ebenso vertreten, wie Hippies, Schlurfs wie Millennials.  Wer möchte kann auch in die bereit gestellten Kleider hüpfen und sich so richtig in die jeweilige Mode einfühlen.

Bei dieser Ausstellung kann man mitmachen ...
Bei dieser Ausstellung kann man mitmachen ...

Auf der anderen Wand gibt es farbige Buttons und Pickerl, die den Besucher durch ihre Farbe einer bestimmten Generation zuordnen. Mit ihnen kann man sich dann weiter auf Entdeckungsreisen gehen und auch seinen „Senf“ zu den verschiedenen Themen in Form seines Pickerls dazu geben – eine „Mitmachausstellung“! Es wird sicher interessant sein, am Ende ihrer Laufzeit noch einmal hinein zu schnuppern, um zu sehen, wer sich wo geoutet hat.

Der Sexkoffer sorgte bei seiner Einführung für einen Skandal
Der Sexkoffer sorgte bei seiner Einführung für einen Skandal

Ich entdecke eine CD mit Musik aus Hair und schwupp schon habe ich die Kopfhörer auf und muss mich zurückhalten nicht laut bei „Aquarius“ mit zu grölen. Ein Stückchen weiter wird der Themenbereich „Erste Liebe, Herzschmerz und der erste Sex“ mit dem Sexkoffer thematisiert, der zu der Zeit seiner Einführung im Unterricht einen riesigen Aufruhr verursacht hatte – das war allerdings schon nach meiner Schulkarriere. Ich krame in meinem Gedächtnis und versuche mich an Aufklärungsgespräche während meines Unterrichts zu erinnern und scheitere…

When the moon is in the 7th house ... (Foto © Museum Niederösterreich)
When the moon is in the 7th house ... (Foto © Museum Niederösterreich)

Ein anderes Thema widmet sich auch mit Jugendsprache und erklärt unter anderem mit dem Ausstellungsstück eines Handbrunnens das Wort pumpen. War damit zur Zeit meiner Mutter noch gemeint, das Wasser aus dem Brunnenschacht hoch zu pumpen, pumpt man heute seine Muskeln im Fitnessstudio auf Vordermann.

Das waren Zeiten: Bravo oder Rennbahnexpress
Das waren Zeiten: Bravo oder Rennbahnexpress

Dann geht es weiter zum ersten Urlaub ohne Eltern, zum politischen und sozialen Engagement, zur Religiosität und Spiritualität, auch zu Erwartungen, Normen und Werten.  Natürlich ist auch Dr. Sommer und damit Bravo, aber auch der Rennbahnexpress mit dabei.

Tja, auch die Benimmregeln für jungen Damen haben sich geändert (Gott sei Dank)
Tja, auch die Benimmregeln für jungen Damen haben sich geändert (Gott sei Dank)

Zu guter Letzt finde ich noch den „Hund“ der Erste Bank in einer Vitrine. Jener Hund mit seinen langen Ohren, der schließlich dafür verantwortlich war, dass die Erste bis heute meine „Sparkasse“ ist – ja, für gute Werbung war ich schon immer anfällig und das Hündchen kam mir einfach moderner und netter vor als die Sumsi der Raiffeisen Bank.

Ein Hund als Sparbüchse - Gimmick der Ersten Österreichischen Sparkasse
Ein Hund als Sparbüchse - Gimmick der Ersten Österreichischen Sparkasse

Es ist eine Ausstellung für die ganze Familie – die an längst vergangene Zeiten erinnert, ohne die einen zu verklären und andere zu verdammen. Sie zeigt die Unterschiede zwischen den Generationen und der Zeit, in der sie aufgewachsen sind, aber auch die Gemeinsamkeiten auf.

Die Generation Handy testet das Wahlscheibentelefon (Foto © Museum Niederösterreich)
Die Generation Handy testet das Wahlscheibentelefon (Foto © Museum Niederösterreich)

Eine Ausstellung, die man sich gerne anschaut und für die ich mir gerne eine viel größere Ausstellungsfläche gewünscht hätte – Sie werden sehen, wenn Sie sich die Exponate ansehen und durchgehen und in den Erinnerungen kramen, da fehlt noch einiges – und ich bin sicher, auch die Jüngeren hätten noch viel beizusteuern ….

Die Sonderausstellung ist von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen jeweils von 9:00 bis 17:00 Uhr geöffnet.

Es hat sich einiges geändert ...
Es hat sich doch einiges geändert ...

26.4.2019 – 19.1.2020 Meine Jugend – Deine Jugend: Eine Generation schreibt Geschichte
3100 St. Pölten, Kulturbezirk 5
Tel: +43 2742 90 80 90
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.museumnoe.at

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